mini|Knochenkohle auf der Schautafel „Die Verwertung des Knochens“ Als Tierkohle, , wird Aktivkohle bezeichnet, die aus verkohltem Rindsleder (Lederkohle) oder tierischem Blut (Blutkohle), Fleisch (Fleischkohle) oder aus Tierknochen (Knochenkohle) hergestellt wird.Deutsche Zeitschrift für Homöopathie. Bände 3–4. Homöopathischer Central-Verlag, 1924, S. 181.Ch. Lucae, M. Wischner (Hrsg.): Samuel Hahnemann: Gesamte Arzneimittellehre. Band 1: A–C. Haug, 2007, ISBN 978-3-8304-7252-0, S. 506 f.

Zur Herstellung von Knochenkohle (früher auch als Beinkohle bezeichnet) werden grob gemahlene und entfettete Knochen bei rund 700 °C unter Luftabschluss geglüht. Die organischen Substanzen der Knochen werden dabei zerstört. Dabei entstehen Ammoniak, Knochenteer, verschiedene Gase und Knochenkohle.

Nutzung Knochenkohle wird wie andere Aktivkohle eingesetzt. Es gibt Beispiele sowohl für aktuelle als auch für historische Nutzung:

Entfärbung Für die Entfärbung von Zucker werden sehr große Mengen an Kohle für die Filter benötigt, bei manchen Firmen kommt hier Tierkohle zum Einsatz (ein von Louis Constant 1812 patentiertes Verfahren). . Laut Selbstauskunft wird bei den deutschen Zuckerherstellern keine Tierkohle verwendet.Ist Zucker vegan? Hersteller-Anfrage auf vegpool.de.

Filtration Zur Filterung von Aquarienbecken und bei der Raffinierung von Erdöl wird ebenfalls teilweise Tierkohle verwendet.

Medizinische Anwendung Medizinische Kohle wurde aus Knochenkohle hergestellt, indem man die mineralischen Anteile mit Salzsäure größtenteils herauslöste. Bei der heutigen medizinischen Kohle handelt es sich meist um eine aus Pflanzenmaterial, wie zum Beispiel Holz, hergestellte Aktivkohle. Siehe auch Holzkohle.

Pigmente Wird ein Gemisch von Knochenkohle und Zucker (oder Sirup) mit konzentrierter Schwefelsäure erwärmt, so entsteht Knochen- oder Beinschwarz (Kölner Schwarz). Aus diesem wurden früher (etwa bis zum beginnenden 20. Jahrhundert) die schwarze Schuhwichse, der Vorgänger der heutigen Schuhcreme, in Dosen (Hartwachscreme) und Farben für die Malerei hergestellt. Im Colour Index steht das Pigment unter C. I. Pigment Black 9.

Der Farbname Elfenbeinschwarz oder Beinschwarz bezeichnet ein schwarzes Pigment, das ursprünglich aus unter Luftabschluss geglühtem Elfenbein gewonnen wurde. In: Adolf Beythien, Ernst Dressler (Hrsg.): Merck’s Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe. 7. Auflage. Gloeckner, Leipzig 1920. (Nachdruck: Manuscriptum, Recklinghausen 1996. ISBN 3-933497-13-2).Elfenbeinschwarz auf materialarchiv.ch, abgerufen am 15. November 2017.

Chemische Reaktionstechnik Durch seinen hohen Phosphatanteil diente Knochenkohle ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Rohstoff der Düngemittelherstellung. So erfolgte die Herstellung von Superphosphaten, einem Mineraldünger, durch Aufschluss von Calciumphosphat aus Knochenkohle mit Schwefelsäure.Adolph Rose: Ueber künstliche Düngemittel, insbesondere phosphorreiche. In: Der chemische Ackersmann. Band 4, Adolph Stöckhardt (Hrsg.), Verlag Georg Wigand, Leipzig 1858, S. 222–234.

Raumfahrttechnik Der Hitzeschild der Raumsonde Solar-Orbiter enthält aus Tierkohle gefertigte Komponenten, um Temperaturen von 500 °C standhalten zu können.

Siehe auch Dippels Tieröl

Weblinks

Einzelnachweise

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