Chemnitz Hauptbahnhof ist der größte Bahnhof der sächsischen Stadt Chemnitz.
Eröffnet wurde die erste Chemnitzer Bahnstation 1852, danach entwickelte sich der Bahnhof recht bald zu einem wichtigen überregionalen Bahnknotenpunkt. Neben dem Personenverkehr war der Bahnhof auch im Güterverkehr lange wichtig. Ende der 1870er Jahre war die Station die einzige in ganz Chemnitz mit Güterverkehr. Seit den 1990er Jahren hat die Bedeutung durch den allgemeinen Verkehrsrückgang im öffentlichen Personenverkehr, Fernverkehrsverlust und einige Streckenstilllegungen stark abgenommen.
Aufbau des Bahnhofs mini|Historistisches Bahnhofsgebäude rechts und Installation auf der Medienfassade von Deborah Geppert, links (2018) mini|Stadtseitige Fassade der Bahnsteighalle bei Tag mini|Beleuchtete stadtseitige Fassade der Bahnsteighalle bei Nacht (2021) mini|Medienfassade der Bahnsteighalle mit Installation von Antje Meichsner (2018), Ansicht von Ecke Georgstr./Mauerstr. mini|Innenraum mit Straßenbahnzug, Stahlkonstruktion sichtbar durch Stoffabspannung mini|Chemnitzer Reisezentrum im historistischen Altbau (2009) Bahnhofsgebäude Das neobarocke Empfangsgebäude des Chemnitzer Hauptbahnhofs an der Oberen Aktienstraße ist ein typisches Gebäudes des Historismus. Es entstand 1872 am Endpunkt der Strecke von Riesa nach Chemnitz. Umbauten im Innern wurden um 1890 vorgenommen.Dehio, 1998, S. 128–129. In diesem betreibt die Bahn mehrere Einrichtungen. Außerdem sind in der Lichthalle einige Geschäfte angesiedelt. Die Eingangshalle (auch Lichthalle genannt) des Chemnitzer Hauptbahnhofs ist 125 Meter lang. Seit seinem Umzug vom Querbahnsteig befindet sich der Warteraum ebenfalls in der Eingangshalle.
Die erste Bahnsteighalle wurde 1910 an das Bahnhofsgebäude angebaut – im Stil der Industriearchitektur, wie ihn z. B. Peter Behrens entwickelte. Diese Halle wurde wegen schwerer Kriegsschäden nach 1970 abgebrochen und in den Jahren 1978–1984 durch einen Ersatzbau nach Entwürfen von Gunther Dreißig und Werner KlugeDehio, 1998, S. 129. im Stil der internationalen Moderne ersetzt. Auch diese Halle schließt direkt an das Empfangsgebäude an.
Der stadtseitige Teil der Bahnsteighalle wurde 2002–2016 im Rahmen der Umgestaltung des Bahnhofs nach dem Chemnitzer Modell umgebaut. Den Entwurf gestalteten Grüntuch Ernst Architekten – sie öffneten das Erdgeschoss zur Stadtseite für Straßenbahn und Fußgänger. Sie konzipierten die Fassade als tiefes Stahlgerüst, das nach außen eine Art Fachwerk bildet, das mit halbtransparenten pneumatischen Kissen ausgefüllt ist. Diese Kissen werden permanent mit Luft nachgefüllt. Zum Innenraum der Halle ist das Stahlgerüst mit halbtransparentem Stoff abgespannt, sodass Tageslicht durch die Konstruktion durchdringt, den Raum belichtet und das dahinter liegende Stahlgerüst sichtbar macht. Nach außen hin – zusammen mit dem neu gestalteten Vorplatz – entstand der Eindruck eines Stadtpavillons – im Gegensatz zur vormals geschlossenen Bahnsteighalle. Die umgebaute Halle erhielt mehrfach Auszeichnungen: Den World Architecture Festival Award 2017 im Bereich Transport und den Deutschen Ingenieurbaupreis 2018, sie wurde in Best Architects 17 präsentiert und war auf der Shortlist des Preises für Architektur in Deutschland 2018.
Die Fassade der Bahnsteighalle ist teilweise eine mit LEDs bestückte Medienfassade, und zwar an der Ecke Georgstr./Mauerstr. Diese wurde bis November 2017 von der Künstlergruppe Random International mit der Installation Swarm Study/IX von 2016 bespielt. Ab dem 2. November 2018 lief vorübergehend die Installation 13 Millionen Zustände von Antje Meichsner, Simon Hillme und Deborah Geppert und dem Studenten Carsten Nicolais (HfBK Dresden), im Rahmen der Chemnitzer Medienkunst-Biennale Pochen.
Der Querbahnsteig verbindet die Bahnsteige 5 bis 10 höhengleich und die Bahnsteige 1 bis 4 des Chemnitzer Modells mittels Treppe, Rolltreppe und Fahrstuhl miteinander. Ein Bahnsteigtunnel verbindet die Bahnsteige 10, 11/12 und 13/14 miteinander sowie mit der Empfangshalle. Der Bahnsteigtunnel ist über Treppen sowie mit Aufzügen erreichbar, zudem verbindet er die Bahnsteige mit der Bahnhofstraße und der Georgstraße auf der Westseite des Empfangsgebäudes sowie mit der Dresdner Straße auf der Ostseite der Bahnanlagen.
Bahnstrecken und -betrieb Der Bahnhof ist ein Kopf- und Durchgangsbahnhof, dabei sind die Bahnsteige 5 bis 9 Kopfbahnsteige. Diese dienen insbesondere dem Verkehr von und nach Leipzig, Riesa, Annaberg-Buchholz und Olbernhau. Die durchgängigen Bahnsteiggleise 1 bis 4 gehören seit dem Umbau von 2011 bis 2014 als Teil der durch die Bahnsteighalle verlängerten Wendeschleife zum Straßenbahnnetz. Die Gleise 1 und 2 werden von den Straßenbahnzügen der CVAG und der City-Bahn Chemnitz Richtung Stollberg (Sachs) genutzt, während die Gleise 3 und 4 den Übergang der City-Bahn-Züge in das Eisenbahnnetz ermöglichen. Die durchgängigen Bahnsteiggleise 10 bis 14 sind Teil der Bahnstrecke Dresden–Werdau bzw. der Bahnstrecke Chemnitz–Adorf und verbinden Chemnitz in östlicher Richtung mit Freiberg und Dresden sowie in westlicher Richtung mit Aue, Thalheim, Zwickau und Hof. Die Bahnsteige 11 bis 14 sind durch eine Unterführung zu erreichen, mit der Bahnhofshalle verbunden und auch über Aufzüge erreichbar. Der ehemalige Bahnsteig 15/16, an dem zuletzt die Züge der Erzgebirgsbahn Richtung Thalheim/Erzgeb. und Aue, bis zur Einführung des Chemnitzer Modells auch nach Stollberg/Erzgeb., verkehrten, befand sich außerhalb der Bahnsteighalle. Er wurde im Oktober 2011 außer Betrieb genommen (s. u.) und anschließend abgebrochen.
Bahnbetriebswerk In der Verzweigung der Bahnstrecken nach Dresden und Riesa schließt sich nördlich des Hauptbahnhofes der als Abstellbahnhof genutzte Außenbahnhof sowie das ehemalige Bahnbetriebswerk Chemnitz Hbf an. Im Bahnbetriebswerk waren Personenzuglokomotiven stationiert; nach der Zusammenlegung mit dem Bahnbetriebswerk für Güterzuglokomotiven in Chemnitz-Hilbersdorf wurde es als Betriebsteil Glösaer Straße bezeichnet.
Geschichte Bahnhofsname Der Bahnhof trug während seiner Betriebszeit schon vier unterschiedliche Namen, im Einzelnen waren dies: bis zum 30. April 1904: Chemnitz bis zum 30. Juni 1911: Chemnitz Hauptbahnhof bis zum 9. Mai 1953: Chemnitz Hbf bis zum 29. Mai 1990: Karl-Marx-Stadt Hbf seit dem 30. Mai 1990: Chemnitz Hbf
Anfänge mini|Das erste Bahnhofsgebäude von Chemnitz im Jahr 1854 1836 wurde in Chemnitz die Erzgebirgische Eisenbahngesellschaft gegründet, um eine Bahnstrecke von Riesa nach Zwickau zu errichten, die 1852 bis Chemnitz eröffnet wurde. Fertiggestellt war der Abschnitt Mittweida–Chemnitz zwar schon ab 1848, allerdings fehlte zwischen Waldheim und Mittweida noch ein Streckenstück (die sogenannte „Bankrottmeile“). Die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn wurde am 1. September 1852 von König Friedrich August II., von Riesa auf der neuen Strecke angereist, eröffnet. Am Eröffnungstag fand auch eine eigens durchgeführte Gewerbeschau statt.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. S. 62 f. Durch die Bahnstrecke erhielt Chemnitz eine Anbindung an die erste deutsche Fernbahnstrecke Leipzig–Dresden.
Der Bahnhof wurde außerhalb der Bebauung nordöstlich der Stadt auf den sogenannten Stadtfeldern angelegt. Der eröffnete Kopfbahnhof war aber noch bescheiden ausgeführt, es gab nur einen Güterschuppen südöstlich der Gleisanlagen. Der Güterschuppen besaß auch einen „Wartesaal“ mit nur zwei Fenstern, weil kein Empfangsgebäude gebaut worden war.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. S. 10.
Ein richtiges Empfangsgebäude wurde zwei Jahre später gebaut, das im normannischen Stil errichtete, zweigeschossige Gebäude war rund 55 Meter lang. Hinzu kam ein Vorgebäude von 177 m Richtung Bahnsteig. Es war vorsorglich in Seitenlage errichtet worden, um einen Weiterbau Richtung Zwickau zu erleichtern.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion. S. 86. Auch ein Bahnsteigdach, gehalten von 19 gusseisernen Säulen, wurde erbaut.
Ausbau der Bahnanlagen mini|Empfangshalle des Bahnhofs Chemnitz (1873)
Am 15. November 1858 wurde mit der Verlängerung der Bahnstrecke nach Zwickau der Nikolaibahnhof (heute Bahnhof Chemnitz Mitte) als zweiter Chemnitzer Bahnhof eröffnet und der erste Bahnhof erhielt den Namen Centralbahnhof. Zuvor waren zwischen 1854 und 1858 die Bahnhofsanlagen erheblich erweitert worden. Im selben Zeitraum wuchs die Stadt langsam um den Bahnhof herum. Während nordwestlich entlang der Königstraße (heutige Straße der Nationen) zahlreiche Villen und einige Parkanlagen entstanden, wurde südöstlich der Gleise in den 1860er Jahren der Sonnenberg mit einfachen Mietskasernen für Arbeiter bebaut. Der Chemnitzer Bahnhof bildete somit eine Teilung in sozialer und städtebaulicher Hinsicht. An der Königsstraße wurde aber auch die erste Chemnitzer Fabrik mit eigenem Anschlussgleis – eine Aktienspinnerei – gebaut.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz. Schienennetz einer Industrieregion. S. 12.
Zwischen 1858 und 1866 wurden zunächst die Anlagen für den Güterverkehr ausgebaut. Dies löste aber die Probleme nur bedingt, da sich zahlreiche Firmen in Chemnitz im südwestlichen Raum angesiedelt hatten. So kritisierten schon zu dieser Zeit zahlreiche Industrielle die ungünstige Lage des Bahnhofs. Man versuchte mit einer Petition, der sich auch Richard Hartmann anschloss, die Regierung zum Bau eines zweiten Bahnhofs im Südwesten zu bewegen. Die Regierung lehnte aber ab.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz. Schienennetz einer Industrieregion. S. 12 f. Nachdem 1866 die Strecke nach Annaberg eröffnet worden war, musste der Bahnhof erneut erweitert werden, da auch der Streckenbau Richtung Freiberg vor dem Abschluss stand. 1868 wurde mit den Baumaßnahmen zur Kapazitätssteigerung im Personenverkehr begonnen. Es entstand eine Drehscheibe an den stumpf endenden Bahnsteiggleisen, um die Lokomotiven umsetzen zu können. Es wurde auch ein vollkommen neues Empfangsgebäude mit großer Haupthalle errichtet, 1872 war dieser Neubau fertig. Die Güterverkehrsanlagen wurden auch entsprechend vergrößert, der Großteil befand sich weiterhin auf der Südostseite. Ganz im Norden lag der Kohlenbahnhof, der vom nachfolgenden Produktenbahnhof durch die Unterführung der Wettinerstraße getrennt war. Ganz im Süden befanden sich die Güterschuppen sowie eine Rampe mit Kränen für schwere Maschinenteile. Die Viehverladung war separat auf der Nordwestseite angeordnet. Schon vor dem Ende des Umbaus waren neue Strecken eröffnet worden, 1869 die Strecken nach Dresden und Hainichen sowie 1872 nach Leipzig und Limbach. Anschließend folgten die Eröffnungen der Eisenbahnstrecken nach Adorf 1875 und 1875 nach Marienberg/Reitzenhain. Einzig die Einmündung der Bahnstrecke Chemnitz–Adorf der vom sächsischen Staat übernommenen privaten Chemnitz-Aue-Adorfer Eisenbahn-Gesellschaft bedingte noch eine kleine Veränderung der Bahnhofsanlagen, ansonsten blieb der Personenverkehrsbereich bis um 1900 im Wesentlichen unverändert.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz. Schienennetz einer Industrieregion. S. 14 ff.