mini|Warren G. Harding (1920)rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Warren G. Hardings Unterschrift Warren Gamaliel Harding (* 2. November 1865 in Corsica, heute Blooming Grove, Morrow County, Ohio; † 2. August 1923 in San Francisco, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Politiker und von 1921 bis 1923 der 29. Präsident der Vereinigten Staaten. Der Republikaner gewann die Präsidentschaftswahl 1920 – die erste, bei der Frauen wählen durften – mit dem größten prozentualen Vorsprung seit der Abschaffung des Zensuswahlrechts 1830, 60,3 % zu 34,1 %. Harding starb nach fast zwei Jahren und fünf Monaten Amtszeit unerwartet im August 1923.

Harding war ein einflussreicher Zeitungsverleger mit einer Begabung für öffentliche Auftritte. Seine politische Laufbahn begann 1899 im Senat von Ohio. Infolge zahlreicher Skandale, in die Mitglieder seiner Regierung verwickelt waren, wurde ihm der Ruf zuteil, einer der am wenigsten erfolgreichen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewesen zu sein.

Leben bis zur Präsidentschaft

Kindheit und Jugend Warren G. Harding wurde in Corsica (heute Blooming Grove), Ohio, geboren. Er war das älteste von acht Kindern von George Tryon Harding (1844–1928) und Phoebe Elizabeth Dickerson Harding (1843–1910). Sein Vater unterrichtete eine Zeit lang an einer ländlichen Schule nördlich von Mount Gilead; seine Mutter war Hebamme, die später eine Zulassung als Medizinerin erhielt. In seiner Jugend zog die Familie nach Caledonia im Marion County, wo sein Vater eine lokale Wochenzeitung namens The Argus erwarb. In der Redaktion lernte Harding die Grundlagen des Zeitungsgeschäfts kennen. Er absolvierte das Ohio Central College in Iberia (später umbenannt in Muskingum College). Während seiner Studentenzeit arbeitete er für die Zeitschrift Union Register in Mount Gilead.

Einstieg in die Politik mini|Harding im Jahr 1882 Nach dem Collegeabschluss zog Harding 1884 nach Marion, wo er 300 Dollar (nach heutiger Kaufkraft Dollar) auftrieb, um mit zwei Freunden die bis dahin erfolglose Zeitung Marion Daily Star zu erwerben. Es handelte sich dabei um die auflagenschwächste Zeitung der Stadt. Harding tauschte die Redaktion aus und unterstützte die Republikaner, womit er allerdings nur mäßigen Erfolg hatte. Seine politischen Ansichten unterschieden sich stark von denen der Lokalpolitik in Marion. Als Harding sich daran machte, das Konkurrenzblatt Marion Independent zu überrunden, zog er sich den Zorn von Amos Kling, einem der reichsten örtlichen Immobilienspekulanten, zu. Harding gewann die folgenden Auseinandersetzungen, und der Marion Daily Star wurde zur auflagenstärksten Zeitung im Bezirk. Einer von Hardings Zeitungsjungen war Norman Thomas, der später ein bekannter Journalist und Führer der Sozialisten in New York City wurde.

Der Kampf um den Zeitungsmarkt hatte Hardings Gesundheit angegriffen. Im Alter von 24 Jahren litt er an Erschöpfungs- und Angstzuständen; 1889 verbrachte er mehrere Wochen in einem Sanatorium in Battle Creek, Michigan.

1891 heiratete Harding nach längerem Zögern Florence Kling, eine geschiedene Frau und Mutter eines jungen Sohnes. Ihr Vater Amos Kling war Hardings größter Widersacher. Als er von den Heiratsabsichten seiner einzigen Tochter hörte, verstieß er sie aus der Familie und verbot auch seiner eigenen Frau die Teilnahme an der Hochzeit. Kling sprach in den nächsten acht Jahren kein Wort mit seiner Tochter oder seinem Schwiegersohn.

In der Folgezeit half die geschäftstüchtige Florence, den Marion Daily Star in eine profitable Zeitung zu verwandeln. Es wird vermutet, dass ihr Antrieb Harding dazu veranlasste, in die Politik zu gehen. Harding wurde 1899 in den Senat von Ohio gewählt. Von 1903 bis 1905 war er Vizegouverneur des Staates. Nach seiner Amtszeit zog er sich ins Privatleben zurück.

Als er 1910 wieder in die Politik eintrat, verlor er das Rennen um das Amt des Gouverneurs gegen Judson Harmon. 1914 wurde er schließlich in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt.

Harding war Freimaurer und wurde am 28. Juni 1901 in der Marion Lodge No. 70 in Marion initiiert. Am 27. August 1920 erreichte er den Meister-Grad, am 5. Januar 1921 erhielt er den 32. Grad des A. u. A. Schottischen Ritus in Columbus. Am 22. September 1921 wurde er zum 33. Grad gekugelt, aber er verstarb, bevor man ihm den Grad verleihen konnte.Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. 5. Auflage. Herbig Verlag, 2006, ISBN 3-7766-2478-7.William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from A to J, Part One. Kessinger Publishing, ISBN 1-4179-7578-4.

Präsidentschaftskandidatur 1920 mini|Wahlplakat der Republikaner für die Wahl 1920 mini|Porträt Hardings von 1920 Harding war außerhalb Ohios relativ unbekannt und deshalb 1920 bei der Republican National Convention in Chicago klarer Außenseiter. Aufgrund politischen Ränkeschmiedens seiner Parteifreunde gewann er dennoch die Nominierung vor dem zunächst lange bei den Abstimmungen führenden Leonard Wood.

Im Vorfeld wurde er befragt, ob es „unangenehme Episoden“ in seiner Vergangenheit gebe, die gegen ihn verwendet werden könnten. Harding verneinte dies. Nach der Nominierung wurde jedoch eine Affäre mit einer verheirateten Frau bekannt. Da es zu spät war, einen neuen Kandidaten aufzustellen, wurde die Familie der Frau mit Bestechung zum Schweigen gebracht.

Bei der Präsidentschaftswahl von 1920 trat Harding gegen den Demokraten James M. Cox, Gouverneur von Ohio, an. Demokratischer Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten war der stellvertretende Marineminister und spätere Präsident Franklin D. Roosevelt. Die Demokraten standen für eine Weiterführung der fortschrittlichen Politik von Präsident Woodrow Wilson.

Hardings Wahlkampf lief dagegen unter dem Motto „Zurück zur Normalität“, wobei er drei populäre Trends seiner Zeit aufgriff: Zurück zu einer Politik des Isolationismus als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg, eine Beschränkung der Einwanderung und eine Rückkehr zur Politik der wirtschaftlichen Nichteinmischung (laissez-faire) der Ära William McKinleys.

Hardings Programm traf den Zeitgeist vieler Amerikaner. Er wurde massiv von der Presse unterstützt, und erstmals wurden Filmstars für einen Wahlkampf eingespannt. Konservative Prominente wie Al Jolson, Lillian Russell, Douglas Fairbanks und Mary Pickford reisten nach Ohio. Finanzgrößen wie Thomas Alva Edison, Henry Ford und Harvey Firestone unterstützten Hardings Kampagne. Sein Einsatz für die Frauenrechte fand bei vielen Wählerinnen Zustimmung. Insgesamt pilgerten über 600.000 Menschen während des Wahlkampfes in die Kleinstadt Marion.

Hardings Frau Florence beteiligte sich aktiv am Wahlkampf und trug zur Popularität ihres Mannes bei.Präsidentin der Vereinigten Staaten, Artikel vom 5. November 2012 von Sarah Levy auf Spiegel Online In einem im Garten des Hauses errichteten Bungalow, der als Pressebüro diente, gab sie Interviews und posierte für Fotos. Harding bediente sich auch eines Wahlkampfschlagers mit dem lapidaren Titel Harding.en.wikisource.org

Die Wahl von 1920 war die erste, bei der Frauen landesweit stimmberechtigt waren. Harding erzielte einen Erdrutschsieg: er erhielt 60,3 Prozent der Wahlmänner-Stimmen; sein Rivale Cox 34,1 Prozent (404 zu 127 Stimmen im Wahlmännerausschuss). Erreicht wurde außerdem der vierthöchste Stimmenanteil bei einer Wahl hinter 1964, 1936 und 1972. Der Sozialist Eugene V. Debs, der seinen Wahlkampf aus einer Zelle eines Bundesgefängnisses heraus führte, erhielt 3,4 Prozent der landesweiten Stimmen. Als Harding im März 1921 Präsident wurde, ließ er Debs und andere politische Gefangene begnadigen.

Präsidentschaft (1921–1923) Amtsführung mini|Harding (2. v. l.) kurz nach der Amtseinführung. Links im Bild sein Vorgänger im Präsidentenamt Woodrow Wilson mini|Öffentliche Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Harding, 1921 mini|Filmaufnahmen von Harding (Kommentar in englischer Sprache) Hardings Beraterstab und sein Kabinett entsprachen der Mannschaft, die auf der republikanischen Parteiversammlung von 1920 vorgestellt worden war. So beschäftigte er als erster Präsident mit Judson C. Welliver, dem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in seinem Wahlkampfteam, einen Redenschreiber im Weißen Haus. Harding wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington, D.C. am 4. März 1921 zum US-Präsidenten vereidigt.

Seine Antrittsrede war die erste, die über den Rundfunk übertragen wurde. Um die Ausstrahlung kümmerte sich die Marine der USA. Das Quasi-live-Signal wurde von Antennen in Arlington County (NAA) über 2500 Meter Langwelle in die USA übertragen. Die internationalen Empfangsstationen in Europa und dem Nahen Osten versorgte die Marine von Sayville auf Long Island aus auf der Langwelle 7800 Meter. Auch Wiederholungen der Ansprache im Laufe des Tags wurden festgelegt.Allein in Philadelphia gab es im März 1921 einige Tausend Amateurstationen, wo die Inaugurationsrede empfangen werden konnte. Siehe z. B. den Philadelphia Inquirer vom 3. März 1921, S. 11

Unter Harding wurde eine Politik der Nichteinmischung in den Bereichen Wirtschaft und Soziales betrieben. Die wirtschaftliche Entwicklung der Nation sollte nicht durch staatliche Überwachung behindert werden. Harding war ein Verfechter der klaren Trennung der staatlichen Gewalten. Dem obersten Gerichtshof (Supreme Court) räumte er einen hohen Stellenwert ein und bestellte den ehemaligen Präsidenten William Howard Taft zum obersten Richter.

Mit dem Budget and Accounting Act von 1921 wurde das Bureau of the Budget geschaffen, dessen Nachfolgebehörde das heutige Office of Management and Budget ist. Dieses Gesetz sah außerdem vor, dass der Präsident dem US-Kongress jährlich einen Haushaltsplan vorlegen muss. Des Weiteren wurde mit dem Government Accountability Office ein Rechnungshof zur Prüfung der Staatsausgaben in Dienst gestellt, der dem Kongress unterstellt ist.

Während Hardings Amtszeit wurde ein Friedensvertrag mit dem Deutschen Reich, Österreich und Ungarn unterzeichnet, womit der Erste Weltkrieg für die USA formal beendet wurde. Kolumbien wurde für den Verlust von Panama entschädigt und die Washingtoner Flottenkonferenz ins Leben gerufen. Harding ließ das Veterans Bureau einrichten, das sich um die Bedürfnisse der Weltkriegsveteranen kümmerte und damit Vorläufer des heutigen Kriegsveteranenministeriums war.Vgl. dazu Niall A. Palmer: The Veterans’ Bonus and the Evolving Presidency of Warren G. Harding. In: Presidential Studies Quarterly. Vol. 38, No. 1, März 2008, , S. 39–60.

Der Präsident hielt zahlreiche öffentliche Reden. Im Oktober 1921 sprach er in Birmingham, Alabama, die vorherrschende Rassenproblematik an, wobei er ausführte, dass die Nation das wirtschaftliche Wachstum nicht eher genießen dürfe, bis die Gleichheit der Rassen hergestellt sei (letzteres wurde 1964 durch den von Präsident Lyndon B. Johnson initiierten Civil Rights Act of 1964 vorangetrieben).

Er war den technischen Revolutionen seiner Zeit gegenüber aufgeschlossen, insbesondere dem während seiner Amtszeit startenden Rundfunk. Er war der erste US-Präsident, der sich, damals noch von der Navy, einen Rundfunkempfänger ins Weiße Haus stellen ließ.The Washington Herald vom 19. Februar 1922, S. 24 chroniclingamerica.loc.govCarah Ong: Miller Center of Public Affairs der University of Virginia, 8. Februar 2013, abgerufen am 26. März 2015

Hardings Reden enthielten oft Versprecher oder Sinnfehler. Er beharrte jedoch darauf, seine Reden selbst zu schreiben. Anfangs erledigte er einen Großteil der Korrespondenz selbst, darunter auch Beschwerden von Bürgern, die an den Präsidenten gerichtet waren. Kritiker warfen ihm ein grauenhaftes Englisch vor, das vor Fehlern strotze. Als sich 1923 sein Gesundheitszustand verschlechterte, ließ er die Korrespondenz von einem Stab von Assistenten erledigen.

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