Die Dornbirner Ach (auch Dornbirnerach oder Dornbirner Ache) ist neben der nördlicher verlaufenden Bregenzer Ach einer der wichtigsten Abflüsse für die kleineren Bäche des westlichen Bregenzerwaldgebirges und des unteren Rheintals im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Bis zur Rheinregulierung mündete die Dornbirner Ach bei Fußach in den Bodensee. Heute fließt der rund 30 Kilometer lange Fluss bei Hard östlich vom und einige Kilometer parallel zum Rhein in den Bodensee und durchquert zuvor das Gemeindegebiet der Stadt Dornbirn.
Etymologie Zunächst stellt sich die Frage, welcher Name für die etymologische Betrachtung herangezogen wird. Das österreichische Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen definiert den Namen des Flusses als Dornbirner Ach, womit diese Bezeichnung offiziell ist und für die etymologische Untersuchung herangezogen wird. Daneben legte die Vorarlberger Landesregierung in den Jahren 1960/61 zahlreiche Flurnamen in Vorarlberg fest und bestimmte den Namen des Flusses als Dornbirnerach. Diese Bezeichnung ist zwar heute noch gebräuchlich, gilt aber nicht mehr als offizielle Schreibweise.
Um den Namen Dornbirner Ach etymologisch zu betrachten, wird er in die beiden Wörter Dornbirn und Ache aufgeteilt. Dornbirn bezeichnet die Gemeinde, durch deren Gemeindegebiet der Fluss größtenteils fließt. Der Name der Stadt taucht erstmals am 15. Oktober 895 als Torrinpuirron in einer in Latein verfassten Urkunde des Klosters St. Gallen auf. Dieses Wort bedeutet Die Höfe des Torro, wobei Torro ein ansässiger Bauer auf dem Gebiet des heutigen Dornbirn war (Siehe dazu Geschichte Dornbirns). Das zweite Wort – Ache – bedeutet im Bairischen „schnellfließender Fluss oder Bach mit großem Gefälle“ und ist urverwandt mit dem lateinischen Wort Aqua.
Der frühere Name der Dornbirner Ach, Fuss AchGemäß Werner Vogt soll fusso bzw. fussa von fossa abstammen (lat.: für Wassergraben). Darauf würden die im oberen Quellgebiet der Dornbirner Ach bestehenden Flurnamen Fussatal (Dornbirner First), Fussa, Fussatobel, Fußagraben (Hohe Kugel) hinweisen., ist vermutlich daher teilweise germanischen Ursprungs, erstmals wird er im Zusammenhang mit der nach dem Fluss benannten Gemeinde Fußach im Steuerverzeichnis des Klosters Pfäfers im Jahr 840 als Fossonas genannt. Dieser Name entwickelte sich über die Schreibweisen Fozzaha und Fuozza im 11. Jahrhundert zu Fussach.Auszug aus der .
Geographie Flusslauf Der Fluss entspringt im so genannten Valorsertal (rätoromanisch für Bärental), an der Nordwestflanke des Hohen Freschens, nahe der kleinen Bergortschaft Ebnit, wo er noch den Namen Ebniterach trägt. Das Quellgebiet der Ebniterach befindet sich fast ganz im Süden des Dornbirner Gemeindegebiets, nahe der Grenze zur Gemeinde Zwischenwasser (mehr als 10 km² des südöstlichen Dornbirner Berggebiets, nämlich jener Bereich des Dornbirner Firsts, der auf der Seite des Mellentals liegt, wird zum Flusssystem der Bregenzer Ach hin entwässert). Der erste Flussabschnitt ist das Ebniter Tal, geprägt von tiefen Schluchten und bedeutsamen Einschnitten in die Berglandschaft Dornbirns.
miniatur|links|Die Rappenlochschlucht nach dem Felssturz 2011 Mehrere Zuflüsse, wie etwa die Gunzenach/Kobelach, schließen sich der Ach im oberen Flusslauf an. Nach der Schaufelschlucht, ab welcher der Fluss offiziell als Dornbirner Ach bezeichnet wird, fließt diese durch die Alplochschlucht und wird zum Staufensee-Stausee aufgestaut. Dieser ist nach dem Berg Staufen benannt, der sich darüber erhebt. Anschließend durchquert sie die – im Laufe von Jahrtausenden eingeschnittene und als Ausflugsziel ausgebaute – Rappenlochschlucht, ehe sie nach ungefähr 14,5 Kilometern im Gütle an den Fabrikanlagen einer ehemaligen Textilfabrik vorbeifließt. Das Einzugsgebiet der Dornbirner Ach bis zum Talaustritt im Gütle wird Ebniter Tal genannt. Mit einer Größe von 51,1 Quadratkilometern gehört es zu den niederschlagsreichsten Gebieten Vorarlbergs.Bernhard Ölz: Revitalisierung der Dornbirner Ache und damit zusammenhängende stadtplanerisch begleitende Maßnahmen. Wien, Univ. für Bodenkultur, Dipl.-Arb. 1987
Schließlich erreicht sie als Grenzfluss zwischen den beiden Dornbirner Stadtteilen Hatlerdorf und Oberdorf beziehungsweise später Markt bewohntes Gebiet. An verschiedenen Bauwerken wie etwa dem Krankenhaus, dem Realgymnasium oder dem Stadion Birkenwiese vorbei führt sie schließlich wieder als Grenzfluss zwischen den Bezirken Schoren und Rohrbach in die als Naherholungsgebiet bekannten Achauen. Inmitten dieser Laubbewaldung links- und rechtsseitig der Ach findet sich eine ganz besondere Übergangsmöglichkeit über den Fluss, eine beschrankte Furt. In zahlreichen Mäandern schlängelt sich der Fluss unterhalb dieser durch das Dornbirner beziehungsweise Lauteracher Ried, wo schon 400 Meter außerhalb der Nordwestecke des Dornbirner Gemeindegebiets der Koblacher Kanal einmündet.
Wo die Ach zuvor noch ein Stück die nördliche Gemeindegrenze von Dornbirn bildet, quert die Senderstraße L41 mit der denkmalgeschützten, überdachten Senderbrücke den Fluss. Brücke wie Straße sind nach dem 1931 errichteten, etwa 400 Meter ostnordöstlich der Brücke stehenden Sender Lauterach benannt.
miniatur|Die Dornbirner Ach in Hard, kurz vor dem Einfluss in den Bodensee
Die Dornbirner Ach erstreckt sich somit innerhalb des Dornbirner Gemeindegebiets von etwa 2,5 km nördlich des südlichsten Punktes bis zu dessen nördlichstem Punkt im Nordwesten des Gemeindegebiets. Das Gebiet im äußersten Südosten des Gemeindegebiets mit der Größe von etwas mehr als 10 km² entwässert Richtung Nordosten zum Flusssystem der Bregenzer Ach. Im letzten Flussabschnitt, welcher seit dem Fußacher Durchstich im Zuge der Internationalen Rheinregulierung von 1904 geradlinig verläuft, bildet sie gemeinsam mit dem Alten Rhein das Europaschutzgebiet Rheindelta. Anschließend fließt die Dornbirner Ach parallel zum Alpenrhein bei Hard in den Bodensee.
Zuflüsse Die Dornbirner Ach ist einer der wichtigsten Flüsse des westlichen Bregenzerwaldgebirges. Viele größere und kleinere Gebirgsbäche, überwiegend aus dem Dornbirner Gemeindegebiet (First), speisen den Fluss bereits im ersten Abschnitt. Von den zahlreichen links- und rechtsseitigen Zuflüssen der Dornbirner Ach haben nur die wenigsten einen Namen. Deshalb seien hier auch nur die größten und geläufigsten genannt. Als einer der ersten fließt der Kugelbach linksseitig im Bereich der Unteren Wäldlealpe der – in diesem Flussabschnitt noch als Ebniterache bezeichneten – Dornbirner Ach zu. Der nächste wichtige linksseitige Zufluss ist der Bruderbach, welcher als Ebniter Dorfbach gilt, da er die Grenzen des Dorfes klar festlegt. Erst im Bereich der Alplochschlucht mündet ein weiterer größerer Bach, der Spätenbach ein. In den darauf folgenden Staufensee fließen zahlreiche kurze Bäche, welche kaum länger als ein Kilometer sind. Der wohl bedeutendste Zufluss in diesem ersten Flussabschnitt ist die Kobel Ach. Diese fließt über weite Teile parallel zur Ebniter Ache und heißt zuvor Gunzen Ach. Weiters fließen der Kobel Ach der Laubach-, Rudach- und Tintelsbach zu, bevor sie im Gütle in die Dornbirner Ach mündet.
Über eine Strecke von etwa drei Kilometer fließen der Ach nur noch linksseitig Flüsse zu. Erst bei der Talstation der Karrenseilbahn mündet rechts der Gechelbach. Innerhalb des nun folgenden Gemeindegebiets von Dornbirn fließen keine weiteren Bäche zu. Erst in den Achauen und dem Gebiet des Dornbirner und Lauteracher Rieds fließen wieder kleinere Entwässerungs- und Landgräben zu. Der nächste bedeutsame Zufluss ist der Fußenauer Kanal, welcher aus mehreren Flüssen im Ortsgebiet (zum Beispiel Fischbach, Steinebach, Haselstauderbach oder Karlesgraben) gespeist wird und erst knapp vor der Einmündung der Schwarzach und dem anschließenden, markanten Knick im Flusslauf der Dornbirner Ach mündet.
Der letzte wichtige Fluss, der sich der Ach auf Dornbirner Gemeindegebiet anschließt, ist der Koblacher Kanal, offiziell Vorarlberger Rheintalbinnenkanal genannt. Dieser entwässert große Teile des unteren Rheintals (Beispielsweise fließt dem Kanal der Dornbirn-Lustenau-Landgraben zu) und ist neben dem Rhein wohl einer der bedeutendsten Flüsse, die in Süd-Nord-Richtung im Vorarlberger Rheintal verlaufen. Das Gemeindegebiet Dornbirns endet wenige Meter vor dem Zufluss des Koblacher Kanals, sodass sich dieser auf der Gemeindegrenze zwischen Lustenau und Lauterach auf befindet. Bereits im regulierten Verlauf der Ach fließt der Lustenauer Kanal als letzter Bach etwa 350 Meter vor der Einmündung in den Bodensee zu.
Geologie Die Geographie im Umfeld der Dornbirner Ach wird durch drei markante Gebiete geprägt: erstens durch das Bodenseebecken, das zum einen tektonisch entstanden ist, zum anderen durch die erodierenden Rheingletscher der letzten Eiszeiten geprägt wurde, und zweitens durch die Ost- und Westalpen. Entlang des Rheins taucht die helvetische Platte unter die Talsohle, im Bregenzerwald ist der Kalkstein durch Flysch überlagert. Schließlich drittens das Rheintal, wo bedingt durch die zahlreichen Flüsse und Bäche über dem Grundgestein sehr viel Sediment abgelagert wurde. Der Schwemmfächer der Dornbirner Ach beginnt mit dem Talaustritt des Flusses und endet etwa mit dem ersten Auftreten von Mäandern. Im Oberlauf durchfließt die Ach größtenteils mächtige, aber brüchige Diluvialmassen, woraus sich die großen Geschiebemassen im Fluss ergeben. Der Unterlauf durchfließt hingegen ein Substrat von Rhein-Alluvionen und eigenen, angeschwemmten Diluvionen.
Hydrologie miniatur|Bei Hochwasser wird die Dornbirner Achfurt regelmäßig überschwemmt und damit unpassierbar
Das 51,1 km² große Einzugsgebiet der Dornbirner Ach bis zum Talaustritt in der Enz zählt zu den niederschlagsreichsten Gebieten in Vorarlberg, welches selbst unter den österreichischen Bundesländern eines der niederschlagsreichsten ist. Die steil aufsteigenden Berge, die das Rheintal begrenzen, führen bei oft vorherrschender Westwindlage zur Abkühlung der feuchten Luftmassen. Durch die dadurch bedingte Kondensation des Wasserdampfs kommt es zu Steigungsregen und so oft zu lokalen Schauern. Dennoch gibt es starke regionale Unterschiede in der Niederschlagshäufigkeit und -intensität auf relativ engem Raum. So wird die Stadt Dornbirn mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 1451 Millimetern im Jahr angegeben, im Gütle beträgt der Niederschlag im selben Zeitraum 1896 Millimeter und im Ebnit beträgt er bereits 2107 Millimeter.
Aufgrund der geographischen Lage, der topographischen Gegebenheiten und den Niederschlagsverhältnissen ist der Wasserstand der Dornbirner Ach sehr stark schwankend und weist wildbachartigen Charakter auf. Dies zeigt sich recht deutlich an der Messstelle Enz. Bei Niederwasser wird hier die Abflussmenge mit 0,21 m³/s angegeben, das Mittelmaß beträgt dagegen 2,80 m³/s. Bei Hochwasser kann die Abflussmenge auf 121 m³/s anschwellen. Das entspricht einer Vergrößerung der Wassermenge um den Faktor 576. Auch Abflussmengen über 200 m³/s sind bei Hochwasser möglich, bilden aber eher die Ausnahme. Für den Fall eines Jahrhunderthochwassers (HQ100) errechneten die Hydrologen des Landes Vorarlberg sogar eine Durchflussmenge von 300 m³/s. Die Fließgeschwindigkeit der Dornbirner Ach wird vom Landeswasserbauamt mit 0,5 – 6 m/s, die durchschnittliche Jahresabflussmenge mit 0,2 Milliarden Kubikmetern angegeben.
Historisches miniatur|Die „Fuß Ach“ auf einer alten Karte zur Rheinregulierung miniatur|Die Dornbirner Ach 1902 im Gütle