mini|Idar-Oberstein mit Schlossruine Oberstein, Burgruine Bosselstein und Felsenkirche. mini|Oberstein, durchzogen von der Nahe-Überbauung. Im Vordergrund die ehem. Hohl-Kaserne; links der Schrift Edelsteinbörse die Türme der beiden Garnisonskirchen.
Idar-Oberstein ist eine verbandsfreie und große kreisangehörige Stadt im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Die Edelstein- und Garnisonsstadt ist mit Einwohnern die bevölkerungsreichste Kommune des Landkreises und ein Mittelzentrum. Seit 2016 trägt die Kommune den Titel Nationalparkstadt Idar-Oberstein.
Geographie Geographische Lage Idar-Oberstein liegt an der oberen Nahe und am Idarbach zwischen dem Hunsrück im Norden und dem Oberen Nahebergland im Süden. Größere Städte in der Umgebung sind Trier (ca. 60 Kilometer westlich), Bad Kreuznach (ca. 50 Kilometer nordöstlich) und Kaiserslautern (ca. 55 Kilometer südöstlich). Die Stadt liegt am Rand des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Die Wasserversorgung bezieht die Stadt aus der Steinbachtalsperre.
Stadtgliederung Zur Kernstadt (Zusammenschluss mit der Verwaltungsreform 1933) gehören Algenrodt, Idar, Tiefenstein und Oberstein. Die neueren Stadtteile wurden mit der Verwaltungsreform 1969/70 eingemeindet.
Stadtteil Höhe (m) Fläche (km²) Einwohner Algenrodt 410 1.711 Enzweiler 320 1,40 609 Georg-Weierbach 235 5,95 537 Göttschied 410 3,42 2.641 Hammerstein 290 2,17 440 Idar 280 7.787 Kirchenbollenbach 230 2,28 689 Mittelbollenbach 301 3,61 948 Nahbollenbach 230 8,22 1.808 Oberstein 250 8.058 Regulshausen 440 2,94 866 Tiefenstein 410 2.341 Weierbach 225 7,52 2.321 Kernstadt 54,07 Idar-Oberstein 91,58 30.756 Einwohner mit Hauptwohnsitz nach Stadtteilen zum 31. Dezember 2024Statistische Daten zu Idar-Oberstein auf idar-oberstein.de. Quelle für die jeweiligen Flächen (Gemarkungen): geoindex.io
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Geschichte mini|Ansicht von Oberstein nach Matthäus Merian mini|Siegelmarke der Stadtgemeinde Oberstein an der Nahe mini|Ansicht von Oberstein, um 1875. Ölgemälde von van Prouyen Die Stadt Idar-Oberstein ist eine Kommune, die erst seit dem 1. Oktober 1933 besteht. Zuvor entwickelten sich die einzelnen Stadtteile sehr unterschiedlich.
Altertum und Mittelalter Oberstein Der Stadtteil Oberstein entwickelte sich aus der reichsunmittelbaren Herrschaft Oberstein. Die Herren vom Stein (Oberstein), erstmals 1075 erwähnt, hatten ihren Sitz oberhalb der später errichteten Felsenkirche, auf der Burg Bosselstein, die bereits im 12. Jahrhundert erwähnt wird und als „Altes Schloss“ bekannt ist. Der Kernbereich der Herrschaft wurde begrenzt durch die Nahe, den Idarbach, den Göttenbach und den Ringelbach. Mitte des 13. Jahrhunderts spalteten sich die Obersteiner in die verfeindeten Linien der „Herren von Oberstein“ (Burg Bosselstein) und „von Daun-Oberstein“ (Schloss Oberstein). Erstere verließen schließlich die Gegend und letztere konnten ihren Machtbereich erheblich, auch auf Gebiete südlich der Nahe und den Idarbann, ausdehnen. Als Herrschaftssitz mit der Burg und den Befestigungen – Reste der um 1410 angelegten Stadtmauer sind heute noch „Im Gebück“ sichtbar – konnte Oberstein einen städtischen Charakter entwickeln, ohne jedoch über den rechtlichen Status eines Flecken hinauszukommen. 1682 wurden die Grafen von Leiningen-Heidesheim, 1766 die Grafen von Limburg-Styrum Besitzer der Herrschaft Oberstein, die im Wesentlichen auf das vorgenannte Kerngebiet zusammenschmolz, nachdem der Idarbann im Jahr 1771 an die Hintere Grafschaft Sponheim angegliedert wurde. 1776 wurden die Markgrafen von Baden Besitzer der Herrschaft, nachdem die Hintere Grafschaft Sponheim geteilt wurde.
Idar Die Besiedlung von Idar kann bis in früheste Zeit durch Bodenfunde nachgewiesen werden. Der Ort Idar rechts des Idarbachs gehörte mit den Orten Enzweiler, Algenrodt, Mackenrodt, Hettenrodt, Hettstein, Obertiefenbach und Kirschweiler zum Idarbann. Das Gebiet gehörte überwiegend den Herren von Oberstein und teilt damit die Geschichte mit Oberstein, doch hatten insbesondere in Tiefenbach und Kirschweiler die Wild- und Rheingrafen sowie die Abtei Tholey Güter und sonstige Rechte.
Weitere Stadtteile Der Ort Tiefenstein entstand aus der Zusammenlegung der Orte Obertiefenbach und Hettstein im Jahr 1909. Die Territorialgeschichte der Idarbann-Gemeinde entspricht der von Idar und Oberstein. Tiefenbach wird in einer Urkunde von 1283 als Hof erwähnt; eine Erwähnung von 1051 kann nicht sicher dem Ort zugeordnet werden. Hettstein wurde 1321 als Henzestein bzw. Hezerten erwähnt und hatte unter anderem wildgräfliche Untertanen als Bewohner.
Das Dorf Algenrodt wird erstmals sicher in einer obersteinischen Lehensurkunde von 1321 als Alekenrod erwähnt. 1324 wurde es von den Herren von Oberstein an die Kyrburger Wild- und Rheingrafen verpfändet. Im Übrigen teilt Algenrodt die Geschichte mit den anderen Idarbann-Gemeinden.
Enzweiler kann Siedlungsspuren bis in römische Zeit nachweisen. 1276 besaß die Abtei Tholey eine Mühle bei Enzweiler. Der Ort selbst ist wohl im 14. Jahrhundert entstanden und war stets Teil des Idarbanns.
Der nördlich der Nahe terrassenförmig auf einem steil zur Nahe abfallenden Gelände gelegene Ort Georg-Weierbach geht wahrscheinlich auf eine Kirchengründung des Mainzer Erzbischofs Hatto im 10. Jahrhundert zurück. 1155 wird der Ort im Zusammenhang mit den Herren von Wirebach (= Weierbach) erwähnt. 1327 wurde der Ort, der kurzzeitig im Besitz der Herren von Randeck war, größtenteils an die Wild- und Rheingrafen verkauft und dem Amt Kyrburg zugeordnet. Die Bezeichnung Georg-Weierbach entstammt dem Patrozinium der Kirche.
Das 1271 erstmals urkundlich erwähnte Göttschied gehörte gemeinsam mit Regulshausen, Gerach und Hintertiefenbach zur Abtei Mettlach („Abteidörfer“). 1561 wurden diese Dörfer an die Hintere Grafschaft Sponheim verkauft.
Hamerzwiller (= Hammerstein) wird 1438 im Gültbuch der Grafschaft Sponheim erwähnt und befand sich bereits 1269 in hintersponheimischem Besitz, als es als Lehen an den Grafen von Schwarzenberg gegeben wurde.
Als Ursprung des Orts Kirchenbollenbach wird eine Kirchengründung des Mainzer Erzbischofs Williges nach 975 angesehen. Erstmals urkundlich nachweisbar ist der Ort 1128 unter dem Namen „Bolinbach“. Zunächst als Lehen der Herren von Schwarzenberg von den Grafen von Zweibrücken belegt, kam der Ort 1595 an die Kirner Wild- und Rheingrafen. Als eine regionale Besonderheit ist hier zu nennen, dass im weiteren Verlauf eine katholische Seitenlinie der überwiegend protestantischen Rheingrafen unter dem Fürsten Johann Dominik von Salm-Kyrburg in Kirchenbollenbach das Simultaneum einführte und eine neue (katholische) Pfarrei gründete.
Als Grundstein des Orts Mittelbollenbach gilt der 1283 als Besitz der Herren von Oberstein im Bereich des Waldgebiets Winterhauch erwähnte Hof Bollenbach. 1432 wurden die Herzöge von Lothringen mit Nah- und Mittelbollenbach belehnt, was nach dem Erlöschen der Obersteiner Linie wegen der komplizierten Erbfolge zu erbitterten Auseinandersetzungen führte. Erst im Jahr 1778 kam es zum Verzicht der Lothringer zu Gunsten von Kurtrier.
Bis 1667 entspricht die Geschichte Nahbollenbachs der von Mittelbollenbach. Dann wurde Nahbollenbach von Lothringen als Allodialbesitz von Oberstein anerkannt, verblieb aber seit 1682 als kurtrierisches Lehen bei der Herrschaft.
Das Abteidorf Regulshausen gehörte zur Abtei Mettlach und wurde 1561 von dieser an die Hintere Grafschaft Sponheim verkauft. Die älteste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1491.
Als „Weygherbach“ ist Weierbach 1232 erstmals erwähnt und gehörte zum vordersponheimischen Amt Naumburg. Die späteren Besitzer der Vorderen Grafschaft Sponheim waren die Markgrafen von Baden, wodurch der Ort auch unter dem Namen Baden-Weierbach bekannt wurde. Die häufig benutzte Bezeichnung Martin-Weierbach entstammt dem Patrozinium der Kirche.
Neuzeit Französische Herrschaft Nach Auflösung der alten Herrschaften organisierten ab 1794 die neuen französischen Herren die territoriale (und soziale) Struktur vollkommen neu. Der gesamte Raum gehörte zum Arrondissement Birkenfeld im Département de la Sarre und war vom 4. November 1797 nominell und nach den Vereinbarungen beim Frieden von Lunéville ab dem 9. März 1801 offiziell bis 1814 französisches Staatsgebiet. Die Einführung des Code civil, eine Justizreform und ganz besonders die Abschaffung von Adel und Klerus mit dem damit verbundenen Wegfall von Fron und anderen Lasten machten die französische Herrschaft rasch populär. Die enorme Steuerbelastung und die ständigen Aushebungen zu Gunsten der französischen Armee drückten jedoch auf die Menschen der Region.
Preußen und Oldenburg Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde der Raum erneut neu strukturiert. Auf der Grundlage des Artikels 25Acte du Congrès de Vienne du 9 juin 1815, Art. 25: Possessions prussiennes sur la rive gauche du Rhin. der Schlussakte zum Wiener Kongress kam der Nordteil des Département de la Sarre im Juni 1815 zunächst an Preußen. In Oberstein wurde ein preußisches Landratsamt errichtet. Da sich Preußen im Pariser Frieden von 1815 verpflichtet hatte, aus diesem Gebiet einen Bereich mit zusammen 69.000 Einwohnern an den Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld (20.000 Seelen), den Herzog von Oldenburg (20 000 Seelen) und andere kleine Fürsten abzugeben und dieses im Artikel 49Acte du Congrès de Vienne du 9 juin 1815, Art. 49: Territoires réservés pour les maisons d’Oldenbourg, de Saxe-Cobourg, de Mecklenbourg-Strelitz, et le comte de Pappenheim. der Schlussakte zum Wiener Kongress festgelegt wurde, kam es zu einer weiteren Aufteilung der Region.
Die südlich der Nahe gelegenen Orte Hammerstein, Kirchenbollenbach, Mittelbollenbach, Nahbollenbach und Martin-Weierbach sowie der Homerische Hof kamen daher 1816 an das Fürstentum Lichtenberg der Herzöge von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Die Coburger Herzöge waren mit diesem Zugewinn nicht zufrieden, wie auch die Einwohner des Fürstentums Lichtenberg mit den Coburgern unzufrieden waren. Das Gebiet wurde 1834 für zwei Millionen Taler von Sachsen-Coburg und Gotha an Preußen verkauft und in den Landkreis St. Wendel umgewandelt, aus dessen nicht in das Saargebiet eingegliederten Teilen nach dem Ersten Weltkrieg der Restkreis Sankt Wendel-Baumholder hervorging. Die Preußen wurden ebenfalls nicht geliebt, weil sie teils mit militärischer Macht die eigene Ordnung durchsetzten. Man trug ihnen nach, dass sie u. a. auf coburgischen Hilferuf zum Hambacher Fest im Mai 1832 eine Protestkundgebung in St. Wendel, wo auch in napoleonischer Tradition ein Freiheitsbaum gesetzt wurde, mit militärischer Gewalt beendeten.
mini|Fürstentum Birkenfeld, Landkarte von Richard Andree, 1881