BeOS ist ein Betriebssystem der ehemaligen Be Incorporated. Aufgrund seiner Multimedia-Fähigkeiten wurde es von Be auch als „Media OS“ bezeichnet. Am Markt konnte es sich jedoch nicht behaupten und wurde 2001 eingestellt. In der Folge entstand unter anderem Haiku, eine freie Re-Implementierung von BeOS.

System Bei BeOS handelt es sich um ein Einbenutzersystem mit einem modularen Hybridkernel für 32-Bit-x86- (ab Pentium) und PowerPC-Prozessoren (PowerPC 603 und 604, G3 nur auf Upgradekarten). Es unterstützt Mehrprozessorsysteme mit bis zu acht Prozessoren und ist multitasking- und multithreadingfähig. BeOS verwendet ein eigenes BeFS genanntes 64-Bit-Journaling-Dateisystem. BeOS liest und beschreibt auch Partitionen, die mit den Windows-Dateisystemen FAT16, FAT32 oder dem Mac-OS-Dateisystem HFS formatiert sind. Auf Partitionen, die mit dem Windows-Dateisystem NTFS oder dem Linux-Dateisystem ext2 formatiert sind, kann lesend zugegriffen werden. Zudem verfügt BeOS über einen Speicherschutz, so dass ein abgestürztes Programm nicht das gesamte System beschädigt. Dies war bei Erscheinen von BeOS eine echte Neuerung im Heimanwenderbereich, verfügten doch die damals populärsten Betriebssysteme Windows 95 und klassisches Mac OS nicht über diese Technik. BeOS brachte mit bootman seinen eigenen Bootmanager mit, der komplett in den Master Boot Record passt. Er kann keine Dateisysteme lesen und lädt daher ein Betriebssystem so, als ob es direkt gestartet würde, dadurch kann bootman nahezu jedes Betriebssystem starten. BeOS verzichtete auf die Trennung von Kernel und grafischer Oberfläche.

Versionen VersionErscheinungsdatumPlattformDeveloper Release 51995BeBoxDeveloper Release 6Januar 1996Developer Release 7April 1996Developer Release 8September 1996Developer Release 8.2Januar 1997BeBox und Power MacDeveloper Release 8.3März 1997Developer Release 9Mai 1997Preview Release 1Juli 1997Preview Release 2Oktober 1997Release 3März 1998IA-32 (32-Bit-x86), Power Mac und BeBox* Release 3.1Juni 1998 Release 3.2Juli 1998Release 4Dezember 1998IA-32, Power Mac und BeBox* Release 4.5Juni 1999Release 5März 2000IA-32, Power Mac und BeBox* * nur BeBoxen ab Revision 6

Developer Release Software-Entwickler erhielten Developer Releases (DR) zusammen mit der BeBox und bekamen dann das jeweils neueste Developer Release zugesandt.

Die früheren Developer Releases laufen nur auf der BeBox von Be, erst ab der DR-Version 8.2 wird auch der Power Macintosh unterstützt. Die erste offiziell erhältliche Version war DR6; DR5 wurde nur an wenige speziell ausgewählte Firmen ausgeliefert. Die DR9 wurde im Mai 1997 auf der BeDC (Be Developer Conference) verteilt und danach an alle registrierten Entwickler verschickt. Die DR9 trägt auch den Namenszusatz AADR, was für advanced access preview release steht, da dies die letzte Version ist, die nur für Entwickler gedacht war und nahezu identisch ist mit der kurze Zeit später erschienenen Preview Release 1. Die DR9 brachte gegenüber der DR8 einige tiefgreifende Änderungen mit sich. So wurde das Dateisystem zu einem 64-Bit-Dateisystem erweitert, was Dateien größer als 2 GB erlaubt, und um Journaling-Funktionen ergänzt.

DR6 und frühere Versionen laufen heute nur noch auf ganz wenigen BeBoxen, da deren Bootloader für spätere Versionen geändert wurde. BeBoxen, die auf diese Weise aktualisiert wurden, können die alten Versionen daher nicht mehr betreiben.

Preview Release Die Preview Release 1 (PR1) von BeOS, die vor Erscheinen der Preview Release 2 einfach nur als Preview Release bezeichnet wurde, erschien im Juli 1997 und basiert weitgehend auf der zuvor an Entwickler gelieferten DR9. Die PR1 brachte aber dennoch gegenüber den Developer Releases weitere Neuerungen, wie die Unterstützung für AppleTalk, PostScript-Drucker, Unicode und softwareseitiges OpenGL. Der Preis für den Full Pack (CD mit Handbuch und zwei Updates) der Preview Release 1 betrug 49,95 US-Dollar. Es gab aber auch einen so genannten Trial Pack, der aus einer auf CD gelieferten, uneingeschränkt lauffähigen Preview Release besteht und für 10 US-Dollar erhältlich war. Die ab Oktober 1997 erhältliche Preview Release 2 war ab November 1997 auch zum kostenlosen Download auf der Internetseite von Be verfügbar. Laut Angaben von Be wurde diese, bis sie mit Erscheinen von Release 3 nicht mehr verfügbar war, insgesamt mehr als 1 Million Mal heruntergeladen.

Release 3 Das im März 1998 erschienene BeOS 3 ist die erste Version, die auch für die 32-Bit-x86-Architektur IA-32 erhältlich war. Diese kostete anfangs 69,95 US-Dollar, später 99,95 US-Dollar. Es folgte Version 3.1, die weitere Treiber enthält und das Lesen von FAT16-Dateisystemen erlaubt und Festplattenlaufwerke, die 8 GB oder mehr umfassen, unterstützt. BeOS 3.2 bringt erneut weitere Treiber speziell für die x86-Architektur. Auf Basis von Release 3.2 erschien auch eine Live-CD für x86, die für 10 US-Dollar erhältlich war.

Release 4 BeOS 4 erschien im Dezember 1998 und kostete 99,95 oder 69,95 US-Dollar (bei Bestellung über Bes Webseite). Es bringt gegenüber der Vorgängerversion erneut zusätzliche Treiber und Unterstützung für die gängigsten SCSI-Kontroller auf der x86-Plattform – von Adaptec und Symbios Logic. Eine weitere grundlegende Neuerung ist der Wechsel des Compilers der Version für x86-Prozessoren vom CodeWarrior zum EGCS, da dieser den Code besser für x86-Prozessoren optimiert. Dies machte es erforderlich, dass alle für Release 3 geschriebenen Programme entsprechend angepasst und neu kompiliert werden mussten, da auch das gesamte BeOS für x86 mit diesem Compiler übersetzt worden war.

Eine weitere Neuerung war der Umstieg vom bisher verwendeten Linux Loader (LILO) auf den BeOS-Bootmanager bootman.

Im Februar 1999 machte das Unternehmen Be allen Computerherstellern das Angebot, kostenlose BeOS-Lizenzen zu erhalten. Dieses Angebot galt jedoch nur, wenn die Rechner die Möglichkeit boten, wahlweise Windows oder BeOS zu booten, die beide auf Festplatte installiert sein mussten. Dieses Angebot wurde von verschiedenen Computerherstellern wahrgenommen, so etwa von Fujitsu und Hitachi.

Version 4 sollte eine Aktualisierung auf Version 4.1 folgen, doch stattdessen erhielt die Folgeversion, da sie erhebliche Neuerungen enthält, die Versionsnummer 4.5 und erschien etwas verspätet im Juni 1999. So bietet Version 4.5 erstmals experimentelle Unterstützung für USB und PCMCIA, bringt einen eigenen Mediaplayer mit, und es wird erneut die Anzahl der unterstützten Hardware erhöht, nicht unterstützte Grafikkarten können nun aber mittels eines VESA-Treibers angesprochen werden. Ebenfalls mit BeOS 4.5 erschien ein experimentelles Programm namens World O' Networking (WON), das auf der BeOS 4.5- und BeOS 5-CD mitgeliefert wurde und bis zum Erscheinen von BeOS 5 auch von Bes FTP-Server heruntergeladen werden konnte. Dieses Programm erlaubte es, auf Windows-Rechner über das Netzwerk zuzugreifen.

Es folgten noch Updates auf Version 4.5.1 und 4.5.2, die hauptsächlich Bugfixes enthielten, aber auch ein paar neue Treiber enthalten.

Release 5 Die letzte von Be entwickelte und veröffentlichte Version war BeOS 5. Sie erschien im März 2000 als „Professional“ und als „Personal Edition“. Die „Professional“ Variante von BeOS 5 wurde in Deutschland und in der Deutschschweiz ab August 2000 vom Unternehmen Koch Media mit deutschem Handbuch und einer weiteren CD mit Free- und Shareware für 169 DM bzw. 149 Franken vertrieben.IT-Reseller: BeOS ohne Zukunft? Be flüchtet in Web-Appliances, 26. April 2000, abgerufen am 1. Dezember 2021 Die „Personal Edition“ ist eine Gratisversion zur privaten Nutzung, die zuerst nur auf Windows, dann auch auf Linux installiert und von dort gestartet werden kann. Dazu legt das Installationsprogramm eine Image-Datei an. In dieser Image-Datei ist das Abbild eines mit dem BeFS-Dateisystem formatierten Datenträgers mitsamt BeOS-Installation enthalten. Das in der Image-Datei enthaltene BeOS kann mit dem BeOS-Bootmanager bootman gestartet werden, der entweder auf Diskette oder im MBR untergebracht werden kann, oder mit einem Startskript aus dem bereits laufenden Dateisystem (was jedoch Schwierigkeiten bei der Hardwareerkennung bereiten kann). Die kostenlose „Personal Edition“ wurde auch von verschiedenen Computer-Magazinen auf der Heft-CD mitgeliefert. Dadurch vergrößerte sich die Nutzerzahl schnell, der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus. Die Updates 5.0.1 und 5.0.2 erschienen nur für BeOS 5 „Professional“, das finale Update 5.0.3 für beide Varianten.

Vor der Übernahme von Be durch Palm gab es Gerüchte um ein BeOS 5.1, das jedoch nie erschien. Eine geleakte Version mit der Versionsnummer R5.1d0 (Codename Dano/EXP) trägt das Datum vom 15. November 2001. Nach der Übernahme stellte der neue Eigentümer Palm jedoch klar, dass BeOS nicht weiterentwickelt werde. Es entstanden verschiedene auf BeOS 5.0.3 aufbauende Varianten, die zusätzliche Treiber und Software enthalten. Beispiele dafür sind BeOS Max und die BeOS Developer Edition. Diese Distributionen verstoßen jedoch gegen die Lizenz von BeOS 5 Personal Edition, welche besagt, dass BeOS nicht in veränderter Form weitergegeben werden darf.

Anwendungen BeOS bringt standardmäßig bereits verschiedene Anwendungen mit, etwa den Browser NetPositive, einen Mediaplayer, einen Bildbetrachter (ShowImage), ein E-Mail-Programm (BeMail) und einen Webserver (PoorMan). Zusätzlich bringt BeOS mit SoftwareValet ein Programm mit, das es erlaubt, auf einfache Weise neue Software zu installieren, die in entsprechenden Archiven mit der Endung .pkg untergebracht ist.

Des Weiteren existieren viele verschiedene Free- und Shareware-Programme, da Be schon früh freie Entwickler für BeOS begeistern konnte. Beispiele für derartige Software sind AbiWord und BeZilla (Mozilla-Portierung).

Im April 1996 erschien mit CodeWarrior eine Integrierte Entwicklungsumgebung für BeOS. Ab BeOS 3 gibt es auch von größeren kommerziellen Anbietern verschiedene Software für BeOS, so existieren mit BeBasic und Gobe Productive zwei Office-Pakete für BeOS. Insbesondere Gobe Productive von ehemaligen Mitarbeitern der Apple Works Suite hatte sehr innovative Ansätze. Weitere Software folgte, etwa der Browser Opera. Das Unternehmen BeatWare bot gleich mehrere ihrer Produkte für BeOS an, nämlich das E-Mail-Programm Mail-It, den FTP-Client Get-It und das Grafikprogramm e-Picture. Bei Erscheinen der kostenlosen Personal Edition von BeOS 5 gab BeatWare bekannt, dass Mail-It und Get-It ebenfalls kostenlos erhältlich sind. Von Adamation gab es einen der ersten Home-Videoeditoren, Personal Studio.

Viele weitere kommerzielle Programme gab es insbesondere aus dem Multimediabereich. Videoschnittprogramme (VideoWave), Animationssoftware (Cinema 4D) oder Software zur Audiobearbeitung, etwa Nuendo von Steinberg, waren angekündigt und wurden teilweise auch auf Messen vorgeführt, erschienen jedoch größtenteils nie in einer endgültigen Version. Von der mittlerweile etablierten IK Multimedia existieren Ports von T-Racks und Groovemaker, nachdem man sich auf der Musikmesse in Frankfurt von den Qualitäten des Systems überzeugte. Die Hersteller waren von der generellen Überlegenheit des Systems überzeugt, allerdings vermochte es die Führung von Be Inc. nicht, den notwendigen Support für die Softwarehersteller zu bieten. Der strategische Richtungswechsel auf BeIA war somit für die meisten Unternehmen der Grund, trotz Vorstellung der Produkte auf dem BeOS auf der Cebit, der Musikmesse in Frankfurt oder in Arnheim die Entwicklung einzustellen. Auf einer Entwicklermesse in Frankfurt zeigte sich jedoch deutlich der hohe Latenz- und Geschwindigkeitsunterschied zu Windows-basierten Systemen.

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