Poběžovice (deutsch Ronsperg) ist eine Stadt im Okres Domažlice in Tschechien. Sie liegt in Westböhmen an der Pivoňka (Piwonka oder Geschwindbach) am Fuß des Oberpfälzer Waldes.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Hostouň (Hostau), Srby u Horšovského Týna (Sirb), Meclov (Metzling), Otov (Wottawa), Vlkanov u Nového Kramolína (Wilkenau), Mnichov u Poběžovic (Münchsdorf), Hvožďany u Poběžovic (Hoslau), Drahotín (Trohatin).

Gemeindegliederung Die Stadt Poběžovice besteht aus den Ortsteilen und Katastralbezirken Ohnišťovice (Wonischen), Poběžovice, Sedlec (Sadl), Sezemín (Zeißermühl), Šibanov (Schiefernau), Šitboř (Schüttwa) und Zámělíč (Klein Semlowitz).

Geschichte mini|Schloss Ronsperg mini|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mini|Pfarrhof am Marktplatz mini|Schlossstiege mini|hochkant|Nepomukstatue zwischen Pfarrhaus und Kirche Die erste Erwähnung von Poběžovice steht im Zusammenhang mit Zdeněk von Poběžovice, der in den Jahren 1359–1373 belegt ist. 1424 wurde der Ort zum Marktflecken erhoben und 1502 zur Stadt. In dieser Zeit erbaute der Besitzer Dobrohost von Poběžovice auch die Burg und eine Kirche und benannte die Stadt in Ronšperk (deutsch Ronsperg) um. Die Kirche fiel der Feuersbrunst von 1632 zum Opfer und wurde anschließend in ihrer heutigen Gestalt neu errichtet.

Von 1542 bis 1621 gehörte die Stadt den Herren von Schwanberg (Švamberk), später den Herren von Wunschwitz und im 19. Jahrhundert den Grafen von Thun und Hohenstein. Zu den Herren von Wunschwitz gehörte etwa um 1680 Matthias Gottfried Freiherr von Wunschwitz, der den aus Prag vor der Pest geflohenen Bildhauer Johann Brokoff aufnahm und die von diesem als HolzmodellDas Holzmodell wurde zunächst in der Wunschwitzschen Schlosskapelle in Ronsperg aufbewahrt und gelangte 1888 nach Prag in die Kirche St. Johannes von Nepomuk am Felsen. nach einem Gipsmodell von Matthias Rauchmüller gefertigte Nepomuk-Statue stiftete, die 1683 in Nürnberg in Bronze gegossen und 1693 auf der Prager Karlsbrücke aufgestellt wurde.Isabel Heitjan: Das „Wunder“ Johanns von Nepomuk 1744 zu Prag. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 89, 5. November 1968 (= Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 62), S. 2863–2868, hier: S. 2867. In der Habsburgermonarchie war Ronsperg ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Ronsperg) im Bezirk Bischofteinitz. Der Gerichtsbezirk Ronsperg war deutschsprachig.Anastasia Prochazka: Das deutsche Sprachgebiet in Böhmen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Band 14. Prag 1876, S. 221–240, insbesondere S. 226 (books.google.de).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Region der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens von 1938 wurde Ronsperg dem Deutschen Reich angegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Bischofteinitz, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Bis 1945 war das Schloss Ronsperg Sitz der Reichsgrafen von Coudenhove-Kalergi. Die bis 1945 überwiegend deutschsprachige Bevölkerung wurde 1945 mehrheitlich vertrieben.

Bevölkerung Bis 1945 war Ronsperg überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945Für die Tabelle wurden u. a. folgende Quellen benutzt: Seite 278 für die Jahre 1869 bis 2001 Für die Zeit vor 1869 Franz Bauer: Ronsperg. In: Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler, Eichstätt 1967, S. 216–235. Webseite von Poběžovice für die Zeit vor 1869: pobezovice.cz Jahr Einwohner Anmerkungen 1600 k. A. 100 Familien, davon 30 jüdische Familien 1623 k. A. 70 Hausbesitzer 1648 k. A. 11 Bauern, 6 Hüttner, 23 Gärtner in 40 Häusern, weitere 24 Häuser wüst 1654 k. A. 42 Hausbesitzer 1789 k. A. 128 HäuserJaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 12: Klattauer Kreis, Prag und Wien 1789, S. 78–79, Ziffer 1). (books.google.de). 1830 1950 in 222 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 203, Ziffer 4) unten (books.google.de). 1838 1928 in 222 Häusern, darunter 30 jüdische Familien mit 212 PersonenJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 7: Klattauer Kreis. Prag 1839, S. 145–146, Ziffer 1. (books.google.de). 1869 1899 in 252 Häusern 1880 1960 in 241 Häusern 1890 1854 in 241 Häusern 1900 1928 deutsche Einwohner, in 264 Häusern 1910 2104 in 262 Häusern 1921 2008 in 285 Häusern, davon 1893 DeutscheGenealogie-Netz Sudetenland 1930 1989 in 330 Häusern 1939 1995 Einwohner und Häuser ab 1950 Jahr Einwohner Häuser 1950 1232 296 1961 1291 286 1970 1238 226 1980 1447 236 1991 1506 254 2001 1542 280

Jüdische Gemeinde mini|Jüdischer Friedhof In Poběžovice befand sich ab dem 17. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, die bis zum Jahre 1859 eine Jeschiwa unterhielt. Poběžovice war auch Sitz des Kreisrabbiners für den Pilsener und Klattauer Kreis.Josef Hüttl: Das kirchlich-religiöse Leben in unserem Heimatkreis. In: Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler, Eichstätt 1967, S. 479. Nordwestlich von Poběžovice, nördlich der Straße 5(6)A Poběžovice – Drahotin befindet sich mitten im Feld der alte jüdische Friedhof von Poběžovice, zu dem eine befestigte Zufahrt mit Parkplatz gebaut worden ist. Der Zugang zum Friedhof erfolgt linker Hand durch ein Eisentor, nicht durch das Haupttor. Von über 500 Gräbern sind nur noch etwa 50 erhalten.Chamer Zeitung. 29. Mai 2013 (pobezovice.cz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Hotel Hubertus

Söhne und Töchter der Stadt Moses Löb Bloch (1815–1909), Rabbiner, Direktor der Landesrabbinerschule Budapest Abraham Langschur (1841–1923), jüdischer Geschäftsmann, geboren, gestorben und beerdigt in PoběžoviceFranz Bauer: Ronsperg. In: Franz Liebl, Heimatkreis Bischofteinitz (Hrsg.): Unser Heimatkreis Bischofteinitz. Brönner & Daentler, Eichstätt 1967, S. 228. Emil Starkenstein (1884–1942), Pharmakologe, im Konzentrationslager Mauthausen ermordet Johann Graf Coudenhove-Kalergi (1893–1965), bis 1945 Schlossherr auf Schloss Ronsperg Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894–1972), Gründer der Paneuropa-Bewegung, lebte hier in seiner Jugend Ida Friederike Görres geb. Coudenhove-Kalergi (1901–1971), Schriftstellerin Guido Reimer (1901–?), SS-Obersturmführer in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mauthausen Franz Bauer (1930–2020), Autor und Herausgeber des Buches Ronsperg. Ein Buch der Erinnerung, trug zur Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen bei Maria Kloss (* 1940), Malerin und Bildhauerin

Literatur

Franz Bauer (Hrsg.): Ronsperg. Ein Buch der Erinnerung. Furth im Wald 1970.

Weblinks

pobezovice.cz

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung im 14. Jahrhundert