mini|Vorderansicht des Bismarck-Denkmals, 2023
Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark in Hamburg erinnert an den ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898). Es wurde in den Jahren 1901 bis 1906 nach Plänen des Architekten Emil Schaudt und des Bildhauers Hugo Lederer errichtet. Vom Hamburger Hafen aus gut sichtbar, zeigt es von Bismarck als hanseatischen Roland, ein Symbol städtischer Freiheit. Mit einer Gesamthöhe von 34,3 Metern ist es das größte Bismarck-Denkmal Deutschlands und eines der Wahrzeichen Hamburgs. Es steht unter Denkmalschutz.
Beschreibung mini|Seitenansicht des Bismarck-Denkmals, 2016
Das Monument hat eine Gesamthöhe von 34,3 Metern (Sockel und Figur) und wiegt 625 Tonnen. Die für das Denkmal verwendeten 100 Granitblöcke stammen aus Kappelrodeck im Schwarzwald. Es handelt sich um Oberkirch-Granitporphyr. Die eigentliche Bismarck-Figur ist 14,8 Meter hoch. Die Höhe des Kopfes beträgt 1,83 Meter, die Länge des Schwertes zehn Meter.
Ihm zu Füßen versinnbildlichen Granitfiguren die germanischen Stämme. Diese acht Sockelfiguren wurden erst 1908 nach einer erneuten Spendenaktion ausgeführt, da beim Entwurf des Bismarckdenkmals die Materialfrage zunächst offen gelassen wurde und ein erheblich größerer Anteil der ursprünglichen gesammelten Spenden für das Granitmaterial ausgegeben werden musste.Jörg Schilling: Distanz halten – Das Hamburger Bismarckdenkmal … S. 36.Hamburg-Mitte, Bismarck-Denkmal: Information Board, Instandsetzung 2020.
Zentral im Inneren, genau unter der Figur, befindet sich ein 15 Meter hoher, aus Ziegelmauerwerk hergestellter, nach oben leicht verjüngter Rundraum. Der Innendurchmesser dieser Trommel beträgt 3,70 Meter. Die Hohlräume im Denkmalsockel dienten ursprünglich der Entlüftung des Bauwerks.Jörg Schilling: Distanz halten – Das Hamburger Bismarckdenkmal … S. 355
Geschichte mini|Kopf des Denkmals, 1906 mini|Enthüllung des Denkmals, 1906 mini|hochkant|Luftbild des Denkmals, dahinter die Tanzenden Türme, 2013
Vorgeschichte Am 31. Juli 1898 starb Bismarck im Alter von 83 Jahren in Friedrichsruh bei Hamburg. Für Max von Schinckel (Persönlich haftender GesellschafterIn zeitgenössischen Artikeln wird Max Schinckel als „Geschäftsinhaber“ tituliert; das entspricht heute dem „Persönlich haftenden Gesellschafter“ (PhG). der Norddeutschen Bank und Vorstand der Disconto-Gesellschaft, Mitglied der Handelskammer,vormals Commerz-Deputation) stand fest, „dass unverzüglich und solange noch jedem dieser unersetzliche Verlust heiß in der Seele brannte, auch in Hamburg die Schritte für die Errichtung eines grandiosen Bismarckdenkmals getan werden müssten“. Am folgenden Montag beschloss er mit seinem „Gesinnungsgenossen“Elsabea Rohrmann: Max von Schinckel – hanseatischer Bankmann im wilhelminischen Deutschland. Dissertation. HWWA Institut für Wirtschaftsforschung – Verein Weltarchiv GmbH, Hamburg 1971, S. 189, Anmerkung 844: laut Hamburger Nachrichten vom 2. August 1898 wurde Schinckel als Initiator bezeichnet – wohl ein Zeichen Schinckelscher Tendenz, möglichst im „Hintergrund“ zu bleiben. Rudolph Crasemann (Abgeordneter, Handelskammermitglied, Präsidium), den damaligen Bürgermeister Johannes Versmann aufzufordern, den Ehrenvorsitz für ein Komitee zu bilden. Der dritte im Bunde war der Diamantenhändler Ludwig Julius Lippert, ein „begeisterter Bismarckanhänger“.Max v. Schinckel: Lebenserinnerungen. Im Selbstverlag bei Hartung, Hamburg 1929, S. 448. Dem Gremium für den Bau eines Ehrenmals sollten elf angesehene Bürger Hamburgs angehören. Am 7. August machten die Hamburger Nachrichten mit einem „Aufruf zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Hamburg“ auf der Titelseite auf, die über die gesamte Seite Namen von Unterzeichnern des Aufrufes aufführte.Hamburger Nachrichten 7. August 1898, S. 1, ( Digitalisat) Anschließend begann die Spendensammlung, die aufgrund der geringen Bereitschaft in der Bevölkerung länger dauerte als geplant.
Dem Bismarck-Denkmal-Comité gehörten unter anderem Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, die Reeder Carl Laeisz bzw. Carl Ferdinand Laeisz, der Präsident des Oberlandesgerichts Ernst Friedrich Sieveking, der Architekt der Speicherstadt Franz Andreas Meyer, der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Justus Brinckmann, der Architekt des Rathauses Martin Haller und der Direktor der Kunsthalle Alfred Lichtwark an sowieProtokoll StaH, BDC, A2, Band 3, 289. Edmund Siemers, Rudolph Crasemann, Otto Eduard Westphal, Eduard Isaakson, Johannes Semler, Ernst Friedrich Friedheim, u. a.Tagesbericht. Betreffs der Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Hamburg. In: Hamburger Nachrichten 3. August 1898, [Seite 4], (Digitalisat)
Planung und Bau Man einigte sich darauf, für 453.000 MarkJörg Schilling (Bearb.): Das Bismarckdenkmal in Hamburg 1906–2006. Beiträge zum Symposium „Distanz halten“. S. 36. – anstelle des 1901 zum Abriss freigegebenen Elbpavillons – auf einer Elbhöhe im Alten Elbpark in den Hamburger Wallanlagen oberhalb vom Hamburger Hafen, weit sichtbar, Bismarck mit westlicher Sicht auf den Elbstrom zu errichten. 1901 wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Dem Preisgericht gehörten an: Martin Haller, Camillo Sitte, Paul Wallot, Robert Diez, Georg Treu, Masson und drei Vertreter der Stadt Hamburg.Jürgen Faulwasser: Wettbewerb um eine Bismarck–Denkmal in Hamburg. S. 341 Aus den 239Ekkehard Mai, Stephan Waetzoldt: Kunstverwaltung. Bau- und Denkmal-Politik im Kaiserreich. Berlin 1981, S. 281.Abweichend: 219 Einsendungen, siehe Jürgen Faulwasser: Wettbewerb um eine Bismarck–Denkmal in Hamburg. S. 341 eingesandten Entwürfen wurden im Januar 1902 die fünfzehn besten prämiert. Hugo Lederer und Emil Schaudt erhielten für ihren Entwurf, der Bismarck in Form einer riesigen Rolandstatue zeigt, den ersten Preis und den Auftrag zur Ausführung. Am 28. Juli 1905 zog ein Gespann mit 16 Pferden den 1,83 Meter großen Bismarck-Kopf aus Granit vom Ottensener Güterbahnhof auf die Baustelle im Alten Elbpark.Altonaer Nachrichten. Abend-Ausgabe, 28. Juli 1905, S. 2, (Digitalisat) Die feierliche Einweihung fand am 2. Juni 1906 nach dreijähriger Bauzeit statt.
Das heute, an seiner Höhe bemessen, größte Denkmal Hamburgs war bereits damals nicht unumstritten. Auch war man sich über den Standort anfangs nicht einig. Als alternative Bauplätze standen in der Findungsphase unter anderem der Waseberg von Blankenese mit einer weitaus größeren Bismarckstatue (über 60 m), die in das Elbstromland schauen sollte, kurzzeitig zur Diskussion oder eine weitaus kleinere Statue entweder an der heutigen Straße Fontenay (Außenalster / Alstervorland) oder an der Binnenalster (Lombardsbrücke / Ballindamm).
Ausbau zum Luftschutzraum Die Hohlräume des Denkmals wurden in den Kriegsjahren 1939 bis 1941 zu Luftschutzräumen für bis zu 950 Personen ausgebaut. Sie waren vor allem für Passanten, Besucher der Landungsbrücken und direkte Anwohner vorgesehen. Mit 2.000 Tonnen Beton wurden Zwischendecken und Trennwände eingebaut. Acht wabenähnliche Räume entstanden so im Inneren um die 15 Meter hohe steinerne Trommel unter der Statue. Treppen führen in die unteren Ebenen der Schutzräume.Friederike Ulrich: Der Bismarck neigt sich. In: Hamburger Abendblatt, 19. Juni 2013, S. 7. Nach 1941 wurde in der Kegelspitze des Rundraums ein goldenes Hakenkreuz angebracht. An der Wand ist ein riesiger Adler gemalt, der in seinen Klauen einen Eichenkranz trägt. Im Inneren dieses Kranzes befindet sich vermutlich ein übertünchtes Hakenkreuz.Jörg Schilling: Distanz halten – Das Hamburger Bismarckdenkmal … S. 364. Außerdem befinden sich im Innenraum noch weitere Wandmalereien, darunter Wappen und ein Hakenkreuz als Sonnenrad (siehe hierzu auch Schwarze Sonne) sowie – aus dem Zusammenhang gerissene – Zitate von Bismarck in Fraktur.
Eintrag in die Denkmalliste Am 17. März 1960 wurde das Bismarckdenkmal unter der Nr. 461 in die Liste der Hamburger Denkmäler eingetragen. Eine Unterschutzstellung war ziemlich unmittelbar nach ihrem Vollzug wirksam und somit konnten Planungsüberlegung für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) von 1963, die anstelle des Bismarckdenkmals auf der ehemaligen Bastion im Alten Elbpark einen Aussichtsturm errichten wollten, ad acta gelegt werden.Jörg Schilling (Bearb.): Das Bismarckdenkmal in Hamburg 1906–2006. Beiträge zum Symposium „Distanz halten“. 2008, S. 121/122. Infolge der Neubewertung Bismarcks, nach der er „allen nationalistisch-alldeutschen und wirtschaftlich-imperialistischen Zielen seiner Zeit immer wieder eine Absage erteilt“ habe, wurde das Denkmal 1969 gereinigt.Jörg Schilling: Distanz halten – Das Hamburger Bismarckdenkmal … S. 337 Joachim Gerhardt, der damalige Leiter des Denkmalschutzamtes, erklärte, dass das Denkmal „von besonderer kunst- und kulturgeschichtlicher Bedeutung nicht nur für Hamburg“ und ein Wahrzeichen „gleichbedeutend neben dem Michel“ sei.
„Denkmäler und Standbilder sind im Zeitalter der Revision unseres Geschichtsbildes ein besonderes Anliegen der Denkmalpflege. Sie sind, wie auch immer man zu dem Gegenstand der Darstellung stehen mag, Ausdruck eines bestimmten zeitgebundenen Geschichtsbewusstseins, dessen Dokumente respektiert werden sollten. So wurde das nach Entwürfen von Lederer errichtete Bismarck-Denkmal (1903–1906) als ein für seine Zeit neuartiger und einmaliger Denkmaltyp unter Schutz gestellt.“
Das Hamburger Bismarck-Denkmal kann, mit Einschränkungen, als ein Kunstwerk der Moderne bezeichnet werden.Jörg Schilling: Distanz halten – Das Hamburger Bismarckdenkmal … S. 391
Reparaturen und Sanierungen mini|hochkant|Der Hamburger Roland im Alten Elbpark, 2015
Der im Zweiten Weltkrieg durch Bombeneinwirkung beschädigte Unterbau des Denkmals wurde bis zum Spätsommer 1950 für 50.000 Mark instand gesetzt. Bis dahin war der ehemalige Luftschutzraum im Inneren des Bismarckdenkmals ein willkommenes Nachtquartier für heimatlose Jugendliche.Gesicherter Bismarck. In: Hamburger Abendblatt. Historisches Archiv, Nr. 217 vom 16. September 1950, S. 3 und Bismarck ohne Nachtquartier. In: Hamburger Abendblatt. Historisches Archiv, Nr. 76 vom 30. März 1950, S. 3. Aus Sicherheitsgründen ist der Unterbau für die Öffentlichkeit verriegelt. Vereinzelte Führungen für Fachpublikum und Medienvertreter waren jedoch bis in die 2010er Jahre immer wieder möglich.
In den Jahren 1969 sowie 1989 wurden gegen eindringendes Regenwasser Steine abgenommen und dann Abdichtungen angebracht.
Durch die Betonlast der Luftschutz-Einbauten wurden die Mauern des Sockels belastet, Risse entstanden in den Mauern, es gibt Stalaktiten im Inneren, die Figur neige sich angeblich, hieß es in der Lokalpresse. Bereits seit Anfang 2003 gab es Überlegungen, das Bismarckdenkmal wegen statischer Probleme (damals neun Zentimeter Neigung auf die Gesamthöhe) zu sanieren. Sanierungskosten in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro waren 2003 im Gespräch. Im Juni 2014 wurde bekannt, dass das Areal – d. h. Denkmal und Alter Elbpark – für 13 Millionen Euro saniert wird. 6,5 Millionen Euro sind aus dem Bundeskulturetat bewilligt und die andere Hälfte soll die Stadt Hamburg bezuschussen.Bismarck-Denkmal, Instandsetzung, Präsentation Gebauer. (PDF) Von Februar 2020 bis Juli 2023 wurde das Bismarck-Denkmal für 8,9 Millionen Euro restauriert, den Großteil der Kosten trägt der Bund. Hamburg zahlt weitere 6,3 Millionen Euro für die Sanierung des Alten Elbparks, die bereits Ende 2019 begonnen hat. Im bisher ungenutzten Gewölbe ist außerdem ein Museum zur Geschichte des Monuments geplant. Ab April 2020 reinigte die Firma Kärcher die Statue mithilfe von Heißwasser-Hochdruckreinigern von Ruß, Stäuben, Graffiti, Algen, Flechten, Moosen und Vogelkot im Niederdruck-Partikelstrahlverfahren („Kultursponsoring“).