Nantes (; gallo: Naunnt; ) ist eine Großstadt mit ca. 320.000 Einwohnern im Département Loire-Atlantique (bretonisch Liger-Atlantel) im Westen Frankreichs. Nantes ist Sitz der Präfektur der Region Pays de la Loire und darüber hinaus die Kernstadt des Gemeindeverbands Nantes Métropole mit insgesamt etwa 650.000 Einwohnern. Nantes ist seit dem 4. Jahrhundert Sitz eines Bistums.

Die zeitweilige Hauptstadt der historischen Bretagne wurde im Jahr 1941 zusammen mit dem Département Loire-Atlantique von dieser abgespalten und ist deshalb nicht Teil der modernen Verwaltungsregion Bretagne.

Im Oktober 2010 bekam die Stadt Nantes als vierte Stadt die Auszeichnung Umwelthauptstadt Europas 2013. Am 31. Januar 2017 wurde Nantes durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa als 77. Stadt der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.Siehe das Stadtporträt Reformationsstadt Nantes. Frankreich. Stadt des Edikts und ohne Toleranz. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 17. Januar 2018.

Politik Stadtrat

Sonst.(l) =

Territoires 44 (T44;2),

Gauche démocratique et sociale (GDS;2)

Génération Écologie (GE;1) Lage und Klima Die etwa 55 km östlich des Atlantiks und ca. 385 km (Fahrtstrecke) südwestlich von Paris gelegene Großstadt Nantes liegt im ehemals schiffbaren Mündungsbereich der Loire; nahebei münden die Erdre und die Sèvre in die Loire. Die Stadt liegt zum größten Teil nördlich der Loire. In der Stadt befindet sich das geographische Zentrum der Landhemisphäre der Erdkugel.

Die klimatischen Bedingungen von Nantes werden durch die Nähe zum Atlantik bestimmt: Die Winter sind mild und feucht, die Sommer warm und nicht zu trocken. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 12 °C; Regen (ca. 700 bis 800 mm/Jahr) fällt überwiegend im Winterhalbjahr.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2021Einwohner 77.162 96.362 132.990 222.790 270.343 323.204 Quellen: Cassini und INSEE Das Bevölkerungswachstum der Stadt beruht im Wesentlichen auf der immer noch anhaltenden Zuwanderung von Familien aus den ländlichen Gebieten im Umland („Landflucht“).

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Straßenbahn in Nantes (Adtranz) mini|Place Royale Die Bedeutung von Nantes als Seehafen nahm mit zunehmender Größe der Schiffe immer weiter ab. Der Hafen hat heute kaum noch Bedeutung; die großen Frachter löschen ihre Waren 50 Kilometer westlich von Nantes in St. Nazaire. Im 19. Jahrhundert wurde der schiffbare Canal de Nantes à Brest errichtet, der heute hauptsächlich von Sport- und Hausbooten touristisch genutzt wird. Die Schwebefähre über die Loire wurde 1955 stillgelegt.

Wichtige Industriezweige sind die Stahl-, Glas-, Textil-, Zuckerindustrie und die Lebensmittelindustrie, beispielsweise wurde hier 1891 Saupiquet gegründet. Zahlreiche Feingebäck-Unternehmen von internationalem Renommée wurden in Nantes gegründet: BN (Biscuiterie nantaise) und LU (Lefèvre-Utile) sind zwei bekannte Beispiele. Am südlichen Stadtrand von Nantes befindet sich ein Werk von Airbus.Airbus. Les usines de Nantes et Saint-Nazaire ont connu une année record. In: Ouest-France.fr. 30. Januar 2016, abgerufen am 7. Juni 2024 (französisch).

Der Großraum Nantes hat ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz. Es wird von der Semitan (Société d’économie mixte des transports en commun de l’agglomération nantaise)Homepage der Semitan. In: tan.fr, abgerufen am 15. März 2017. betrieben. Hauptverkehrsmittel sind: 3 Straßenbahn-Durchmesserlinien (Gesamtlänge 40 km; Eröffnung der ersten Linie 1985) 70 Buslinien

Nantes besaß bereits seit 1885 eine Straßenbahn, deren Fahrzeuge zunächst mit Druckluft betrieben wurden. Die Elektrifizierung der Strecken erfolgte 1913. Der Betrieb wurde 1958 eingestellt, wie die meisten Straßenbahnen in Frankreich in der Nachkriegszeit stillgelegt wurden. Im Jahr 1985 wurde ein neues Straßenbahnnetz eröffnet, als erste Neuanlage in Frankreich.

Seit November 2006 besitzt die Stadt mit der Linie 4 einen „Busway“ von Foch Cathédrale und dem Schloss Richtung Südosten bis Porte de Vertou. Diese Buslinie, ein Bus Rapid Transit System, wird konsequent auf eigenen Fahrbahnen geführt und hat an den Kreuzungen absoluten Vorrang. Seit dem 24. April 2021 ist der ÖPNV in Nantes an den Wochenenden kostenlos.

Die Stadt ist ein Bahnknotenpunkt, sie liegt an der Bahnstrecke Tours–Saint-Nazaire; am Bahnhof Nantes beginnen die Hauptstrecke in Richtung Saintes–Bordeaux wie auch mehrere regionale Strecken. Von Paris aus ist Nantes per TGV in gut zwei Stunden erreichbar.

Der Flughafen Nantes Atlantique im Südwesten der Stadt ist gut ausgelastet. Im Januar 2018 wurde nach Protesten beschlossen, Pläne für einen Neubau nicht weiter zu verfolgen.

Geschichte Altertum Am Ufer der Loire sind Siedlungsreste aus der Zeit zwischen 900 und 600 v. Chr. nachgewiesen. Um 500 v. Chr. siedelten Kelten in der Region um das heutige Nantes. In der Folge wurde der Ort die Hauptstadt des keltischen Stamms der Namneten. Im Gallischen Krieg wurde das Gebiet im Jahr 56 v. Chr. der römischen Herrschaft unter Caesar unterworfen. Um das Jahr 50 v. Chr. herum wurde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Nantes die römische Hafenstadt Portus Namnetus gegründet. Im 3. Jahrhundert traten die Bewohner zum Christentum über.

Um das Jahr 285 fielen die Sachsen in die Region ein. Seit dem 4. Jahrhundert war Nantes der Sitz eines Bistums.

Mittelalter Im 5. und 6. Jahrhundert kamen angeblich Bretonen von den Britischen Inseln, die schriftlichen und archäologischen Belege für solche Ansiedlungen sind jedoch dürftig. Karl der Große unterwarf die Bretagne, die aber unter seinen Nachfolgern revoltierte. Für das Jahr 843 ist eine Brandschatzung durch die Loire-Normannen überliefert. Nominoë, der damals über die Bretagne herrschte, eroberte im Jahr 850 die Stadt und ließ deren Mauern schleifen, weil die Stadt sich mit Karl dem Kahlen verbündet hatte. Im Jahr 919 fiel Nantes an die Normannen, die aber 17 Jahre später wieder vertrieben wurden. Um diese Zeit begann die Rivalität zwischen den Grafen von Nantes und den Grafen von Rennes, die um die Oberherrschaft über die Bretagne stritten.

Im Jahr 1154 wurde Nantes an Heinrich II. übergeben, der in diesem Jahr den englischen Thron bestieg. Knapp 50 Jahre später fand die seit dem 5. oder 6. Jahrhundert existierende Grafschaft Nantes ihr Ende. Peter Mauclerc wurde im Jahr 1213 vom französischen König Philipp II. August zum Herzog der Bretagne ernannt und machte Nantes zu seiner Hauptstadt. Er ließ Nantes befestigen und verteidigte die Stadt gegen den englischen König Johann Ohneland. Die Stadt, die bis 1689 Hauptstadt der Bretagne blieb, entwickelte sich ab dem 14. Jahrhundert zu seinem wichtigen Seehafen. Während des Bretonischen Erbfolgekriegs (1341–1364) stand die Stadt zuerst auf der Seite Johanns von Montfort, ergab sich jedoch im November 1341 Karl von Blois. Letztlich siegten aber die Montforts, wurden 1364 bretonische Herzöge und wählten Nantes als ihre Hauptresidenz. Im Jahr 1460 wurde in Nantes die Universität durch Herzog Franz II. von Bretagne gegründet und von Papst Pius II. bestätigt. Nach dem Tod der letzten Herzogin Anne de Bretagne (reg. 1489–1514), die zwei französische Könige geheiratet hatte, wurde die Bretagne der französischen Krondomäne angegliedert. Im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts traten in Nantes wiederholt Epidemien auf.

Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert mini|Nantes im Jahre 1835 mini|183x183px|Der Fluss Erdre 1560 verlieh König Franz II. Nantes eine Kommunalverfassung. Während der Hugenottenkriege (1562–1598) schloss sich die dem Protestantismus gegenüber feindlich gesinnte Stadt der Katholischen Liga an und ergab sich König Heinrich IV. erst im Jahr 1598. Mit dem Edikt von Nantes (Toleranzedikt), von Heinrich IV. am 13. April 1598 verabschiedet, wurde die jahrzehntelange Unterdrückung und Verfolgung der Hugenotten durch die katholische Kirche und den französischen Staat beendet. Diese hatte ihren Höhepunkt 1572 in der sogenannten Bartholomäusnacht gehabt. Das Edikt von Nantes, das den französischen Calvinisten freie Religionsausübung zugestand, wurde jedoch im Jahr 1685 von Ludwig XIV. widerrufen (Edikt von Fontainebleau). mini|Kathedrale von Nantes|242x242px

Im Jahr 1626 wurde Henri de Talleyrand-Périgord, Graf von Chalais, wegen einer Verschwörung gegen Kardinal Richelieu in Nantes hingerichtet. Hier wurde auch Nicolas Fouquet im Jahr 1661 auf Betreiben Ludwigs XIV. verhaftet. 1718 ließ der Regent Philipp von Orléans einige Cellamare-Verschwörer in Nantes hinrichten.

Aufgrund ihrer Lage an der Loire-Mündung erlebte die Stadt im 18. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde zur bedeutendsten Hafenstadt Frankreichs. Dies verdankte sie dem Asienhandel, vor allem aber dem florierenden Sklaven- und Zuckerhandel mit der Karibik. Rund die Hälfte aller französischen Sklavenschiffe lief von Nantes aus.Jochen Meissner, Ulrich Mücke, Klaus Weber: Schwarzes Amerika. Eine Geschichte der Sklaverei. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56225-9, S. 84. Hier wurden mindestens 1708 Sklavenschiffe ausgerüstet, das sind 44 % des französischen Sklavenhandels für Schiffe, deren Heimathafen bekannt ist. Nantes rüstete damit mehr Sklavenfahrten aus als die nächstwichtigsten Sklavenhäfen, Le Havre, La Rochelle, Bordeaux, St. Malo und Honfleur zusammen.David Geggus: The French Slave Trade: An Overview. In: William and Mary Quarterly. Band 58, Nr. 1, 2001, S. 122, doi:10.2307/2674421, . Ab 1661 wurden Schiffe der französischen Marine zum Schutz der Sklaventransporter eingesetzt. Am Quai de la Fosse, der Anlegestelle der Sklavenschiffe, wurde 2012 ein Mahnmal für die Abschaffung der Sklaverei eingeweiht.

Carrier, Abgesandter der Pariser Revolutionsregierung, ließ in den Anfangsjahren der Französischen Revolution in und um Nantes angeblich 16.000 „Gegner der Revolution“ hinrichten, vorwiegend durch die als Noyades oder als „Taufen von Nantes“ bezeichneten Massenertränkungen in der Loire. An dem Vendée-Aufstand, der sich gegen die französische Revolutionsregierung wandte, war auch die Gegend um Nantes beteiligt. Während der Terrorherrschaft wurde der Vendée-Aufstand von den Truppen des Nationalkonvents blutig niedergeschlagen. Durch die sogenannten „Höllenkolonnen“ () ließ die Pariser Regierung auch noch nach der Niederschlagung der Erhebung das Land plündern und brandschatzen.

Im Jahr 1826 wurde in Nantes die erste öffentliche Omnibuslinie der Welt eingeweiht. 1832 wurde die Herzogin von Berry in Nantes verhaftet, nachdem sie versucht hatte, in der Vendée eine Revolte gegen König Louis-Philippe anzuzetteln. 1903 wurde mit der Schwebefähre Nantes die weltweit fünfte bekannte solcher Fähren eröffnet, sie wurde 1958 abgerissen.

Nantes war das Ziel der Hinfahrt beim weltweit ersten Motorradrennen. Am 20. September 1896 trugen acht Teilnehmer einen Wettbewerb aus, der von Paris nach Nantes und wieder zurück führte. M. Chevalier gewann auf einer Michelin-Dion.Marc C. Young: The Guinness book of sports records. 18. Auflage. Guinness Media, Inc., Stamford, CT 1997, ISBN 0-9652383-1-8, S. 178 ().

Nantes im Zweiten Weltkrieg Im Juni 1940 wurde im Zuge des Westfeldzugs die Stadt durch deutsche Truppen besetzt. Am 20. Oktober 1941 wurde der deutsche Stadtkommandant Oberstleutnant Karl Hotz von der Résistance getötet; als Racheakt wurden 48 Geiseln hingerichtet. Die Hauptverkehrsstraße Cours des 50 Otages erinnert an dieses Verbrechen.Von den 50 Geiseln wurden zwei nicht erschossen.

Bei der Schaffung der Regionen Frankreichs im Juni 1941 durch die Vichy-Regierung wurde das Département Loire-Atlantique und damit Nantes der Region Pays de la Loire zugeteilt und dadurch von der neuen Region Bretagne abgetrennt.