mini|Andrei Rubljows Dreifaltigkeitsikone ist ein vielfach kopierter Prototyp einer Ikonendarstellung. Die künstlerische Behandlung der Doktrin der Dreifaltigkeit zeigt exemplarisch theologische Dogmatik und formularische Nutzung einer umgekehrten Perspektive in der Ikonenkunst, um 1411 mini|Die Staatsikone Venedigs, die Nikopeia, gelangte als Kriegsbeute des vierten Kreuzzugs 1204 nach Venedig. Konstantinopel, 11. Jahrhundert. Heute in der Cappella della Madonna Nicopeia im Markusdom mini|Gottesmutter von Wladimir. Die Muttergottes-Eleusa-Ikone ist eine Arbeit kaiserlicher Werkstätten aus der Zeit der Komnenen, Konstantinopel um 1100.

Ikonen (aus , später , „[das] Bild“Ikone – Duden, Bibliographisches Institut, 2016. oder auch „Abbild“; im Gegensatz zu , später , „Trugbild, Traumbild“ und , später , „Urbild, Gestalt, Art“) sind Kult- und Heiligenbilder, die überwiegend in den Ostkirchen, besonders der orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus, von orthodoxen Christen verehrt werden; jedoch werden sie auch von nicht orthodoxen Christen für Touristen jeglicher oder keiner Glaubensrichtung produziert.Clemena Antonova: Space, time, and presence in the icon: seeing the world with the eyes of God. 2010, S. 153.

Ikonenmalerei historisch Die Ikonenmalerei entwickelte sich aus dem Fundus und den Maltechniken der spätantiken figürlichen Malerei, in denen Totenbildnis, Kaiserbildnis und Götterbildnis vorbildgebend waren. Sie ging aus dem Interesse einer sich sakral verstehenden Zentralgewalt im Bereich des kaiserlichen Hofs hervor, deren Bildpolitik sich im gesamten Byzantinischen Reich durchsetzte. Erst mit der Zeit fand sie eine eigene Formensprache, die über Jahrhunderte fundamental für die Darstellung von Heiligenbildnissen in europäischen und anderen christlichen Gesellschaften war.Annemarie Weyl Carr: Images. Expressions of Faith and Power. In: Helen C. Evan: Byzantium - Faith and Power (1261-1557). The Metropolitan Museum of Art, New York / Yale University Press, New Haven 2004, ISBN 1-58839-113-2, S. 143–207. Dieser eigene Ikonenstil, der eine eigene ästhetische Norm beinhaltet und sie von Wandfresken abhob, kann frühestens im Laufe des 6. Jahrhunderts festgesetzt werden.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Münster 1990, S. 143. Das Erbe der Ikonenmalerei steht am Beginn der europäischen Tafelmalerei. Sie war im Zeitraum zwischen dem 5. und 15. Jahrhundert über 1000 Jahre ebenso die Einzige.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Münster 1990.Ikonen - Karfreitags ganz bleich. In: Der Spiegel. Nr. 43, 22. Oktober 1990. Nach dem Untergang von Byzanz wurde sie von anderen Kulturen in Europa und dem Nahen Osten weitergeführt. Ikonenbilder sind über Perspektive, Kolorit und Darstellung eine eigenständige Form der Malerei. Grundsätzliches stilistisches Gestaltungsmerkmal ist perspektivische Zusammenfassung nichteuklidischer Geometrien und simultane Nutzung gewölbter Flächen mit Inverser Perspektive (hier werden Objekte, die vom Betrachter fern sind, größer dargestellt) und Vogelperspektive sowie Frontalabbildung.Clemena Antonova: Space, time, and presence in the icon: seeing the world with the eyes of God. Ashgate 2010, ISBN 978-0-7546-6798-8.Clemena Antonova: On the Problem of "reverse perspective": Definitions East and West. In: Leonardo. 43(5), 2010, S. 464–469. Die inverse Perspektive, auch Umkehrperspektive genannt, findet sich aber auch in nahezu allen Evangeliaren und Buchmalereien in Mitteleuropa, dies immer in unmittelbarem Bezug zu Christus oder Heiligen. Die perspektivische Darstellung der Ikonen-Malerei bleibt dadurch von Dogmen der Renaissance-Perspektive (Zentralperspektive) unberührt. Die umgekehrte Perspektive ist als Gestaltungsmerkmal für die in vielen Augen typische „exzentrische“ Darstellung in Ikonen verantwortlich. Während die Umkehrperspektive schon im hohen Mittelalter in der Buchmalerei des Westens zu finden ist, wird sie in der russischen und byzantinischen Ikonenmalerei vom 14. bis 16. Jahrhundert populär. Kunsthistorisch grenzt sie unter anderen Merkmalen Gemälde der „Ikonenkunst“ von anderen Stilrichtungen ab.Clemena Antonova: Space, time, and presence in the icon: seeing the world with the eyes of God. 2010, S. 153. In der Tradition der Ikonenverehrung differenzierten sich Ost- und Westkirche seit dem 8. Jahrhundert über die Libri Carolini im Frankenreich Karls des Großen, welche die Verehrung ausklammerten.

Im 16. Jahrhundert verbot die calvinistische Richtung Bilder. Als Folge des reformatorischen Bildersturms verlor das Bild seine liturgische Funktion in der Kirche. In den Ostkirchen, mit Ausnahme von Zeiten des Bilderstreits, blieb die Ikonenverehrung Bestandteil philosophischer und theologischer Tradition. Die abendländische Tafelmalerei, die im 13. Jahrhundert von Italien ausgeht, knüpft direkt an die jüngsten Entwicklungen der byzantinischen Ikonen-Malerei an. Sie unterscheidet sich jedoch hauptsächlich in der Gestaltung der Bildträger, indem das Einheitsmaß der Ikone aufgegeben wird. Daraus entwickelte sich durch eine schnelle Gestaltungsänderung das Altarbild, das im Laufe der Zeit immer weniger Gemeinsamkeiten zur Ikone hatte. Ungebrochen bleibt die Rolle der Ikonen im Hochmittelalter in Rom: In ihnen spiegelte sich das Sozialgefüge der Stadt. Sie waren Mittel religiöser, politischer und sozialer Artikulation. Dabei blieb der Import byzantinischer Ikonen grundlegend. Um jene, die ein hohes Alter zu haben schienen, begründete sich, wo sie auftauchten, ein Kult, der dem Ort ihrer Aufstellung zu Macht und Reichtum verhalf.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. 1990, S. 331–347. So war es in Venedig die byzantinische Ikone Nicopeia, die als Staatspatronin den Souverän bei Bittgängen und Festakten verkörperte.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. 1990, S. 369–390.

Die Bedeutung von wundertätigen Acheiropoieta, die den Jerusalemer Riten der Grabeskirche entstammten, wandelte sich durch in Konstantinopel mehrmals wöchentlich zwischen den Marienpatrozinien stattfindende Ikonenprozessionen zu zentralen Kultgegenständen von Reich und Hauptstadt. Aus dieser Praxis übernahmen die Länder der slawischen Orthodoxie, wo besonders in Moskau und Russland der Ritus der Prozessionsikonen bedeutsam war, nachfolgend als postbyzantinische Zentren, die Ikonenmalerei. Die meist auf Holz gemalten Bilder sind kirchlich geweiht, haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr große Bedeutung und sind auch im privaten Bereich als Andachtsbilder verbreitet. Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu schaffen, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott. Ikonenmalerei galt als liturgische Handlung und war sowohl hinsichtlich Komposition und Farbgebung als auch bezüglich der Materialien im Malerbuch vom Berge Athos genau festgelegt. Ikonen sind in orthodoxen Kirchen nach einem bestimmten Schema an der Ikonostase angebracht, in der die großformatigen Deesis-Ikonen die Hauptreihe bilden. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der byzantinischen Kunst und haben die Entwicklung der mittelalterlichen europäischen Tafelmalerei, insbesondere der Proto-Renaissance in der Maniera Greca beeinflusst.

Auch die orientalisch-orthodoxen Kirchen, zum Beispiel die koptische Kirche und die armenische apostolische Kirche, verehren Ikonen in ihrem Kultus, nicht jedoch die Assyrische Kirche. In koptischen Ikonen sind Einflüsse altägyptischer Kunst zu finden.

Wortherkunft In der Bedeutung „Kultbild“ wurde das Wort Ikone als Exotismus im 19. Jahrhundert aus entlehnt. Dieses Wort geht auf zurück, das von hergeleitet ist. Zugrunde liegt ([]) „Ebenbild, bildliche Darstellung“.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. 2002, ISBN 3-11-017473-1, S. ?. Bis ins 5. Jahrhundert hatte der Begriff eikon eine allgemeine Bedeutung, vom Totenbild bis zum Heiligenporträt. Seit dem 6. Jahrhundert etablierte sich der Begriff graphis für säkulare Porträts und eikon ausschließlich für religiöse Gemälde.Clemena Antonova: Space, Time and Presence in the Icon. Seeing the World with the eyes of God. Ashgate, Farnham 2010, ISBN 978-0-7546-6798-8.

Zugleich sind Abbilder die Grundform von Masken, die sich über das Abbild Christi auf einem Tuch zu Ikonen transformieren. Nach Belting sind Ikonen Lebendmasken, die im Kirchenraum aus der liturgischen Praxis das Maskentheater der Antike ablösen.Gottespräsenz im Bild. Hans Belting erklärt die religiösen Wurzeln der europäischen Bildkultur. Rezension von Thomas Kroll.

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Nach Belting steht die Ikone formal und funktional in der Tradition antiker Kultbilder, die sich hauptsächlich in drei Bereiche entwickelt hatten: als Totenbildnis, als Kaiserbildnis und als Götterbild.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Münster 1990, S. 116. Die wichtigste Vorlage der Heiligenikone war das Totenbildnis. Indem der Kult dem Grabe galt, aber auch dem Bildnis des Begrabenen, wurde es schließlich als Ikone vervielfältigt. Seit dem 6. Jahrhundert bildete sich in Byzanz ein staatlicher Kult um Ikonen, der jedoch nicht allein aus dem Kult von Totenbildnissen verstanden werden kann.Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. 1990, S. 116. Der byzantinische Kaiser selbst war Gegenstand ritueller Verehrung. Das Kaiserzeremoniell während offizieller Empfänge beinhaltete eine feste Regie, bei der dieser hinter einem Vorhang statuenhaft auf einem Thron saß und nachdem enthüllt, die Proskynese entgegennahm.