mini|Lageskizze Verlauf von Stanegate und des Hadrianswalls mit Standorten ihrer Kastelle mini|Münzporträt des Hadrian mini|Wallanlagen und Kastelle in Nordbritannien (155 n. Chr.). Zu diesem Zeitpunkt waren die Kastelle am Hadrianswall weitgehend unbemannt mini|Britannienkarte des Matthäus Paris (um 1250), sie zeigt den Hadrianswall als auch den Antoninuswall,Matthäus Paris: Abbreuiatio chronicorum. British Library Cotton MS Claudius D.vi, f.12v.British Library, London mini|Weihinschriften aus Jarrow, sie stammen möglicherweise von einer Widmungsinschrift oder einem Siegesdenkmal, das am östlichen Ende der Mauer stand
mini|Schnitt durch die Sperranlagen des Hadrianswalles mini|Konstruktionsmerkmale des Walls
Der Hadrianswall (antiker lateinischer Name möglicherweise vallum Aelium) war ein römisches System der Grenzbefestigung des britannischen Limes, das nahe der heutigen Grenze zwischen Schottland und England zwischen der heutigen Stadt Newcastle upon Tyne im Osten und dem Solway Firth () im Westen angelegt war. Er wurde wohl ab 122 n. Chr. auf Anordnung Kaiser Hadrians (reg. 117–138) erbaut, nachdem dieser die nördlichen Grenzen im Rahmen seiner Inspektionsreise durch alle Provinzen des Reiches besucht hatte. Der Wall erstreckte sich auf einer Länge von rund 117,5 km. Nach heute vorherrschender Sicht diente er nicht der Abwehr von Invasionen (für diesen Zweck waren die römischen limites generell nicht geeignet), sondern sollte in erster Linie den Handels- und Personenverkehr überwachen und an den dafür vorgesehenen Grenzübergängen kanalisieren, um dort unter anderem die Erhebung von Zöllen zu ermöglichen. Außerdem sollte er kleinere Überfälle sowie die unkontrollierte Migration schottischer und irischer Stämme in das Gebiet der Provinz Britannia inferior verhindern.
In ihrem östlichen Teil bestand die Anlage aus einer bis zu 4,5 m hohen Steinmauer, im westlichen zunächst nur aus einem Erdwall. Zu ihrer Absicherung wurden ein Grabensystem sowie 320 Türme, 16 Hilfstruppenkastelle und 80 Meilenkastelle errichtet. Ein fast identisches – wenn auch einfacher aufgebautes – Sicherungssystem, vermutlich bestehend aus bis zu 26 Kleinkastellen samt daran angeschlossenen Wach- und Signaltürmen, wurde an der Westküste der heutigen Grafschaft Cumbria als Flankenschutz der Wallzone angelegt.
Die Überreste des Walls lassen noch heute erahnen, wie Roms Grenzbefestigungen einst die Landschaft prägten. Er war das Ergebnis einer neuen Außenpolitik der Konsolidierung und zunehmenden Abschottung des Reiches, die unter Hadrian ihre endgültige Gestalt annahm. Der Wall war bis zur Regierungszeit des Antoninus Pius, auf dessen Veranlassung an der Schwelle zum schottischen Hochland ein neues Holz-Erde-Wallsystem („Antoninuswall“) gebaut wurde, die nördlichste Grenzzone des römischen Reiches. Diese Erweiterung konnte jedoch nicht lange aufrechterhalten werden (etwa von 141 n. Chr. bis 180 n. Chr.). Der Hadrianswall und dessen Kastelle wurden nach Aufgabe des Antoninuswalles () erneut zur Überwachung der Grenze genutzt, bis Rom – nach Abzug seiner Feldarmee – Britannien zu Beginn des 5. Jahrhunderts sich selbst überließ.
Große Teile der Wallanlage existieren noch heute, vor allem im landschaftlich eindrucksvollsten mittleren Abschnitt. Größtenteils auf Hochflächen verlaufend, hat man von ihm aus einen guten Ausblick über das Umland. Das Bodendenkmal ist heute eine der bekanntesten Touristenattraktionen Nordenglands und wurde 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Man kann es auch bequem auf dem sogenannten Hadrianswall-Path/National-Trail erwandern und dabei alle relevanten archäologischen Stätten besuchen.
Lage und Topographie Nach der Teilung des römischen Britannien in zwei Provinzen um 200 n. Chr. lag der Hadrianswall auf dem Gebiet der römischen Provinz Britannia inferior. Bei einer weiteren Teilung um 300 n. Chr. war der nördliche Grenzbereich vermutlich Teil der neuen Provinz Britannia secunda.
Bis Wallsend bildete der Mündungstrichter des Tyne () eine natürliche Grenze bis zur Ostküste. Die Mauer erstreckte sich über 117,5 km (78 römische Meilen), beginnend im Osten bei Segedunum, vom Nordufer des Tyne 8 km über Land zum Kastell Pons Aelius (heute Newcastle upon Tyne), Condercum (heute Benwell), Coriosopidum, heute Corbridge (), Luguvalium/Carlisle (), um nur einige zu nennen, bis zum westlichsten Kastell Maia (heute Bowness-on-Solway), wo sie am Solway Firth endete. Hierbei handelt es sich um einen Fjord, der sich nach 30 km zur Irischen See () öffnet. Nach Bowness-on-Solway setzten sich die Befestigungen entlang der Westküste von Cumbria, verstärkt durch eine Reihe von Kleinkastellen und Türmen – Richtung Süden bis Maryport – fort. Alle diese Orte liegen nördlich einer einst bedeutenden römischen Militärstraße und Grenzmarkierung, dem sogenannten Stanegate zwischen Carlisle und Corbridge, die sich dort mit der Dere Street, die nach Schottland führte, kreuzte. Der Wall schließt den Isthmus zwischen der Mündung des Tyne und dem Solway Firth und verbindet über das zentrale Hügelland der Pennines (), das Gebirge im Westen der Insel mit den östlichen Höhen. Das Wallterrain liegt durchschnittlich 150 Meter über dem Meeresspiegel und erreicht bei den Whin Sills seine höchste Erhebung (680 Meter). Dieses Gebiet wurde bereits vor Ankunft der Römer landwirtschaftlich intensiv genutzt. Die Landenge war ideal für die Errichtung eines Sperrwerkes, dies auch deshalb, da in dieser Region Britanniens natürliche Grenzmarkierungen – wie zum Beispiel Flüsse – fehlen.
Verlauf Die Trasse auf der nördlichen Seite der Flusstäler von Tyne, Irthing () und Eden () war den Römern schon seit den Feldzügen des Agricola im 1. Jahrhundert bekannt. Dort verlief in der Talsohle auch die durch Kastelle und Wachtürme gesicherte Militärstraße des Stanegate, die seit 105 n. Chr. die nördliche Grenze in Britannien markierte. Im Unterschied zur Stanegatestraße, die im Wesentlichen den Tälern folgte, verlief der Hadrianswall so weit wie möglich auf den Hügelkämmen. Von Osten zieht sich der Wall von Wallsend nach Chesters und begann von dort über seinen nördlichsten Punkt, Limestone Corner, zu den eindrucksvollen Basaltklippen der Whin Sills aufzusteigen, von wo aus man einen guten Blick auf das Umland hat. Diese, ein 20 Meter hoher Lagergang aus vulkanischem Gestein, fallen dann steil zu den sogenannten Craigs ab. Bei Willowford überquert der Wall den Irthing und hält sich nun eng an dessen Nordufer. Westlich von Carlisle erreicht die Mauer schließlich das Marschland des Solway, wo sie zwischen Burgh-by-Sands und Bowness-on-Solway auf einer knapp über der Hochwassermarke liegenden Linie verläuft. Ab Bowness schloss sich an den Wall die Kastellkette zum Schutz und Überwachung der Küste von Cumbria an.Margot Klee 2006, S. 14.
Entwicklung Obwohl sie rund 400 Jahre über Britannien herrschten, gelang es den Römern nicht, die Kontrolle über die gesamte Insel zu erringen. Kaiser Claudius und seine Nachfolger konnten nur den Süden und Osten weitgehend „romanisieren“. Den wilden und unruhigen Stämmen des Nordens hingegen war auf Dauer allein mit militärischen Mitteln nicht beizukommen, das Land war klimatisch wesentlich rauer als der Süden, die Versorgungsrouten länger und der wirtschaftliche Ertrag dieser Region für die Römer letztendlich viel zu gering, um Kosten und Aufwand einer größeren Besatzungsarmee auszugleichen. Unter Kaiser Domitian zog sich die römische Armee wieder aus Schottland (Caledonien) zurück und legte die Grenze – in ungefähr gleicher Höhe wie der spätere Wall – zunächst am Stanegate fest. Gleichzeitig verstärkte man unter Trajan die Stanegatelinie mit neuen Kastellen und sicherte so vorerst die neue Nordgrenze provisorisch ab.
2. Jahrhundert Auch zu Beginn der Herrschaft Hadrians war Britannien noch immer weit davon entfernt, eine vollkommen befriedete Provinz zu sein. Münzemissionen dieser Zeit weisen Britannien als in „ständiger Verteidigung stehend“ aus, ein Hinweis, der auch von archäologischen Beweisen gestützt wird. Die nördlichsten Stämme der britischen Insel hatten sich bisher der römischen Eroberung erfolgreich widersetzt. Anstatt sie zu unterwerfen, entschied Hadrian sie von der Provinz fernzuzuhalten. Wohl im Jahr 122Die Datierung basiert auf Indizien: David J. Breeze: Roman Frontiers in Britain. Bristol Classical Press, London 2007, ISBN 978-1-85399-698-6, S. 48–49. besuchte er, im Zuge einer Inspektionsreise durch die westlichen Provinzen, auch Britannien. Laut der Historia Augusta, einer allerdings recht unzuverlässigen spätantiken Sammlung von Kaiserbiographien, wurde bei diesem Aufenthalt der Entschluss zum Bau des Hadrianswalls gefasst:
Während die häufig angenommene Verbindung des Hadrianswalls mit seinem Besuch auf der Insel rein auf dieser knappen, mit großem zeitlichem Abstand entstandenen Notiz basiert, lässt sich durch Inschriften klar nachweisen, dass die Baumaßnahmen unter dem Statthalter Aulus Platorius Nepos in vollem Gang war.David J. Breeze: Roman Frontiers in Britain. Bristol Classical Press, London 2007, ISBN 978-1-85399-698-6, S. 49. So beispielsweise RIB 1638, vermutlich im Meilenkastell 38 (Hotbank) () ausgegraben. Dieser amtierte von 122 bis mindestens 124.Anthony R. Birley: The Fasti of Roman Britain. Clarendon Press, Oxford 1981, ISBN 0-19-814821-6, S. 101 und S. 104. Diese Inschriften bewiesen auch, dass der Wall von Hadrian und nicht erst – wie von anderen antiken Quellen behauptet – erst später von Septimius Severus in Auftrag gegeben wurde. Eine stark beschädigte Inschrift aus der Kirche von Jarrow am Südufer des Tyne gibt zudem einen Grund für die Errichtung des Walls unter Hadrian an:
Dies ist die einzige bislang bekannte Inschrift, die näher auf die Gründe zur Errichtung des Walls eingeht. Große Teile von ihr sind jedoch nicht erhalten, sondern wurden von Anthony R. Birley rekonstruiert, darunter auch die Wörter und lateinischen Begriffe, die den Wall näher beschreiben. Folgt man Birleys Interpretation, so waren es nach offizieller Lesart alleine seine göttliche Herkunft und die Vorsehung, die Hadrian veranlassten, nach der neuerlichen Befriedung der Provinz von 122 der Armee den Großauftrag zur Errichtung des Walls zu erteilen. Die Mauer wird darin einerseits als limes zwischen den Meerengen, anderseits als opus valli des Heeres bezeichnet. Es wird in der Rekonstruktion also deutlich zwischen Limes und Vallum unterschieden; der Grund hiefür liegt wohl in der Zuordnung der Begriffe zu den handelnden Persönlichkeiten. D. h., der durch die Götter erleuchtete Kaiser markiert eine Schneise über die Insel, die danach durch die Armee mit einem Wall befestigt wird.
Bald nach Hadrians Tod (138) ließ sein Nachfolger Antoninus Pius aber die meisten Grenztruppen vom gerade erst fertiggestellten Hadrianswall 160 km weiter nach Norden verlegen, wo sie an der wesentlich kürzeren Linie Bodotria (Firth of Forth ) – Clota (Clyde ) mit dem Bau einer neuen Grenzanlage, dem Antoninuswall, begannen. Die Täler des Tyne und des Irthing, die über 20 Jahre der Schauplatz reger militärischer Tätigkeit gewesen waren, leerten sich wieder. Die Hauptmasse der Soldaten rückte ab und mit ihr zweifellos auch der Großteil der Zivilbevölkerung.