Joseph William „Joe“ Frazier (* 12. Januar 1944 in Beaufort, South Carolina; † 7. November 2011 in Philadelphia, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Boxer. Er war unumstrittener Schwergewichts-Boxweltmeister von 1970 bis 1973. Sein Kampfname lautete Smokin’ Joe („Volldampf-Joe“). Frazier war der erste Boxer, der im Schwergewicht sowohl als Amateur die olympische Goldmedaille, als auch als Profi den Weltmeistertitel gewann. Die beiden als „Fight of the Century“ und „Thrilla in Manila“ bezeichneten Kämpfe gegen Muhammad Ali gelten als Klassiker unter den Schwergewichtskämpfen.
Leben und Amateurkarriere Unter elf Geschwistern wuchs Frazier in einer ländlichen Gegend in South Carolina auf. Als er 15 Jahre alt war, zog die Familie nach New York City, wenig später nach Philadelphia. Dort begann seine Boxkarriere. Entdeckt wurde Frazier von den Trainerlegenden Yancey „Yank“ Durham und Willie Reddish. Während mehrjähriger Berufstätigkeit in einem Schlachthof soll Frazier dort, nach eigenen Angaben, häufig auf Rinderhälften eingeschlagen haben. Dies wurde von Sylvester Stallone in seinen Boxer-Film Rocky eingebaut, der von einem Underdog aus Philadelphia handelt, der einen Titelkampf im Schwergewicht erlangt. Joe Frazier hatte einen Gastauftritt in diesem Film.
Die Amateurkarriere Fraziers verlief überaus erfolgreich. Er verlor nur zweimal. Diese beiden Niederlagen erlitt er gegen Buster Mathis, einen großgewachsenen und stets übergewichtigen, trotzdem aber sehr beweglichen, sehr schnellen und technisch sehr starken Boxer. Seine Siege erzielte Frazier fast durchweg durch K. o., er erreichte eine im Amateurboxen außergewöhnlich gute K.-o.-Rate.
Obwohl Frazier das Finale der US-amerikanischen Ausscheidungskämpfe zur Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1964 gegen Mathis verloren hatte, nahm er an seiner statt an den Olympischen Spielen 1964 in Tokio teil, da Mathis wegen einer Handverletzung passen musste. Dort gewann der damals 20-Jährige die Goldmedaille durch einen knappen Punktsieg mit 3:2 Richterstimmen gegen den Deutschen Hans Huber, der als erster Kontrahent mit Frazier über die Runden gehen konnte. Frazier ging allerdings gehandicapt in den Finalkampf, er hatte sich im Halbfinale gegen den Russen Wadim Jemeljanow die linke Schlaghand angebrochen.
Seine Amateurbilanz betrug 38-2.
Profikarriere Nach dem Gewinn der Goldmedaille fand Trainer Yank Durham eine Reihe lokaler Sponsoren für Frazier, sodass dieser ab 1964 Vollprofi wurde. Am 16. August 1965 gewann er seinen ersten Kampf gegen Woody Goss durch Technischen K. o. (TKO) in der ersten Runde. Auch seine nächsten 18 Kämpfe gewann er, davon 16 durch K. o. Herausragend war dabei seine Kondition; wenn er ins Rollen kam, gab es kaum noch Gegner, die mithalten konnten. Sein linker Haken wurde zu seiner besten und berühmtesten Waffe. 1966 wurde Eddie Futch aus Los Angeles Fraziers neuer Trainer. Futch betreute später mit Ken Norton und Riddick Bowe weitere Schwergewichtsweltmeister. Yank Durham blieb bis zu seinem Tod 1973 Fraziers Manager.
Im Kampf gegen den argentinischen Schwergewichtler Óscar Bonavena musste Frazier zweimal zu Boden, besiegte ihn jedoch später klar nach Punkten. Hier offenbarten sich zwei Probleme seiner Kampfweise. Zum einen war er ein Spätstarter, er brauchte meist mehrere Runden, um seine volle Kampfkraft zu erreichen – beide Niederschläge durch Bonavena geschahen in der zweiten Runde. Zum anderen zeigte sich, dass sein offener Kampfstil ihn für gute, harte Puncher empfindlich machte.
Am 4. März 1968 gewann Joe Frazier im New Yorker Madison Square Garden den vakanten Meistertitel der New York State Athletic Commission – aus dem später der WBC-Verband hervorging – gegen Buster Mathis senior durch TKO in der 11. Runde. Damit hatte er den Makel aus gemeinsamen Amateurzeiten egalisiert.
Den errungenen Titel verteidigte Frazier bis 1969 viermal. Die WM-Titel waren zu jener Zeit geteilt, nachdem Weltmeister Muhammad Ali wegen Kriegsdienstverweigerung vom Titel suspendiert und gesperrt worden war. Die konkurrierende WBA veranstaltete ein Turnier der vermeintlichen Topleute, an dem Frazier jedoch nicht teilnehmen wollte. Der frühere Mittelgewichtler Jimmy Ellis, der auch Sparringspartner von Muhammad Ali gewesen war, gewann dieses Turnier durch einen „Finalsieg“ gegen Jerry Quarry. Am 16. Februar 1970 kam es zur Titelvereinigung, indem Frazier in einem Vereinigungskampf gegen Ellis, der nach zwei Niederschlägen in Runde 4 nicht mehr zur fünften Runde antrat, triumphierte. Er war nun Weltmeister der Verbände World Boxing Association und World Boxing Council. Unumstritten wurde er jedoch erst durch den nachfolgenden Kampf. mini|Joe Frazier, 1971 Am 8. März 1971 kam es zum ersten Aufeinandertreffen mit Muhammad Ali. Der Kampf wurde vom Boxpublikum erwartet wie kaum ein anderer Schwergewichtstitelkampf zuvor und erreichte einen außergewöhnlich hohen Grad an öffentlicher Aufmerksamkeit. Deshalb bekam er den Namen Fight of the Century und wurde auch entsprechend so vermarktet. Beide Kämpfer kassierten die damals sehr hohe Summe von 2,5 Mio. US-Dollar pro Mann. Frazier brachte Ali während der zweiten Kampfhälfte und insbesondere in der 11. Runde in K.-o.-Gefahr und schlug ihn in der letzten Runde mit einem linken Haken zu Boden. Er gewann einstimmig nach Punkten und fügte Ali damit die erste Niederlage in dessen Profikarriere zu. Dieser Kampf wurde von der Fachzeitschrift Ring Magazine zum Kampf des Jahres gewählt und wird heute noch als „Kampf des Jahrhunderts“ tituliert. Er gilt, wie das dritte Duell der beiden Kontrahenten, als absoluter Klassiker unter den Schwergewichtstitelkämpfen.
Am 22. Januar 1973 verlor Frazier den WM-Titel gegen George Foreman, den Olympiasieger von 1968 und damit Nachfolger von Frazier, durch TKO in der zweiten Runde nach insgesamt sechs Niederschlägen. Der Kampf wurde The Sunshine Showdown genannt. Frazier, der als Favorit in den Ring gegangen war, hatte seinen Gegner offensichtlich unterschätzt, wirkte nicht austrainiert und ließ sich vom außergewöhnlich hart schlagenden Foreman früh erwischen und in die Defensive drängen.
mini|Werbebild für den zweiten Ali-Frazier Kampf. Am 28. Januar 1974 trat Frazier in einem WM-Ausscheidungskampf zum zweiten Mal gegen Ali an und verlor diesen 12-Runden-Kampf einstimmig nach Punkten. Der Kampf wurde – im Vergleich zum ersten und dritten Duell der beiden Kontrahenten – als weniger spektakulär angesehen.
Bereits nach der Niederlage gegen Foreman hatte Frazier nicht mehr wie der alte, scheinbar unzerstörbare „schwarze Panzer“ gewirkt. Er versuchte nun mit (erfolgreich absolvierten) Kämpfen gegen den Box-Techniker Jimmy Ellis und gegen den Boxer-Puncher Jerry Quarry einen weiteren Titelkampf zu erreichen. Beide Gegner hatte er zuvor schon einmal besiegen können.
Legendär wurde schließlich der dritte Kampf zwischen Frazier und Ali am 1. Oktober 1975, bei dem es wieder um die Weltmeisterschaft ging, die Ali sensationell gegen den Frazier-Bezwinger George Foreman zurückgewonnen hatte. Ali gewann den sogenannten Thrilla in Manila durch TKO nach der 14. Runde, nachdem Fraziers rechtes Auge zugeschwollen war und ihn sein Trainer Eddie Futch deshalb aus dem Kampf genommen hatte. Dies geschah vermutlich gegen Fraziers Willen. Beide Boxer waren in diesem spektakulären, aber auch überaus harten, unerbittlichen und brutalen Kampf bis an die äußerste Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gegangen und waren am Ende nahezu kampfunfähig. Auch der Sieger Ali brach nach Verkündung des Urteils noch im Ring zusammen.
Nachdem Frazier am 15. Juni 1976 beim Versuch eines Revanchekampfes gegen George Foreman gescheitert war und in Runde 5 eine erneute K.-o.-Niederlage bezogen hatte – in diesem Kampf war es um die nordamerikanische Schwergewichtsmeisterschaft gegangen –, beendete Frazier vorerst seine Karriere und arbeitete in Philadelphia als Boxtrainer. Während dieser Zeit absolvierte er den oben erwähnten Gastauftritt im Film Rocky.
1981 versuchte er ein Comeback. Da es gegen Floyd Cummings jedoch nur zu einem Unentschieden reichte, trat er anschließend endgültig zurück.
Liste der Profikämpfe mini|hochkant|Joe Frazier, 1969 mini|hochkant|Joe Frazier, 1971 mini|hochkant|Von links nach rechts: Larry Holmes, Joe Frazier, Michael Spinks 32 Siege (27 K.-o.-Siege), 4 Niederlagen, 1 Unentschieden Jahr Tag Ort Gegner Ergebnis für Frazier 1965 16. August Convention Hall, Philadelphia, USA Woody Goss Sieg / TKO 1. Runde 20. September Convention Hall, Philadelphia, USA Mike Bruce Sieg / TKO 3. Runde 28. September Philadelphia Convention Hall, Philadelphia, USA Ray Staples Sieg / TKO 2. Runde 11. November Philadelphia Auditorium, Philadelphia, USA Abe Davis Sieg / KO 1. Runde 1966 17. Januar Convention Hall, Philadelphia, USA Mel Turnbow Sieg / KO 1. Runde 4. März Madison Square Garden, New York, USA Dick Wipperman Sieg / TKO 5. Runde 4. April Philadelphia Auditorium, Philadelphia, USA Charley Polite Sieg / TKO 2. Runde 28. April Civic Arena, Pittsburgh, USA Don Smith Sieg / KO 3. Runde 19. Mai Grand Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Chuck Leslie Sieg / KO 3. Runde 26. Mai Grand Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Al Jones Sieg / KO 1. Runde 25. Juli Convention Hall, Philadelphia, USA Billy Daniels Sieg / Aufgabe 6. Runde 21. September Madison Square Garden, New York, USA Punktsieg (geteilte Entscheidung) / 10 Runden 21. November Grand Olympic Auditorium, Los Angeles, USA Sieg / TKO 10. Runde 1967 21. Februar Philadelphia Convention Hall, Philadelphia, USA Sieg / KO 6. Runde 11. April Auditorium, Miami Beach, USA Jefferson Davis Sieg / TKO 5. Runde 4. Mai Grand Olympic Auditorium, Los Angeles, USA George Johnson Punktsieg (einstimmig) / 10 Runden 19. Juli Madison Square Garden, New York, USA Sieg / TKO 4. Runde 17. Oktober Philadelphia Spectrum, Philadelphia, USA Tony Doyle Sieg / TKO 2. Runde 18. Dezember Boston Garden, Boston, USA Marion Connor Sieg / TKO 3. Runde 1968 4. März Madison Square Garden, New York, USA vakante NYSAC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Sieg / TKO 11. Runde 24. Juni Madison Square Garden, New York, USA Manuel RamosNYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 2. Runde 10. Dezember Philadelphia Spectrum, Philadelphia, USA NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg (einstimmig) / 15 Runden 1969 22. April Sam Houston Coliseum, Houston, USA Dave ZyglewiczNYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 1. Runde 23. Juni Madison Square Garden, New York, USA NYSAC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / Aufgabe 7. Runde 1970 16. Februar Madison Square Garden, New York, USA NYSAC/WBA-Schwergewicht-Titelvereinigungvakante WBC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Sieg / Aufgabe 4. Runde 18. November , Detroit, USA WBA/WBC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / KO 2. Runde 1971 8. März Madison Square Garden, New York, USA WBA/WBC-Schwergewicht-Titelverteidigung Punktsieg (einstimmig) / 15 Runden 1972 15. Januar Rivergate Auditorium, New Orleans, USA Terry DanielsWBA/WBC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / TKO 4. Runde 25. Mai Omaha Civic Auditorium, Omaha, USA Ron StanderWBA/WBC-Schwergewicht-Titelverteidigung Sieg / Aufgabe 4. Runde 1973 22. Januar Independence Park, Kingston, Jamaika WBA/WBC-Schwergewicht-Titelverteidigung Niederlage / TKO 2. Runde 2. Juli Earls Court Exhibition Centre, London, Großbritannien Punktsieg / 12 Runden 1974 28. Januar Madison Square Garden, New York, USA NABF-Schwergewicht-Meisterschaft Punktniederlage (einstimmig) / 12 Runden 17. Juni Madison Square Garden, New York, USA Sieg / TKO 5. Runde 1975 2. März St.Kilda Junction Oval, Melbourne, Australien Sieg / TKO 9. Runde 1. Oktober Araneta Coliseum, Quezon City, Philippinen WBA/WBC-Schwergewicht-Weltmeisterschaft Niederlage / Aufgabe 14. Runde 1976 15. Juni , Hempstead, USA NABF-Schwergewicht-Meisterschaft Niederlage / TKO 5. Runde 1981 3. Dezember International Amphitheatre, Chicago, USA Floyd Cummings Unentschieden (Mehrheitsentscheidung) / 10 RundenQuelle: