Mit Pflegeplanung wird in der professionellen Gesundheits- und Krankenpflege und der Altenpflege ein Abschnitt des Pflegeprozesses bezeichnet, der gemeinsam mit der Pflegedokumentation dazu beiträgt zielgerichtetes pflegerisches Handeln zu strukturieren, systematisch zu erfassen, durchzuführen und zu bewerten. Resultat der Pflegeplanung ist der schriftlich festgehaltene Pflegeplan, der die pflegerelevanten Informationen für die Durchführung pflegerischer Interventionen aller an der Pflege Beteiligten bereitstellt. Innerhalb der Pflegeplanung werden aufbauend auf dem individuell auf einen Pflegeempfänger abgestimmten Pflegebedarf Pflegeziele definiert sowie die zur Erreichung des angestrebten Pflegeresultats notwendigen Pflegemaßnahmen geplant und dokumentiert.

Begriffsabgrenzung mini|hochkant=1.7|Graphische Darstellung des Pflegeprozesses nach Fiechter/Meier Die Pflegeplanung ist ein Instrument zur konkreten Umsetzung des Pflegeprozesses. Sie ermöglicht ein zielorientiertes, systematisches, strukturiertes und logisches Handeln und grenzt sich daher von der Laienpflege ab.Friedhelm Henke, Christian Horstmann: Pflegeplanung exakt formuliert und korrigiert. Praktische Arbeitshilfe für Lehrende und Lernende. Kohlhammer, Stuttgart, 2. Aufl. 2010, ISBN 978-3-17-021668-6, S. 11–12 Sie sowie ebenfalls die Pflegedokumentation werden im deutschsprachigen Pflegealltag häufig mit dem Pflegeprozess gleichgesetzt, dies lässt sich vor allem auf die fehlende Vermittlung pflegewissenschaftlicher und akademischer Grundlagen während und nach der Pflegeausbildung zurückführen.Birgitt Budnik, Reinhard Lay: Pflegeplanung leicht gemacht: für die Gesundheits- und Krankenpflege. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2005, ISBN 3-437-26952-6, S. 20–22 In der Grundsatzstellungnahme des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen wird festgestellt, dass aufgrund einer mangelhaften Vermittlung des Zusammenhangs zwischen Pflegeprozess und jeweiliger Pflegedokumentation in der pflegefachlichen Praxis angenommen wird, dass mit dem durch gesetzliche Vorgaben verpflichtende Ausfüllen des Dokumentationssystems der Pflegeprozess und damit auch die Pflegeplanung als solche stattfindet.Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen e. V. (Hrsg.): Grundsatzstellungnahme Pflegeprozess und Dokumentation – Handlungsempfehlungen zur Professionalisierung und Qualitätssicherung in der Pflege. April 2005. Online verfügbar unter: (PDF; 1,7 MB)

Stellung der Pflegeplanung im Pflegeprozess

Die Pflegeplanung ist Teil der als Grundlage pflegerischen Handeln international etablierten Arbeitsmethode des Pflegeprozesses. Dieser ist ein abstrahiertes Verfahren zur Problemlösung und analytisches Handlungsmodell, basierend auf sich zyklisch wiederholenden und sich gegenseitig beeinflussenden Phasen. Der auch als Pflegeregelkreis bezeichnete Prozess basiert neben pflegewissenschaftlichen Arbeiten auf Erkenntnissen aus der Systemtheorie, der Kybernetik und der Entscheidungstheorie. Verbreitet sind Modelle mit vier, fünf oder sechs Phasen, die verwendeten Begriffe für die einzelnen Phasen sind nicht einheitlich, jedoch beinhalten alle Modelle den Schritt der Pflegeplanung. Die Planungsphase wird dabei nach der Informationssammlung oder Pflegeassessment und der Pflegediagnose beziehungsweise dem Erkennen von Ressourcen und Pflegeproblemen eingebettet. Die Pflegeplanung dient dabei als Handlungsgrundlage für den folgenden Schritt der pflegerischen Intervention, der eigentlichen Durchführung der Pflege.

Tabellarischer Vergleich

In dem in Deutschland verbreiteten sechsphasigen Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier wird die Pflegeplanung die Ermittlung der Pflegeziele und die Pflegeplanung nochmals aufgeteilt, nach Yura und Walsh hat diese Trennung jedoch keine Auswirkung auf das Pflegeresultat selbst.Yura und Walsch, zitiert in Maria Mischo-Kelling, Henning Zeidler: Innere Medizin und Krankenpflege. 1992, 2. überarb. Aufl., Urban und Schwarzenberg, München, ISBN 3-541-13892-0, S. 2–6 Aufgrund der Arbeiten Monika Krohwinkels, der schärferen Begriffsabgrenzung und der logischen Überlegenheit gewinnt das vierphasige Modell jedoch zunehmend Einfluss in der deutschsprachigen Pflege.Manfred Hülsken-Giesler: Der Zugang zum anderen: Zur theoretischen Rekonstruktion von Professionalisierungsstrategien pflegerischen Handelns im Spannungsfeld von Mimesis und Maschinenlogik. Band 3 von Pflegewissenschaft und Pflegebildung, V&R unipress, 2008, ISBN 3-89971-373-7, S. 319–320Nicole Menche: Repetitorium Pflege Heute. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-437-27840-1, S. 39–40

In einer Tabelle lässt sich die Position der Pflegeplanung in den verschiedenen Pflegeprozessmodellen vergleichen:

Vier-Phasen-ModellFünf-Phasen-ModellSechs-Phasen-Modell Assessment (Informationssammlung und Pflegediagnose) Assessment (Informationssammlung) Informationssammlung -Diagnosis (Pflegediagnose)Erkennen von Ressourcen und Pflegeproblemen (analog Pflegediagnose) Planning (Pflegeplanung) Planning (Pflegeplanung) Festlegung der Ziele (erster Teil der Pflegeplanung) -- Planung der Maßnahmen (zweiter Teil der Pflegeplanung)Implementation/Intervention (Durchführung)Implementation/Intervention (Durchführung)Durchführung Evaluation Evaluation Evaluation

Für eine erfolgreiche Durchsetzung der Planung sind das anfängliche Assessment zur Bestimmung der Vorgaben und die wiederholte Evaluation zur Rückmeldung aus dem Pflegeprozess entscheidend. Ohne die regelmäßige Korrektur der Planung setzt die Durchführung möglicherweise falsch ein und später veraltet die Planung mit dem Prozessfortschritt so, dass lediglich eine Neuplanung wieder eine gültige Arbeitsgrundlage für die Durchführung liefert. Soweit die Informationssammlung ohne Verzug der Durchführung folgt, kann dieses Auseinanderlaufen von Prozess und Plan durch fortschreitende Korrektur der Planung auf der Grundlage der Informationssammlung vermieden werden.

Elemente der Pflegeplanung Pflegeziele

Im ersten Schritt des Pflegeprozesses, der Informationssammlung oder Assessment, werden alle verfügbaren pflegerelevanten Informationen erfasst, die dazu dienen den Pflegebedarf des Pflegeempfängers zu ermitteln. Hierzu gehören neben den sogenannten Stammdaten, der physische und psychische Zustand sowie die Lebensgewohnheiten des Pflegebedürftigen. Checklisten und verschiedene Pflegeassessmentinstrumente können eingesetzt werden, um weitere Daten zu erheben. Zusätzliche Informationsquellen sind beispielsweise Angaben der Angehörigen, vorangegangene Pflegeverlaufspläne, die medizinische Krankengeschichte und Beobachtungen anderer Berufsgruppen. Darauf aufbauend werden Pflegeprobleme sowie Ressourcen ermittelt und dokumentiert, um den Ist-Zustand festzustellen. Lebensbereiche, in denen keine pflegerische Intervention notwendig ist, haben dementsprechend keine Zielorientierung und werden in der Praxis nicht in die Pflegeplanung einbezogen.Vgl. hierzu Kerstin Menker: Pflegetheorie und -praxis. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-437-47930-X, S. 104 oder Dagmar Wiederhold: Checklisten AEDL. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2007, ISBN 3-437-28100-3, S. 3–5 Ausgehend von den erkannten Pflegeproblemen werden vom Pflegebedürftigen selbst, der Pflegekraft oder auch Angehörigen Pflegeziele definiert, die sich an den Schwerpunkten der in der Anamnese ermittelten Pflegeprobleme orientieren und entsprechende Pflegeprioritäten festlegen.Jean Heath, Gladys M. Law: Krankenpflege nach Maß. Eine praktische Einführung in das Thema „Krankenpflegeprozeß – was ist das?“, Evaluation, Qualitätsmanagement, Pflegeplanung im Bereich der Pflege. 1988, DBfK (Hrsg.), S. 32 Diese Pflegeziele stellen den Soll-Zustand dar. Unterschieden werden kann dabei nach Fiechtner und Meier in Fernziele, die langfristig erreicht werden sollen und Nahziele, die in absehbarer Zeit erreicht werden können oder einen Teilschritt hin zu einem Fernziel darstellen können.E. Rath, U. Biesenthal: Pflegeplanung und Pflegedokumentation. In: Pflegezeitschrift, Kohlhammer, Ausg. 12/1994, Jg. 47, , S. 2–13 Unabhängig von dieser Einteilung sollen alle Ziele so formuliert werden, dass sie ein realistisches, erreichbares und objektiv überprüfbares Pflegeergebnis beschreiben. Dies beinhaltet neben einer konkreten Beschreibung des Ziels die Setzung eines zeitlichen Rahmens für die Überprüfung der Zielerreichung. Inhalte eines Pflegeziels können beispielsweise das Verhalten, Können und Fähigkeiten, die Entwicklung sowie das Wissen des Pflegebedürftigen sein oder seinen körperlichen Zustand beziehungsweise messbare Veränderungen betreffen.Kerstin Menker: Pflegetheorie und -praxis. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-437-47930-X, S. 103–104

Beispiele für ein definiertes Pflegeziel nach dem in Deutschland verbreiteten Modell der fördernden Prozesspflege können sein:

AEDL Sich pflegen: Frau M. wäscht sich in einer Woche das Gesicht selbst. AEDL Essen und trinken: Herr R. nimmt innerhalb eines Monats ein Kilogramm zu. AEDL Sich beschäftigen: Herr. K. möchte nach dem Umzug in seiner neuen Umgebung eine sinnvolle Beschäftigung finden.

Pflegemaßnahmen Zur Erreichung der festgelegten Pflegeziele planen Pflegekraft und Pflegebedürftiger gemeinsam die notwendigen konkreten Pflegemaßnahmen. Diese auch als Pflegeintervention bezeichneten Handlungen werden als die Anwendung pflegerischer und interpersoneller Fähigkeiten, die Unterrichtung und das Beraten des Pflegeempfängers sowie die Organisation und die Delegation der Arbeit definiert.Maria Mischo-Kelling, Henning Zeidler: Innere Medizin und Krankenpflege. 1992, 2. überarb. Aufl., Urban und Schwarzenberg, München, ISBN 3-541-13892-0, S. 2–6 Bei der Planung werden neben den Bedürfnissen und Ressourcen des Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen auch die institutionellen Rahmenbedingungen wie Personalstand und Pflegemittel in Betracht gezogen. Die Formulierung der Maßnahmen muss präzise, eindeutig und verständlich sein, die Parameter Art, Qualität und zeitliche Abstände der Maßnahmen sind zu beschreiben; als Merksatz wird hier auch: „Wer, was, womit, wann, wie oft“ verwendet. Sofern Pflegestandards oder Expertenstandards definiert sind, reicht deren Angabe, sie ersetzen jedoch nicht die Verpflichtung zur individuellen Planung, sondern erleichtern die Planung von Maßnahmen im Rahmen häufig auftretender Pflegeprobleme.Nicole Menche: Repetitorium Pflege Heute. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2006, ISBN 3-437-27840-1, S. 40–41 In Deutschland sind für die Beschreibung der Pflegemaßnahmen und die im Anschluss an die Durchführung erfolgende Dokumentation die Kurzbeschreibungen vollständige Übernahme (VÜ), teilweise Übernahme (TÜ), Unterstützung (U) sowie Beratung, Anleitung und Beaufsichtigung (BA) für die Angabe des Umfangs der Pflege üblich und entsprechen den zugrundeliegenden gesetzlichen Vorgaben.

Beispiele für Pflegemaßnahmen anhand der Pflegeziele: AEDL Sich pflegen: Anleitung zur Gesichtswäsche im Rahmen der morgendlichen Körperpflege um 7.30 Uhr durch die Pflegekraft. AEDL Essen und trinken: Bei allen Mahlzeiten in Absprache mit der Küche bevorzugte Speisen sowie zusätzliche Zwischenmahlzeiten um 15.00 und 22.00 Uhr vorbereiten und anbieten. AEDL Sich beschäftigen: Begleitung und Transport zur Seniorensportgruppe am Mittwoch um 16.00 Uhr und zum Seniorenfrühschoppen am Samstag um 10.30 Uhr durch den Zivildienstleistenden. Herr K. und Angehörige durch den Sozialdienst regelmäßig über zusätzlich stattfindende Angebote informieren.