Wels () ist eine Stadt im oberösterreichischen Alpenvorland.
Sie ist mit Einwohnern (Stand ) nach der Landeshauptstadt Linz die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Oberösterreich und belegt auf der Liste der Städte Österreichs den achten Platz.
Verwaltungsrechtlich ist Wels wie die ebenfalls im oberösterreichischen Zentralraum gelegenen Städte Linz und Steyr eine Stadt mit eigenem Statut (Statutarstadt) und nimmt somit die Aufgaben der Bezirksverwaltung selbst wahr. Zudem haben hier die Bezirkshauptmannschaft Wels-Land sowie das Bezirks- und Landesgericht Wels ihren Sitz.
Die Stadt erlebte während der Römerzeit und des Mittelalters zwei Blütezeiten. Ihre heutige wirtschaftliche Bedeutung erlangte Wels als Messe- und Industriestadt sowie als Verkehrsknotenpunkt.
mini|hochkant=1.2|Stadtansicht von Süden
Geografie Wels liegt inmitten des Bezirks Wels-Land am linken Ufer der nach Nordosten fließenden Traun im Hausruckviertel auf , gemessen im Zentrum bei der Stadtpfarrkirche. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,5 km, von West nach Ost 9,6 km.
Durch die Stadt fließen der Mühlbach und der Grünbach. Der Mühlbach wird künstlich von der Traun abgezweigt und mündet in Linz wieder in diese. Der Grünbach entspringt in der Nähe von Bachmanning und fließt in einen Baggersee im nördlichen Stadtteil Stadlhof nahe Marchtrenk.
Die Gesamtfläche der Stadt ist folgendermaßen aufgeteilt:Land Oberösterreich: Geographie der Gemeinde Wels, 24. September 2006.
Da die Stadt im Gebiet der Welser Heide, einer ebenen, durch jahrhundertelange Schlierdüngung fruchtbar gemachten Landschaft liegt, wird heute sehr viel Fläche landwirtschaftlich genutzt.
Nachbargemeinden
Die Grenze zwischen Wels und Thalheim bei Wels bildet die Traun.
Stadtgliederung
Wels besteht aus 6 Katastralgemeinden, welche der Grundstücksverwaltung dienen: Lichtenegg, Obereisenfeld, Pernau, Puchberg, Untereisenfeld, Wels.
Unabhängig davon ist Wels ist in 9 Stadtteile bzw. Zählbezirke eingeteilt: Innere Stadt, Lichtenegg, Neustadt, Oberthan, Pernau, Puchberg, Vogelweide, Schafwiesen, Waidhausen. Diese wurden für Verwaltungszwecke vom Gemeinderat festgelegt und dienen vor allem statistischen Erhebungen.Auskunft der Dienststelle „Stadtentwicklung“ im Magistrat Wels, 2025. Diese 9 Zählbezirke unterteilen sich in 55 statistische Zählsprengel.Statistisches Jahrbuch der Stadt Wels 2024, S. 2.
Weiters gliedert sich das komplette Stadtgebiet in 37 Ortschaften, bei denen es sich um historische Benennung von Ortschaften, Siedlungssplitter oder Gehöften handelt. Diese haben heute keine Verwaltungsfunktion mehr, sondern haben hauptsächlich identitätsstiftende Funktion (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Daneben gibt es noch inoffizielle, aber sehr gebräuchliche Bezeichnungen für Siedlungsgebiete oder Teile von Wels, wie Noitzmühle, eine größtenteils aus Hochhäusern bestehende Siedlung, die Gartenstadt, die Stefansiedlung oder Maxlhaid, eine kleine Siedlung am Ostrand der Stadt.
Seit 1942 gehören 4 Hektar Fläche am Reinberg samt der Marienwarte aus 1892 in der Gemeinde Thalheim bei Wels privatrechtlich der Stadt Wels.
Mittelpunkt
Der Mittelpunkt (Flächenschwerpunkt) des Bezirkes Wels-Stadt liegt in der Andreas-Hofer-Straße (Katastralgemeinde Puchberg) ().
Geologie Das Gebiet um Wels ist durch eine Molassezone, also eine Hügellandschaft, die aus tertiären Ablagerungen aufgebaut ist (Tertiärhügelland), und durch fluviale Terrassen geprägt.
Das Tertiärhügelland, im Norden und Nordwesten der Stadt, besteht vor allem aus Lehm und Schotter. Die Terrassen entstanden durch den Fluss Traun im Holozän und bestehen vor allem aus Kies, Sand und Ton. Seit der Flussregulierung im 19. Jahrhundert und der damit verbundenen Eintiefung der Traun gibt es im Welser Stadtgebiet kaum noch Überschwemmungen. Etwa 1985 wurden Dämme erhöht und mit dem Kraftwerk Marchtrenk die Traun ab Wels Mitte eingestaut.
Die Rohstoffe des Welser Bodens werden zu wirtschaftlichen Zwecken genutzt. Es werden Sand, Kies, Löss und Lehm gefördert. Die beiden Letztgenannten kommen vor allem im Ortsteil Mitterlaab vor und werden zur Ziegelherstellung verwendet. Aufgelassen wurde der Abbau in Oberlaab, wo sich heute das Ziegelwerk Pichler befindet.
Die Löss-Schichten einer Lehmgrube bei Aschet dokumentieren eingehend die Klimaentwicklung während der Eiszeiten und wurden wissenschaftlich untersucht.Dirk van Husen, Jürgen Reitner (Hrsg.): Die Löss-Sequenz Wels/Aschet (ehemalige Lehmgrube Würzburger): Ein Referenzprofil für das Mittel- und Jungpleistozän im nördlichen Alpenvorland (MIS 16 bis MIS 2). Österreichische Akademie der Wissenschaften – ÖAW. Mitteilungen der Kommission für Quartärforschung Band 19. Verlag der ÖAW. Wien 2011, ISBN 978-3-7001-6992-5. MIS = Sauerstoff-Isotopenstufe (englisch Marine Isotopic Stage).
Bereits 1892 wurde in Wels Erdgas gefördert; im Großraum Wels entstanden viele Bohrungen. Mit lokal gewonnenem Erdgas als Energiequelle wurde bis 1990 das Allgemeine Krankenhaus (zuletzt nur mehr in geringen Mengen) versorgt.Erdöl und Erdgas in Österreich > Oberösterreich und Salzburg wabweb.net, zuletzt geändert am 27. Mai 2011, abgerufen am 16. Dezember 2018.
Trinkwasser aus der Welser Heide ist auf Grund der dichten Besiedelung, der Landwirtschaft und der Industrie seit Jahrzehnten gesundheitlich nicht unbedenklich. Die Stadtverwaltung entschied sich daher nach dem Zweiten Weltkrieg für eine zentrale Wasserversorgung und Kanalisation. Seither bezieht die Stadt das Trinkwasser vor allem aus den Wasserwerken Hartholz und Au an der Alm sowie aus einem Tiefbrunnen in der Nähe von Steinerkirchen.
Klima
Geschichte Die ältesten Funde aus der Gegend von Wels stammen aus der jüngeren Steinzeit, also dem Zeitraum von 3500 bis 1700 v. Chr. Man fand einfache Werkzeuge, vor allem am Ufer der Traun und im heutigen Zentrum der Stadt.
In der Bronzezeit, ab 1700 v. Chr., wurden Gräberfelder im Bereich des heutigen Flughafens angelegt sowie unweit davon ein Urnenfeld, das auf die Zeit der Urnenfelderkultur (1100–750 v. Chr.) datiert wird. Darin befanden sich 60 Gräber mit Beigaben, wie Bronzeschmuck oder Lebensmittel.
Aus der Hallstattzeit (750–400 v. Chr.) fanden sich Schwerter in der Pernau.
In der Latènezeit (bis 100 v. Chr.) bevölkerten Kelten das Gebiet um Wels und hinterließen Goldmünzen, Schwerter und Fibeln aus Eisen und Irdenware. Der Name „Traun“ kommt aus dieser Zeit. Möglicherweise ist der Name „Wels“ auch keltischen Ursprungs. Wels hieße dann übersetzt so viel wie „Siedlung an den Traunwindungen“.
Wie aus im Zuge von Überschwemmungen abgelagerten Schichten festgestellt wurde, bildete die Traun damals im Raum Wels ein weitverzweigtes Flusssystem mit zahlreichen Nebenarmen und Flussinseln. Die Aufteilung der Wassermassen führte dazu, dass die Traunarme bei Wels geringe Tiefen aufwiesen und daher hier ein Überqueren bei Furten möglich war.Christian Rohr: Überschwemmungen an der Traun zwischen Alltag und Katastrophe. Die Welser Traunbrücke im Spiegel der Bruckamtsrechnungen des 15. und 16. Jahrhunderts. In: Festschrift 50 Jahre Musealverein Wels 1953–2003 (= 33. Jahrbuch des Musealvereines Wels 2001/2002/2003). Wels 2004, S. 281–327 (, ). Zugleich führte das seichte Wasser dazu, dass Traunflößer hier ihre Flöße entladen und die Waren (beispielsweise Salzsteine, siehe dazu Hallstatt (Archäologie)) stapeln oder bis zum nächsten flößbaren Flussteil weitertragen mussten.
Römerzeit mini|Rest der römischen Stadtmauer in der Schubertstraße mini|Medaillon von einem römischen Grabstein, heute an einer Hausfassade am Stadtplatz
Die kleine Siedlung entwickelte sich zu einem wichtigen Stützpunkt und Außenposten des Römischen Reiches. Unter Kaiser Hadrian wurde das damalige Ovilava oder OvilavisOb die Stadt zur Römerzeit Ovilava oder Ovilavis geheißen hat, ist auf Grund der Quellenlage umstritten. Die Wissenschaft neigt inzwischen zur Benennung Ovilavis, vgl. Renate Miglbauer: Ovilavis. In: Marjeta Šašel Kos, Peter Scherrer (Hrsg.): The Autonomous Towns in Noricum and Pannonia – Die autonomen Städte in Noricum und Pannonien. Band Noricum (= Situla. Band 40). Narodni Muzej Slovenije, 2002, S. 245–256. zu einer Stadt (municipium) erhoben. Das bebaute Gebiet schloss das Gebiet von der Traun bis zur Höhe des heutigen Kaiser-Josef-Platzes ein. Es gab bereits Häuser aus Ziegeln, Dampfbäder, eine Arena sowie ein Bewässerungssystem.
In der Folge wurde Wels unter Kaiser Caracalla (212/217 n. Chr.) zu einer Großstadt (colonia). Aufgrund der drohenden Alemannengefahr wurde die Stadt erweitert, mit einer Stadtmauer umgeben – das Gebiet war etwa 90 ha groß – und eine Straße von Passau der Donau entlang gebaut. Sicher ist, dass sechs Türme und eine Toranlage in die Mauern integriert waren, die von der Burg angefangen der heutigen Westbahntrasse entlang und über die Feldgasse zurück Richtung Traunufer gebaut war. Die Stadt wurde im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert n. Chr. befestigt, mehrere ihrer Türme wurden archäologisch untersucht, der an der Nordfront gelegene, leicht unregelmäßige 6,23–6,29 × 6,6–6,55 m große, mit 1,34 m starkem Mauerwerk errichtete Turm I springt um 1,27–1,35 m vor die 1,4 m breite Wehrmauer, auch die übrigen Türme waren mit ihm vergleichbar. Für die Datierung können Münzen aus den drei Wallgräben gewertet werden, eine Bronzemünze aus flavischer Zeit sowie Bronzemünzen des Trajan, des Marcus Aurelius und ein Denar des Caracalla. Ein terminus post quem für die Errichtung der Mauer ergibt sich durch eine Münze des Antoninus Pius (138–166 n. Chr.), die aus einem unter dem ersten Graben gelegenen Hausfundament stammt. Die Alamanneneinfälle werden auch auf einen Meilenstein des Maximinus Thrax aus dem Jahr 236 n. Chr. erwähnt..Stefan Groh: Castrum Ad Iuvense (?) Neue Forschungen zur norischen Binnenfestung von Mauer bei Amstetten. Die geophysikalischen Prospektionen 2014–2015, in EPHEMERIS NAPOCENSIS XXVII 2017, S. 78–79.
Kaiser Diokletian machte Wels im Rahmen seiner Reform des Provinzen-Systems zu einer Hauptstadt, die das Gebiet des Römischen Reiches nördlich der Alpen, das Ufernoricum (Noricum Ripense) verwaltete. Zwei Duumviri, die als Stadtrichter fungierten, zwei Ädilen, die für die Einhaltung der Gesetze und Marktrechte eintraten, ein Quästor, der die Stadtkasse verwaltete, und ein 100-köpfiger Stadtrat standen an der Spitze der Stadt.
Ovilava verwaltete ein Gebiet, das von Inn und Donau eingeschlossen, östlich von den Verwaltungsgebieten Lauriacums (Enns) begrenzt, bis nach Bad Ischl reichte. Zum Stadtbezirk zählten Grenzbefestigungen, zu denen auch Linz (Lentia) und Passau (Boiodurum) gehörten, und unzählige Siedlungen auf oberösterreichischem und salzburgischem Boden.
Auffallend an der römischen Gräberkultur in Wels ist, dass nur wenige kostbare Dinge beigesetzt wurden. Dies hatte seine Ursache zum einen in der nahen Grenze mit ständig drohenden Überfällen und Kriegen, zum anderen im strengen Klima, weshalb sich nur wenige reiche Bürger ansiedelten. Reichere Gräber stammen nur aus früheren Perioden der Besiedlung.
Vom 3. bis zum 5. Jahrhundert wurde das Gebiet um Wels oft von Germanen- und Vandalenstämmen sowie von Attilas Heer im Zuge der beginnenden Völkerwanderung überfallen. Unter Kaiser Gallienus wurde die Provinz Noricum als verwüstet beschrieben. Der Offizier und König von Italien, Odoaker, ließ Noricum räumen, da es nicht mehr zu halten war.
Ab dem 4. Jahrhundert dürfte Wels für einige Jahrhunderte wieder zu einer kleinen und unbedeutenden Siedlung geworden sein. Im Itinerarium Antonini (3. Jh.) ist die Stadt zwar noch mehrfach unter dem Namen Ovilavis genannt,Itinerarium Antonini: 235,2; 249,2; 256,5; 258,4; 277,2. die Vita Sancti Severini aber, die die Zustände am Ende des 4. Jh. spiegelt, erwähnt sie nicht mehr.
Wirtschaft im römischen Wels