Amman ([], ) ist die Hauptstadt des Haschimitischen Königreiches Jordanien und zählte Ende 2023 4.834.500 Einwohner (6.708.860 in der Metropolregion). Volksschätzung 2023, Metropolregion enthält Russeifa, Amman, As-Salt, Zarqa, Yarqa und Mahis Amman ist eine moderne Großstadt, in der überwiegend Muslime und 10 Prozent Christen leben. Die heutige Wirtschaftsmetropole begann erst nach der Staatsgründung Israels 1948 infolge der Flüchtlingsströme aus Palästina bis 1980 zu einer Millionenstadt zu wachsen.

Geografie Amman liegt östlich des Flusses Jordan und breitet sich auf einer Fläche von rund 1680 km² aus. Die durchschnittliche Höhe beträgt 800 Meter über dem Meer. Die nächstgrößere Stadt ist Salt im Nordwesten, im Südwesten befindet sich die Stadt Madaba.

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Ursprung des Namens Im Namen der Stadt lebt die Erinnerung an den im Alten Testament erwähnten Volksstamm der Ammoniter und deren Staat Ammon fort.

Geschichte mini|Luftaufnahme von Amman mit dem römischen Theater und dem Philadelphia Hotel, Aufnahme des Matson Photo Service (1932) mini|Amman am 11. September 1940, Feierlichkeiten zum 24. Jubiläum der Arabischen Revolte, kurz nachdem sich der Emir zurückgezogen hatte mini|Amman um 1950, Aufnahme von Willem van de Poll mini|Mitglieder des tscherkessischen Wohltätigkeitsvereins Circassians Charity Association in Amman, 1958Die Ursprünge gehen bis in biblische Zeit zurück, als die Stadt als das biblische Rabba bekannt war. Die Ammoniter bezeichneten sie selbst als Rabbath-Ammon. Sie erstreckte sich damals wie Rom über sieben Hügel. Heute erstreckt sich die Stadt über neunzehn Hügel.

Nach der Eroberung durch Alexander den Großen kam die Stadt zunächst unter ptolemäische Herrschaft; König Ptolemaios II. Philadelphos gab ihr den neuen Namen Philadelphia und dieser Name hatte für etwa 900 Jahre Bestand. Ab 218 v. Chr. gehörte sie zum Seleukidenreich; nach dem Feldzug des Pompeius wurde sie südlichstes Mitglied der Dekapolis.

Die eigentliche Blütezeit begann nach der Eingliederung in die Provinz Arabia Petraea unter Kaiser Trajan. Aus dieser Zeit stammen die meisten der gewaltigen Ruinen auf der Zitadelle, das Forum und das Theater von Amman, eines der besterhaltenen Gebäude der Antike, die heute noch benutzt werden. Zur Zeit des Kaisers Mark Aurel wurde auf der mittleren Terrasse der Zitadelle ein monumentaler Herkulestempel errichtet, der einen hellenistischen Vorgängerbau ersetzte. In christlich-spätantiker Zeit errichtete man eine dreischiffige Kirche, für welche der Herkulestempel als Steinbruch dienen musste.

Im Jahr 635 eroberten die Araber die Stadt in der Islamischen Expansion. Auf der oberen Terrasse der Zitadelle entstand etwas später der Qasr, ein Teil eines Omayyadenpalastes; noch heute krönt er die Zitadelle. Mit der Verlegung des Kalifats von Damaskus nach Bagdad im Jahr 750 begann der Abstieg der Stadt, die später weitgehend verfallen war, doch beschrieb der arabische Kartograf al-Muqaddasī (gestorben um 922) die Umgebung von Amman als besonders fruchtbar. 1516 wurde Amman ein Teil des Osmanischen Reiches. 1812 durchreiste Johann Ludwig Burckhardt auf dem Weg nach Salt den Wadi von Amman, der zu jener Zeit jedoch nur ein saisonaler Ruheplatz für Nomaden und Pilger war. Hier wurde überwintert. Besonders der Familienverband der Bani Sakhr nutzte den Wadi. Erst 1868 ließen sich Menschen wieder dauerhaft nieder.

Der wasserreiche Ort im Wadi des Seil Amman wurde von der osmanischen Verwaltung 1876 für die Ansiedlung von überlebenden Tscherkessen ausgewählt, Muslimen, die 1864 vor den genozidähnlichen Eroberungsfeldzügen Russlands im Kaukasus zunächst nach Trabzon am Schwarzen Meer geflüchtet waren. Dem Archäologen Dieter Vieweger zufolge war auch die reiche Auswahl behauener Steine vom antiken Philadelphia für die Wahl des Standorts entscheidend. Er lag in der Randzone der ma'moura, der für eine sesshafte Lebensweise geeigneten Landschaft. Die neuen Bewohner gehörten mehrheitlich zum Stamm der Shabsough und lebten als Wehrbauern in Amman. Um 1900 kamen Flüchtlinge aus Dagestan nach Amman und siedelten sich ebenfalls an, worauf die neuen Ortsteile der Ibzakh, Kurbuatay, Shabsough und Aghrab, sowie christliche Viertel entstanden. 1903 kam die Hedschasbahn hinzu, die Amman zur Zwischenstation der Haddsch machte.

1909 wurde im Shabsough das Stadthaus errichtet. In diesem Jahr hatte der Ort knapp 3000 Einwohner. In Shabsough gab es ein Postbüro, zwei Grundschulen und 35 Läden. 1909 bis 1911 war der tscherkessische Bauer und Viehhändler Ismail Areslan Baboq der erste gewählte Bürgermeister der Stadt. Zuwanderer aus Salt und Maʿan gründeten den Stadtteil Maʿamia. Auch Kurden, Armenier und Marokkaner ließen sich nieder. Daneben eröffneten die Händler aus dem Nadschd und dem Hedschas und aus Jerusalem und Nablus ihre Geschäfte in der Stadt. Ab 1920 gab es Elektrizität. Die Armenier Doumanian und Berberian eröffneten ihre Fotogeschäfte. 1924 wurde die al-Husseini-Moschee gebaut.

Trotz der Zuwanderung blieb die Bevölkerungszahl gering. Die Bebauung beschränkte sich auf den Wadi, die Hänge des Zitadellenhügels und Ras el-Ein. Abdallah ibn Husain I. wählte 1921 Amman als Regierungssitz des neugeschaffenen Emirats Transjordanien, aus dem später das Haschemitische Königreich Jordanien hervorging. Damit gab er Amman den Vorzug vor Karak, Ajloun und vor allem Salt, die damals bereits etwas größer waren. Der Emir nahm zunächst in einem Zelt Wohnsitz, das sich neben der Baustelle des 1925 schließlich vollendeten Palastes Raghadan befand. Zu diesem Zeitpunkt hatte Amman rund 5000 Einwohner. Auch der Basman-Palast wurde gebaut. 1927 ereignete sich ein Erdbeben. Ende der 1920er Jahre lebten in Amman etwa 10.000 Menschen.Yoav Alon: The Making of Jordan – Tribes, Colonialism and the Modern State. I. B. Tauris, London 2007, ISBN 978-1-84885-013-2, S. 63 f. Die Familie Nazzal eröffnete in den frühen 1930er Jahren das Philadelphia Hotel und machte es zum Treffpunkt der Elite.

Dem Historiker Avi Shlaim zufolge wurde Amman als Folge des französischen Mandats über Syrien in den ersten Jahren der Herrschaft von Abdallah zu einem Sammelbecken antifranzösischer Syrer. Amman befand sich außerhalb der von Chaim Weizmann im Februar 1919 im Namen der WZO vorgebrachten Gebietswünsche. Großbritannien verbot Juden die Einwanderung nach Transjordanien. Es gab Solidaritätsbekundungen mit der arabischen Nationalbewegung Palästinas, die sich 1935 in Protesten gegen die britische Mandatspolitik und gegen den Zionismus äußerten. Die staatliche Politik sah den Aufbau des zionistischen Staatsprojekts im benachbarten Palästina jedoch pragmatisch, am 10. Mai 1948 besuchte Golda Meir Amman.

Italienische Missionare eröffneten am Fuße des Al-Ashrafiyah-Hügels 1927 das Ospedale italiano unter der Leitung des Turiner Arztes Fausto Tesio. Das Luzmila-Hospital der Nazareth-Schwestern von 1948 wurde nach einer bolivianischen Stifterin, der Kupferminenerbin Luz Mila du Boisrouvray (der Tochter von Simón Patiño) benannt. 1925 entstand die christliche Gesellschaft Arab Orthodox Society for Charity. Sie kaufte für 300 Palästina-Pfund 1932 das Grundstück, auf dem die Architekten Tawfiq Marrar und Emil Ghazawi zwischen 1947 und 1951 Ammans erste orthodoxe Kirche errichteten.

Amman war eine Stadt mit rund 60.000 Einwohnern, als sie 1948 durch den Zustrom von palästinensischen Flüchtlingen in der Folge des Palästinakriegs und der Nakba sehr rasch zu wachsen begann. Der Großteil der etwa 70.000 bis 100.000 nach Transjordanien geflüchteten Personen ließ sich in Amman und in der Stadt Zarqa im Norden nieder. Im April 1950 fanden Wahlen zur Abgeordnetenversammlung statt, die laut dem Historiker Henry Laurens relativ frei waren. Arabische Konflikte erreichten auch Amman: Im Juli 1951 starb Riad as-Sohl durch einen Attentäter der SSNP. 1956 gab es erneut Wahlen.

mini|Das Wohnungsmuseum der Familie von Mamdouh Bisharat an der Alsa'adah-Straße, The Duke’s Diwan genannt, erbaut 1924 für den Grundherrn von Mukhaybeh, gilt als das älteste Stadthaus in Amman. Die Sammlung enthält Gemälde der Türkin Fahrelnissa Zeid, die in Amman lebte.

Im Sechstagekrieg 1967 kamen offiziell 240.000 Personen nach Jordanien, davon wiederum ein großer Teil nach Amman. Die übrige Stadtbevölkerung bildete sich durch Zuwanderung von Transjordaniern aus den Kleinstädten und von nomadischen oder halbnomadischen Beduinen. John Bagot Glubb, hoher britischer Offizier in jordanischen Diensten, holte viele der von ihm bevorzugten Beduinen nach Amman. Das von gelegentlichen Spannungen geprägte Miteinander von palästinensischen und transjordanischen Jordaniern bestimmte die weitere Entwicklung. 1948 bis 1967 war Amman die geschichtslose Hauptstadt eines Landes, das auch Jordaniens „spirituelle Hauptstadt“ Ostjerusalem und das im Palästinakrieg eroberte Westjordanland umfasste. Im Februar 1957 mussten wegen der Suezkrise die in Amman stationierten britischen Truppen Jordanien verlassen.

1962 fanden freie Wahlen statt, die Regierung Wasfi at-Tall beschritt den Weg der wirtschaftlichen Entwicklung und der Korruptionsbekämpfung. 1961 eröffnete das Goethe-Institut, 1969 wurde der Jordanische Schriftstellerverband gegründet. 1970–1971 durchlebte Amman den Jordanischen Bürgerkrieg, den Schwarzen September, in dessen Verlauf sich palästinensische Kämpfer drei Tage im Stadtteil Masarweh hielten. Seit dem „Sieg“ der PLO in der Schlacht von Karame lebten bis zu 14.000 bewaffnete Fedajin in den Hügeln um Amman. Sie hatten einen „Staat im Staat“ und hielten Militärparaden ab, was Jordanien nicht mehr dulden wollte. Allein in Amman starben laut dem Roten Halbmond über 3500 Menschen, über 10.000 Menschen wurden verletzt, andere flohen in den Libanon.

mini|Jwaideh mit dem Bahngleis der stillgelegten Hedschasbahn mini|Auslage im Gold-Suq, 2024

Der Niedergang von Beirut in Folge des Libanesischen Bürgerkriegs zwischen 1975 und 1990 ließ dann jedoch Amman zu einem ersten Zufluchtsort werden. Ende November 1971 wurde der dreimalige Premierminister Wasfi at-Tall in Amman beerdigt, er war als Vergeltung für die Vertreibung der PLO aus Jordanien in Kairo ermordet worden. König Hussein I. verzichtete am 31. Juli 1988 formell auf das Westjordanland, das de facto seit 1967 israelisch besetzt ist. Die erhoffte innenpolitische Entspannung stellte sich nicht ein. In Amman und anderen Städten forderten Demonstranten bezahlbare Lebensmittel. 1989 fanden wieder Wahlen statt.

Seit den 1970er Jahren ist der Lauf des Seil Amman unterirdisch kanalisiert. Die Innenstadt bleibt nach starken Regenfällen aber dem Risiko von Hochwasser ausgesetzt. Die Stadtentwicklung verlief im Zuge der Errichtung sogenannter Intersections, also großer Kreisverkehrsplätze. Ab den 1980er Jahren öffnete sich das Land dem Massentourismus. Im November 1987 fand in Amman das Gipfeltreffen der Arabischen Liga statt. 1992 wurden politische Parteien erlaubt. Der Zweite Irakkrieg zwang viele irakische Flüchtlinge in das sichere Jordanien. Mit koordinierten Bombenanschlägen am 9. November 2005 tötete Al-Kaida 65 Menschen, 62 jordanische und drei chinesische Staatsbürger.Vgl. auch Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04933-8; aktualisierte Taschenbuchausgabe ebenda (Juni) 2015, ISBN 978-3-492-30858-8, S. 142–145 (Die gescheiterte Selbstmordattentäterin von Amman). Dem innerislamischen Hass ist die Monarchie 2004 in der Botschaft aus Amman entgegengetreten. Der Stadtteil Abdali wird durch die halbprivate Al-Mawared zum neuen Zentrum ausgebaut. 2006 wurde Bürgermeister Nidal al-Hadid auf königlichen Wunsch von Omar Maani abgelöst, nachdem ein weiteres Hochhausprojekt zu Protesten geführt hatte. Anlass dazu gab ein städtisches Landgeschäft, das den Bau eines versprochenen Parks verhinderte.