mini|hochkant=.7|Campo (Vallemaggia)

Campo (Vallemaggia), in der alpinlombardischen Ortsmundart Chièmp ,Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 217. ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Sie gehört zum Bezirk Vallemaggia und innerhalb dessen zum Kreis Rovana.

Geographie Die Gemeinde liegt im Valle di CampoVal di Campo auf ETHorama auf , 26 km nordwestlich von Locarno. Die Nordgrenze zu Bosco/Gurin führt entlang der Grate einer Gebirgskette. Westlichster Punkt dieser Kette ist der Madone/Batnall (), östlichster Punkt der Pizzo Bombögn (). Die Westgrenze zum Val Formazza ist zugleich Landesgrenze zu Italien. Sie führt vom Madone/Batnall hinüber zum Pizzo Quadro (), zerteilt dann in südöstlicher Richtung den oberen Teil des Valle di Campo, geht in südwestlicher Richtung zum Pizzo di Porcaresc () und dreht dann nach Osten ab.

Die gesamte Südgrenze ist gleichzeitig Bezirksgrenze (Distretto di Vallemaggia/Distretto di Locarno) und führt meist entlang von Gebirgsgraten zum Pizzo Molinera (). Vom letztgenannten Berg geht es in nordwestlicher Richtung zurück zum Pizzo Bombögn. Im südlichen Gebirgsteil liegen vier kleine Seen: der Lago dei Pozzöi (), der Lago Gelato (), der Lago di Sfii () und der Lago del Pèzz ().

Hauptbach ist die Rovana di Campo,Rovana (Fluss) auf ETHorama die aus dem Zusammenschluss des Ri di Sfii (entspringt im Süden der Gemeinde) und dem Rio Colobiasca (entspringt im italienischen Valle Cravariola westlich der Gemeinde) entsteht. Die Terrasse, auf der die Ortsteile Campo und Cimalmotto liegen, wird vom sich stetig vertiefenden Flussbett der Rovana unterspült, was eine wesentliche Bedrohung für die beiden Siedlungen ist. Überdies staut sich Regenwasser unterirdisch an einer wasserundurchlässigen Schicht an und setzt Erdmassen in Bewegung, wodurch die Terrasse ins Rutschen gerät.Dörfer auf dem Weg in den Abgrund Neue Zürcher Zeitung, 18. August 2002

Siedlungen mini|hochkant=.7|Piano di Campo: Torba di Sartüü, Getreidespeicher auf pilzförmigen Mäusepfeilern («funghi»), erbaut 1567

In der Gemeinde liegen zahlreiche Häusergruppen und Einzelgehöfte. Die grössten Siedlungen sind Pianelli (ein Zusammenschluss mehrerer Alpen, 1,1 km südwestlich von Campo); Cimalmotto (, 800 m südwestlich von Campo);Cimalmotto auf ETHorama Campo (Vallemaggia) (1281–1311 m ü. M., ein Zusammenschluss mehrerer Weiler); Piano di Campo (, 1,7 km östlich von Campo) und Niva (oberhalb des gleichnamigen Bachs, , 2,8 km östlich von Campo). Alle diese Siedlungen liegen nördlich der Rovana di Campo.

Vom gesamten Gemeindeareal von über 43 km² sind 44,3 % von Wald und Gehölz bedeckt und 41,5 % unproduktive Fläche (Gebirge und Seen). Immerhin 13,3 % des Gemeindegebiets können landwirtschaftlich genutzt werden. Weitere 0,8 % des Gemeindeareals sind Siedlungsfläche.

Ein erheblicher Teil des Territoriums leidet unter Erdverschiebungen. Die Kirche von Campo war bereits im Jahr 1858 30 Meter talabwärts gerutscht; die ersten Häuser des Bergdorfs mussten aufgegeben werden. Bis 1950 wanderte der Kirchturm um weitere 23 Meter Richtung Abhang, und die Kirche sackte um fast 6 Meter ab.

Nachbargemeinden sind auf Tessiner Seite Bosco/Gurin, Cerentino, Cevio, Maggia und Onsernone (bis 9. April 2016 Vergeletto) sowie auf italienischem Territorium Formazza, Montecrestese, Premia (Piemont) und Santa Maria Maggiore (Piemont).

Geschichte Das Campotal, früher Ceviotal geheissen, muss zunächst eine einzige vicinanza (Nachbarschaft) gebildet haben; später bildeten sich die drei Gemeinden Campo, Cimalmotto und Niva aus. Die Siedlungen des Tals bildeten im 15. Jahrhundert mit Cevio, Bignasco und Cavergno die Roana superior. Um 1700 waren die Dörfer des Val Rovana reich, und vermögende Tessiner Familien zogen in seine Abgeschiedenheit. Berühmte Geschlechter wie die Pedrazzini, Porta, Pontoni und Fabri sind hier verwurzelt.

Campo stritt sich seit dem Mittelalter mit dem italienischen Nachbarort Crodo im Ossolatal um die zuhinterst im Tal gelegene Alpschaft Cravairola. Erst am 23. September 1874 wurde das Territorium im Rahmen der sogenannten Cravairola Decision aufgrund des Schiedspruches des Gesandten der Vereinigten Staaten von Amerika endgültig Italien zugewiesen.

Schon im 17. und 18. Jahrhundert wanderten viele Menschen nach Deutschland und Italien aus, da es zu wenig Arbeitsplätze und Siedlungsfläche für alle Bewohner gab. Daher halbierte sich zwischen 1683 und 1824 die Einwohnerzahl. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Cimalmotto und Niva wieder mit Campo vereinigt. Bis zum Jahr 1850 stabilisierte sich die Bevölkerungszahl, ehe die grosse Massenauswanderung einsetzte, die bis 1990 dauerte. Vorerst lagen die Ziele in Übersee (Kalifornien und Australien), doch wanderten auch etliche Bewohner in andere Teile des Kantons Tessin aus. Zwischen 1683 und 2000 nahm deshalb die Einwohnerzahl um 94,6 % ab, was der höchste Wert aller Tessiner Gemeinden ist.

Campo (Vallemaggia) bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Campo Vallemaggia (mit Fotos). In: patriziatocampovallemaggia.ch.

Bevölkerung Die Einwohnerzahlen von Campo (Vallemaggia) inkl. der im 19. Jahrhundert zeitweise selbstständige Gemeinden bildenden Orte Cimalmotto und Niva (Vallemaggia) entwickelten sich wie folgt:

Sprachen Die Bevölkerung spricht die lokale alpinlombardische Mundart des Italienischen. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,7 % Italienisch, 8,6 % Deutsch und 1,7 % Englisch als ihre Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen In früheren Zeiten waren sämtliche Bewohner Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Bei der letzten Volkszählung (2000) waren 81,0 % römisch-katholische und 8,6 % evangelisch-reformierte Christen.

Herkunft – Nationalität Von den 49 Einwohnern Ende 2020 waren 41 (= 83,4 %) Schweizer Staatsbürger. Bei der letzten Volkszählung (2000) waren 86,2 % der Einwohner Schweizer Staatsangehörige.

Politik Oberstes Organ der Gemeinde ist die Gemeindeversammlung (Assemblea comunale); teilnahmeberechtigt sind alle in der Gemeinde wohnhaften Stimmberechtigten. Die Gemeindeversammlung wählt als leitendes Organ den dreiköpfigen Gemeinderat (Municipio), in dem der Gemeindepräsident (Sindaco) den Vorsitz führt.

Wirtschaft Die Erwerbstätigen, die in Campo tätig sind, arbeiten meist in landwirtschaftlichen Berufen.

Verkehr Die Gemeinde ist dreimal täglich durch die Postautolinie Cerentino – Cimalmotto (in Cerentino Anschluss an die Postautolinie Cevio – Bosco/Gurin) ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. mini|hochkant=.7|Casa Pedrazzini

Sehenswürdigkeiten

Die Dorfbilder von Campo und Cimalmotto sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Von Einzelobjekten sind zu nennen: Pfarrkirche San BernardoSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 255–258.Pfarrkirche San Bernardo abate auf portal.dnb.de (abgerufen am 7. Januar 2017). Palazzi Pedrazzini, erbaut zwischen 1730 und 1749Palazzi Pedrazzini und Oratorium San Giovanni Battista (mit Fotos) auf api3.geo.admin.ch/rest Oratorium San Giovanni BattistaVerschiedene Autoren: Oratorio di San Giovanni Battista a Campo Vallemaggia. Locarno 2004 im Ortsteil Cimalmotto: Pfarrkirche Beata Vergine Assunta, erstmals 1597 erwähnt, enthält Fresken des Malers Giuseppe Mattia Borgnis (1748) im Ortsteil Niva: Pfarrkirche San Rocco Schalensteine auf der Alpe Magnello (1810 m ü. M.)Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 52.

Persönlichkeiten

Bilder

Literatur Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969, S. 33–36, 46. Otto Lehmann: Die Gestaltung der Landschaft im Bereiche der grossen Massenanhäufungen in der Gemeinde Campo (Valle Maggia). In: Mitteilungen der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft. Band 34, Zürich 1933–1934, S. 25–74 + 6 Tafeln (Digitalisat) Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 252–257. Giuseppe Mondada: Commerci e commercianti di Campo Valmaggia nel Settecento. Edizioni del Cantonetto, Pedrazzini Tipografia-Offset, Locarno 1977.

Agostino Robertini, Silvano Toppi, Gian Piero Pedrazzi: Campo Vallemaggia. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1974, S. 75–90. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972. Celestino Trezzini: Campo Vallemaggia. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Attinger, Neuenburg 1924, S. 482–483 (Digitalisat [PDF; 28,8 MB]).

Weblinks

Amt für Statistik des Kantons Tessin: Campo Vallemaggia Campo Vallemaggia: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin

Artikel Warme Berge bröckeln seltener vom 17. Juli 2006 im Spiegel erwähnt Abrutschen des Ortes mit 0,25 m pro Jahr. Wanderungen rund um Campo / Valle Maggia

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin Kategorie:Ersterwähnung im 15. Jahrhundert