Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V. zentriert Basisdaten Präses: Steffen Kern Generalsekretär: Jürgen Schmidt Gründungsjahr: 1897 (Vereinigung Ost-West 1991) Mitglieder Verbände: 34 regionale Gemeinschaftsverbände (zwei davon in Österreich) 6 JugendverbändeZum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband gehören. IdeaSpekrum 7.2017, Seite 24. Mitglieder Werke: 13 theol. Ausbildungsstätten 6 Missionsgesellschaften

16 Diakonissen-Mutterhäuser

13 Werke mit besonderer Aufgabenstellung

16 diakonische Einrichtungen Mitglieder (inkl. Freunde): ca. 300.000 zentriert|250px|Gnadauer Zentrale in Kassel Website: www.gnadauer.de Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V. ist ein Dachverband regionaler Verbände und Werke und der zur Gemeinschaftsbewegung gehörenden Ausbildungsstätten, Missionen und diakonischen Werke und Einrichtungen. Der Verband arbeitet innerhalb der evangelischen Landeskirchen in Deutschland an etwa 5000 Standorten und umfasste im Jahr 2013 ungefähr 200.000 Mitglieder.Michael Diener: 125 Jahre Gnadauer Verband: Pietismus - Für mehr geistige und geistliche Weite, Website ead.de (16. März 2013, abgerufen am 30. Januar 2025) Sitz der pietistischen Organisation ist seit 2003 Kassel.

Der Gnadauer Verband vertritt den innerkirchlichen Pietismus nach außen – gegenüber Kirchen, Staat und Gesellschaft. Nach innen vernetzt, unterstützt und begleitet er die Gnadauer Mitgliedswerke und Verbände. Dies geschieht durch Arbeitskreise, Tagungen und Kongresse. Man gibt Erklärungen und Arbeitsmaterialien heraus, bietet Schulungen und Weiterbildungen an. Es gibt Beratungsangebote für die Neubelebung von Gemeinschaften oder für die Gründung neuer Gemeinden. Gnadau setzt sich für Qualitätsstandards ein bei der Anstellung hauptamtlicher Mitarbeiter und betreibt eine umfangreiche Jobbörse im Internet.

Die Deutsche Evangelische Allianz zählt den Gnadauer Verband zu den der Deutschen Evangelischen Allianz nahestehenden Organisationen.

Geschichte Vom 22. bis zum 24. Mai 1888 fand die erste Pfingstkonferenz mit führenden Vertretern der Gemeinschaftsbewegung und ihr nahestehender Theologen aus fast allen deutschen Landesteilen in Gnadau (heute zu Sachsen-Anhalt, Stadt Barby), einer kleinen Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine, statt. Dabei wurde erörtert, wie das Reich Gottes persönlich, in Gemeinschaft, in der Kirche und in der deutschen Gesellschaft ausgebreitet werden könnte.Steffen Kern: 125. Jahrestag der Gründung des Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverbands e. V., für die Förderung des christlichen Gemeinschaftslebens, Website elk-wue.de (2022, abgerufen am 30. Januar 2025) Von den insgesamt 142 Teilnehmern waren 68 Theologen, und 74 waren Laien. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Eduard Graf von Pückler, Jasper von Oertzen, Theodor Christlieb und Elias Schrenk. Die Konferenz gilt als erster Schritt zur Schaffung eines Mittelpunktes der deutschen Gemeinschaftsbewegung, deren Landesverbände bislang weitestgehend isoliert gearbeitet hatten. Die Teilnehmer der Konferenz waren sich trotz unterschiedlicher Prägung darüber einig, dass die Arbeit von Laien in der evangelischen Kirche stärker entfaltet werden müsse, und verfolgten nicht die Absicht, sich von der Kirche zu separieren. Christlieb formulierte es so: In der Kirche, wenn möglich mit der Kirche, aber nicht unter der Kirche.Forschungsstelle Neupietismus: Grundinformationen zum Neupietismus, Die Entstehung der Gemeinschaftsbewegung, Website eh-tabor.de (abgerufen am 1. Februar 2025)

Die Wurzeln dieser Bewegung liegen in der Reformation und im Pietismus. Im Laufe der Zeit sind die Einflüsse allerdings vielschichtiger geworden, etwa durch die Erweckungsbewegung.

Gegründet wurde der Verband am 27. Oktober 1897 in Berlin unter dem Namen Deutscher Verband für evangelische Gemeinschaftspflege und Evangelisation.Reinhard Scheerer: Bekennende Christen in den evangelischen Kirchen Deutschlands 1966-1991. Geschichte und Gestalt eines konservativ-evangelikalen Aufbruchs. Haag und Herchen, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-86137-560-5, S. 27.

Die Gemeinschaftsbewegung verantwortete mit der Berliner Erklärung vom 15. September 1909 ein historisches Dokument, das zu jahrzehntelangen Zerwürfnissen der betroffenen Denominationen der jungen Pfingstbewegung in Deutschland führte. Dieses Dokument nahm vor allem Bezug auf die Kasseler Ereignisse vom Juli 1907 und war in erster Linie gegen den führenden Pfarrer Jonathan Paul gerichtet, der 1890 eine Geistestaufe erfahren haben soll und seit 1904 das „reine Herz“ verkündigte, zu dem ein erweckter Christ gelangen könne. Am 24. Januar 1911 wurde Jonathan Paul, der Schriftführer und Mitglied war im Gnadauer Gemeinschaftsverband, aus dieser Organisation ausgeschlossen.Urs Schmid: Amerikanische Heiligungsbewegung und Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, Dissertation, Theologische Fakultät Universität Basel, Basel 2002; Fromm Verlag, 2018, ISBN 978-620-2-44298-5, S. 224–255

In der Zeit des Nationalsozialismus orientierte sich das Werk an der Bekennenden Kirche und distanzierte sich von den Deutschen Christen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, bedingt durch die Teilung Deutschlands, zerfiel der Verband in den „Gnadauer Verband für Gemeinschaftspflege und Evangelisation e. V.“ und das „Evangelisch-kirchliche Gnadauer Gemeinschaftswerk in der DDR e. V.“ unter der Leitung des damaligen Generalsekretärs Johannes Dreßler. 1991 schlossen sich die beiden Verbände zum „Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband“ zusammen.

Erster Vorsitzender (Präses) des Werkes war Reichsgraf Eduard von Pückler, der das Amt von 1897 bis 1906 bekleidete. Von 1906 bis 1911 war Walter Michaelis zunächst ehrenamtlich, dann von 1919 bis 1953 hauptamtlich Vorsitzender des Verbandes. Sein Nachfolger als Präses war von 1953 bis 1971 der Pfarrer Hermann Haarbeck, vormals der Direktor der Evangelistenschule Johanneum. Vorsitzender war von 1971 bis zu seinem Tod 1988 der Pfarrer Kurt Heimbucher.

Sein Nachfolger wurde Christoph Morgner, der das Amt des Verbandspräses 20 Jahre lang innehatte. Von September 2009 bis September 2020 amtierte als Präses der bisherige Pfälzer Dekan Michael Diener.„Ich bin Pietist und will es auch bleiben.“ Elf Jahre stand Michael Diener an der Spitze des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. In: pro, Jg. 2020, Heft 5, S. 36–39. Am 20. Februar 2021 wurde Pfarrer Steffen Kern zum neuen Präses gewählt.Steffen Kern wird neuer Präses des pietistischen Dachverbandes, idea.de, Meldung vom 20. Februar 2021.

Am 3. Juni 1946 konstituierte sich das Ostwerk des Verbandes mit dem Namen „Evangelisch-kirchliches Gnadauer Gemeinschaftswerk in der DDR“. Die Vorsitzenden waren Hans Dannenbaum (März 1946 bis Oktober 1947), Arthur Mütze (Oktober 1947 bis Februar 1963), Frithjof Glöckner (Juli 1963 bis Dezember 1972), Helmut Appel (Januar 1973 bis Dezember 1977) und Hans-Joachim Martens (Januar 1978 bis zum Zusammenschluss).

Verbandsstruktur Die Gnadauer Zentrale in Kassel umfasst die Geschäftsstelle des Verbandes, das Gnadauer Archiv sowie den Gnadauer Verlag und bietet Tagungsmöglichkeiten.

Zum für sechs Jahre gewählten Vorstand gehören der Präses, der Generalsekretär, der Schatzmeister, ein stellvertretender Vorsitzender und neun Beisitzer. Zur Mitgliederversammlung gehören die Leiter aller Mitgliedsverbände und -werke des Gnadauer Verbandes. Jedes Mitglied hat eine Stimme, Verbände mit mehr als 3.000 Mitgliedern haben zwei Stimmen. Dem Verband gehören ca. 100.000 eingetragene Mitglieder in den angeschlossenen Verbänden an.Protokoll Mitgliederversammlung Evangelischer Gnadauer Verband 13.–15. Februar 2014, Bad Blankenburg

Der Verband unterhält zehn Arbeitskreise.Arbeitskreise, abgerufen am 18. Juni 2022.

Der Vorstand Präses: Steffen Kern (seit September 2021) Generalsekretär: Jürgen Schmidt (seit Oktober 2025) Schatzmeister: Christian Schwarzrock (seit 2024) Stellvertretender Vorsitzender: Matthias Frey (Marburg) 9 Beisitzer

Ehemalige Präsides 1897–1906: Eduard Graf von Pückler 1906–1911: Walter Michaelis 1911–1919: Theodor Haarbeck 1919–1953: Walter Michaelis 1953–1971: Hermann Haarbeck 1971–1988: Kurt Heimbucher 1989–1991: Christoph Morgner 1991–2009: Christoph Morgner (nach Wiedervereinigung mit dem „Evangelisch-kirchlichen Gnadauer Gemeinschaftswerk in der DDR e. V.“ am 12. Februar 1991) 2009–2020: Michael Diener

Verbandsleben heute Viele evangelikale Christen innerhalb der Landeskirche haben sich heute in Form von sogenannten „Gemeinschaftsgemeinden“ selbstständig gemacht, da sie in den meisten landeskirchlichen Strukturen für ihre Form Gemeinschaft und Glauben zu leben oft nicht genügend Freiraum haben. Diese Gemeinden und Gemeinschaften gehören regionalen Gemeinschaftsverbänden an, die wiederum im Gnadauer Dachverband zusammengeschlossen sind. Häufig werden diese Landeskirchlichen Gemeinschaften als „Evangelische Gemeinschaften“ bezeichnet.

Evangelische Gemeinschaften des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes sind keine Freikirchen, da ihre Mitglieder meist Mitglieder der jeweiligen Evangelischen Kirchengemeinde bleiben, was aber nicht zwingend notwendig ist. Sie sind ein „innerkirchliches Missionswerk“, das großen Wert auf Evangelisation und als authentisch empfundene Gemeinschaft legt. Der Fokus liegt meist darauf, wie die Bibel und ihre Botschaft im Alltag umgesetzt werden kann. Dabei helfen sich die Mitglieder gegenseitig durch intensiven Austausch über ihren Glauben in Kleingruppen. In den meisten Gemeinschaften gibt es Veranstaltungen ähnlich denen in Kirchengemeinden. Für die Ausübung kirchlicher Kasualien wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen bestehende entsprechen Vereinbarungen mit den jeweiligen Landeskirchen.

Seit den 1990er Jahren bilden sich vermehrt Strukturen ohne Verbindungen zur Landeskirche. Dabei existieren örtliche Gemeinschaften als christliche Gemeinden neben und unabhängig (auch finanziell) von der Amtskirche. Diese haben freikirchlichen Charakter. Obwohl dieses „Modell 4“ offiziell vom Gnadauer Verband nicht propagiert wird, bestehen in einzelnen Mitgliedsverbänden inzwischen ein Großteil der Gemeinschaften in dieser freikirchlichen Struktur (z. B. in der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, im Ev. Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein oder zum Teil auch im Chrischona-Gemeinschaftswerk).

Seit 2012 befindet sich die Gnadauer Gemeinschaftsbewegung in einem Erneuerungsprozess. Zwei große Kongresse in den Jahren 2013 („Neues wagen“ in Erfurt mit ca. 2.500 Teilnehmern)Präsesbericht 2012, S. 4, Fußnote 3, und 2019 („Upgrade“ in Willingen mit mehr 3.000 Teilnehmenden) brachten maßgebliche Impulse zur Veränderung durch Neubelebung bestehender Gemeindearbeiten sowie Konzepte zur Gründung neuer Gemeinden. Auch eine stärkere gesellschaftliche und diakonische Verantwortung ist in den Blick gerückt.

Der Gnadauer Gemeinschaftsverband lehnte in der Vergangenheit homosexuelle Partnerschaften ab. Der Verband hielt eine Veränderung bzw. Heilung der sexuellen Orientierung für möglich. , Regierung kritisiert Therapien für Schwule, Panorama Von 2015 bis 2020 erlebte der Verband eine intensive Auseinandersetzung in der Frage des Umgangs mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Mit der von der Gnadauer Mitgliederversammlung 2016 beschlossenen Verlautbarung „Gottes Wort vertrauen – Barmherzigkeit leben“ wird an einer an der Bibel orientierten konservativen Haltung festgehalten, dass eine Ehe nur aus der Partnerschaft von Mann und Frau bestehen könne. Zugleich wurde in dem Papier jedoch festgehalten, dass diese Sichtweise nicht mehr von allen Mitgliedern geteilt wird.Gottes Wort vertrauen – Barmherzigkeit leben beschlossen von der Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes am 19. Februar 2016 in Schwäbisch Gmünd

Liste der angeschlossenen Werke

Gemeinschaftsverbände Berliner Stadtmission Christlicher Missionsverband für Österreich Chrischona-Gemeinschaftswerk Christusbund