mini|Mile Budak als Ustascha-Politiker, Zweiter Weltkrieg Mile Budak (* 30. August 1889 in Sveti Rok; † 7. Juni 1945 in Zagreb) war ein jugoslawischer Schriftsteller, Publizist und Politiker. Als Ideologe der faschistischen Ustascha-Bewegung sowie Funktionär des Unabhängigen Staates Kroatien gilt er vielen als Spiritus rector der Völkermorde an Serben, Roma und Juden. Daneben gehörte Budak in den 1930er-Jahren als namhafter und prominenter Autor, zu den erfolgreichsten kroatischen Schriftstellern. Sein Hauptwerk ist der Bauernroman „Herdfeuer“.
Leben Kindheit und Jugend Mile Budak wurde als jüngstes von neun Kindern einer bäuerlichen Familie in der kleinen Ortschaft Sveti Rok in der heute zu Kroatien gehörenden Lika geboren. Sein Vater starb eine Woche vor seiner Geburt durch eine Krankheit, die er sich bei der Waldarbeit zugezogen hatte. Um seine Erziehung kümmerten sich daher vor allem seine Mutter und seine Schwester Kata.Heinrich Schaudinn: Mile Budak. In: Stimmen aus dem Südosten : Zeitschrift des Südost-Ausschusses der Deutschen Akademie. Heft 1/2, Deutsche Kunst- und Verlags-Anstalt München 1943, S. 2.
Er besuchte die Volksschule seines Geburtsortes, bis ihn sein ältester Bruder, der als Finanzbeamter in Bosnien tätig war, zur weiteren Ausbildung zu sich nahm und er dadurch im Jahr 1902 nach Sarajevo ans Gymnasium kam. Auf dem Gymnasium schrieb er sein erstes Gedicht und wurde Vorsitzender der geheimen kroatisch-nationalen Schülerorganisation Mlada Hrvatska (Junges Kroatien).Hermann Proebst: Doglavnik Dr. Mile Budak, Dichter und Kämpfer. In: Kroatien marschiert : Erste Jahreslese in Wort und Bild aus der Wochenschrift „Neue Ordnung“. Europa Verlag, Zagreb 1942, S. 54. Seinen Unterhalt bestritt er durch die Fürsorge zweier Brüder, ein Stipendium des kroatischen Kulturvereins Napredak (Fortschritt) und eigenes Stundengeben.
Im Herbst 1910 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät Zagreb ein und studierte zunächst Geographie und Geschichte. Neben dem Studium arbeitete er als Angestellter des Statistischen Amtes Zagreb. Später wechselte er zu den Rechtswissenschaften. Durch Tätigkeit als Sekretär in einer Anwaltskanzlei, konnte er zu seinem Unterhalt beitragen. In der – an der Universität nun legalen – Organisation Mlada Hrvatska lernte er Ante Pavelić kennen, mit dem er im Jahr 1912 wegen separatistischer Agitation verhaftet wurde.mini|Mile BudakBei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Budak, der seinen Heeresdienst gerade beendet und geheiratet hatte, von der österreichisch-ungarischen Armee eingezogen und als Offizier der kroatischen Landwehr an die serbische Front versetzt. Er wurde leicht verletzt, erkrankte und geriet 1915 im Feldlazarett von ValjevoAleksandar Stipčević: Die Albanologie in Kroatien : Ein Beitrag zur historischen Entwicklung. In: DARDANIA - Zeitschrift für Geschichte, Kultur, Literatur und Politik, Dr. Skënder Gashi, Wien, Heft 9/2001, , S. 147. in serbische Gefangenschaft. In der Kriegsgefangenschaft überstand er Flecktyphus und den zweimonatigen Fußmarsch mit der zurückweichenden serbischen Armee durch Mazedonien und Albanien. Er wurde schließlich im italienischen Muro Lucano interniert, und kehrte erst im Jahr 1919 nach Kroatien zurück, dass inzwischen Bestandteil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen geworden war.
Nach seiner Rückkehr promovierte er 1920 an der juristischen Fakultät in Zagreb zum Doktor der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) und war ab 1923 als Anwalt in eigener Kanzlei tätig.
Politische Tätigkeit Budak war politisch in der kroatisch-nationalistischen Hrvatska stranka prava (Kroatische Partei des Rechts) aktiv, die sich vor allem für einen unabhängigen kroatischen Staat aussprach. Diesen Standpunkt vertrat Budak als Autor und Herausgeber verschiedener Zeitschriften sowie bis 1928 auch als Stadtverordneter von Zagreb.
Im Jahr 1929 errichtete der serbische König eine Königsdiktatur, das Land wurde in Königreich Jugoslawien umbenannt. Die kroatisch-nationalistische Hrvatska stranka prava wurde verboten, die Pressefreiheit aufgehoben, die Gewerkschaften aufgelöst. Die kroatischen Symbole (Fahne, Wappen, Hymne) wurden verboten.Gert Fricke: Kroatien 1941–1944. S. 11. Freiburg : Rombach + Co GmbH, 1972. Daraufhin emigrierte Ante Pavelić ins Ausland und gründete die national-terroristische Ustascha-Bewegung, die mit Waffengewalt für einen großkroatischen Staat kämpfte. Budaks politische Aktivitäten brachten ihm in dieser Zeit sieben Monate Haft ohne Untersuchung ein.
mini|Im Krankenhaus nach dem auf ihn verübten Anschlag (1932) Am 7. Juni 1932 verübte die jugoslawisch-königstreue Vereinigung Mlada Jugoslavija (Junges Jugoslawien) mit Unterstützung der jugoslawischen PolizeiIvo Omrčanin: Dramatis Personae and Finis of the Independent State of Croatia in American and British Documents. S. 18. Bryn Mawr : Dorrance & Company, 1983. ein Attentat auf Budak. Er wurde mittags in einem Hauseingang der belebten Ilica-Straße von Zagreb durch drei Personen angegriffen. Budak erlitt dabei durch einen Kopfschuss und Schläge mit Eisenstöcken Verletzungen an Kopf und Körper. Die gewählte Anschlagsmethode war die gleiche wie bei dem tödlichen Attentat auf Milan Šufflay ein Jahr zuvor.Florian Lichtträger (d. i. Ivo Pilar): Immer wieder Serbien : Jugoslawiens Schicksalsstunde. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1933, S. 55.
Der ehemalige Außenminister des SHS-Staates Ante Trumbić schrieb in einem zeitgenössischen Memorandum zu diesem Attentat:
Nach seiner Genesung ging Budak mit seiner Frau Ivka (geborene Toma)Ivo Petrinović: Mile Budak : portret jednog političara. Književni krug, Split 2002. Anhang (ohne Seitenzahl) ins Exil nach Italien, wo er der Ustascha-Bewegung beitrat. Er hielt sich dabei in Deutschland (Berlin) und Italien (bei Neapel) auf. Während seines Aufenthaltes in Deutschland unterhielt Budak Kontakte zum deutschen militärischen Nachrichtendienst und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP.
Budak setzte sich in dieser Zeit aktiv für die Unabhängigkeit Kroatiens ein, missbilligte aber die terroristische Aktivität der Ustascha-Bewegung unter Ante Pavelić und war auch in den größten Coup der Ustascha-Bewegung – das Attentat auf Alexander I. im Jahr 1934 – nicht eingeweiht.Vladeta Milićević: Der Königsmord von Marseille : Das Verbrechen und seine Hintergründe. Hohwacht-Verlag, Bad Godesberg 1959, S. 98–99. 1934 wurde er der stellvertretender Führer der Ustascha, eine Position, welche er bis in den Krieg besetzte.
Am 23. Juni 1938 ersuchte Budak die Botschaft des Königreichs Jugoslawien schriftlich um Rückkehr mit seiner Frau und Tochter aus dem italienischen Exil (Salerno). Der damalige jugoslawische Ministerpräsident Milan Stojadinović war an einer Repatriierung des prominenten Ustascha interessiert, in der Absicht die Annäherung zwischen Kroaten und der Belgrader Regierung zu erleichtern. Budaks Beziehungen zu Pavelić waren zu dieser Zeit aus vielen Gründen getrübt. Er missbilligte die terroristischen Aktivitäten und war erzürnt, dass er nicht in die Attentatspläne gegen Alexander I. eingeweiht worden war. Dies setzte ihn auch in Italien der Gefahr der Verhaftung aus. Weiterhin missbilligte er scharf, dass Pavelić für den Fall der Machtübernahme in Kroatien Mussolini bereits die Abtretung von großen Teilen Dalmatiens versprochen hatte. Budak erklärte sich bereit, Stojadinović bei der Herstellung normaler Beziehungen zwischen Belgrad und Zagreb zu unterstützen. Mit Budak wurden 220 von insgesamt 508 Ustaschen in Italien, die bis dahin in keine strafbaren Handlungen verwickelt waren, aus Italien repariert.Vladeta Milićević: Der Königsmord von Marseille : Das Verbrechen und seine Hintergründe. Hohwacht-Verlag, Bad Godesberg 1959, S. 94 u. 98f.
Am 6. Juli 1938 kehrte er in seine Heimat zurück. Budaks Verhandlungen mit dem Führer der Kroatischen Bauernpartei, Vladko Maček verliefen erfolglos und Stojadinović war nicht bereit, mit Budak allein weiter zusammenzuarbeiten. Danach leitete und organisierte er zusammen mit Mladen Lorković u. a., unterstützt von einem Teil der aus dem Exil zurückgekehrten Ustaschen, die weitere Arbeit der Inlands-Ustascha, in der als Spar- und Hilfsgemeinschaft getarnten neuen Gesellschaft Uzdanica (Hoffnung) und der Sonderformation für die akademische Jugend Ustaški sveučilišni stožer (Ustascha Universitäts-Hauptquartier).Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941–1945 : Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1983, S. 72. 1939 gründete er die Wochenzeitung Hrvatski Narod (Kroatisches Volk), welche als publizistisches Organ der Ustascha diente. Die Zeitung veröffentlichte judenfeindliche Artikel und Berichte und wurde ein Jahr später, im März 1940, verboten.
Vom 15. Februar bis zum 12. April 1940 wurde Budak im Zusammenhang mit einem Bombenattentat erneut ohne Prozess inhaftiert. Während seiner Haftzeit kam seine Ehefrau unter ungeklärten Umständen ums Leben.Emil Čić: Petition On Mile Budak, once again : Ten facts and ten questions with an appeal in conclusion. Zagreb, August 2004. In: freewebs.com
Über diese Zwischenkriegszeit schrieb Budak später:
mini|Budak (Mitte) in der Uniform eines Doglavniks im Kriegswinter 1944/45. Rechts neben ihm der kroatische Admiral Đuro Jakčin; links von Budak ein Hauptmann der Kroatischen Luftwaffen-Legion Nach dem deutschen Überfall auf Jugoslawien und der anschließenden Zerschlagung des jugoslawischen Staates im Jahr 1941 errichtete die Ustascha den Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) als Vasallenstaat der Achsenmächte, für den Budak zunächst als Gesandter und bevollmächtigter Minister im Dritten Reich in Berlin amtierte.
Budak zählte zu den führenden Männern der nationalistischen Ustascha-Regierung. Er gehörte als so genannter Doglavnik dem Führungsrat des Ustascha-Hauptquartiers an, der aus höchstens 12 Doglavniks (u. a. Mladen Lorković, Andrija Artuković und Slavko Kvaternik) bestandPunkt 5 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung. In: Za Dom : Kroatische Korrespondenz für Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7, S. 4f. Zagreb, 2. Juni 1941. und dem er vom 12. bis 16. April 1941 vorstand.Edmund Glaise von Horstenau: Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Peter Broucek (Hrsg.). 3. Band, Böhlau, Wien 1988, S. 189. Budak wurde als Chefpropagandist,John R. Lampe: Yugoslavia as History : Twice there was a country. 2000, ISBN 0-521-77401-2, S. 208. in der ersten Ustascha-Regierung zum Minister für Religion und BildungZiffer I Nr. 8 des Dekrets über die Ernennung der ersten kroatischen nationalen Regierung, 16. April 1941. In: Zbornik zakona i naredaba Nezavisne Države Hrvatske. Nr. 1, S. 8, Text 12. Zagreb, 25. Juni 1941. ernannt. Zu dieser Zeit sprach er sich in einer Rede für die Vertreibung von Serben aus dem NDH Staat aus. Auch verkündete er offen die Absicht der Regierung alle Maßnahmen zu ergreifen den NDH von Serben, Juden sowie Sinti und Roma zu säubern und es zu einem vollständig katholischen Staat zu formen.
Im August 1941 zeichnete Budak als Minister für Religion und Bildung ein Dekret zur kroatischen Sprache mit, durch welches die serbische Sprache und die Verwendung nicht kroatischer Wörter für Geschäfte, Unternehmen oder Organisationen verboten wurde.
1941 intervenierte Budak zugunsten des pro-kommunistischen Schriftstellers Miroslav Krleža, der durch die Gestapo verhaftet worden war, und erreichte nach wenigen Tagen seine Freilassung. Krleža hatte sich nach dem Attentat auf Budak im Jahr 1932 öffentlich für ihn eingesetzt.Milovan Đilas: Jahre der Macht : Im jugoslawischen Kräftespiel : Memorien 1945–1966. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1983, S. 67.