mini|Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung in Ruda Śląska, Polen Die Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung (STA-REF) ist eine protestantische Glaubensgemeinschaft, die auf eine Abspaltung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zurückgeht.
Geschichte Weltanschauliche Differenzen in der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten führten dazu, dass sich die Reformadventisten von der Mutterkirche abspalteten, und sich in der Gemeinschaft der „Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“ (1925, Resolution 11) international (die Unionen aus den verschiedenen Ländern trugen unterschiedliche Namen) zusammenschlossen.The Name of Our Church, auf sdarm.org Gleichzeitig wurde auch der deutsche Unionsnahme der Reformadventisten – Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung – parallel geführt.Es wurde aus einer Notsituation heraus für nötig gehalten, dass die Registrierung der Generalkonferenz der Reformbewegung, am 11. Januar 1929, beim Amtsgericht Burgwedel, zunächst (entgegen der gültigen Resolution 11) als Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformbewegung, Generalkonferenz registriert wurde; dieser Name wurde am 11. Mai 1936 durch die Gestapo gestrichen. Erst am 8. April 1949 wurde – der Resolution 11, von 1925 entsprechend – der Name für die internationale Gemeinschaft der Generalkonferenz auf „Seventh Day Adventist Reform Movement General Conference“, in Sacramento, USA, behördlich registriert. Siehe The Name of Our Church, auf sdarm.org
Die „Deutsche Union“ der Reformadventisten wurde 1919 gegründet, sie nannte sich zunächst „Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, alte seit 1844 stehengebliebene Richtung“, registriert am 23. Dezember 1919. Dieser Name wurde auf der Unionskonferenz vom 4. bis 7. August 1921, für die deutsche Union auf „Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“ geändert.„Während der Unionskonferenz vom 4. – 7. August 1921 wurde beschlossen, den Namen der Gemeinschaft zu ändern. Der Zusatz ‚Reformationsbewegung‘ ersetzte die Bezeichnung ‚alte, seit 1844 stehengebliebene Richtung‘.“ Gustavo Castellanos: 100 Jahre Deutsche Union mit Zuversicht in die Zukunft. In: Der Sabbatwächter. Zeitschrift für Erweckung und Reformation. Jg. 94, Nr. 4 – 2019, S. 4–9, hier S. 7. Abgerufen unter https://drive.google.com/file/d/1wK3q_BCFq1OGjK7kh_45H4o441NsTvM0/view, am 24. Juli 2022.
Spaltung im Ersten Weltkrieg Die Weltanschauliche- bzw. Glaubensdifferenz, die zur Abspaltung von der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten führte, betraf die sogenannte Militärfrage:
Als „guten Bürgern“ war es den Mitgliedern der Siebenten-Tags-Adventisten vonseiten ihrer verantwortlichen Seelsorger grundsätzlich freigestellt, im Ersten Weltkrieg in Deutschland für „Kaiser und Volk“ am Militärdienst teilzunehmen, wenn auch bevorzugt im Sanitätsdienst. Allerdings kam es in Deutschland auch zu Ausschlüssen von Glaubensbrüdern, die den Militärdienst im Ersten Weltkrieg verweigerten. Unter „Adventistenprediger und Vaterland“ wurde in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“, am 12. April 1918, Seite 3, folgende Aussage getroffen:
Diese Haltung konnten viele der Gemeindemitglieder, aufgrund des biblischen Gebotes „Du sollst nicht töten“ und der Verletzung des göttlichen Ruhetages (Sabbat) im Krieg, nicht teilen und verweigerten den Dienst an der Waffe in jeder Form – was ihnen, ebenso wie im Dritten Reich, Verfolgung und Schwierigkeiten als sogenannte „Vaterlandsverräter“ einbrachte.
Aus den adventistischen Kleingruppen, die sich gegen den Kriegsdienst aussprachen, bildete sich bereits im Herbst 1915, unter den Siebenten-Tags-Adventisten die adventistische Reformationsbewegung. 1921 existierten Reformgemeinden in Deutschland, in der Schweiz, in den Niederlanden, in Dänemark, Norwegen, Schweden, Estland, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Ungarn, Polen, Australien, Kuba und Jamaika.
Im Jahr 1922 versuchten Abgeordnete der Reformadventisten, anlässlich der Generalkonferenzsitzung der Siebenten-Tags-Adventisten, vom 11. bis 31. Mai in San Francisco, USA, die Militärfrage vor die Delegaten der Generalkonferenz zu bringen, um diese Frage zu klären, was ihnen aber von der Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten nicht gewährt wurde. Da keine Klärung in dieser Frage erreicht werden konnte, wurde die Trennung damit besiegelt.Der Weg der Adventisten, Reformationsbewegung der S.T.A., S. 89–99.
2014 – 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges – gaben die Süd- und Norddeutschen Verbände der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten die Erklärung „Schuld und Versagen“ heraus, in der sie sich für die deutschen Siebenten-Tags-Adventisten bei den beiden Reformationsbewegungen für das Versagen in der Militärfrage des Ersten Weltkriegs entschuldigten: „Auch wenn heute niemand der damals Beteiligten mehr am Leben ist, so bitten wir doch ihre Kinder und Nachkommen sowie die beiden existierenden Gruppen der Reformationsbewegung um Entschuldigung für unser Versagen.“Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland
1925 wurde bei der ersten Generalkonferenztagung der Reformadventisten, in Gotha, Deutschland, die „Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“ gegründet und am 20. Juli 1925 wurden unter dem Titel „Die Glaubensgrundsätze der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung“, deren bis heute gültigen 37 Glaubensgrundsätze beschlossen.
Zweiter Weltkrieg Am 29. April 1936 wurde die Gemeinschaft in Deutschland, von der Geheimen Staatspolizei, unter Reinhard Heydrich, verboten:
Die Mitgliederzahl der Reformationsbewegung wird für Deutschland im Jahr 1934, mit rund 2.000 angegeben.Buchretzession zu Herrmann Ruttmann, "Die adventistische Reformationsbewegung 1914–2001. Die Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsgesellschaft in Deutschland"Ruttmann, S. 113.
Die Gemeinschaft stellte rund 37 Prozent aller religiös motivierten Kriegsdienstverweigerer während der Zeit des Nationalsozialismus, die nicht den Zeugen Jehovas angehörten.Marcus Herrberger: Denn es steht geschrieben: „Du sollst nicht töten!“. Wien, Verlag Österreich, 2005, S. 43; ISBN 3-7046-4671-7; 978-3704646712.
Spaltung von 1951 Auf der Generalkonferenz (GK) in Zeist, Niederlande, vom 7. bis 31. Mai 1951 (ungespalten bis 20. Mai), kam es auch in dieser Kirche (Glaubensgemeinschaft) zu einer Spaltung. Die weltweite Mitgliederzahl betrug damals 10.697 bzw. 10.762, welche 53 Delegaten zur GK entsenden durften, von denen aber – aufgrund der damaligen politischen Situation in Osteuropa –, nur eine Minderheit von 25 zur GK-Sitzung erschien.Ruttmann, S. 127–130.
Dem damaligen Präsidenten der GK, Carlos Kozel (Argentinien), wurden Vergehen im Bereich der Finanzen und bei der Unterstützung von Amtsträgern (Kissener; Korpmann) vorgeworfen, denen moralische Vergehen (bzgl. der ehelichen Treue) angelastet wurden. Die Klärung dieser Fragen und andere Gründe brachten die GK an den Rand des Scheiterns, zudem wurde ein Antrag auf Untersuchung des Missbrauchs der Autorität der führenden Männer Kozel, Müller (Vizepräsident) und Ringelberg (GK-Vorsitzender), bzgl. der Unordnung während der GK, am 20. Mai eingebracht. Dieser Antrag wurde zurückgewiesen und es kam zum Protest und Auszug von 11 anwesenden Delegaten der Konferenz, unter dem GK-Sekretär Dumitru Nicolici (USA/Rumänien). Worauf die Gruppe um Kozel, mit nur 14 Delegatenstimmen die abwesenden 11 Delegaten ihrer Ämter enthoben. Da aber 14 Delegaten, von den 53 weltweiten Delegatenstimmen, nur eine kleine Minderheit darstellten, wurden diese Amtsenthebungen mit den Statuten der Gemeinschaft als unvereinbar angesehen. Nicolici hatte durch Briefe belegt, bzgl. der Übertragung der Stimmrechte, die Unterstützung von mindestens 37 Delegaten (11 anwesende und 26 abwesende Delegaten), was eine klare Mehrheit darstellte, dennoch wurde die Amtsenthebungen bzw. die Trennung durch die 14 Delegaten Kozels nie zurückgenommen.STA-REF: Die Hand Gottes in seinem Werk und in der Führung seines Volkes, D. Nicolici. Beide Gruppen (STA-REF und IMG) nehmen bis heute für sich in Anspruch, die ursprüngliche Reform-Bewegung zu sein.The Seventh-day Adventist Reform Movement, Helmut H. Kramer, Biblical Research Institute (General Conference of Seventh-day Adventists), 2. Ausgabe 1990 (1988), S. 23, ISBN 0-925675-08-3: "For this reason there are two „Refrom Movements“ today, each claiming to be the original one."
Carlos Kozel wurde am 24. Mai 1951, in Utrecht, von den 14 Delegaten, unter Abwesenheit der ihrer Ämter und somit Stimmrechte „enthobenen“ Nicolici-Delegaten, die weiter in Zeist waren, als Präsident seiner Gemeinschaft, d. h. der heutigen Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung (IMG) (im Jahr 2017: 33.663 MitgliederDer Sabbat Wächter 2/2018, S. 7. ), gewählt.Ruttmann, S. 130.
Im Februar 1952 wurden von Osborne und Kozel zwei Prozesse, wegen Besitz- und NamensansprüchenKramer, S. 23., gegen die amerikanische Union und die Generalkonferenz der Gemeinschaft unter Nicolici, in Sacramento, USA, eröffnet. Osborne und Kozel gewannen die von ihnen eingebrachten Gerichtsklagen nicht, sodass der US-Unionsbesitz und die Rechte über die GK-Zentrale, in Sacramento, USA, und das Recht auf den Namen der Gemeinschaft („Seventh Day Adventist Reform Movement General Conference“) der Mehrheitsgruppe, um den neuen Präsidenten Nicolici zufielen. Im Juni 1952 beschloss die Gemeinschaft um Kozel eine Neuorganisation, mit Sitz ihrer Generalkonferenz (IMG) in Dänemark und später in Deutschland.Die Hand Gottes in seinem Werk und in der Führung seines Volkes, D. Nicolici, o. J., S. 61, 64, 67-68.The Name of Our Church, auf sdarm.org
Bei der nächsten Generalkonferenz der STA-REF, in Sau Paulo, im Mai 1955, betrug die Mitgliederzahl über 9.000, also nur rund 1.700 weniger als bei der Konferenz der Spaltung von 1951.Our GC Delegation Sessions (Part IV), STA-REF.
Am 26. April 1989 versuchte der Präsident der STA-REF, João Moreno, einen Prozess der Versöhnung und Vereinigung mit der Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten Tags Adventisten, Reformationsbewegung (IMG) einzuleiten, der 1992, trotz nahezu völliger Übereinstimmung in Glaubensfragen, an den der STA-REF gestellten Vereinigungsbedingungen scheiterte.„Chronologischer Bericht über die Entwicklung des Vereinigungsprozesses, 1987–1992, Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung“.
Gegenwart Die Mitgliederzahl der STA-REF betrug Anfang 2025 weltweit 44.060General Conference 2025, Delegation Session Bulletins . Die Zuwachsrate der Gemeinschaft lag von 2019 bis 2025 bei durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr24th General Conference Magazine . Länder mit den meisten Mitgliedern sind (2018): Brasilien: 10.580; Peru: 2.998; Rumänien: 2.526; Kongo: 2.451; Angola: 2.423; Indien: 1.500; Philippinen: 1.403The Statistical Report prepared for the 2019 Delegation Session shows the following numbers:. in Observador Da Verdade, S. 12. Die Weltkirchenleitung (Seventh Day Adventist Reform Movement) hat den Sitzt in Roanoke (Virginia, USA); die deutsche Zentrale befindet sich in Flörsheim am Main. In Deutschland wurde die Mitgliederzahl im Jahr 2014 mit 200 angegeben.Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst: Religionen in Deutschland: Mitgliederzahlen, remid.de, 2014. In Österreich gibt es drei Gemeinden (Christliches Gesundheitswerk, STA-REF), mit gesamt ca. 60 Mitgliedern (2021); die Zentrale ist in Wolfern (OÖ).
Die Kirche gibt den vierteljährlich erscheinenden Herold der Reformation sowie die Kinder- und Jugendzeitschrift Der Freund heraus.
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