Benevento (, deutsch Benevent) ist die Hauptstadt der italienischen Provinz Benevento und liegt in der Region Kampanien.

Geographie mini|links|Lage von Benevento in der Provinz Benevento Benevento liegt 239 km südöstlich von Rom, 66 km nordöstlich von Neapel und 94 km südwestlich von Foggia.

Geografische Lage Die Stadt liegt in der historischen Hügellandschaft Samnium (italienisch Sannio) am Fuße des kampanischen Apennin, die Altstadt auf dem Colle della Guardia, einer Anhöhe am Zusammenfluss der Flüsse Sabato und Calore Irpino. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 83 bis Die Stadt liegt in der Erdbebenzone 1 (stark gefährdet). protezionecivile.gov.it, Italienischer Zivilschutz (zur seismischen Klassifizierung); abgerufen am 18. September 2018.

Die Kernstadt ist in sechs Rioni (Stadtteile) unterteilt: Centro Storico, Ferrovia, Libertà, Mellusi-Atlantici, Pacevecchia und Rufina. Dazu kommen zahlreiche ländliche Siedlungen im weitläufigen Gemeindegebiet.

Die Nachbargemeinden sind Apollosa, Castelpoto, Foglianise, Fragneto Monforte, Paduli, Pesco Sannita, Pietrelcina, Ponte, San Leucio del Sannio, San Nicola Manfredi, Sant’Angelo a Cupolo und Torrecuso.

Bevölkerung Benevento hat Einwohner (Stand ).

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2016 Einwohner 19.222 21.359 24.137 26.790 37.865 47.604 59.009 62.561 61.791 59.945 Quelle: ISTAT

Geschichte

Name Der ursprüngliche Name von Benevento stammte aus dem Oskischen und lautete möglicherweise Malies oder Malocis und entwickelte sich zu Maloenton weiter. Die Vorsilbe Mal- hatte dabei möglicherweise die Bedeutung „Stein“. Latinisiert wurde daraus Maleventum, was auf Lateinisch die Bedeutung „schlechtes Ereignis“ hat. Nach dem Sieg über Pyrrhus wurde die Stadt deshalb bei der Gründung der Kolonie 268 v. Chr. in Beneventum („gutes Ereignis“) umbenannt.Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,105; Sextus Pompeius Festus, De verborum significatu p. 340 und die dazu gehörige Epitome von Paulus Diaconus, S. 34; Prokop, De bello Gothico 1,15; u. a.

Altertum Benevent war eine bedeutende altsamnitische Stadt im Gebiet der Hirpiner. Ihre Gründung wird in mythische Zeiten versetzt und als angeblicher Gründer Diomedes genannt.Solinus, De mirabilibus mundi 2,10; Scholion zu Pindar, Nemeae 10,12; Servius. Kommentar zu Vergil, Aeneis 8,9; 11,226; 11,243; Martianus Capella, De nuptiis Philologiae et Mercurii 6,642; Prokop, De bello Gothico 1,15; u. a. Zum ersten Mal erwähnt wird sie in der Geschichte des Zweiten Samnitenkriegs 314 v. Chr., als die Samniten nach ihrer Niederlage gegen die Römer dorthin flüchteten.Titus Livius, Ab urbe condita 9,27,14. 275 v. Chr. fand die dritte Schlacht zwischen König Pyrrhos von Epirus und den Römern unter dem Konsul M. Curius Dentatus vielleicht bei Benevent statt;So Plutarch, Pyrrhos 25. möglicherweise waren aber auch die Arusinischen Felder (Campi Arusini) in Lukanien der Ort dieser kriegerischen Auseinandersetzung.So Florus (Epitoma de Tito Livio 1,13,11) und Orosius (Historiae adversus paganos 4,2,3); diese Angabe bevorzugt . Die Schlacht endete jedenfalls mit einem für die römische Expansion in Süditalien entscheidenden Sieg, und Pyrrhos entkam mit nur wenigen Reitern nach Tarent. Wegen der günstigen Lage der Stadt wurde sie nach Beendigung des Krieges gegen Pyrrhos 268 v. Chr. zu einer Militärkolonie latinischen Rechts umgewandelt.Polybios, Historien 3,90,8; Livius, Ab urbe condita, Periocha zu Buch 15; Velleius Paterculus, Historia Romana 1,14; Eutropius, Breviarium ab urbe condita 2,16. Aus der frühen Zeit der römischen Kolonie stammen die Kupfermünzen mit der Aufschrift BENVENTOD und dem Wappenbild eines laufenden Rosses, eventuell eine Anspielung auf den vermeintlichen Stadtgründer Diomedes. Wahrscheinlich bald nach der Deduktion der Kolonie wurde die Via Appia von Capua bis Benevent verlängert; schon im 2. Jahrhundert v. Chr. scheint ihre Fortsetzung bis Brundisium (heute Brindisi) in Gebrauch gewesen zu sein.

Durch Lage und Bedeutung war Benevent ein wichtiger Stützpunkt für die römische Herrschaft in Süditalien. Im Zweiten Punischen Krieg, der gegen Hannibal ausgefochten wurde, hielt es treu zu Rom. Aufgrund seiner Nähe zu Kampanien und seiner Stärke als Festung wurde es dabei wiederholt von römischen Generälen besetzt. Um den sich ständig abwartend verhaltenden Diktator Quintus Fabius Maximus Verrucosus zur Annahme einer Schlacht zu zwingen, zog Hannibal mit seinem Heer 217 v. Chr. durch Samnium bis nach Kampanien und verheerte dabei die blühendsten Landschaften Italiens, so auch das Gebiet von Benevent;Polybios, Historien 3,90,6 ff.; Livius, Ab urbe condita 22,13,1 ff. doch Fabius folgte dem Gegner zwar, blieb aber eisern bei seiner Taktik. In der Nähe von Benevent wurden dann zwei wichtige militärische Auseinandersetzungen dieses Krieges ausgetragen: 214 v. Chr. schlug der Prokonsul Tiberius Sempronius Gracchus in einer Schlacht den karthagischen Feldherrn Hanno,Livius, Ab urbe condita 24,14,1–24,16,9. und 212 v. Chr. wurde das Lager Hannos, in dem eine große Menge Getreide und andere Vorräte gelagert waren, vom römischen Konsul Quintus Fulvius Flaccus nach heftigem Kampf erstürmt.Livius, Ab urbe condita 25,13,1–25,15,3 (stark ausgeschmückt); Appian, Hannibalika 37. 209 v. Chr. gehörte Benevent zu den 18 latinischen Kolonien, die die verlangten Heereskontingente und Gelder für den fortdauernden Krieg lieferten.Livius, Ab urbe condita 27,10.

Die höchsten Magistrate der Stadt führten – in Anlehnung an den Titel der obersten Beamten Roms – den Titel Konsul;; . auch Quästoren und vielleicht Prätoren kamen vor.. Dies war eine ehrenvolle Gleichstellung mit der Mutterstadt Rom, die sich auch in den Bezeichnungen mehrerer Örtlichkeiten wie dem Capitolium Beneventi ausspricht. Während des Bundesgenossenkriegs (91–88 v. Chr.) wurde Benevent um 89 v. Chr. zum Municipium umgewandelt, und seine Magistrate hießen seitdem u. a. Quattuorviri; doch waren auch die älteren Bezeichnungen Prätor, Zensor, Interrex und Quästor noch nicht ganz verschwunden.

42 v. Chr., als die entscheidende Schlacht gegen die Caesarmörder bevorstand, versprachen die Triumvirn Marcus Antonius, Octavian (der spätere Kaiser Augustus) und Marcus Aemilius Lepidus ihren Soldaten zur Anstachelung von deren Hoffnung auf Siegesbeute neben anderen Geschenken 18 wohlhabende italische Städte, darunter Benevent, zur Ansiedlung. Der Grund und die Häuser dieser Gemeinden sollten unter die Soldaten aufgeteilt werden, als wenn sie ihnen im Krieg als Feindbesitz zugefallen wären.Appian, Bürgerkriege 4,3. Lucius Munatius Plancus leitete die Gebietsverteilungen an die Veteranen.Grabschrift des Plancus: Augustus verstärkte, wohl nach der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.), die Kolonie durch Veteranen der Legio VI Ferrata und Legio XXX Classica. Wiederum verstärkt wurde die Kolonie unter Nero.Liber coloniarum 231. Ihren vollen Namen Colonia Iulia Concordia Augusta Felix Beneventum gibt eine Inschrift von Caudium aus severischer Zeit..

In der Kaiserzeit wird die Stadt öfters als reich und blühend erwähnt,Strabon, Geographika 5, p. 250. was sie namentlich ihrer Stellung im Mittelpunkt des ganzen unteritalischen Straßennetzes verdankt. Außer der oben erwähnten Via Appia nach Capua wurde deren Verlängerung über Venusia (heute Venosa) nach Tarentum (heute Tarent) und Brundisium vielleicht schon im 2. Jahrhundert. v. Chr. genutzt. Dazu kamen später die Straße über Canusium und Barium (heute Bari) nach Brundisium, ferner kleinere Straßen: nach Saepinum und weiter ins samnitische Gebiet, nach Telesia und Kampanien, zur Küste über Abellinum nach Salernum (heute Salerno). Infolgedessen wird Benevent häufig bei Gelegenheit von Reisebeschreibungen genannt, so etwa von Horaz anlässlich seiner Reise von Rom nach Brundisium.Horaz, Saturae 1,5,71; vgl. ferner Cicero, Epistulae ad Atticum 5,3,3 und 9,15,6. Auch die Kaiser besuchten die Stadt nicht selten, so Nero,Tacitus, Annalen 15,34. sowie Vespasian und Domitian.Cassius Dio, Römische Geschichte 66,9. Das bereits ausgedehnte Stadtgebiet wurde in der Kaiserzeit noch vergrößert: Augustus fügte ihm das Stadtgebiet von Caudium zu, Trajan einen Teil des Gebietes der Ligures Baebiani.

Von dem blühenden Zustand der Stadt zeugen die erhaltenen Baureste: vor allem der 114 n. Chr. errichtete Trajansbogen (jetzt Porta Aurea), mit reichem auf die kriegerischen und friedlichen Verdienste des Kaisers bezüglichen Skulpturenschmuck; ein anderer schmuckloser Bogen (Arco del sacramento); ferner bedeutende Reste eines Theaters aus dem 2. Jahrhundert, Thermen und antike Brücken. Bemerkenswert sind auch die auf ägyptische Kulte deutenden Monumente, besonders die Reste eines 88 n. Chr. von Lucilius Rufus unter der Regierung Domitians errichteten Obelisken vor einem Tempel der Isis.

Diokletian trennte Benevent von der zweiten Region Italiens, der es Augustus zugewiesen hatte, und schlug es zu Kampanien. Noch in später Zeit erhielt es sich, während des allgemeinen Niederganges der süditalischen Landschaften und trotz mehrfacher Verheerungen durch ErdbebenSymmachus, Epistulae 1,3. und Gotenkriege, in relativer Blüte.Prokop, De bello Gothico 1,15; Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 2,20. So zerstörte der Ostgotenkönig Totila 545 die Mauern von Benevent, die aber bald danach ebenso wie die öffentlichen Gebäude durch Narses wiedererrichtet wurden.

Mittelalter Nach der Ausbreitung der Langobarden wurde Benevento Sitz langobardischer Herzöge (siehe Herzogtum Benevent), geriet aber wiederholt in Abhängigkeit von den Franken und den deutschen Kaisern. Im Zusammenhang mit der arabischen Eroberung Süditaliens 840 wurde Benevent für einige Jahre von den Muslimen besetzt und das Herzogtum in zwei, 850 in drei besondere Territorien (Benevent, Salerno und Capua) geteilt. Die Stadt ist seit 969 Sitz des Erzbistums Benevent. 1047 fiel es in die Hände normannischer Fürsten mit Ausnahme der Stadt, die Kaiser Heinrich III. 1053 Leo IX. zum Ausgleich einiger abgetretener Lehnsrechte auf Bamberg überließ.

Im 11. und 12. Jahrhundert wurden in Benevent vier Konzile abgehalten. Auf dem ersten 1087 wurde der Gegenpapst Guibert exkommuniziert und die Laieninvestitur verboten. Das zweite, 1091 einberufene Konzil war ebenfalls gegen Guibert und seinen Anhang gerichtet, während auf dem dritten, 1108 von Paschalis II. abgehaltenen wieder gegen die Investitur von Laien Stellung genommen wurde. Schließlich fand auf dem vierten beneventinischen Konzil 1117 die Exkommunikation des Erzbischofs Maurice Bourdin von Braga (später Gegenpapst Gregor VIII.) statt.

Am 26. Februar 1266 wurde in der Schlacht bei Benevent auf dem sog. Rosenfeld vor den Toren der Stadt der Hohenstaufer Manfred von Karl von Anjou geschlagen, worauf sich letzterer Apuliens, Siziliens und Tusciens bemächtigte. 1418 kam Benevent an Neapel, aber Ferdinand I. gab es an Papst Alexander VI. zurück, der es seinem ältesten Sohn, Juan Borgia, als Herzogtum verlieh. Aber Juan wurde bald ermordet. Von den Spaniern 1527 besetzt, aber der Kirche zurückgegeben, wurde es später noch mehrmals von Neapel eingenommen.

Neuzeit mini|x150px|Wappen der Fürsten von Benevent, 1808