Die Fried. Krupp Aktiengesellschaft war ein deutsches Schwerindustrie-Unternehmen mit Sitz in Essen. Als Stahlproduzent stellte es Schusswaffen, Kriegsschiffe, Panzer und andere Kriegsgeräte her, produzierte aber auch etwa Lokomotiven und Stahl für andere Zwecke. Krupp war ein prominenter Produzent in beiden Weltkriegen. Es kollaborierte mit dem Nazi-Regime und profitierte von Zwangsarbeit.

Es entstand als Fried. Krupp AG am 1. Juli 1903 aus dem Krupp’schen Familienunternehmen ursprünglich gegründet 1811 und existierte zunächst bis zur Umfirmierung in eine Einzelfirma 1943. Die Schreibweise, die sich auf Aktien, Briefbögen usw. fand, lautete Fried. Krupp AG, niemals Friedrich Krupp AG. Von 1968 bis 1991 hieß sie Friedrich Krupp GmbH. Nach dem Erwerb der Mehrheit an der Hoesch AG erfolgte im März 1992 eine erneute Umwandlung in Fried. Krupp AG und nach der Aufnahme der Hoesch AG wurde im Dezember 1992 die Firma in Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp geändert. Seit der Fusion mit der Thyssen AG am 17. März 1999 ist das Unternehmen Teil der thyssenkrupp AG.

Unternehmensgeschichte Entwicklung des Familienunternehmens mini|Krupp-Werke in Essen 1864mini|Zerspanende Werkstatt um 1900 mini|Im Schützengraben schießen Soldaten durch vorbereitete Löcher in Krupp-Metallplatten (1915) mini|5-%-Teilschuldverschreibung über 1000 Mark der Fried. Krupp AG vom 15. Februar 1921

Die Vorgeschichte der Fried. Krupp AG begann Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Herstellung von Gussstahl in der Stadt Essen, gelegen in der damaligen preußischen Rheinprovinz. Hier gründete Friedrich Krupp am 20. November 1811Harold James: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62414-8. zusammen mit den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel die Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen, aus der die Krupp-Gussstahlfabrik hervorging. Als es zu Problemen mit den beiden Teilhabern kam, erreichte Friedrich Krupp 1816 gerichtlich, zum Alleininhaber zu werden.

Nach Friedrich Krupps Tod 1826 führte zunächst seine Ehefrau Theresia Krupp das Unternehmen. Der gemeinsame Sohn Alfred Krupp begann etwa ab 1830 den weiteren Ausbau der Firma zum zeitweise größten Industrieunternehmen Europas. Vor allem die Entwicklung des nahtlos gewalzten Radreifens, aber auch erste Produkte im Militärbereich trugen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum weltweiten Erfolg des Unternehmens bei.

Nach Alfred Krupps Tod 1887 übernahm dessen Sohn Friedrich Alfred Krupp. Er war mit Margarethe Freiin von Ende verheiratet und hatte mit ihr zwei Töchter. Er verstarb 1902 ohne männlichen Erben. In seinem Testament verfügte er deshalb, dass das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden sollte. Die ältere Tochter Bertha erbte im Alter von 16 Jahren das Unternehmen durch Fideikommiss, das auch für die folgenden zwei Generationen verbindlich sein sollte. Ihre Mutter Margarethe vertrat die Erbin bis zur Volljährigkeit im Jahre 1907 treuhänderisch.

Friedrich Alfred Krupps Testament wurde durch Ernst Theodor Haux und Gustav Hartmann vollstreckt. Die Aufgabe der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft entfiel hauptsächlich auf Gustav Hartmann, da zwischen den Familien Krupp und Hartmann eine jahrelange geschäftliche und familiäre Verbindung bestanden hatte. So hatte Gustav Hartmanns Tochter Elisabeth 1891 den Bruder von Margarethe Krupp geheiratet. Außerdem hatte Gustav Hartmann bereits 1870 die Umwandlung der Firma seines Vaters in eine Aktiengesellschaft miterlebt (Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG). Geburtsstunde der Fried. Krupp AG war der 1. Juli 1903, als unter seiner Leitung 160.000 Aktien ausgegeben wurden, die aber nie an der Börse gehandelt wurden: Die ältere Tochter Bertha bekam 159.996 Aktien und erbte somit das Unternehmen. Entsprechend der aktienrechtlichen Vorschrift, dass eine Aktiengesellschaft mindestens fünf Aktionäre haben müsse, ging jeweils eine Aktie an die Mitglieder des Aufsichtsrats. Dies waren besagter Kommerzienrat Gustav Hartmann, der auch den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm, der ehemalige Staatsminister Carl von Thielen, der Rechtsanwalt Krupps, Justizrat August von Simson, sowie der Bankier Ludwig Delbrück.

Nach Berthas Heirat mit Gustav von Bohlen und Halbach 1906 wurde dieser Mitglied des Aufsichtsrats der Fried. Krupp AG und übernahm 1909 von Gustav Hartmann den Vorsitz im Aufsichtsrat, den er danach bis 1943 innehatte. In der Funktion als Vorsitzender des Direktoriums für Finanzwesen ab 1. Oktober 1909 bis 1918 führte jedoch Alfred Hugenberg den Rüstungskonzern durch den Ersten Weltkrieg. Hugenberg wurde später Adolf Hitlers erster Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister im Kabinett 1933.

In der Festansprache zum Firmenjubiläum 1912 äußerte Hugenberg, in Gegenwart des Kaisers, die „Kruppsche Werksgemeinschaft“ sehe in

Auf den Ersten Weltkrieg waren die Krupp-Werke gut vorbereitet. Kuno von Westarp, Mitglied einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Untersuchung der Rüstungsspekulation, war überrascht von dem Ausmaß der eigenmächtigen Vorbereitungen für den Kriegsfall, die das angesetzte Kriegssoll bei weitem übertrafen.Willi A. Boelcke: Krupp und die Hohenzollern in Dokumenten. Frankfurt am Main 1970, S. 222. Im Krieg profitierte die Firma laut Willi A. Boelcke von äußerst ergiebigen Gewinnen. Der durchschnittliche Reingewinn stieg von 31,625 Millionen Mark in der Vorkriegszeit, auf 86,467 Millionen Mark 1915/16 und 79,659 Millionen Mark 1916/17.Boelcke: Krupp und die Hohenzollern. S. 228 f.

Nicht nur bei den deutschen Militärbehörden, sondern auch bei Krupp wurde im Ersten Weltkrieg die Rolle des Panzers als neue Waffe völlig verkannt. Norbert Mühlen erklärt dies damit, dass während Alfred Krupp für sein erstes Geschütz aus Gussstahl noch die Ausdauer, die Phantasie, und den Erfindungsgeist aufbrachte für seine neue Waffe gegen bürokratischen Hürden zu kämpfen, die Firma inzwischen selbst zu einer durch Größe gelähmten Bürokratie geworden war und den vitalen Antriebsschwung nach vorn eingebüßt hatte.Norbert Mühlen: Die Krupps. Frankfurt am Main 1965, S. 90. Auch Joachim Radkau weist auf die Widersinnigkeit hin, dass gerade Deutschland, das Land des Kruppstahls und des schweren Maschinenbaus am Fehlen einer schlagkräftigen Panzerwaffe gescheitert sein sollte.Joachim Radkau: Technik in Deutschland. Frankfurt am Main 1989, S. 241.

Zeit des Nationalsozialismus Krupp konnte bereits im Jahre 1933 wieder Kriegsgerät in großem Umfang für die Wiederaufrüstung produzieren. Dies war möglich, da Krupp aufgezehrt habe, wie es in einem im Krupp-Prozess der Anklage vorgelegten Aktennotiz der Firma Krupp vom Juli 1940 hieß.Werner Sörgel: Metallindustrie und Nationalsozialismus. Eine Untersuchung über Struktur und Funktion industrieller Organisationen in Deutschland 1929 bis 1939. Frankfurt am Main 1965, S. 71.

Direktor und Leiter aller Werke war ab 1938 der Metallurg Friedrich Badenheuer (1902–1965).Antek Schwarz: Stahl schreibt Geschichte. stahl und eisen 135 (2015) Nr. 10, S. 90.

Nach Markus Pöhlmann war die deutsche Panzerrüstung nach 1933 kein Projekt, das die Industrie und Krupp mit großer Initiative betrieben hätte, sondern eines, mit dem sie zunächst einmal konfrontiert wurden.Markus Pöhlmann: Der Panzer und die Mechanisierung des Krieges. Paderborn 2016, S. 264.

Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Krupp Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln. Der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1. Januar 1943 bei ungefähr 25.000. Im Frühsommer 1944 forderte das Unternehmen, nachdem keine Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeiter mehr zur Verfügung standen, die Zuteilung von 2000 männlichen KZ-Häftlingen zur Arbeit an. Dem wurde im Juni entsprochen, aber stattdessen wurden der Firma jüdische Frauen zugesagt, die man zuvor, meist aus Ungarn, in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert hatte. Von einer Krupp-Delegation aus Personalverwaltung und Betriebsführung wurden daraufhin 500 rund zwanzigjährige junge Frauen ausgewählt. Hinzu kamen noch 20 sogenannte Funktionshäftlinge. Alle Frauen wurden im August in das KZ-Außenlager Humboldtstraße des KZ Buchenwald in Essen-Fulerum verbracht (offiziell: SS-Arbeitskommando Fried. Krupp, Essen).Ulrich Herbert: Von Auschwitz nach Essen. Die Geschichte des KZ-Außenlagers Humboldtstraße. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Red.): Sklavenarbeit im KZ (= Dachauer Hefte. H. 2 = dtv 4607). Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1993, ISBN 3-423-04607-4, S. 13–34. Die Arbeitskräfte wurden in verschiedenen Krupp-Betrieben eingesetzt.

Ende 1941 übernahm Krupp die Aktienmajorität der Deutsche Schiff- und Maschinenbau Aktiengesellschaft, um, wie es in einer Beschlussvorlage des Aufsichtsrat hieß, . Für Peter Kuckuk ist der Zeitpunkt dieser Übernahme auf dem Höhepunkt der deutschen Machtentfaltung kein zufälliger, Krupp setzte offensichtlich auf den Endsieg und wollte bei dem dann erfolgenden Ausbau der deutschen Schlachtflotte partizipieren und profitieren.Peter Kuckuk: Der Einstieg der Firma Krupp als Mehrheitsaktionär bei der Deschimag im Jahre 1941. In: Ders. (Hrsg.): Bremer Großwerften im Dritten Reich. Bremen 1993, S. 126 f.

1942 übertrug Gustav von Bohlen und Halbach aus gesundheitlichen Gründen die Leitung der Firma an seinen Sohn Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Am 12. November 1943 erließ Adolf Hitler eigens ein Reichsgesetz, die sogenannte Lex Krupp, mit dem der Konzern von einer Aktiengesellschaft in ein Familienunternehmen mit besonders geregelter Nachfolge umgewandelt wurde. Mit diesem Gesetz wurde es der Firma (bzw. der Familie) Krupp ermöglicht, 400 Millionen Reichsmark an Erbschaftsteuer zu sparen. Rechtlich gesehen endete somit vorerst 1943 die Existenz der Fried. Krupp AG.

1943 wurde ein Teil der kriegswichtigen Rüstungsproduktion von Krupp in die Räume der Maschinenfabrik Johannisberg in Geisenheim ausgelagert. Um den kriegsbedingten Arbeitermangel auszugleichen, wurde 1944 in Geisenheim ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof errichtet, in dem 200 Arbeiterinnen, überwiegend polnische Jüdinnen, untergebracht wurden. Am 18. März 1945 wurde das Lager geräumt und die Frauen in das Dachauer KZ-Außenlager München-Allach verbracht.

Die gelegentlich angeführte Zünderfabrik bei Auschwitz war zwar von der Firma Krupp geplant, und es waren auch schon zwei Millionen Reichsmark für den Bau bewilligt, aber ab 1943 produzierte die Firma Weichsel-Metall-Union Sils und Co. dort. Die Zünderproduktion wurde stattdessen in Wüstegiersdorf im damaligen Schlesien mit 250 Häftlingsfrauen des KZ-Auschwitz, nach Auslagerung aus Essen, verwirklicht.Harold James: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen. Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62414-8, S. 225. Im Dezember 1944 beschäftigte die Firma Krupp hier 224 Kriegsgefangene, 1029 ausländische Zwangsarbeiter, zudem 200 ungarische und kroatische weibliche KZ-Häftlinge.Werner Abelshauser: Rüstungsschmiede der Nation? Der Kruppkonzern im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit 1933 bis 1951. In: Lothar Gall (Hrsg.): Krupp im 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Unternehmens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Stiftung. Siedler, Berlin 2002, ISBN 3-88680-742-8, S. 267–472, hier S. 424, 439.

mini|Luftaufnahme der zerstörten Krupp-Werke in Essen, 1945

Während des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile des Betriebsgeländes in Essen durch alliierte Luftangriffe auf das Ruhrgebiet zerstört. Zur Abwendung und Täuschung alliierter Luftangriffe betrieb die Luftwaffe auf dem Rottberg bei Velbert eine Nachtscheinanlage.

Nachkriegszeit