miniatur|Der Otzberg mit Hering und der Veste Otzberg miniatur|Blick auf Hering, kath. Pfarrkirche miniatur|Ehemals freiadliges Haus und Hof am Münchberg des Propstes Graslog vom Kloster Höchst, später Burgmannenhaus der Gans von Otzberg. Am Eingang des Treppenturms ist das Allianzwappen der Gans von Otzberg mit den Herren von Bettendorff angebracht

Hering ist ein Ortsteil der Gemeinde Otzberg im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg und hat etwa 950 Einwohner.

Geologie Bis zur Eingemeindung war Hering die kleinste Stadt Hessens. Sie liegt auf etwa 300 bis 368 Meter Höhe am Otzberg, auf dem die gleichnamige Veste steht. Der Berg ist der übriggebliebene Basaltkegel eines erloschenen Vulkans, dessen Eruptionen einst die geologischen Voraussetzungen für die äußerst fruchtbare Umgebung schufen.

Der Ort Hering besteht aus der Altstadt, die aus der Burgmannensiedlung hervorgegangen ist und dem sich zur Landstraße nach Zipfen/Nauses hinziehenden neueren Ortsteil. Die Altstadt war ehemals ummauert und umschloss den in Serpentinen ansteigenden Weg zum Tor der Burg. Dort gibt es noch einige Burgmannenhöfe, aber auch dichtere Bebauungen. Die Vorstadt ist geprägt von landwirtschaftlich genutzten Höfen und Einfamilienhäusern. Insgesamt weist Hering ein dörfliches Ortsbild auf. Südlich des Luftkurortes wurden einige Ferienhäuser errichtet.

Geschichte Ortsgeschichte Die Geschichte Herings ist eng mit der Festung auf dem Berg, der Veste Otzberg verknüpft. Dies deutet schon der Name an: Hering lässt sich wohl auf Höhenring zurückführen. Ob dieser Name auf eine eventuelle germanische oder gar keltische Höhenfestung hinweist, lässt sich aufgrund der mangelnden Befunde nur vermuten. Durch den umgreifenden Umbau der Festung im 16. Jahrhundert sind nicht einmal Spuren der mittelalterlichen Burg, vom Bergfried abgesehen, nachzuweisen. Das Schicksal von Berg und Stadt wird somit erst durch Urkunden des Mittelalters greifbar.

Wahrscheinlich gelangte der Berg, wie die gesamte Region, mit dem regionalen Hauptort Groß-Umstadt schon im 8. Jahrhundert zunächst an das Bistum Würzburg, dann an die Abtei Fulda. Diese nutzte wohl schon den Otzberg als Stützpunkt zur Verwaltung ihrer Besitzungen in der Region. Im 12. Jahrhundert erhielten die Pfalzgrafen den Otzberg als Lehen. Spätestens damals begann der massive Ausbau der Burg. Im Bereich der nördlich an diese anschließenden Vorburg entstand eine Burgmannensiedlung, die Hering genannt wurde. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass man heute zwischen Otzberg als Name der Burg und des Berges und Hering als Name der Siedlung unterscheidet. Im mundartlichen Sprachgebrauch trifft man jedoch auch die Bezeichnung Hering für den Berg und die Burg an. Eine Urkunde aus dem Jahr 1332Baur, Ludwig (Hrsg.): Hessische Urkunden aus dem großherzoglichen Hessischen Haus- und Staatsarchive, Band 1: Die Provinzen Starkenburg und Oberhessen von 1016 – 1399. 1860. nennt den zeitweiligen Verkauf der Burg durch die Pfalz an die Herren von Frankenstein, 1374 wurden Burg und Stadt an die Grafen von Hanau verpfändet. In der Zwischenzeit hatte die Burgmannensiedlung offenbar Stadtrechte erhalten. Die eigentliche Verleihung der Stadtrechte ist zwar nicht dokumentiert, aber das erstmals 1322 erwähnte Hering wird in vielen Urkunden als Stadt genannt: 1374 Heringes die stat, 1427 Herynges daz stetlin, 1524 Herings.

Während des Landshuter Erbfolgekrieges (Bayrische Fehde) wurde die Burg 1504 von Hessen, 1522 von Bayern eingenommen. 1526 wurde sie vom Kaiser formal an Hessen übergeben, die Pfalz behielt die Burg jedoch bis nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1647 wurde die Veste Otzberg vom französischen Marschall Turenne eingenommen. 1803 wurden Burg und Stadt formal und endgültig hessisch. Verwaltungsmäßig gehört Hering bis 1820 zum Amt Otzberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hering:

In Meyers Konversationslexikon (1888) steht über Hering geschrieben:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Am 31. Dezember 1971 fusionierte Hering im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig mit fünf weiteren bis dahin selbstständigen Gemeinden zur neuen Gemeinde Otzberg. Für die sechs ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Lengfeld.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hering angehört(e):

vor 1390: Heiliges Römisches Reich, Kloster Fulda Zent Umstadt (Kondominat) ab 1390: Heiliges Römisches Reich, Kurpfalz (durch Kauf) Oberamt Otzberg (zweimal kurzzeitig hessisch) ab 1777: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Pfalzbayern (durch Erbfall), Pfalzgrafschaft bei Rhein, Oberamt Otzberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Otzberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Fürstentum Starkenburg, Amt Otzberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Otzberg ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde OtzbergAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Otzberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Otzberg

Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: Zentgericht: Zunächst Umstadt, im 16. Jahrhundert eigene Zent ab 1821: Landgericht Umstadt ab 1879: Amtsgericht Groß-Umstadt ab 1970: Amtsgericht Dieburg

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hering 882 Einwohner. Darunter waren 54 (6,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 138 Einwohner unter 18 Jahren, 366 waren zwischen 18 und 49, 198 zwischen 50 und 64 und 180 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 405 Haushalten. Davon waren 132 Singlehaushalte, 111 Paare ohne Kinder und 123 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 261 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1633: 82 Einwohner • 1806: 352 Einwohner, 63 Häuser • 1829: 478 Einwohner, 73 Häuser • 1867: 472 Einwohner, 91 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 17 lutheranische (= 3,55 %), 308 reformierte (= 64,44 %) und 153 katholische (= 32,01 %) Einwohner • 1961: 326 evangelische (= 56,30 %), 240 katholische (= 41,45 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Hering besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hering) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht zurzeit aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen in Hessen 2026 gehören alle Mitglieder der CDU an. Der Ortsbeirat wählte Jens Pfeiffer zum Ortsvorsteher.

Wappen links|100px|Wappen von Hering

Das Wappen von Hering stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der blaue Hering ist ein redendes Symbol. Die Eicheln verweisen auf die historische Zugehörigkeit der Stadt zum Wildbann Dreieich.Wappen Hering In: Wappen der Welt.

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf grün-weiß-grünem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Herings bekanntester Musikact ist die Band H-Borrm (Heuboden), die auf Odenwälder Mundart das Leben in lustigen „Hausmacher Rock“ verpacken. Bekannte Lieder sind neben dem Hit Brunnebau, in dem in historische Klänge gewandet mit einem Augenzwinkern die Entstehungsgeschichte des Burgbrunnens der Veste Otzberg besungen wird, die Lieder Gisela, Buddekrehm, Raache oder auch Wer wor de Held. Weiterhin wird die Burg vom Odenwälder Shanty Chor besungen.

Bauwerke Katholische Pfarrkirche Evangelische Kirche Historisches Rathaus Burgmannenhaus der Gans von Otzberg Veste Otzberg mit Volkskundemuseum Das Backhaus

Regelmäßige Veranstaltungen September: BackhausfestDarmstädter Echo, 8. September 2015, S. 18 und KerbDarmstädter Echo, 9. September 2015, S. 21 Dezember: WeihnachtsmarktDarmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20

Naherholungsgebiete Waldspielplatz Hering, der im Volksmund aufgrund der ursprünglich dort aufgestellten hölzernen Spielgeräte und Schutzhütten, auch Indianerspielplatz genannt wird Minigolfplatz am Fuße des Otzbergs Gartenbahnanlage am Fuße des Otzbergs

Natur und Schutzgebiete Das „Gebiet um den Otzberg“ in der Gemarkung Hering ist als flächenhaftes Naturdenkmal geschützt, es umfasst den oberen Bergkegel mit der Veste Otzberg sowie das umgebende Gelände. In der Ortslage beim ehemaligen Schulhaus liegt das geologische Naturdenkmal „Aufgelassener Säulenbasalt-Steinbruch“.

Zur Gemarkung gehören im Süden auch Teile des Natura2000-Gebietes „Wald südlich von Otzberg“ (FFH-Gebiet 6119-301) mit schützenswerten Buchenwaldbeständen.

Weblinks

Ortsteil Hering. In: Webauftritt der Gemeinde Otzberg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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