mini|hochkant=1.5|Das SEZ im Jahr 1987 aus der Vogelperspektive mini|Eröffnung des SEZ am 20. März 1981 mini|Im SEZ (1981) mini|Das Sport- und Erholungszentrum in der Leninallee wurde am 20.3.81 eröffnet und von der Bevölkerung in Besitz genommen. Blick in das Wellenbad. (1981) mini|Im SEZ (1987) Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) ist ein einstiger multifunktionaler Gebäudekomplex für Sport und Unterhaltung an der Kreuzung Landsberger Allee/Danziger Straße (ehemals Leninallee/Dimitroffstraße) in Berlin-Friedrichshain, der zur Eröffnung 1981 in seiner Größe weltweit einzigartig war. In der DDR war das SEZ ein öffentliches Prestigeobjekt der Partei- und Staatsführung. Die Eintritts- und Restaurantpreise waren seinerzeit hochsubventioniert. Nach der Wende 1989 übernahm der Berliner Senat das SEZ als neuer Eigentümer. Da keine Mittel für die dringend erforderliche Sanierung bereitgestellt wurden, stellten nach und nach alle Bereiche den Betrieb ein. Im Dezember 2002 wurde das SEZ schließlich vollständig geschlossen.

Geschichte 1976 bis 1981: Baugeschichte

Das Sport- und Erholungszentrum Berlin wurde am 20. März 1981 nach 27-monatiger Bauzeit von Erich Honecker, Generalsekretär der SED und Vorsitzender des Staatsrates der DDR eröffnet.

Das Bauvorhaben wurde vom IX. Parteitag der SED 1976 beschlossen und von der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin unter Leitung von Erhardt Gißke ab 1977 durchgeführt, mit dem Auftrag, das SEZ den Berlinern und ihren Gästen zum X. Parteitag der SED zu übergeben. Das SEZ sollte für 18.000 Besucher täglich und 3 bis 4 Millionen Personen jährlich ausgelegt werden.

Bemerkenswert ist die Baugeschichte des SEZ, die eine Zusammenarbeit zwischen der DDR und der BRD dokumentiert, welche aber von der DDR-Führung nicht weiter öffentlich gemacht wurde. Aus einem von der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin initiierten begrenzten Entwurfs- und Angebotswettbewerbs wurde von vier eingereichten Vorschlägen (alle von westdeutschen Firmen) der Entwurf der Hochtief AG zur Ausführung ausgewählt.Landesarchiv Berlin C Rep. 110-01 Nr. 1045: Städtebauliche Genehmigung - Bebauungsmaßnahmen im Volkspark Friedrichshain im Stadtbezirk Berlin-Friedrichshain., Protokoll über die Prüfung und Beurteilung der Studienentwürfe für das Freizeitsportzentrum der Hauptstadt der DDR, Berlin, Leninallee/Dimitroffstraße am 14.10.1977. Der Auftrag wurde über den staatlichen Außenhandelsbetrieb LIMEX-Bau-Export-ImportLIMEX - Bau-Export-Import war ein staatlicher Außenhandelsbetrieb im Einflußbereich Kommerzielle Koordinierung unter Leitung von Alexander Schalck-Golodkowski. erteilt. (Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) e.V., Erkner / Wissenschaftliche Sammlungen, Bestand C 097 Görtz, Wilfried https://stadt-raum-geschichte.de/item/634CC50B-BBF5-4655-AB8F-2FF117E45196)

In der Planungsvorbereitung wurden die Gesamtkosten des Projekts Sport- und Erholungszentrum mit 146 Mio. Mark beziffert,Landesarchiv Berlin C Rep. 110-01 Nr. 1045: Städtebauliche Genehmigung - Bebauungsmaßnahmen im Volkspark Friedrichshain im Stadtbezirk Berlin-Friedrichshain., Standortgenehmigung vom 13. 2. 1978 S. 3 wobei der Hochtief Anteil 72 Mio. Mark betrug.Landesarchiv Berlin C Rep. 110-01 Nr. 1045: Städtebauliche Genehmigung - Bebauungsmaßnahmen im Volkspark Friedrichshain im Stadtbezirk Berlin-Friedrichshain., Ergebnis der Prüfungskommission 13. Oktober 1977, handschriftliche Notiz.

In seiner Rede zum Richtfest am 14. März 1980 erwähnte Erich Honecker zwar die Baufirmen ABV Stockholm und Hochtief AG Essen, ohne aber auf ihre konkreten Rollen einzugehen.

In späteren Veröffentlichungen wurde die Urheberschaft des Entwurfs oft einem nicht näher benannten schwedischen Architektenteam zugeschrieben. Tatsächlich waren als Architekten auf DDR-Seite Otto Patzelt für die Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin und Bernd Fundel, Klaus Tröger und Günter Reiß für die federführende Hochtief AG tätig In verschiedenen Veröffentlichungen werden Fundel und Tröger als Architekten der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin bezeichnet. In einem Protokoll Nr. 41/1978 von 8. 11. 1979 der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin zum Thema Sport- und Erholungszentrum Berlin werden in der Teilnehmerliste allerdings die Herren Tröger und Fundel, neben Herrn Georg, der Fa. Hochtief AG zugeordnet, während Herr Schröter und Herr Dr. Patzelt unter Aufbl. Sonderv. Berlin geführt werden. (Landesarchiv Berlin, C Rep. 250-01-27 Nr. 106: Sport- und Erholungszentrum Berlin, Bl. 3); Günter Reiß zeichnete für die Entwurfsplanung verantwortlich.

1981 bis 1991: Die große Welle

Das SEZ zog bereits in den ersten fünf Jahren seines Bestehens 16 Millionen Besucher an; an Spitzentagen kamen bis zu 10.000 Personen. Herzstück des Badebereichs war das Wellenbad, das erste seiner Art in der DDR: Zur Eröffnung drückte Erich Honecker persönlich den Knopf, der erstmals die künstlichen Wellen in Gang setzte.

Die moderne und offene Architektur mit über 15.000 m² Glasfläche betonte auch von außen den einladenden Charakter des Hauses. Der gesamte Komplex war für bis zu 22.000 Besucher pro Tag ausgelegt.

Das SEZ war für die Einwohner Ost-Berlins und viele DDR-Bürger von ähnlicher Bedeutung wie der Palast der Republik. Die Eintrittspreise waren staatlich subventioniert und lagen zwischen 20 und 50 Pfennig – selbst für Besucher, die sich nicht sportlich betätigen wollten. Gesondert erhoben wurden Nutzungspreise, z. B. für die Schwimmhalle 3,00 Mark (Ermäßigt 1,50 Mark). Die Bowlingbahn schlug mit 30,00 Mark für 6 Personen und 2 Stunden zu Buche. Dennoch bildeten sich lange Warteschlangen vor den Eingängen, da der Andrang das Fassungsvermögen des Hauses regelmäßig überstieg.

Bekannt und geschätzt wurde das SEZ nicht nur wegen seiner vielen modernen Sporteinrichtungen, sondern auch für sein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Es gab Sportveranstaltungen, Varietés, Kabarett, Kleintheater, Unterhaltungsshows, Tanzveranstaltungen, Folkloreevents, kulturell-künstlerisch untersetzte Themengastronomien, Konzerte und Großveranstaltungen. Besonders beliebt war das viermal im Jahr veranstaltete „SEZ-Komplett“ mit bis zu 15.000 Besuchern. Für diese zweitägige Veranstaltung wurde das ganze Haus aufwändig dekoriert und in 15 verschiedene Veranstaltungsorte umgewandelt.

In der großen Sporthalle des SEZ wurde ab 1985 die populäre DDR-Fernsehsendung Medizin nach Noten aufgezeichnet, in der Übungsleiter und Kommentatoren die Zuschauer zu gemeinsamen Gymnastikübungen anleiteten.

Das Gebäude beherbergte unter anderem: ein Schwimm- und Spaßbad mit sieben teils ineinander-laufenden Becken mit Wasserfall (inklusive einer Saunalandschaft, einem Wellenbad, einem Sprungturmbecken, einem Kaskadenbecken, einem 400 m² großen erwärmbaren Außenbecken und integrierten Bräunungsebenen). Ein großes Außenbad mit Wasserrutsche war von innen her, durch eine Unterführung bzw. eine ca. 2 cm Gummiwand erreichbar, durch die man tauchen musste. eine Eis- bzw. Rollschuhlaufbahn (Winter-/Sommerbetrieb), wo das einzige in der DDR produzierte Skateboard, der Germina Speeder, ausgeliehen werden konnte Sporthallen Fitnessstudios („Konditionierungs- und Selbsttesträume“) eine moderne Bowlinganlage mit 16 Bahnen eine Tischtennishalle Gymnastik- und Ballettsäle mehrere multifunktionale Veranstaltungsräume inklusive Bühnen-, Licht- und Tontechnik eine Kampfsportschule großflächige Billard- und Openair-Sportanlagen (Tennis, Tischtennis, Boule, Minigolf, Federball) einen Schachtreff einen „Kindersportgarten“ (dort konnten Besucher mit Eintrittskarten für die Einrichtungen ihre Kleinkinder für maximal 4 Stunden kostenlos betreuen lassen) einen Friseursalon eine sportmedizinische Praxis

Im Gebäudekomplex waren zehn verschiedene gastronomische Einrichtungen integriert (unter anderem Bierrestaurant „Zur Molle“, Restaurant „Kristall“, „Kaskade“, „Foyertreff“, „Polariumtreff“, Eis-Milch-Bar „Wellentreff“).

1991 bis heute Nach dem Ende der DDR 1990 gab es um die Weiterführung des Objektes jahrelange Ungewissheit. Nach und nach wurden der Betrieb der Sportstätten und der Veranstaltungsbetrieb eingestellt und fast die gesamte Belegschaft entlassen. Dem Berliner Senat als neuer Eigentümer waren die Kosten zu hoch und das SEZ wurde im Dezember 2002 geschlossen. Die Belegschaft wurde in andere Senatseinrichtungen übernommen. Anschließend wurde der Gebäudekomplex für einen symbolischen Euro an einen Leipziger Investor verkauft. Unmittelbar danach erhielt das graue Gebäude einen neuen Anstrich. Den Besuchern standen ab November 2003 die renovierte Bowlingbahn sowie die Badminton- und Tischtennishalle wieder für sportliche Aktivitäten zur Verfügung. In den folgenden Jahren wurden umfangreiche Entkernungs- sowie Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Der SEZ-Park wurde umfassend umgestaltet, es wurden mehr als 5000 Pflanzen neu gepflanzt.

2004 fand im Rahmen der Love Week (Ersatzveranstaltung der Loveparade) ein Tages-Open-Air statt. 2009 wurde ein multifunktioneller Sportbereich eröffnet, in dem Ballsportplätze, Fitness, Wasserflächen und ein Saunabereich mit Außenpoolgelände zugänglich sind. Ein Teil der eigentlichen Gebäudefläche ist weiterhin ungenutzt.

Zur Langen Nacht der Museen wurde im August 2011 das SEZ erstmals auch als öffentlicher Kunstort geöffnet. Johannes Heisig zeigte dort seine Bilderserie Krähe (Crow), die sich auf den gleichnamigen Gedichtzyklus von Ted Hughes bezieht.Christiane Meixner: Im Tal der Farben. In: Der Tagesspiegel. 23. August 2011, abgerufen am 20. Dezember 2017.

Im ehemaligen Foyer fand vom 28. Juni bis 30. September 2012 eine große Streetart-Ausstellung statt.silence is a lie. urban art exhibition.

Seit 2013 bis 2023/2024 fand jeweils zum Jahreswechsel das zweitägige Psytrance- und Kunst-Festival „Odyssee“ in einem Großteil des Gebäudekomplexes statt.Odyssee – Berlin | Berlins New Years Eve Electronic Music & Arts Festival / Silvester Party. In: odyssee-berlin.de

Konflikt um die weitere Nutzung des Komplexes mini|Das ungenutzte SEZ im Jahr 2022 Da der Investor das Schwimmbad des SEZ selbst aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betrieb nahm, stand dieser vermehrt in der öffentlichen Kritik. Die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg sowie der Bezirksbürgermeister Franz Schulz beanstandeten, dass der Investor seine vertraglichen Verpflichtungen nicht vollumfänglich eingehalten habe. In seinem 41. Schwarzbuch monierte der Bund der Steuerzahler 2013 das Verhalten des Berliner Senates, dessen Finanzsenator den Verkauf des Areals in der Öffentlichkeit an die feste Bedingung geknüpft habe, dass der Investor die Schwimmhalle innerhalb von fünf Jahren zu einem modernen, familienfreundlichen Spaßbad umbaut. Kritiker des Verkaufs wurden damals damit beruhigt, dass eine Vertragsstrafe und ein Rückkaufsrecht für den Fall vereinbart sei, dass die Frist für die Wiederaufnahme des Schwimmbetriebes durch den Investor nicht eingehalten werde. Bis heute sei weder der Schwimmbetrieb im Sinne eines Spaßbades aufgenommen worden, noch hätte der Senat die vertraglichen Regelungen durchgesetzt oder von der Vertragsstrafe Gebrauch gemacht. Der Bund der Steuerzahler stellte deshalb Strafanzeige wegen des Verdachts der besonders schweren, gemeinschaftlichen Untreue zulasten des Landes Berlin. Diese wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft jedoch zurückgewiesen, bezüglich des Verkaufs zum Preis von einem Euro bereits aufgrund der nach fünf Jahren inzwischen eingetretenen Verjährung.Bund der Steuerzahler: In: 41. Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler, Die öffentliche Verschwendung 2013, September 2013.