mini|hochkant=1.3|Spiel der Calgary Stampeders (in rot) gegen die Montreal Alouettes Der Canadian Football (englisch für kanadischer Football; ) ist eine nahezu ausschließlich in Kanada verbreitete Ballsportart, die zu den als Gridiron Football bezeichneten Spielen zählt. Er entstand wie American Football ab den 1860er Jahren aus Fußball und insbesondere Rugby, wobei internationale Spiele und Kontakte den Anstoß gaben.

Der Canadian Football, der unter anderem in der Canadian Football League (CFL) professionell gespielt wird, unterscheidet sich vom American Football, da insbesondere einige Regeländerungen des dortigen College Football in den 1900er Jahren nicht übernommen wurden. So ist unter anderem das Spielfeld mit etwa 101 Metern (110 Yards) Gesamtlänge 10 Yards länger und mit 59 Metern (65 Yards) Breite 12 Yards breiter. Außerdem sind die Endzonen 20 statt 10 Yards lang. Des Weiteren treten zwölf statt elf Spieler an und es gibt lediglich drei statt vier Versuche (Downs) pro Angriffsspielzug. Auch ist die Zeit zwischen zwei Spielzügen mit 20 statt 40 Sekunden kürzer. Des Weiteren unterscheiden sich die beiden Sportarten dadurch, dass Offense und Defense ein Yard voneinander entfernt sind statt nur eine Balllänge und statt eines Man in Motion, der sich vor dem Snap nur seitwärts und nach hinten bewegen darf, sich alle Spieler des Backfields in alle Richtungen bewegen dürfen.

Das hat auch Auswirkungen auf die Spieltaktik. Canadian Football hat weniger Verzögerungen als American Football und der zur Verfügung stehende Platz bewirkt den Einsatz flinkerer Spieler und von mehr Passspielzügen. Ansonsten sind die Ähnlichkeiten groß.

Canadian Football ist eine der beliebtesten Sportarten in Kanada, wird jedoch bloß von einem kleinen Teil der Bevölkerung aktiv ausgeübt.

Geschichte Anfänge Das erste dokumentierte Canadian-Football-Spiel fand am 9. November 1861 an der University of Toronto statt. Es war regeltechnisch jedoch näher am Rugby als am heutigen Canadian Football. Im Laufe der 1860er Jahre bildeten sich die ersten Football-Clubs. In den 1870er Jahren wurde in Montréal, insbesondere an der McGill University die sich bildende Hybridform aus Fußball und Rugby gespielt. 1874 wurde die Sportmannschaft von McGill von der Harvard University eingeladen, gegen deren Mannschaft eine Partie „Football“ zu spielen. Während die McGill University die Hybridsportart meinte, war Harvard der Überzeugung eine Fußballversion zu spielen. Da dies erst bei der Ankunft von McGill erkannt wurde, einigte man sich darauf zwei Partien zu spielen, je eine unter den Regeln des anderen Teams. Harvard nahm die Spielidee schnell auf und verbreitete sie an der US-Ostküste, insbesondere an den Schulen der Ivy League. Die Amerikaner entwickelten das Spiel schnell weiter, indem sie aus dem dynamischeren Rugby ein organisierteres Spiel machten. So wurde das Gedränge durch den Snap ersetzt und eine Anzahl an Versuchen zum Erreichen eines gewissen Raumgewinnes eingeführt. Durch die kontinentale Entwicklung wurde auch das kanadische Spiel von US-amerikanischen Einflüssen verändert. oder

Canadian Football entwickelte sich in den folgenden Jahren vor allem an den kanadischen Universitäten. Es entwickelten sich mehrere regionale Verbände, die jeweils einen eigenen Meister ausriefen. Die erste kanadische Liga war die 1882 gegründete Québec Rugby Football League (QRFU). Einzig die ebenfalls 1882 gegründete Canadian Rugby Union (CRU) verzichtete auf die Ausrufung eines Meisters; sie war eher daran interessiert eine Meisterschaft für das gesamte Herrschaftsgebiet von Kanada vorzubereiten. 1903 führte die Ontario Rugby Football Union (ORFU) als erste Liga den Snap, die Begrenzung von Versuchen für zehn Yards Raumgewinn und die Reduzierung der Spieler auf zwölf ein. Diese Umstellung wird gemeinhin als Burnside Rules bezeichnet, benannt nach John Thrift Meldrum Burnside, der sie an der University of Toronto einführte, und die in den folgenden Jahren auch von den anderen Ligen übernommen wurden.

1909 wurde mit dem Grey Cup erstmals ein nationales Meisterschaftsspiel ausgetragen. Im 1st Grey Cup spielte die University of Toronto aus der Canadian Intercollegiate Rugby Football Union (CIRFU) gegen den Toronto Parkdale Canoe Club aus der ORFU; die University of Toronto gewann mit 26:6. Erst 1921 nahm erstmals eine Mannschaft aus Westkanada teil, als die Toronto Argonauts die Edmonton Eskimos mit 23:0 schlugen. Ab 1925 wurde Canadian Football immer beliebter in Kanada und begann größere Zuschauermassen anzuziehen. So wurde der Sport, der bis dahin als reiner Amateursport betrieben wurde, zunehmend professionalisiert. Nachdem 1931 in allen kanadischen Ligen der Vorwärtspass legalisiert wurde, eine Regeländerung, die im American Football bereits länger etabliert war, verpflichteten die Montreal Amateur Athletic Association den von der Syracuse University stammenden Quarterback Warren Stevens. Der Erfolg der Mannschaft, einschließlich des Gewinns des Grey Cup, führte zu einem Trend nach amerikanischen Talenten zu suchen. Insbesondere westkanadische Teams nutzten diese Möglichkeit. Das führte dazu, dass 1932 zuletzt ein kanadisches Hochschulteam, die Mannschaft der University of Toronto, sich um eine Teilnahme am Grey Cup bewarb. 1935 verpflichtete General Manager Joe Ryan für 7.500 $ neun Amerikaner für die Winnipeg Blue Bombers. Die Blue Bombers gewannen daraufhin im Grey Cup mit 18:12 gegen die Hamilton Tiger, was der erste Sieg einer westkanadischen Mannschaft im Grey Cup war.

Kanadisch-amerikanischer Konflikt und Politisierung mini|Ausschnitte aus dem 38th Grey Cup (Mud Bowl) Die CRU wollte eine Fassade des Amateurtums beibehalten, während die Mannschaftsverwalter die landesweit besten Mannschaften stellen wollten. Dies führte zu Reibereien innerhalb der Liga. 1952 wurde erstmals Canadian Football im Fernsehen übertragen, nachdem sich CBC die TV-Rechte am Grey Cup gesichert hatte. 1956 hatte die CRU die neun besten Mannschaften des Landes, wobei nur eine durch ein Mineralölunternehmen gesponserte Mannschaft aus der ORFU ein ähnliches Niveau hatte. Um den amerikanischen Einfluss zu mindern, führte die CRU erstmals eine Begrenzung auf fünf nicht-kanadische Spieler ein. 1956 gründeten Mitglieder der CRU den Canadian Football Council, der 1958 in Canadian Football League (CFL) umbenannt wurde, und damit die erste offiziell professionelle Liga. Diese nahm einige Regeländerungen vor, etwa die Erhöhung der Maximalanzahl importierter Spieler, die Einführung sogenannter „Taxi Squads“ und der Aufhebung der Begrenzung der Anzahl an Blocks. 1967 führte auch die CIRFU, welche unabhängig geblieben war, ihr Meisterschaftsspiel ein, den Vanier Cup. Dieser war bereits 1965 erstmals ausgetragen worden, jedoch anfangs nur als Einladungsspiel. Die vier regionalen Hochschulverbände, die Western Intercolligiate Football Association, die Ontario University Athletic Association, die Ontario-Québec Intercolligiate Football Conference und die Atlantic University Athletic Association, entsenden jeweils eine Mannschaft, die in Halbfinalen die Teilnehmer ausspielen. 1962 wurde die Canadian Football Hall of Fame gegründet, in der verdiente Sportler, Trainer und Funktionäre aus dem Amateur- und Profibereich des Canadian Football aufgenommen werden.

In den 1960ern kam in Kanada eine Welle des Nationalismus auf. Diese richtete sich sowohl gegen den zunehmenden Einfluss der USA als auch gegen die Unabhängigkeitsbewegung Québecs. Teil der Regierungsstrategie unter Pierre Trudeau zur Durchsetzung des Nationalismus war auch der Sport und insbesondere der Canadian Football, da dieser durch seine abweichenden Regeln zum American Football und britischen Rugby eine kanadische Identität mitkonstruierte. Zwar war und ist Eishockey der populärste Sport in Kanada, jedoch sah die Regierung durch den zunehmenden Anteil an amerikanischen Teams nach der Expansion 1967 von 4 von 6 auf 10 von 12 Mannschaften, als weniger wichtiges kanadisches Symbol und die Canadian Football League als wichtigste kanadische Liga an. Da Canadian Football in allen Gebieten Kanadas, inklusive Québec, gespielt wurde, sah die Regierung auch hier eine Chance zur Einung Kanadas. Weil sowohl die 1960 gegründete amerikanische American Football League als auch ihr Konkurrent, die National Football League (NFL) eine Expansion nach Kanada in Erwägung zogen, wurde der Untergang des Canadian Footballs durch den kulturellen Imperialismus der USA befürchtet. Gestärkt wurde die Sorge vor der NFL durch das intensive Bestreben von Montreals Bürgermeister Jean Drapeau, der bereits 1969 ein MLB-Team in seine Stadt holte, ein NFL-Team in die Hauptstadt Québecs zu bekommen, womit sich die Region auch sportlich vom Rest Kanadas abspalten würde. Gesundheits- und Sportminister John Munro lehnte daher ein NFL-Team in Kanada ab, ebenso eine Expansion der CFL in die USA. Diese sah er als Erosion des Kanadismus, und erklärte, die Regierung werde eine Expansion verhindern. Als 1974 die American-Football-Liga World Football League (WFL) eine Mannschaft in Toronto aufstellte, brachte Munros Nachfolger, Marc Lalonde, den Canadian Football Act in die Gesetzgebung ein. Dieses Gesetz hätte es kanadischen Footballmannschaften verboten in einer amerikanischen Liga zu spielen. Die WFL zog sich in dessen Folge aus Kanada zurück, woraufhin das geplante Gesetz auch nicht verabschiedet wurde.

In den frühen 1990ern versuchte die CFL schließlich doch, die Sportart auch über Kanada hinaus zu verbreiten, indem sie von 1993 bis 1995 insgesamt sieben verschiedene Franchises in den Vereinigten Staaten platzierte. 1995 gewann mit den Baltimore Stallions auch ein amerikanisches Team den Grey Cup, womit dieser erstmals nicht in Kanada war. Die Expansion erwies sich jedoch als nicht erfolgreich und 1996 wurden alle amerikanischen Teams aufgelöst, mit Ausnahme der Stallions, die nach Montreal zogen. 2006 wurde von der CFL der Videobeweis in den Canadian Football eingeführt.

Grundlagen Spielablauf Das Spiel besteht aus zwei Halbzeiten, die nochmal in je zwei Viertel (Quarter) zu je 15 Minuten unterteilt werden. Vor Spielbeginn treffen sich die Mannschaftskapitäne mit dem Referee in der Spielfeldmitte, um einen Münzwurf abzuhalten. Die siegreiche Mannschaft wählt, ob sie zuerst den Kickoff erhalten oder kicken möchte, beziehungsweise alternativ welche Endzone sie zuerst verteidigen will. Nach der Wahl darf die andere Mannschaft die Entscheidung treffen, die noch aussteht. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wählt die beim Münzwurf unterlegene Mannschaft zuerst.

Jede Hälfte beginnt mit einem Kickoff, wobei jede Mannschaft einmal eröffnet. Wird der Kickoff nicht zu einem Touchdown (TD) in die gegnerische Endzone zurückgetragen, so beginnt sie an dem Punkt, wo der Returner gestoppt wurde oder, falls der Kickoff ins Aus geschossen wurde, an der eigenen 35-Yards-Linie. Von da aus beginnt die Mannschaft ihren Drive, eine Serie von Spielzügen. Ein Spielzug beginnt mit der Übergabe des Balles durch den Center an den Quarterback. Ein Spielzug endet, wenn der Ballträger getackelt, also zu Boden gerissen wird, ins Aus gedrängt wird, gepunktet wurde, ein Vorwärtspass ungefangen den Boden oder das Aus berührt oder wenn ein Kick ins Aus geht. Die Offense (auch Offence), also die Mannschaft in Ballbesitz, hat dabei drei Versuche um zehn Yards Raumgewinn zu erzielen, ansonsten verliert sie das Angriffsrecht. Der Raumgewinn kann entweder durch Passen des Balles oder Laufen mit dem Ball erzielt werden. Die Defense (auch Defence) versucht die Offense davon abzuhalten. Ein Pass gilt dabei wie im College Football als gefangen, wenn nur ein Fuß oder ein anderer Körperteil im Spielfeld landet, bevor der Spieler das Aus berührt.

Zu Beginn des zweiten und vierten Viertels werden die Spielfeldhälften getauscht, das Angriffsrecht und die Position bleiben jedoch wie zum Ende des ersten beziehungsweise dritten Viertels.