Der Cruzeiro Esporte Clube, im deutschsprachigen Raum allgemein bekannt als Cruzeiro Belo Horizonte oder einfach nur Cruzeiro, ist der erfolgreichste Sportverein aus Belo Horizonte, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Er ist vornehmlich durch seine Fußballmannschaft bekannt geworden.
Cruzeiro ist unter anderem zweifacher Sieger der Copa Libertadores, vierfacher brasilianischer Fußballmeister (1966, 2003, 2013 und 2014), sechsfacher Pokalsieger. Er war, bis zum Abstieg 2019, neben dem Flamengo Rio de Janeiro der einzige Club in Brasilien, der immer national erstklassig gespielt hat.
Geschichte Die ersten Jahre mini|Cruzeiro (1923) Der Klub wurde am 2. Januar 1921 unter dem Namen Societá Sportiva Palestra Itália als Sportverein für die italienischen Einwanderer von Belo Horizonte gegründet. Der Begriff Palestra (von ‚Ringerschule‘) beschreibt im italienischen Sprachgebrauch eine Turnhalle. Die ersten Klubfarben waren die Farben der italienischen Flagge: Grün, Rot und Weiß. Die Mannschaft spielte entsprechend in grünen Trikots, weißen Hosen und roten Socken. Vier Monate nach der Gründung fand das erste Spiel zwischen Palestra und dem in der Zukunft größtem Stadtrivalen Atlético Mineiro statt. Am 17. April 1921 trafen die Klubs aufeinander und Palestra konnte das Treffen mit 3:0 für sich entscheiden.Erstes Spiel gegen Atlético Mineiro, Bericht auf memoriasdoesporte.com.br vom 29. August 2018, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 30. August 2018
mini|Die Mannschaft von 1925 Ab 1925 wurde die Mitgliedschaft auch für nicht-italienischstämmige Leute geöffnet. 1926 gewann Cruzeiro mit der Staatsmeisterschaft von Minas Gerais den ersten bedeutenden Titel. Bislang folgten noch 38 weitere Erfolge in diesem Wettbewerb. Führend ist hier aber der lokale Hauptkonkurrent von Cruzeiro, Atlético Mineiro, das rund ein halbes Dutzend mehr Siege im Campeonato Mineiro aufweisen kann.rsssfbrasil.com: Minas Gerais Estate – List of Champions, abgerufen am 14. Januar 2024
Aufgrund des Kriegseintritts Brasiliens im Januar 1942 wurde der Gebrauch von Begriffen gegnerischer Nationen verboten, und der Verein musste seinen Namen ändern. Ab 30. Januar benannte sich der Klub in Sociedade Esportiva Palestra Mineiro um.Namenshistorie, Bericht auf cruzeiro.com.br vom 7. Oktober 2024, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 8. Oktober 2024 Das Logo wurde entsprechend angepasst. Die Trikotfarben blieben Grün, Rot und Weiß. Nach einer von Klubpräsident Ennes Cyro Poni einberufenen Generalversammlung für den 2. Oktober 1942, firmierte der Verein die erste Oktoberwoche ´42 als Ypiranga. Allerdings nicht offiziell, sondern nur in der Presse. Die Entscheidung des Klubpräsident war kaum eine Minute alt, wurde nur von zwei Personen unterschrieben und sofort vom beratenden Rat des Klubs annulliert. Nach der Absage trat Poni als Präsident zurück, hatte aber bereits zuvor der Presse mitgeteilt, dass das Team in dieser Woche unter dem Namen Ypiranga beim Klassiker gegen Atlético antreten würde (was nicht geschah). Die Presse kündigte jedoch an, dass der Klassiker in dieser Woche zwischen Atlético und Ypiranga stattfinden würde. Zwischen dem 3. und 7. Oktober veröffentlichten die lokalen Medien dadurch den falschen Namen. Spielte aber dann doch noch bis Januar 1943 als Palestra Mineiro. Ehe der Verband von Minas Gerais die neuen Statuten des Klubs genehmigte. Die Mitglieder hatten sich schließlich auf Cruzeiro Esporte Clube („Sportklub Cruzeiro“) geeinigt. Neben Ypirangan stand auch Yale zur Auswahl.70 Jahre neue Identität, Bericht auf globoesporte.globo.com vom 7. Oktober 2012, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 21. Juni 2018
Cruzeiro bezieht sich auf das Kreuz des Südens („Cruzeiro do Sul“), ein Sternbild das auch in der brasilianischen Flagge enthalten ist und ein Symbol des Landes ist. Blau und Weiß wurden zu den neuen Vereinsfarben. Die zugelassenen Farben wurden Blau und Weiß, gewählt als Kompromiss, um die italienischen Fraktionen innerhalb der Klubverwaltung zu beruhigen, da es sowohl für die brasilianische Flagge als auch für die italienische Fußballnationalmannschaft repräsentativ war (blau ist die Farbe des Hauses Savoyen, das Italien von 1861 bis 1946) regierte. Als Erinnerung an die Vergangenheit war in der Saison 2009 auf der Rückseite des Trikotkragens die italienische Flagge eingestickt und auf der linken Brust das alte grün/rote/weiße Logo mit dem Buchstaben P zu sehen.
1946 spielte Cruzeiro das erste Mal gegen ausländische Klubs. Im Rahmen seines 25-jährigen Jubiläums fanden Spiele gegen den Club Libertad aus Paraguay und Rosario Central aus Argentinien statt. Das erste Spiel gegen Libertad fand am 3. Januar statt.Erstes internationales Spiel, Bericht auf cruzeiro.com.br vom 18. September 2024, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 11. Oktober 2024 Das Spiel endete 2:2. Beide Tore Cruzeiros erzielte Ismael Caetano.
1950er bis 1970er Jahre Erster nationaler Erfolg war der Sieg im Finale der Taça Brasil 1966, der zwischen 1959 und 1968 ausgetragenen ersten Version eines brasilianischen Pokalwettbewerbes. In den Finalspielen bezwang Cruzeiro dabei den FC Santos um den Weltstar Pelé mit 6:2 und 3:2. Tostão und Piazza, die 1970 mit der Fußballnationalmannschaft von Brasilien Weltmeister werden sollten, sowie Dirceu Lopes und der langjährige Torhüter Raul Plassmann gehörten zu den Stars dieser von Aírton Moreira trainierten Mannschaft.Kader Taça Brasil 1966, Bericht auf cruzeiro.com.br vom 7. Dezember 2024, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 9. Dezember 2024
Höhepunkt der Vereinsgeschichte sind aber die beiden Siege 1976 – nach einem Entscheidungsspiel gegen Argentiniens River Plate, bei denen Roberto Perfumo, der von 1971 bis 1974 bei Cruzeiro spielte, in der Mannschaft war – und 1997 – gegen Peñarol Montevideo aus Uruguay – in der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Äquivalent der europäischen Champions League. 1976 wurde dabei Palhinha mit 13 Toren Torschützenkönig des Wettbewerbes, eine Leistung die seither nur einmal übertroffen wurde.rsssf.org: Copa Libertadores – Topscorers
In den darauffolgenden Weltpokal-Spielen verlor Cruzeiro jeweils gegen deutsche Konkurrenz. Im November 1976 unterlag Cruzeiro im eisigen Münchner Olympiastadion mit 0:2 gegen den FC Bayern München und kam im Dezember zu Hause vor 117.000 Zuschauern trotz 90-minütigen Anrennens gegen das von Sepp Maier gehütete Tor der Bayern nicht über ein 0:0 hinaus. Das Endspiel 1997 in Tokio gegen Borussia Dortmund ging mit 0:2 verloren.
1980er und 1990er Jahre Weitere internationale Erfolge sind die beiden Siege 1991 und 1992 in der zwischen 1988 und 1997 abgehaltenen Supercopa Sudamericana, einem Wettbewerb in dem ehemalige Libertadores-Gewinner teilnehmen durften. In den Finales schlug Cruzeiro dabei mit River Plate und dem Racing Club de Avellaneda jeweils argentinische Vereine.
In der Copa Libertadores stand Cruzeiro 1976, 1977, 1997 und 2009 im Finale. Zweimal ging man siegreich aus dem Wettbewerb hervor.
Mit sechs Erfolgen bei sechs Finalteilnahmen im brasilianischen Pokal, der Copa do Brasil, zwischen 1993 und 2018 ist Cruzeiro Rekordgewinner in diesem Wettbewerb seit dessen Einführung in der gegenwärtigen Form 1989.
Seriensieger ab 2003 Im Jahr 2003 wurde die Meisterschaft das erste Mal nach europäischem Vorbild abgehalten. In dieser Saison gewann Cruzeiro dabei das Triple aus Staatsmeisterschaft von Minas Gerais, brasilianischer Meisterschaft und den brasilianischen Pokal. Diese ist bislang keiner weiteren südamerikanischen Fußballmannschaft gelungen. Zu Ehren dieses Erfolges wurde das Vereinslogo um eine Krone über dem bisherigen erweitert.
2013 und 2014 konnten der dritte und vierte brasilianische Meisterschaftstitel eingefahren werden. Die erfolgreiche Dekade setzte sich auf nationaler Ebene mit dem Gewinn des Copa do Brasil in den Jahren 2017 und 2018 fort. Diese waren die Siege fünf und sechs in dem Wettbewerb. Cruzeiro wurde 2018 alleiniger Rekordsieger des Copa.
Krise ab 2019 Nachdem der Klub 2019 in finanzielle Schwierigkeiten geriet und auch Gehälter nur noch verspätet auszahlen konnte, musste Cruzeiro am Ende der Saison 2019 das erste Mal in die Série B absteigen. Nachdem zunächst ein Verwaltungsrat mit dem Management betraut wurde, stellte dieser in seiner fünfmonatigen Amtszeit ein Schuldenstand von 800 Millionen Real fest. Allein der FIFA schuldete der Klub einen Betrag von 35 Millionen oder dem Klub al-Wahda (Abu Dhabi) fünf Millionen an Transferleistungen. Für die ausstehenden Zahlungen, auch an andere Klubs, drohte dem Klub noch vor dem Start der Série B 2020 ein Abzug von sechs Punkten.800 Millionen Real Schulden, Bericht auf otempo.com.br vom 29. Mai 2020, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 3. Juni 2020 Unter Zuhilfenahme von Sponsorengeldern, konnten Zahlungen durchgeführt werden.Vermeidung Punktabzug 2020, Bericht auf terra.com.br vom 28. Mai 2020, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 3. Juni 2020 Bis Mitte Juli 2020 hatte der Klub Schulden in Höhe von 20,7 Mio. Real bei der FIFA bezahlt. Die Werte bezogen sich auf Zahlungen an Sorja Luhansk (Willian), CA Unión Florida (Ramón Ábila) und UANL Tigres aus Mexiko für die Übertragung von Rafael Sóbis. Ausstehende Zahlungen bestehen an Independiente del Valle für Luis Caicedo Medina über 674.502 USD bis zum 20. August 2020. Des Weiteren an Spartak Moskau über 395.619 Euro für Pedro Rocha Neves und die fünf Millionen an al-Wahda.
Aufgrund der Unstimmigkeiten zum nicht vollzogenem Transfer von Willian zu Sorja Luhansk, belegte die FIFA im September 2020 Cruzeiro mit einem Transferverbot.Transferverbot 2020, Bericht auf otempo.com.br vom 3. September 2020, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 8. September 2020 Mitte Oktober 2020 stellte der Hauptsponsor von Cruzeiro, das Unternehmen Supermercados BH, zusätzliche Gelder bereit. Diese wurden benutzt, um die bei der FIFA anhängigen Zahlungen nebst Strafen für Sorja Luhansk (ca. 9,2 Millionen Real, plus Geldstrafe und Kosten der FIFA in Höhe von ca. 328 Tausend Real), Ramón Ábila (ca. 716 Tausend Real, plus Geldstrafe von ca. 29 Tausend Real) sowie die das Trainerteam um den ehemaligen Trainer Paulo Bento auszugleichen.FIFA Zahlungen Oktober 2020, Bericht auf otempo.com.br vom 16. Oktober 2020, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 28. Oktober 2020 Ende des Monats hob die FIFA dann die Transfersperre auf.Ende Transfersperre, Bericht auf otempo.com.br vom 27. Oktober 2020, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 28. Oktober 2020 Im Juli 2021 erfolgte eine erneute Transfersperre durch die FIFA.Transfersperre 2021, Bericht auf uol.com.br vom 1. Juli 2021, Seite auf Portugiesisch, abgerufen am 29. November 2021 Hintergrund waren weiterhin ausstehende Ablösesummen, welche der Klub aufgrund seiner anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten nicht begleichen konnte.
SAF Gründung 2021