mini|Luftaufnahme von Goslar, 2022 Goslar ist die größte Stadt am Harz. Die große selbständige Stadt fungiert gleichzeitig als Verwaltungssitz des Landkreises Goslar in Niedersachsen. Zum hatte sie Einwohner.

Der 979 erstmals erwähnte Bergbauort wurde etwa zur selben Zeit Sitz einer Kaiserpfalz und entwickelte sich bis zum 13. Jahrhundert kontinuierlich zur Stadt weiter. 1290 erlangte Goslar die Reichsunmittelbarkeit und behielt bis zur Mediatisierung 1802 den Status einer selbständigen Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.

Die Altstadt von Goslar mit ihren über 1.500 Fachwerkhäusern sowie das am südlichen Stadtrand liegende ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg zählen seit 1992 unter der Bezeichnung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO.

Geographie Lage Die Stadt liegt zwischen den nordwestlichen Ausläufern des Harzes mit dem Rammelsberg und dem äußersten Südende des Salzgitter-Höhenzugs. Im Westen wird Goslar durch den Steinberg und im Osten durch die Grenze zu Sachsen-Anhalt begrenzt. Im Nordosten der Stadt liegt der Harly-Wald. Durch das Stadtgebiet fließt die Oker sowie deren Nebenflüsse Gose bzw. Abzucht und die Radau.

mini|UNESCO-Auszeichnung am Rathaus

An das Stadtgebiet grenzen im Norden die Gemeinde Liebenburg, im Nordosten die Gemeinde Schladen-Werla (Landkreis Wolfenbüttel) und die Stadt Osterwieck (im Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt), im Südosten die Stadt Bad Harzburg, im Süden die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld (wobei das gemeindefreie Gebiet Harz (Landkreis Goslar) jedoch dazwischen liegt) und im Westen die Stadt Langelsheim. mini|Blick vom Steinbergturm auf die Baßgeige, Jerstedt und Hahndorf

Die nächstgelegenen größeren Städte sind im Nordwesten Hildesheim (45 km), im Norden Salzgitter (30 km), im Nordosten Wolfenbüttel (30 km) und Braunschweig (40 km) sowie im Osten Magdeburg (90 km), im Südosten Nordhausen (50 km) und im Südwesten Göttingen (55 km).

* Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung (Luftlinie) bis zum Ortszentrum.

Stadtgliederung mini|Südansicht vom Maltermeisterturm mini|Westansicht vom Sudmerberg

Kernstadt (29.624 Einwohner): Altstadt Baßgeige Georgenberg mit Kattenberg Jürgenohl mit Fliegerhorst und Kramerswinkel Ohlhof mit Gut Ohlhof Rammelsberg mit Siemensviertel und Rosenberg Steinberg Sudmerberg

Ab 1972 eingemeindete Ortsteile mit Einwohnerzahl:

Geschichte Anfänge mini|Die Abzucht in der Innenstadt

Seit der Römerzeit war der Harz ein bedeutendes Erzabbau-Gebiet. Daher entstanden hier Siedlungen, in denen das Erz zu Metallen verarbeitet und veredelt wurde. Archäologische Funde aus England belegen, dass viele angelsächsische Grabbeigaben wie ein in London gefundenes Schwert aus Metall des Harzer Erzes gefertigt wurden. Die frühesten Nachweise für den Abbau und die Verhüttung von Rammelsberger Erz konnten dank der archäologischen Ausgrabungen am Herrensitz Düna auf das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden.Lothar Klappauf: Zur Archäologie des Harzes. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Veröffentlichung des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes – Institut für Denkmalpflege, Hannover. Heft 4/1992.

Wahrscheinlich aus mehreren, in dem ursprünglich mit dem Flurnamen „Goslar“ bezeichneten Auetal des Harzflüsschens „Gose“ am Nordrand des Harzes gelegenen Siedlungen entstanden, wird der Ort ab dem 10. Jahrhundert in Schriftquellen genannt. Um das Jahr 1000 wird der Flurname als Ortsname übernommen. Die erste urkundliche Erwähnung ist für Otto II. für das Jahr 979 belegt. 934 wurde wohl bereits eine königliche Burg auf dem Georgenberg errichtet, wobei sowohl die Schriftquelle strittig ist als auch die Lokalisierung der Burg an dieser Stelle; archäologisch-/baugeschichtliche Befunde dazu werden derzeit kontrovers diskutiert. Die Montanarbeiter siedelten im Bergdorf um die Kirche St. Johannis. Die aus Goslarer Silber geprägten Otto-Adelheid-Pfennige bilden den Nachweis für eine sich verbessernde Technologie im Bergbau. Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts wurde in Goslar neben dem Kupfer auch Blei und Silber aus dem Erz ausgeschieden. Das früh einsetzende und technologisch immer anspruchsvollere Hüttenwesen benötigte Fachkräfte. Vermutlich sind solche Fachleute, die von den einheimischen Sachsen als „Franken“ bezeichnet wurden, nach Goslar gekommen und haben sich am dann so benannten „Frankenberg“ angesiedelt.

Goslarer Kaiserzeit mini|Luftbild der Kaiserpfalz, 2013 1009 begann mit der ersten Reichssynode unter Heinrich II. die für Goslar wichtige Periode als eine zentrale Pfalz des Heiligen Römischen Reiches. Die Pfalz lag wahrscheinlich noch auf dem Georgenberg. Heinrich II. hielt 1015, 1017 und 1019 weitere Hoftage und Synoden in Goslar ab, insgesamt ist der Aufenthalt Heinrichs II. in Goslar sieben Mal nachgewiesen. Die Pfalz Goslar machte der Pfalz Werla den Rang streitig; die bisher dort tagende Stammesversammlung des sächsischen Adels fand seit dem Jahre 1009 in Goslar statt. Unter den Saliern fand die Entwicklung der Stadt zu einem der Zentren des Reiches ihren Höhepunkt.

Schon bei seinem Königsumritt 1024 soll Konrad II. in Goslar das Weihnachtsfest gefeiert und 1025 an der heutigen Stelle den Grundstein zur Kaiserpfalz gelegt haben. Konrad bestätigte auch die Rechte der Goslarer Fernhandelskaufleute. Insgesamt sind von Konrad sechs Aufenthalte in Goslar belegt.

Unter Heinrich III. entwickelte sich seine Lieblingspfalz in Goslar zum Zentrum des Reiches: In 17 Regierungsjahren wurden in Goslar 18 oft mehrmonatige Hoftage abgehalten. 1042 empfing Heinrich III. Peter von Ungarn und eine Gesandtschaft Jaroslavs von Kiew. In den folgenden Jahren setzte er von Goslar aus viele Bischöfe und Herzöge ein. Königin Agnes stiftete 1045 das Petersstift. 1051 wurde die Stiftskirche St. Simon und St. Judas durch Erzbischof Hermann von Köln geweiht, die sich dann zu einer wichtigen Ausbildungsstätte des Reichsepiskopats entwickelte. Zeitgleich wurde die Pfalz um den repräsentativen Saalbau der Aula Regis erweitert. Am 11. November 1050 wurde in Goslar Heinrich IV. geboren. Im September 1056 besuchte Papst Viktor II. Heinrich III. in Goslar und weihte die Stiftskirche erneut. Dieses Treffen manifestierte ein letztes Mal die Einheit zwischen Kaiser und Papst im Sinne der De civitate Dei. Nach seinem Tod, wenige Wochen später, wurde das Herz Heinrichs III. in der Goslarer Stiftskirche St. Simon und St. Judas beigesetzt.

Unter Heinrich IV. blieb Goslars Bedeutung für die Salier ungebrochen. Insgesamt 30 Aufenthalte des Kaisers sind nachgewiesen. 1063 kam es in der Stiftskirche St. Simon und St. Judas zu einem Rangstreit zwischen Abt Wideradus von Fulda und Bischof Hezilo von Hildesheim, der unter den Augen des hilflosen Heinrich IV. mit einem Blutbad in der Kirche endete („Blutpfingsten“). Heinrich IV. setzte für Goslar den ersten Reichsvogt als seinen Vertreter in der Verwaltung des Königsgutes ein. Als die Reichspolitik des Königs und seine langen, für das Land recht kostspieligen Aufenthalte in Goslar den sächsischen Adel gegen ihn aufbrachten, eskalierte die Lage auf der Fürstenversammlung in Goslar 1073 zum Aufstand der Sachsen. Goslar hielt sich in den folgenden Wirren an die Gegenpartei. So fand 1077 unter dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden ein Fürstentag in Goslar statt. 1081 wurde Hermann von Salm in Goslar zum (Gegen-)König gesalbt. 1105 berief Heinrich V. einen Landtag gegen seinen Vater nach Goslar.

Im 12. Jahrhundert hatte die Stadt etwa das Ausmaß der heutigen Altstadt erreicht und bildete mit dem Kirchenkreuz aus sieben Kirchen, der Stadtbefestigung und dem Ensemble aus Stiftskirche und Pfalz eine Residenzstadt, die von den Chronisten als das „Nordische Rom“ tituliert wurde. 1075 wurde Goslar zum ersten Mal als civitas (Stadt) bezeichnet.

Heinrich V. hielt in Goslar bei zehn Aufenthalten sechs Reichstage ab. Auch unter Lothar III. von Süpplingenburg, Konrad III. und besonders unter Friedrich I. blieb Goslar eine bevorzugte Pfalz. 1136 vernichtete ein Brand ein Drittel der Stadt. Um 1150 wurde der Raths-Tiefsten-Stollen zur Entwässerung des Rammelsbergwerkes fertiggestellt.

1152 belehnte Friedrich I. Heinrich den Löwen mit der Goslarer Reichsvogtei. 1158 schenkte der Kaiser den Goslarer Bürgern den „Kaiserforst“. 1167 wurde Goslar von Heinrich dem Löwen erfolglos belagert. 1173 lehnte Friedrich I. in Goslar die von Heinrich dem Löwen geforderte Belehnung mit der Stadt als Gegenleistung für Gefolgschaft im Italienfeldzug ab. Goslar und der Rammelsberg blieben weiterhin Spielball im Konflikt der Vettern bis zur Ächtung des Löwen. Im folgenden Krieg wurde Goslar 1180 aus der Belagerung durch Heinrich den Löwen vom Kaiser entsetzt. Der Löwe ließ die Hütten und Gruben zerstören, weswegen der Bergbau bis 1209 ruhen musste.

Mit Heinrich VI. nahm die Bedeutung Goslars als Pfalz ab. König Otto IV. belagerte 1198/99 Goslar, musste sich aber vor Philipp von Schwaben zurückziehen. 1206 wurde Goslar (angeblich durch Verrat der Domina des Klosters Neuwerk) von Gunzelin von Wolfenbüttel, einem Gefolgsmann Ottos IV., erstürmt und geplündert.

Unter der Regierung Friedrichs II. fand der letzte Reichstag in Goslar statt, auf dem ein Ausgleich zwischen Staufern und Welfen gefunden wurde. Mit den Besuchen von Wilhelm von Holland in den Jahren 1252 und 1253 endete Goslars Zeit als Königspfalz.

Spätes Mittelalter mini|Innenstadt mini|Lohmühle Mit dem Rückzug der Kaiser aus dem nördlichen Reichsteil begann der Aufschwung zur städtischen Unabhängigkeit. Nach Gewährung der Goslarer Stadtrechte, die aus den Rechten für die Fernhandelskaufleute von 1025 hervorgingen, bemühte sich der 1219 erstmals erwähnte Rat um stete Anerkennung der Rechte und Ausweitung der städtischen Befugnisse. Die Kaufleute, die mit dem Ministerialadel den Rat stellten, wurden zunehmend selbstbewusster. Im Fokus der Bemühungen stand der Erwerb der Berg- und Vogteirechte.

Seit 1235 geriet aufgrund fehlender Entwässerungstechnik der Bergbau am Rammelsberg in eine Krise, die zu reinem Nachleseabbau führte. Der Kupferhandel blieb zwar aufrechterhalten, die Erträge jedoch nahmen ab. Diese Schwäche des Bergbaus nutzte die Worthgilde zum Ausbau ihrer politischen Macht innerhalb des Rates.

Ab 1267 bis 1566 gehörte Goslar dem Städte- und Kaufmannsbund der Hanse an. Spätestens aus dieser Zeit stammt auch die Alte Harzstraße. Goslar nutzte die Hanse allerdings mehr als politisches Instrument, um sich gegenüber seinen Nachbarn zu behaupten, als dafür, aus dem Fernhandel Profite zu ziehen. Besonders die Wahrung der inneren Ordnung und Ratsverfassung war Anliegen der Goslarer Hansepolitik. Als sich Goslar nicht mehr in ausreichendem Maße geschützt sah, zog es sich zugunsten regionaler Bündnisse zurück. Wichtig war für Goslar vor allem der Kupfer- und Silberhandel, seit dem 13. Jahrhundert aber auch der Bierexport. Ab 1323 ist zudem der Schieferabbau und ab 1468 die Vitriolherstellung urkundlich belegt. Besonders der Handel mit Städten der Region, Sachsens, Thüringens und mit Köln war wichtig, weswegen der hansische Handel für Goslar nie die höchste Priorität besaß.

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