mini|Immerwährender Reichstag Als Jüngster Reichsabschied (lateinisch recessus imperii novissimus) wird das Schlussdokument des Regensburger Reichstages von 1653/1654 bezeichnet.

Bei dem Dokument mit der ungewöhnlichen Bezeichnung handelt es sich um den letzten Reichsabschied eines offiziell einberufenen und offiziell beendeten Reichstags des Heiligen Römischen Reiches. Dieser letzte offizielle Reichstag war zugleich auch der erste Reichstag nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Der Reichstag sollte sich mit Fragen und Problemen beschäftigen, die beim Abschluss des Westfälischen Friedens ungeklärt geblieben waren. Einige schwierige Aufgaben konnten nicht abgeschlossen werden und auch der 10 Jahre später 1663 nach Regensburg einberufene Reichstag konnte diese alten und auch neue Probleme nicht lösen. Er wurde deshalb nicht offiziell beendet und wurde bald als Immerwährender Reichstag bezeichnet. Auch die gefassten Beschlüsse wurden nicht mehr als offizielle Reichsabschiede erarbeitet und konnten nicht mehr so bezeichnet werden. Stattdessen wurden diese Beschlüsse nur als Reichsschlüsse (conclusa imperii) bezeichnet.

Verlauf des Reichstages mini|Ehrenpforte für Kaiser Ferdinand Ziel des Reichstages war es, die während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden offen gebliebenen Fragen zu beraten. Nach den Festlegungen des Westfälischen Friedens hätte der Reichstag bereits am 18. Oktober 1649 eröffnet werden müssen. An dessen Stelle fand 1649 der Nürnberger Exekutionstag statt. Tatsächlich wurde der Reichstag jedoch erst für Ende Oktober 1652 ausgeschrieben. Kaiser Ferdinand III. wollte zwar am Reichstag teilnehmen, wollte aber wegen der Notzeiten seinen Hofstaat einschränken und bat auch die Reichsfürsten um Bescheidenheit. Trotzdem überbot der Reichstag seine Vorgänger an Glanz und Pomp. Die kaiserliche Familie reiste mit einem Gefolge von 3000 Personen an, darunter 60 Musikanten und sechs Hofnarren. Die Begrüßung erfolgte am 12. Dezember 1652 nach Passieren des Ostentors und eines zusätzlichen Ehrentors und durch dreimaliges Abfeuern von 50 Kanonen auf der Donauinsel Oberer Wöhrd. Auch die Kurfürsten zeigten sich in Begleitung von vielen Lakaien, Musikern und Edelknaben. Sie erschienen mit viel Personal und mit bis zu 250 Pferden, so dass der Rat der Stadt Schwierigkeiten hatte, ausreichend Unterkünfte zu finden.

Auf dem Reichstag konnte Ferdinand III. zugleich seinen Sohn Ferdinand zum römisch-deutschen König wählen lassen, der jedoch schon 1654 verstarb. Neben der anschließenden Krönung des jungen Ferdinands im Juni fand Anfang August 1653 die Krönung von Kaiserin Eleonora im Regensburger DomFlugblatt von ca. 1653 Krönung Eleonora Gonzgagas stattRegensburg 1653: Ein Schreiben an den Kaiser In: Kaiserin und Reich 14. September 2016, die ebenfalls mit großen Feierlichkeiten verbunden war.

Obwohl für die zu beratenden Fragen die Anwesenheit des Kaisers nicht erforderlich war, empfahlen ihm seine Berater die Anwesenheit, da er dann einer eventuellen Blockierung des Reichstages mit Verfahrensfragen hätte vorbeugen und vermittelnd eingreifen können. Erwartungsgemäß gab es Streit in nebensächlichen Verfahrensfragen, wie z. B. bei der Zusammensetzung der Reichsdeputationen und bei Fragen zu Mehrheitsabstimmungen bei Steuerfragen. Diese eigentlich nebensächlichen Fragen wurden im Verlauf des Reichstages immer mehr zu Prinzipienfragen erhoben. Nachdem sich Ferdinand in der Frage der Deputationen mit Hilfe der Kurfürsten noch durchsetzen konnte, konnte er eine Niederlage in der zweiten Frage nur durch die vorzeitige Verabschiedung des Reichstags mit Verlesung der bis dahin erreichten Übereinstimmung am 17. Mai 1654 vermeiden. Zu weiteren Verhandlungen waren fünf Deputationen gebildet worden. Nach Darstellung der protestantischen Stände wurde der Reichstag aber nur suspendiert und sollte zwei Jahre später fortgesetzt werden. Die Fortsetzung der Plenarberatungen erfolgte jedoch erst auf dem neu einberufenen Reichstag ab 20. Januar 1663, der dann nicht mehr beendet wurde und sich zu einem Gesandten-Kongress, dem „Immerwährenden Reichstag“ entwickelte.

Teilnehmer des Reichstages mini|Sitzung des Reichstags in Regensburg im Jahr 1640 (nach einem Stich von Matthäus Merian) Der zeitgenössische Kupferstich des Verlegers Paulus Fürst zeigt die Eröffnung des Regensburger Reichstages von 1653 im Regensburger Rathaus mit sämtlichen namentlich genannten Teilnehmern.Paulus Fürst 1653 Eröffnung des Regensburger Reichstages von 1653 (20.-30. Juni) Kupferstich von 1653 Abbildung bei Bavarikon Die offizielle Verlautbarung mit dem barocken Titel „Eigentlicher Abriß der Reichstages Solennitet, so den 13.=23. Juny Anno 1653, in RegensPurg auf dem gewöhnlichen grosen Rhathauß-Saal, bey eröfnung der Kajserlichen Proposition angestellet und gehalten worden.“Bild und Erläuterung bei The German Historical Institute, abgerufen am 3. Februar 2019. zählt die Teilnehmer auf:

Leitung: Ihr Röm: Kayserl: Mayest.Kaiser Ferdinand III. Kurfürsten: Chur Maintz, Herr Johann Philipp ErtzBischoff zu MaintzJohann Philipp von Schönborn, Erzbischof von Mainz 1647–1673, Bischof von Würzburg 1642–1673. Chur Trier, Herr Carl Caspar ErtzBischoff zu TrierKarl Kaspar von der Leyen, Erzbischof von Trier 1652–1676. Chur Cölln, Abgesandter Herr Frantz Egon Graf zu FürstenbergFranz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (* 10. April 1626 in Heiligenberg; † 1. April 1682 in Köln) war Bischof von Straßburg, Abt des Klosters Murbach (von 1663 bis 1682) sowie Kurkölnischer Premierminister. Chur Sachsen, Abgesandter Herr Heinrich von Friesen der JüngerHeinrich von Friesen († 1689) brachte den Reichsfreiherrenstand an die Familie und dessen Enkel Julius Heinrich Freiherr von Friesen wurde in den Reichsgrafenstand erhoben. Julius Heinrich starb 1706 als kaiserlicher Generalfeldmarschall. Chur Bayrn, Abgesandter Herr Maximilian Willibald Graf zu WolffsEckMaximilian Willibald Graf Waldburg-Wolfsegg-Waldsee (reg. 1637–1667), kurbayerischer Abgesandter zur Friedenskonferenz in Münster 1648 (Westfälischer Friede). Chur Pfaltz, Herr Karl Ludwig Pfalzgraf bey RheinKarl I. Ludwig (* 22. Dezember 1617 in Heidelberg; † 28. August 1680 bei Edingen) war von 1649 bis zu seinem Tod der Pfalzgraf bei Rhein, also Kurfürst der Pfalz. Karl Ludwig war der Sohn des „Winterkönigs“ Friedrichs V. und Elisabeth Stuarts. Chur Brandenburg, Abgesandter Herr Joachim Friedrich von BlumenthalJoachim Friedrich von Blumenthal (1607–1657), war ein Staatsmann in brandenburgischen und dann in kaiserlichen Diensten. Er übte nach seiner Rückkehr in den brandenburgischen Dienst eine zeitweise führende politische Rolle als Verfechter einer brandenburgisch-kaiserlichen Zusammenarbeit aus, ehe er gestürzt wurde.

Geistliche Fürsten: Wegen Oesterreich, Herr Georg Achatius, Graf und Herr zu LosensteinNiederösterreichischer Landmarschall Georg Achaz Graf von Losenstein zu Losensteinleithen und Gschwendt (1597–1653), in dritter Ehe mit Franziska, geborene Gräfin von Mansfeld-Vorderort verheiratet. Wegen Burgund, H. Aurelius Augustinus de MalinezAurèle Augustin van Maele gen. Malinez (oder Malineus) (1592–1662), Herr von Saintes im Hennegau, Bürger-Lieutenant der Stadt Gent, Ordentlicher Rat des Rates von Brabant, Präsident des Rates von Flandern, außerordentlicher Gesandter bei Kaiser Ferdinand III. und zum Reichstag zu Regensburg, Erster Rat im Obersten Staatsrat zu Madrid.Aurèle Agustín van Male In: Búsqueda de personaje PersonensucheDiccionario biográfico español Wegen Saltzburg, H. Johann Baptista Graf zu LadronAls Vertreter von Paris Graf zu Lodron, Erzbischof von Salzburg 1619–1653 im Jahr seines Todes. Die nachhaltige Verankerung der Lodrons im deutschen Sprachraum geht auf Paris von Lodron zurück, der als Fürstbischof von Salzburg seiner Familie Besitzungen und Positionen sicherte. So richtete er für seinen Bruder Christoph und dessen erstgeborenen Sohn sowie für den zweitgeborenen Sohn des Bruders je einen Fideikommiss, also einen unveräußerlichen Besitz ein (Primogenitur und Sekundogenitur); namentlich gehörte Schloss Lodron in Gmünd zum Primogenitur-Fideikommiss und war mit diesem das Erblandmarschallamt in Salzburg verbunden. Wegen Speyer, Ihr Fürstl. Gnaden, H. Lotharius Friederich, Bischoff zu SpeyerLothar Friedrich von Metternich, Bischof von Speyer 1652–1675. Ihr Fürstl. Gnaden, H. Dieterich Adolph, Bischoff zu PaderbornTheodor Adolf von der Recke, Bischof von Paderborn 1650–1661. Ihr Fürstl. Gnaden, H. Frantz Wilhelm, Bischoff zu Regenspurg und OßnabrückFranz Wilhelm Graf von Wartenberg, Bischof von Regensburg 1649–1661, Bischof von Osnabrück 1625–1634 und 1648–1661. Ihr Fürstl. Gnaden, H. Christoph Bernhard, Bischoff zu MünsterBernhard Christoph von Galen, Bischof von Münster 1650–1678. Ihr Fürstl. Gnaden, H. Joachim, Abbt zu FuldaJoachim von Gravenegg, Fürstabt von Fulda 1644–1671. Ihr Fürstl. Gnaden, H. Wilhelm, Administrator zu StabelWilhelm II. Herzog von Bayern, Fürstabt von Stablo und Malmedy 1650–1657. Wegen Bisantz, H. Franciscus del Jhola, H. zu Thil.Le Thil, Herrschaft im Vexin, zur Markgrafschaft erhoben 1655, im Besitz der Familie Jubert. Wegen Teutschmeister, H. Georg Wilhelm von Elckerhausen genannt KlüplDie Burg Elkerhausen, auch Schloss Elkerhausen genannt, ist eine Wasserburg im „Weinbachtal“ am „Weinbach“ im Ortsteil Elkerhausen der Gemeinde Weinbach im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen. Sie war die Stammburg des Rittergeschlechtes von Elkerhausen, das 1191 erstmals urkundlich erwähnt, 1725 ausstarb. Wegen Bamberg, H. Cornelius Gobelius, L.Sedisvakanz in Bamberg (Melchior Otto Voit von Salzburg 1642–1653; Philipp Valentin Voit von Rieneck 1653–1672). Cornelius Göbel ist nicht zu verwechseln mit dem Sohn seines Bruders Hubert und der Maria Külwer aus Eller, Cornelius Gobelius (1611–1654), Geheimer Rat und Domsyndikus in Bamberg, Gesandter beim Westfälischen Frieden. Wegen Würtzburg, H. Wilhelm Sebastian MehlJohann Philipp von Schönborn, Erzbischof von Mainz 1647–1673, Bischof von Würzburg 1642–1673, vertreten durch W. S. M., kurmainzischer Gesandter beim Reichstag des Heiligen Römischen Reichs zu Regensburg. Wegen des Stifts Straßburg, H. Johann von GiffenJohannes von Giffen; Consiliarius des Erzherzogs Leopold Wilhelm von Österreich (Bischof von Straßburg 1626–1662), Iudex provincialis im Bistum Passau, Praefectus von Schirmeck, Gesandter des Deutschen Ordens, der Bistümer Straßburg, Halberstadt und Passau sowie des Landgrafen im Elsass beim Friedenskongress 1648. Wegen Costantz, H. Leonhard PappusLeonhard Pappus von Tratzberg (1607–1677), Konstanzer Domdekan und Augsburger Kanonikus, zum kaiserlichen Residenten am päpstlichen Hof ernannt, Generalvikar der Reichsarmee, Vogteiamtsverwalter der Herrschaft Feldkirch. Wegen Hildesheimb, H. Johann Godtfried von HördeHoerde (auch Hörde) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das dem Uradel Westfalens entstammt und nicht mit dem gleichnamigen thüringischen Geschlecht verwandt ist. Der Stammsitz Hörder Burg, gelegen in Hörde, im kurkölnischen Sauerland wurde 1198 erstmals erwähnt. Teile der Familie lebten später in den Hochstiften Hildesheim, Paderborn und Münster. In den 1640er Jahren waren die Domkapitularen Johann Gottfried und Georg von Hörde Eigentümer von Haus Eringerfeld (Geseke, Kreis Soest), sie setzten ihren Neffen Friedrich Ferdinand von Hörde zu ihrem Erben ein. Wegen Freysing, H. Johann Georg Freyh. von PuchJohann Georg Pucher von Meggenhausen (* 6. Januar 1602; † 1664 oder nach 1680; auch Johann Georg Pucher oder Puecher) war ein kaiserlicher Hofbeamter in Wien. Er diente den drei Kaisern Ferdinand II., Sohn Ferdinand III. und Enkel Leopold I.