mini|links|Staatsgalerie Stuttgart: Wildensteiner Altar (ca. 1536), Gottfried Werner von Zimmern, linker Drehflügel innen. Er ist in Riefelharnisch dargestellt. Das Wappen ist noch freiherrlich ungeviert und ohne Helmzier, die Inschrift aber übermalt und Gottfried Werner als Graf bezeichnet. Die Erhebung in den Grafenstand erfolgte 1538 mini|Gräfin Apollonia von Henneberg mit Wappen, ca. 1536: Wildensteiner Altar, rechter Drehflügel innen, Meister von Meßkirch
Gottfried Werner Graf von Zimmern (* 13. Januar 1484 in Meßkirch; † 2. April 1554 im Schloss Meßkirch) war ein Familienmitglied der Freiherren von Zimmern. Die Familie wurde zu seinen Lebzeiten, 1538, in den Grafenstand erhoben. Von den drei überlebenden Söhnen des während der Werdenbergfehde verstorbenen Johannes Werner d. Älteren (1454–1495) war er derjenige, der am aktivsten für den weiteren Ausbau der Herrschaft und den dynastischen Fortbestand der Linie eintrat. Er begann den Ausbau Meßkirchs zu einem repräsentativen kleinen Residenzstädtchen, er baute die dortige Sankt-Martins-Kirche im spätgotischen Stil um und stattete diese mit einem reichhaltigen Altarschmuck aus, der vornehmlich vom sogenannten Meister von Meßkirch gestaltet wurde. Der Ausbau der Burg Wildenstein zu einer frühneuzeitlichen Festung, wie sie noch unversehrt erhalten ist, erfolgte durch ihn. Da ihm keine eigenen (legitimen) Söhne beschieden waren, kümmerte er sich intensiv um seinen Neffen Froben Christoph, ermöglichte diesem, auch gegen die Widerstände seines Vaters, eine umfassende humanistische Ausbildung in Deutschland, Flandern und Frankreich und setzte ihn zu seinem Erben ein.
Lebensdaten Jugend und Erziehung
Da sich sein Vater infolge der Werdenbergfehde auf der Flucht befand, wurde er von der Mutter allein, teilweise auch vom Onkel in Seedorf erzogen. Nachdem die Mutter ab 1488 dem Vater nach Weesen am Walensee in die Eidgenossenschaft gefolgt war, wurde er von seinen älteren Schwestern am Stift des Zürcher Fraumünsters erzogen. Die Zimmerische Chronik berichtet, er habe dort Hunger leiden müssen und dass er, kaum acht oder neun Jahre alt, ausriss und sich einem gegen Mailand ziehenden Reisläufertross anschloss. Erst in Chur konnte er eingeholt und zurückgebracht werden.
Er wurde dann zur Erziehung an verschiedene süddeutsche Höfe geschickt, zunächst (circa 1500) zu Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut, wo er als Page bei dessen Gattin Hedwig diente und vom Ritter Johannes Ebron erzogen wurde. Dort blieb er drei Jahre, bis er, wie die Chronik berichtet, zu alt fürs Frauengemach wurde.
Seine nächste Station (circa 1503) war Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Dieser schickte ihn als Begleitung seines Sohnes Georg an den Hof Landgraf Wilhelms von Hessen, wo er zwei Jahre verbrachte.
1503 nahm er mit mehreren süddeutschen Adeligen, vornehmlich mit Andreas von Sonnenberg, am Kriegszug Kaiser Maximilians I. gegen Herzog Karl von Geldern teil. Der Zug kam aber nur bis Köln, da sich Karl in Brüssel dem Kaiser unterwarf und der Kriegszug abgeblasen wurde.
Dazwischen verbrachte er die Zeit in Oberndorf am Neckar bei der Mutter, in späteren Jahren auch bei seinem Onkel Gottfried auf Burg Wildenstein, zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm Werner.
Zum Zeitpunkt der Rückeroberung Meßkirchs 1503 durch seinen älteren Bruder Johannes Werner von Zimmern der Jüngere befand er sich am Hof Markgraf Christophs in Baden.
Er setzte seine Lehrzeit anschließend am Hof Ulrichs von Württemberg fort. Dieser führte damals einen der prunkvollsten Höfe im süddeutschen Raum. Gottfried Werner zeichnete sich dort als schneidiger, attraktiver Jüngling aus, der sich besonders bei vielen Turnieren einen Namen machte. Er nahm an verschiedenen Kriegszügen Herzog Ulrichs teil, so 1503, im Landshuter Erbfolgekrieg gegen Pfalzgraf Philipp (derselbe Pfalzgraf Philipp, der seinen älteren Brüdern bei der Rückeroberung der zimmerischen Besitzungen geholfen hatte).
1508 zog er mit Herzog Ulrich in den Krieg gegen Venedig, den Ludwig XII. und Kaiser Maximilian I., verbündet in der Liga von Cambrai, führten. Noch 1513, bereits nach seiner Eheschließung, zog er mit Herzog Ulrich gegen Ludwig XII. von Frankreich und nahm an der Belagerung Dijons teil. Kaiser Maximilian I. hatte sich diesmal mit den Eidgenossen verbündet und Herzog Ulrich befehligte das kaiserliche Heer. Die Belagerung war erfolglos und das Heer zog wieder ab.
Die Zimmerische Chronik unterstellt, Kaiser Maximilian I. habe Ulrich bewusst in eine Falle gelockt, mit der Hoffnung, Ulrich würde in diesem Kriegszug umkommen. Ulrich war zu diesem Zeitpunkt noch ohne Erben und Württemberg wäre als Lehen wieder an Habsburg zurückgefallen.
Zimmersche Erbteilung von 1508
Nach dem Tod des Onkels Gottfried am 10. Mai 1508 erfolgte die Erbteilung unter den drei Brüdern. Während der jüngste Bruder Wilhelm Werner von Zimmern Erbverzicht leistete und dafür mit Unterstützung seiner Brüder mit einer Pfründe als Chorherr versehen wurde, teilten die beiden älteren Brüder Herrschafts- und Besitzrechte untereinander auf. Gottfried Werner erhielt die, von den Zimmern so bezeichnete, Herrschaft vor Waldt, also das ursprüngliche Herrschaftsgebiet um Seedorf, sowie die Besitzungen in Hilzingen und auf der Höri. Der Erlös der Weinberge in Überlingen und in Hilzingen wurde zwischen den beiden älteren Brüdern geteilt.
Bezüglich des Wildensteins wurde vereinbart, dass sie beide die Verwaltung in alternierenden Jahren innehaben und in diesen Jahren die Erlöse aus den dazugehörigen Äckern und Wiesen ziehen sollten, aber auch für den Unterhalt aufzukommen hatten.
Herrenzimmern, das zu diesem Zeitpunkt im Besitz des Heinrich von Zimmern war, wurde ebenfalls nicht geteilt. Bei Heinrich von Zimmern handelt es sich um ihren Cousin, den illegitimen Sohn Gottfrieds, der aber von Kaiser Maximilian I. für ehelich und adelig erklärt worden war.
Die Schulden, die in der Zeit der Verbannung aufgelaufen waren, wurden ebenfalls geteilt, 335 Gulden für Johannes Werner und 475 Gulden für Gottfried Werner. Beide Brüder erteilten sich gegenseitig das Vorkaufsrecht.
Hochzeit mit Apollonia von Henneberg mini|zentriert|800px|Gottfried Werner und Apollonia von Henneberg, Federzeichnung Wilhelm Werners von Zimmer aus dem Donaueschinger Codex 593a mini|links|Anna Gräfin von Zimmern Gattin von Jos Niklas II. Graf von Zollern, Tochter Gotfried Werners und Apollonias mini|Barbara Gräfin von Zimmern, die blinde Tochter Gottfried Werners, lebte als Nonne in Inzigkofen
Nachdem Gottfried Werner auch mit Territorialbesitz ausgestattet war, wurde er zu einem attraktiven Heiratskandidaten. In der Zimmerischen ChronikZimmerische Chronik, Band 2, Seite 402 ff. gleicht sein Brautwerben und die Hochzeit einem Ritterroman: Werben im Rahmen eines Fürstenhofes, Ritterspiele, Widerstände des Brautvaters, eine abenteuerliche Brautentführung, Hochzeit, späte Versöhnung mit dem Brautvater.
Bei der Braut handelte es sich um Apollonia von Henneberg, einer nahen Verwandten des Reichskanzlers Berthold von Henneberg. Diese weilte zur Erziehung zusammen mit Elisabeth, der Tochter Markgraf Friedrichs von Brandenburg-Ansbach bei ihrer Tante, der Herzogin von Württemberg, an deren Witwensitz zu Nürtingen.
Belegt sind die Treffen in Nürtingen auch in der württembergischen GeschichtsschreibungSteinhofer, Johann Ulrich: Neue Wirtembergische Chronik. Stuttgart/Tübingen, 1755, S. 3/960 zitiert nach Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege; Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig, S. 470, denn Herzog Ulrich freite zur selben Zeit, entgegen der Verlobungsabrede mit Sabina von Bayern, das andere Fräulein.
Mit der Unterstützung des Herzogs hinderte er mit Waffengewalt die Abgesandten von Apollonias Vater, sie nach Hause zu holen. Es gelang ihm, seinen Bruder Johannes Werner mit dem Argument, die höhergeborene Apollonia bedürfe einer standesgemäßeren Residenz, zu überzeugen, dass dieser mit ihm die Herrschaften tauschte. 1511, im selben Jahr wie Herzog Ulrichs Vermählung mit Sabina von Bayern, fand die Hochzeit in Meßkirch statt.
Erst 1521 wurde der Streit mit dem Schwiegervater beigelegt. Auf Vermittlung des Bischofs von Straßburg zahlte Hermann von Henneberg eine Mitgift von 4000 Gulden.
Am Mittwoch nach Johannes Sonnwenden (28. Juni) 1513 wurde seine Tochter Anna geboren. Diese heiratete 1531 Jobst Nikolaus von Zollern. Am 30. Dezember 1519 wurde ihm eine zweite Tochter, Barbara, geboren. Diese erblindete an den Kindsblattern und kam im Alter von zehn Jahren ins Kloster Inzigkofen.
Gottfried Werner als Verwalter seines Besitzes
Gottfried Werner entwickelte zu diesem Zeitpunkt zukunftweisende, optimistische dynastische Pläne. Er plante gar die Gründung einer neuen Stadt auf dem Plateau vor der Burg Wildenstein. Als männliche Erben ausblieben, litt zum einen seine so romantisch begonnene Ehe darunter, zum anderen verlegte er seine Aktivitäten auf den Burgenbau.
1516 erwarb Gottfried Werner das Schloss Falkenstein mit Kreenheinstetten, Reinstetten (abgegangener Ort zwischen Kreenheinstetten und Langenhart) und Weiler (seit sein Nachfahre Graf Wilhelm von Zimmern 1575 dort ein Wildgehege angelegt hatte, Thiergarten genannt), sowie die Mühle zu Neidingen um 4880 Gulden von Wolf von Bubenhofen. Er baute das Schloss aus. Einen hohen Turm über der Burgkapelle, der zwar eine Sicht bis Mengen ermöglichte, bei starkem Wind aber gefährlich schwankte, ließ er abbrechen.
Noch 1537, als sein jüngerer Bruder Wilhelm Werner an das Reichskammergericht in Speyer berufen wurde, bot er diesem an, die Burg Herrenzimmern auf eigene Faust umbauen zu lassen. Ein Unterfangen, welches aber fallengelassen wurde, weil die Umbaupläne seinem Bruder, ja selbst seinem Neffen Froben Christoph zu modern erschienen. Besonders seine Vorliebe, den Fels bis an die Mauern heran abzuschlagen, löste die Furcht aus, dass durch Erosion des tragenden Gesteins die Burgen einstürzen könnten, was sich, zumindest für den Wildenstein, nicht bewahrheitet hat.
Aber auch anderweitig baute Gottfried Werner seine Herrschaft aus. Engelswies (heute Gemeinde Inzigkofen) und Oberstetten (heute Gemeinde Hohenstein), zwei Ortschaften, die in der Vergangenheit durch Krieg und Pest zu Wüstungen geworden waren, wurden wieder aufgerichtet, indem die dortigen Kirchen und Kapellen wiederhergestellt und Wallfahrten dorthin unterstützt wurden, was für entsprechende Einnahmen sorgte.
Der Wildenstein wurde Zufluchtsort für Gottfried Werner und seine Familie bei Pestepidemien, so 1519, oder während des Bauernkriegs 1525. Im Gegensatz zu den Bauern seines Bruders Johannes Werner verhielten sich die Bauern der Herrschaft Meßkirch während des Bauernkrieges relativ loyal.
1525 verkaufte Gottfried Werner den Falkenstein an seinen Bruder Johannes Werner, wobei die dazugehörigen Ortschaften um nur 400 Gulden an Sixt von Hausen verkauft wurden.
mini|Allianzwappen Zimmern-Henneberg aus der Zimmerischen Chronik, Handschrift B
Gottfried Werner baute derweil die Stiftkirche Sankt Martin in Meßkirch weiter aus. 1526 ließ er den alten Bau abreißen. Hierbei fanden sich Fundamente von Vorgängerbauten, die über das damalige Ausmaß der Kirche hinausgingen. Neben einem Fund an Silbermünzen erwähnt die Zimmerische Chronik auch Markasit, welches zur Feuerbereitung genutzt wurde, das aber dort direkt abgefackelt worden war. Baumeister der neuen Kirche war Lorenz von Speyer, der zuvor am Münster in Konstanz tätig war.
1526 einigten sich die Brüder Johannes Werner und Gottfried Werner im Falle des Ausbleibens eines männlichen Erben, ihre Besitzungen an den anderen Bruder übergehen zu lassen.