mini|Rastatt: Kapelle, Wasserturm und Pagodenburg Rastatt [] ist eine Mittelstadt in Baden-Württemberg, etwa 22 Kilometer südwestlich von Karlsruhe und etwa zwölf Kilometer nördlich von Baden-Baden. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Rastatt und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. April 1956 ist Rastatt eine Große Kreisstadt.
Rastatt wurde im 18. Jahrhundert zur barocken Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Baden ausgebaut, war im 19. Jahrhundert eine Bundesfestung und bis ins ausgehende 20. Jahrhundert Garnisonsstadt. Seit 1992 ist Rastatt Standort eines PKW-Werks von Mercedes-Benz.
Geografie Lage und Topografie mini|Luftbild des Rastatter Stadtzentrums mit dem Schloss mini|Das Stadtzentrum, im Hintergrund der Schwarzwald Rastatt liegt in der 30 Kilometer breiten Oberrheinischen Tiefebene, die im Osten vom Schwarzwald und im Westen von den französischen Vogesen begrenzt wird. Der höchste Punkt im Stadtgebiet liegt bei 130,0 m, der tiefste Punkt . Im Westen bildet der Rhein die Stadtgrenze sowie die Grenze zu Frankreich (Elsass, Region Grand Est). Die Murg fließt von Südosten nach Nordwesten durch das Stadtgebiet und mündet an dessen nördlichstem Punkt in den Rhein. Die dortige Rheinniederung reicht besonders nah an den Schwarzwald heran. Daher treffen die beiden an den Rändern der besiedelten Niederterrasse verlaufenden historischen Fernstraßen (heute B 3 und B 36) in Rastatt aufeinander.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rastatt. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt: Steinmauern, Ötigheim, Muggensturm, Bischweier und Kuppenheim (alle Landkreis Rastatt), Baden-Baden (Stadtkreis), Iffezheim (Landkreis Rastatt) sowie jenseits des Rheins, im elsässischen Département Bas-Rhin, die Gemeinden Munchhausen, Beinheim und Seltz.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Rastatts besteht aus der Kernstadt und den Ortsteilen Niederbühl, Ottersdorf, Plittersdorf, Rauental und Wintersdorf, die erst im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingemeindet wurden. Die westlichen, rheinnahen Stadtteile Ottersdorf, Plittersdorf und Wintersdorf bilden das sogenannte Ried. Die Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg. In jeder Ortschaft gibt es einen von der Bevölkerung bei jeder Kommunalwahl zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die Stadtteile und die Kernstadt bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Rastatt (PDF, 40 kB)
Zum Stadtteil Niederbühl gehören die Dörfer Niederbühl und Förch, Schloss Favorite, das Gehöft Murgerstal und die Häuser An der Rauentaler Straße und Kolonie Grenzstraße. Zu den Stadtteilen Ottersdorf, Rauental und Wintersdorf gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Plittersdorf gehören das Dorf Plittersdorf, die Häuser Rheinwärterhaus und Im Binsenfeld. Zur Kernstadt Rastatt gehören die Stadt Rastatt, der Ort Rheinau, das Gehöft Versuchs- und Lehrgut und das Haus Fohlenweide. Im Stadtteil Niederbühl liegen der abgegangene Hof Krienbach, im Stadtteil Ottersdorf die Wüstung Muffenheim, in der Kernstadt Rastatt die Wüstungen Bodemshusen und Breitenholz und im Stadtteil Wintersdorf die Wüstung Dunhausen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 175–179
Die Kernstadt wird weiter unterteilt in die Stadtviertel Mitte, Zay, Nord (mit Röttererberg und Biblis), Industrie, Süd („Siedlung“), Münchfeld, West und Rheinau.
mini|hochkant|Der Wasserturm gilt als eines der Wahrzeichen von Rastatt Raumplanung Rastatt bildet ein Mittelzentrum innerhalb des Verbands Region Karlsruhe, in der die Stadt Karlsruhe als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Rastatt gehören neben der Stadt Rastatt noch die Städte und Gemeinden Au am Rhein, Bietigheim, Bischweier, Durmersheim, Elchesheim-Illingen, Iffezheim, Kuppenheim, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern des Landkreises Rastatt. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit dem Nord-Elsass, unter anderem auf touristischer, kultureller und raumplanerischer Ebene über die „Pamina“-Organisation (Regio Pamina).
Mit den Gemeinden Iffezheim, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern ist die Stadt Rastatt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Rastatt wurde um 1084 als Rasteten in einer Handschrift des Klosters Hirsau erstmals urkundlich erwähnt. Am 16. Oktober 1404 wurde der Ort von König Ruprecht zum Marktflecken erhoben. Ab 1500 lag die Stadt als Teil Badens im Schwäbischen Reichskreis.
Am 24. August 1689 wurde Rastatt im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen niedergebrannt und dadurch fast vollständig vernichtet. Mit dem Wiederaufbau der Siedlung entstand ab 1697 ein Jagdschloss des Markgrafen Ludwig Wilhelm, der 1699 den Umbau des Jagdschlosses in eine Residenz, das Schloss Rastatt, anordnete. Um 1700 erhielt Rastatt dann die Stadtrechte.
mini|Die Gartenfassade von Schloss Rastatt mini|Gedenkstein an den Rastatter Gesandtenmord Im Spanischen Erbfolgekrieg ließ Marschall Villars 1707 die Residenzstadt besetzen und ihre Festungswerke schleifenHeinz Musall und Arnold Scheuerbrand: Siedlungszerstörungen und Festungswerke im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert (1674-1714) in: HISTORISCHER ATLAS VON BADEN-WÜRTTEMBERG 6,12 S. 17. Im Rastatter Frieden wurde 1714 der Spanische Erbfolgekrieg beendet. Aus Dank für den Frieden ließ die Markgräfin Franziska Sibylla Augusta 1715 von ihrem Hofbaumeister Johann Michael Ludwig Rohrer einen Nachbau der Einsiedelner Kapelle von Einsiedeln in Rastatt errichten.
Die Schlossanlage Rastatt wurde weiter ausgebaut und blieb bis 1771 Residenzschloss der Markgrafschaft Baden-Baden. Dann fiel das Territorium durch Erbschaft an die Markgrafschaft Baden-Durlach. Rastatt war nun also keine Residenzstadt mehr, doch blieb es lange Zeit noch eine badische Garnisonsstadt. Frühe Industrialisierungsversuche scheiterten. Beinahe wäre Rastatt 1776 Universitätsstadt geworden, doch aus Geldmangel wurden die Pläne für eine Rastatter Universität verworfen.
1797 bis 1799 tagte in Rastatt der Rastatter Kongress, der die Ausführung der Beschlüsse des Friedens von Campo Formio bringen sollte. Es ging dabei um die Beilegung des Konflikts zwischen der französischen Republik, vertreten durch Napoléon Bonaparte, und dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. in seiner Eigenschaft als Landesherr der habsburgischen Erblande. Während des Rastatter Kongresses gab es insgesamt 97 Tagungen zwischen Frankreich und Preußen unter Beteiligung von Österreich. Der Rastatter Gesandtenmord in den Nachtstunden des 29. April 1799 beendete die Friedensbemühungen zwischen Frankreich und Österreich.
19. Jahrhundert Rastatt war auch nach dem Übergang an Baden-Durlach Sitz eines Amtes bzw. Oberamtes/Bezirksamtes, das zum Murgkreis gehörte, dessen Sitz sich ebenfalls in Rastatt befand. Ab 1832 gehörte das Bezirksamt Rastatt zum Mittelrheinkreis, dessen Sitz sich bis 1847 ebenfalls in Rastatt befand.
Am 11. Mai 1849 leitete der Aufstand in der Bundesfestung Rastatt den dritten Aufstand der Badischen Revolution ein, der am 23. Juli 1849 mit der Kapitulation der Revolutionäre in der Festung endete.
1863 kam das Bezirksamt Rastatt zum Kreis Baden-Baden, der erst 1939 aufgelöst wurde. Seither ist Rastatt Sitz des damals gegründeten gleichnamigen Landkreises, der bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 seine heutige Ausdehnung erreichte.
20. Jahrhundert Seit langem waren jüdische Familien in der Stadt ansässig, die sich am Leopoldring 2 die zweite Synagoge errichteten. Dieses Gotteshaus der jüdischen Gemeinde wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern geschändet und niedergebrannt. Am erhalten gebliebenen Rabbinatsgebäude nebenan erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen. Seit 1972 wird mit einem Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof an der Karlsruher Straße/Ecke Gerwigstraße der mindestens 52 in der Shoa ermordeten jüdischen Frauen, Kinder und Männer gedacht.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, S. 70, ISBN 3-89331-208-0
Im heutigen Stadtteil Niederbühl befand sich von 1942 bis Herbst 1943 und erneut von Frühjahr 1944 bis April 1945 ein Arbeitserziehungslager der Geheimen Staatspolizei. Diese Art von Lager dienten in erster Linie der Disziplinierung und Umerziehung von Andersdenkenden, politischen Gegnern, Langzeit-Arbeitslosen und ausländischen Zwangsarbeitern.
Im November 1944 beging im heutigen Rastatter Stadtteil Plittersdorf ein Kommando der Gestapo ein Massaker an Mitgliedern der französischen Widerstandsgruppe Réseau Alliance. Der damalige SS-Sturmbannführer und Gestapo-Chef von Straßburg Helmut Schlierbach gab den Befehl, alle in der Region inhaftierten Mitglieder der Réseau Alliance hinzurichten. Die planmäßige Ausführung dieses Mordbefehls wurde später als „Schwarzwälder Blutwoche“ bezeichnet. Zu den Haupttätern gehörten unter anderem Julius Gehrum und Karl Buck, die allein in Plittersdorf gemeinsam mit mindestens zwei weiteren Tätern zwölf Männer erschossen. Bei den Opfern handelte es sich um René Trébouté, Robert Frumin, Jean Sabatier, Jean Ethevenard, Charles Fredin, Maurice Rivet, André Chanson, Daniel Bourgey, André Rérolle, Léon Mury, Étienne Pelletier und Jean Perrache.
Bei einem alliierten Luftangriff am 7. Januar 1945 auf den Rastatter Bahnhof und seine Umgebung wurden gut 250 Tonnen Bomben abgeworfen. Da die Sprengsätze aus großer Höhe über den Wolken abgeworfen wurden, fielen rund zwei Drittel der Bomben auf freies Gelände am Röttererberg. Dennoch kam es zu erheblichen Schäden am Bahnhof und in der Bahnhof-, Post- und Bismarckstraße, die fast völlig zerstört wurden. Es wird geschätzt, dass durch Kriegsschäden rund 30 Prozent der Bausubstanz Rastatts beschädigt wurden.
Insgesamt wurde Rastatt im Zweiten Weltkrieg zu 9,1 % zerstört. Mindestens 51 Zivilisten kamen durch Luftangriffe und Geschützbeschuss ums Leben.Heinz Badura, Kriegsschäden in Baden-Württemberg 1939–1945, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg 1939–1945, VII, 11, Erläuterungen, S. 19
Digital: https://www.leo-bw.de/media/kgl_atlas/current/delivered/pdf/HABW_7_11.pdf
mini|Poststraße in Rastatt Zwischen 1946 und 1954 fanden vor dem Tribunal Général der französischen Militärverwaltung auf der Grundlage des Kontrollratsgesetzes Nr. 10 etwa zwanzig große Strafverfahren (die sog. Rastatter Prozesse) wegen Verbrechen an Fremdarbeitern und Gefangenen in kleineren Lagern des nationalsozialistischen Lagersystems in Südwestdeutschland statt, mit zusammen mehr als 2000 Angeklagten.
In der Nachkriegszeit bestand mit dem Durchgangslager Rastatt ein großes Lager für Flüchtlinge aus dem sowjetischen Herrschaftsbereich und Displaced Persons, vorwiegend aus Osteuropa, das als Provisorium geplant war, aber bis 1957 bestand.
Die Einwohnerzahl der Stadt Rastatt überschritt 1953 die 20.000-Grenze. Als Folge wurde Rastatt bereits mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 zur Großen Kreisstadt erklärt.
Eingemeindungen Folgende Gemeinden wurden nach Rastatt eingegliedert: 30px|class=noviewer|Ottersdorf 1. Dezember 1971: Ottersdorf
30px|class=noviewer|Plittersdorf 1. April 1972: Plittersdorf
30px|class=noviewer|Niederbühl 1. Mai 1972: Niederbühl
30px|class=noviewer|Rauental 1. Mai 1972: Rauental
30px|class=noviewer|Wintersdorf 31. März 1974: Wintersdorf
Einwohnerentwicklung
mini|Bevölkerungspyramide für die Stadt Rastatt (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Rastatt, Alter + Geschlecht)