Lavamünd ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wolfsberg in Österreich, im Bundesland Kärnten.
Geographie Lavamünd liegt im Südosten von Kärnten auf einer Landzunge an der Mündung der Lavant in die Drau, die gleichzeitig die südliche Gemeindegrenze bildet. Der Ort liegt 348 Meter über dem Meer, womit Lavamünd der tiefste Punkt Kärntens ist. Im Nordosten steigt das Gemeindegebiet auf über 1400 Meter an.
Um Lavamünd vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu schützen, wurde am 16. Oktober 2018 mit dem Bau einer 1,5 km langen Schutzmauer begonnen, es werden auch zwei Brücken über die Lavant neu gebaut, damit soll es keine Verklausungen mehr geben. Bis 2023 soll der Hochwasserschutz fertiggestellt sein.Millionen für Hochwasserschutz auf ORF Kärnten vom 16. Oktober 2018, abgerufen am 17. Oktober 2018
Gemeindegliederung Lavamünd ist in zehn Katastralgemeinden gegliedert, slowenische Namen sind trotz des hier sehr geringen Sprachanteils in Klammern angegeben (siehe dazu auch Kärntner Slowenen):
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 20 Ortschaften (in Klammern die Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Blick über den Marktplatz
Auf dem Rabenstein konnte für die mittlere Eisenzeit, von ca. 800–300 vuZ, eine Siedlung nachgewiesen werden.
Die Elbitzen, ein Gelände östlich der Lavantmündung in die Drau, war während der Römerzeit besiedelt, wie Funde von Gräbern und Münzen zeigen. Ein Grabmal eines römischen Steingrabs, das heute vor dem Gasthaus zum Adler steht, zeugt von dieser Zeit.
Im Jahr 1091 schenkte Graf Engelbert von Spanheim dem von ihm gegründeten Kloster St. Paul einen Stadelhof zu Lavamünd. Am Fuß des Schlosses entwickelte sich bis zum 14. Jahrhundert ein Straßenmarkt, der durch seine Lage am Zusammentreffen von Lavant und Drau Bedeutung erlangte. Die Gründung des Marktes Lavamünd wird für 1240 vermutet, die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1334. 1461 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Markt die Blutgerichtsbarkeit.
Die Ortschaft war mehrmals von Hochwassern der Drau betroffen, 1851 wurde sogar der Hauptplatz überflutet.
Die 1850 gegründete Gemeinde wurde 1921 um die nicht an Jugoslawien gefallenen Teile der Gemeinde Kienberg (Katastralgemeinden Lorenzenberg und Rabenstein) sowie 1958 bzw. 1973 um Teile der aufgelösten Gemeinden Legerbuch und Ettendorf erweitert.
Durch den Bau der Lavanttalbahn 1878 wurde Lavamünd durch die Eisenbahn erschlossen. 1879 fuhr der erste Zug von Wolfsberg nach Unterdrauburg (dem heutigen Dravograd) über Lavamünd. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der Bahnknoten Unterdrauburg an den damaligen SHS-Staat. Der Korridorverkehr wurde bis 1965 betrieben. Durch den Bau der Jauntalbahn wurde wieder eine inländische Verbindung von Wolfsberg nach Klagenfurt geschaffen, jedoch zweigt die Jauntalbahn bei St. Paul im Lavanttal von der Lavanttalbahn ab. Somit lag Lavamünd an einer nicht mehr genutzten Strecke nach Jugoslawien. Der Abschnitt Lavamünd – Unterdrauburg wurde nach Eröffnung der Jauntalbahn abgetragen.
Zumindest bis ins 19. Jahrhundert verlief die Sprachgrenze bei Lavamünd.Michael Wedekind: Nationalsozialistische Besatzungs und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2003, S. 18. Mit den Dravograder Ortsteilen Libeliče und Gorče ist dies auch heute der Fall, nicht zu vergessen den slowenischen Sprachanteil von 12 % in der österreichischen Nachbargemeinde Neuhaus.
Nach dem Ersten Weltkrieg marschierten am 3. Dezember 1918 über Unterdrauburg kommend jugoslawische Truppen in Lavamünd und St. Paul ein und drohten weiter ins Lavanttal einzudringen. Im Zuge des Kärntner Abwehrkampfs konnte Lavamünd allerdings noch vor Jahresende wieder befreit werden. Es folgte ein Waffenstillstand, der am 29. April 1919 durch eine erneute jugoslawische Offensive gebrochen wurde. Dadurch war Lavamünd bis zur Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 wieder jugoslawisch besetzt. Bei der Volksabstimmung verlief die Demarkationslinie unmittelbar durch das Gemeindegebiet. Bei der Abstimmung stimmten in der Gemeinde Lavamünd 92,9 % für Österreich. Da dies das für Österreich zweitbeste Ergebnis darstellte, wurde 1959 das Motiv des Gemeindewappens von einer Schüssel mit Johannishaupt zu einer stilisierten Wahlurne geändert.
Bevölkerungsentwicklung
Lavamünd hatte von 1991 bis 2001 eine positive Geburtenbilanz (+121), aber eine negative Wanderungsbilanz (−391). In den folgenden 10 Jahren gab es bereits 24 Todesfälle mehr als Geburten und es zogen um 400 mehr Personen von der Gemeinde weg als zuwanderten.
Die Marktgemeinde Lavamünd hatte zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 3.548 Einwohner, davon waren 97,9 % österreichische Staatsbürger. Als Umgangssprache gaben 98,2 % Deutsch, 0,3 % Slowenisch und 0,7 % Kroatisch an. 96,8 % bekannten sich zur römisch-katholischen Kirche, 0,5 % zur evangelischen Kirche und 0,4 % zum Islam. 1,7 % der Bevölkerung war ohne religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Lavamünd mini|hochkant|Pfarrkirche Ettendorf mini|hochkant|Pfarrkirche Lorenzenberg ob Lavamünd
Katholische Pfarrkirche Lavamünd Maria Himmelfahrt Katholische Marktkirche Lavamünd hl. Johannes der Täufer Kalvarienbergkirche Lavamünd Katholische Pfarrkirche Ettendorf hl. Markus Katholische Pfarrkirche Lorenzenberg ob Lavamünd hl. Laurentius
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Betriebsanzahl und der Beschäftigten in den Wirtschaftssektoren: WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige20212011 200120212011 2001Land- und Forstwirtschaft 1)116205 252132120 105Produktion4038 35170192 222Dienstleistung16088 85401297 349 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Energie In Lavamünd liegen wesentliche Teile des Kraftwerks Lavamünd (einem Laufkraftwerk an der Drau), sowie des Kraftwerks Koralpe, eines Pumpspeicherkraftwerks. Bei Sanierungsarbeiten im Stauraum des Kraftwerks Lavamünd wurde in den 1970er Jahren der Naturbadesee Lavamünd künstlich angelegt.
Verkehr Straße: In der Gemeinde kreuzt sich die B80, die als Nebenzweig der Gastarbeiterroute galt, mit der B69, die über die Soboth führt. Bahn: Die Gemeinde verfügt über keinen Bahnanschluss. Die Gleise der ehemaligen Lavanttalbahn wurden abgebaut. Wanderwege: Lavamünd ist Anfangs- und Endpunkt des Lavanttaler Höhenwegs. Durch Lavamünd verläuft der Südalpenweg, ein österreichischer Weitwanderweg. Weiters mündet hier der Jakobsweg Weststeiermark in den Südösterreichischen Jakobsweg, welcher dem Verlauf der Drau folgt.
Politik mini|Gemeindeamt Lavamünd Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.
Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1997: SPÖ 12, ÖVP 6, FPÖ 5. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2003: SPÖ 11, ÖVP 8, FPÖ 3, parteilos 1.(23 Mitglieder). Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2009: SPÖ 10, ÖVP 8, BZÖ 5. (23 Mitglieder) Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015: SPÖ 12, ÖVP 8, FPÖ 3. (23 Mitglieder) Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2021: Liste Wolfgang Gallant (LWG) 7, SPÖ 7, ÖVP 4, FPÖ 1.
Bürgermeister
1999–2013 Herbert Hantinger (ÖVP) 2013–2021 Josef Ruthardt (SPÖ) seit 2021 Wolfgang Gallant (LWG).
Wappen Der Markt Lavamünd führte seit dem 17. Jahrhundert ein Marktwappen, das als Motiv die sogenannte „Johannesschüssel“, d. h. das abgeschlagene Haupt des Johannes auf einer Schüssel, zeigte. Nachdem die drastische Darstellung von der Gemeinde nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurde, fasste man 1959 den Beschluss für ein neues Gemeindewappen. Man entschloss sich für eine stilisierte Darstellung der Volksabstimmung von 1920: Eine Wahlurne in verwechselten Farben mit einem grünen Stimmzettel (als Bekenntnis für Österreich, der Stimmzettel für Jugoslawien war weiß) erinnert daran, dass die Gemeinde bei dem Plebiszit mit 96,9 % nach Pustritz (heute Teil der Gemeinde Griffen) das beste Ergebnis für Österreich einbrachte. Im Schildfuß stehen die silbernen Wellenlinien für die Flüsse Lavant und Drau.
Die amtliche Blasonierung des Gemeindewappens lautet: „Ein durch eine silberne Linie geteilter Schild, dessen unteres blaues Feld durch zwei silberne Wellenlinien geteilt ist. In dem oberen, von gold und blau gespaltenen Feld eine auf der Teilungslinie ruhende, aus der Spaltenlinie wachsende Urne in gewechselten Farben, aus der der obere Teil eines schräggestellten grünen Stimmzettels herausragt.“zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 166.
Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 1. März 1963 verliehen. Die Fahne ist Blau-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Herbert Pansi (1920–1988), Politiker der SPÖ, Mitglied des Bundesrates 1963–1964, Abgeordneter zum Nationalrat 1964–1979, Dritter Präsident des Nationalrates 1979 Hubert Urach (* 1945), Musiker und Komponist Anton Pistotnig (* 1949), Musiker und Militärkapellmeister von Niederösterreich (1980–2011) Josef Pachler (* 1950), Boxer Peter Stauber (* 1953), Politiker der SPÖ, Abgeordneter zum Nationalrat (2006–2013), Bürgermeister von St. Andrä im Lavanttal (1997–2020)
Historische Landkarten
Weblinks
Marktgemeinde Lavamünd
Einzelnachweise
Kategorie:Ort an der Drau Kategorie:Koralpe Kategorie:Ersterwähnung 1334