Der Colt Single Action Army (auch bekannt als Peacemaker, Colt Model 1873 (M1873), SAA und Colt .45) ist der erste von der Colt’s Patent Firearms Manufacturing Company hergestellte Patronenrevolver mit geschlossenem Rahmen. Die sechsschüssige Trommel wird wie bei allen Single-Action-Revolvern durch das Spannen des Hahns weitergedreht.
Geschichte Rollin White, ein Angestellter von Colt, ließ einen Lademechanismus für Revolver patentieren. Das Patentmodell hatte eine zylindrisch durchbohrte Trommel. Da Colt kein Interesse zeigte, verkaufte White das ab dem 3. April 1855 für die Dauer von 14 Jahren laufende Patent an Horace Smith und Daniel B. Wesson. Diese brachten bereits 1857 den Smith & Wesson No 1 auf den Markt. Sie vergaben auch eine Lizenz an Remington zur Herstellung von durchbohrten Revolvertrommeln für den Umbau ihrer Perkussionsrevolver. Andere Waffenhersteller, unter ihnen auch Colt, versuchten dieses Patent zu umgehen, jedoch ohne Erfolg. Erst das Veto von US-Präsident Grant gegen die Verlängerung des Patents machte im April 1869 den Weg frei zur Entwicklung moderner Hinterlader-Revolver.
Um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben und um Lagerbestände abzubauen, brachte Colt zuerst auf Hinterladung umgebaute Colt-Perkussionsrevolver auf den Markt, die Colt Conversion Revolver. Gleichzeitig entwickelte die Firma den Colt Open Top genannten Revolver im Kaliber .44 Henry für Armeetests. Da dieser den Spezifikationen der US Army nicht entsprach, wurde der Chefingenieur bei Colt, William Mason beauftragt, einen Revolver mit geschlossenem Rahmen für die damalige Armeepatrone .44 S & W American zu entwickeln.
Die oft gehörte Meinung, Colt habe den geschlossenen Rahmen bei Remington abgeschaut, ist falsch, gab es doch bereits im Jahr 1855 Colt-Revolver mit geschlossenem Rahmen, 1860 auch Versuchsmodelle im Kaliber .44 Rimfire.
mini|hochkant=2|Laufbeschriftung beim Colt Single Action
Im Frühjahr 1872 war der Prototyp des Colt Single Action Army Revolvers fertiggestellt. Auf dem Rahmen trug er die Bezeichnung 44 NM 1872. Im Juni 1872 folgte die Nummer S 1 und im November wurde Nr. S 2 an die verantwortlichen Stellen der US-Armee als erste Testwaffe ausgeliefert, der weitere 36 Waffen aus der frühen Serienfertigung folgten (NM steht für New Model und S für Sample, deutsch: Muster). Diese für Armeetests gefertigten Waffen waren für die damalige Armeepatrone im Kaliber .44 S & W American gefertigt und auf eine Distanz von 50 Yard eingeschossen. Die Läufe hatten sieben Züge mit progressivem Linksdrall. Sie durchliefen alle Armeetests erfolgreich und waren dem Smith & Wesson No 3 überlegen. Da die Leistung der Munition im Kaliber .44 S&W nicht befriedigte, wurde Colt beauftragt, eine stärkere Patrone vorzuschlagen, was zur vom Frankford Arsenal entwickelten .45-Long-Colt-Patrone führte. Die Läufe im entsprechenden Kaliber hatten 6 Züge mit konstantem Linksdrall. Auf Verlangen der Armee wurden die ausgelieferten Waffen auf 25 Yard eingeschossen.
Die Serienproduktion des Colt Single Action Army begann am 1. März 1873 mit der Nummer 1 und endete 1941 mit der Nummer 357.859, wobei die letzten etwa 800 Revolver nach dem Zweiten Weltkrieg ausgeliefert wurden. Die interne Werksbezeichnung der Colt Single Action Revolver war anfangs Strap Pistol, später Model P. Die Laufbeschriftung wurde bis 1875 (ungefähr bis Seriennummer 21.000) in Kursivschrift, nachher in senkrechter Blockschrift aufgerollt.
Da sich die Waffe durch einfache Bedienung und Robustheit auszeichnete, hatte sie bald auch im zivilen Markt Erfolg. Dazu trug im Wilden Westen bei, dass die zivilen Versionen ab 1877 auch die Patronen des Winchester-Gewehrs verschossen. Die Cowboys mussten so für die beiden Waffen nur eine Sorte Patronen mit sich tragen. Der Erfolg des Peacemakers zeigte sich in den Verkaufszahlen, die gesamte Vorkriegsproduktion betrug über 350.000 Stück. 1941 wurde die Produktion eingestellt und 1956 auf vielseitiges Verlangen wiederaufgenommen.
Seine Beliebtheit führte zu Spitznamen wie Peacemaker (Friedensstifter), Equalizer (Gleichmacher) und Widowmaker (Witwenmacher).
Technik Der sechsschüssige Colt Single Action wurde in verschiedenen Ausführungen hergestellt, die in Serie gefertigten Lauflängen waren 4¾, 5½ und 7½ Zoll, andere Lauflängen wurden auf Bestellung hergestellt. Revolver mit kurzem Lauf sind selten, sie wurden Sheriff’s Model oder Storekeeper genannt und hatten keinen Ausstoßer. Bekannt sind Revolver mit 16-Zoll-Lauf und montierbarem Anschlagkolben, die Buntlines. Die meistverkauften Kaliber waren .45 Colt und .44-40 WCF. Andere Kaliber waren: .38-40 WCF, .32-20 WCF, und diverse andere wie .22 lfB, .38 Special, .357 Magnum, .44 Henry und .44 Special sowie englische Kaliber.
Der Schlossmechanismus des Colt Single Action entspricht bis auf Details dem der Perkussionsrevolver mit offenem Rahmen aus vier beweglichen Teilen – dem Hahn (Hammer), der Klinke (Hand), die über den Zahnkranz die Trommel dreht (Cylinder, Ratchet), dem Hebel (Cylinder Locking Bolt), der die Trommel zum Schuss blockiert, und dem Abzug (Trigger). Der Hammer trägt hinten eine Rolle (Hammer Roller) als Kontakt zur Schlagfeder (Mainspring); über einen Nocken betätigt er auch die Klinke. Zwei Federn bringen Klinke, Hebel und Abzug jeweils in die zur Funktion richtige Position. Einziger Unterschied ist die Sicherung. Während die Perkussionsrevolver gesichert wurden, indem der Hahn auf eine Zwischenstellung der Trommel zwischen zwei Patronenlager, resp. Zündkapseln abgesenkt wurde, war beim Hammer des Single Action zusätzlich eine Sicherungsraste angebracht.
Diese Sicherungsraste ist hakenförmig, sie liegt zuoberst. Die mittlere hakenförmige Raste dient zum Laden, da die Trommel in Uhrzeigerrichtung frei rotieren kann. Auch bei der Laderaste ist der Abzug infolge der Hakenform blockiert. Die unterste flache Raste dient zum Auslösen des Schusses.
Da Schwarzpulverwaffen rasch verschmutzen und sich zwischen der Trommelachse und der Trommelbohrung Pulverrückstände festsetzten und die Trommel blockierten, wurde bei den Perkussionsrevolvern eine schraubenförmige Rinne in die Trommelachse gedreht, sie war als Fettdepot gedacht und nahm beim Schießen Pulverrückstände auf.
Beim Colt Single Action Army 1873 wurde zwischen die Trommelachse (Base Pin) und die Zentralbohrung der Trommel eine Büchse (Base Pin Bushing) eingesetzt; so mussten zwei Lager blockiert sein, bevor sich die Trommel nicht mehr drehen ließ. Eine flanschförmige Erweiterung vorne an der Büchse verhinderte zudem das Eindringen von Pulverrückständen in die Lager.
Auch die Klinke, die beim Spannen des Hahns die Trommel dreht, wurde verbessert. Anstatt eines einfachen Nockens hatte sie einen Doppelnocken, der in zwei Zähne des Transportrades der Trommel eingriff.
Alle diese Maßnahmen führten dazu, dass der Colt Single Action Army bei den Tests der Armee wesentlich später als seine Konkurrenten blockierte.
Der Colt Single Action wurde 1872/1873 als Schwarzpulverwaffe entwickelt. Aus Armeedokumenten geht hervor, dass bis 1883 für den Rahmen Schmiedeeisen verwendet worden ist, nachher wurde auf Stahl übergegangen. Die Rohrrahmen und andere Teile wurden im Gesenk geschmiedet, spanabhebend bearbeitet, geschliffen, poliert und auf Fehler und Maßhaltigkeit geprüft.
Bis etwa 1895 wurde die Trommelachse vorne durch eine schräg im Rahmen eingesetzte Schraube festgehalten. Ab 1896 wurde diese Halterung aufgegeben. Sie wurde durch einen quer im Rahmen eingesetzten federbelasteten Bolzen ersetzt, der eingedrückt werden muss, um die Trommelachse freizugeben.
Alle an die US-Armee gelieferten Cavalry Single Actions und der größte Teil der zivilen Peacemaker hatten buntgehärtete Rahmen, die Trommel, der Lauf, die Ausstoßerhülse und der Griffrahmen waren brüniert (gebläut). Serienmäßig wurden viele Revolver auch vernickelt, andere Oberflächenbehandlungen waren selten.
Die einteiligen Walnussholz-Griffstücke für Armeewaffen waren geölt, bei zivilen Waffen war das Griffstück lackiert, ab 1882 waren zweiteilige Griffschalen aus Guttapercha erhältlich. Die späteren Hartgummigriffschalen wurden zur Norm. Seltener bestanden Griffschalen aus Elfenbein und Perlmutt.
Die Revolver wurden von Spezialisten montiert und einreguliert, bis sie perfekt funktionierten. Nachher wurden sie beschossen und auf kurze Distanz eingeschossen.
Sicherheit Die Colt Single Actions wurden während des gesamten Herstellungsprozesses laufend geprüft, schätzungsweise 0,3 % wurden ausgeschieden. Der Übergang auf die rauchfreien Pulversorten verlangte widerstandsfähigere Stähle und engere Toleranzen, erst ab 1900 garantierte Colt die einwandfreie Funktion seiner Waffen mit der neuen Munition. Der ab 1902 meist vorne links auf dem Abzugsbügel eingeschlagene Abnahmestempel für diese Munition ist ein VP in einem Dreieck. Nicht so gestempelte Waffen sollten nie mit rauchloser Munition geladen werden.
Mit der Sicherungsraste wird keine echte Sicherheit erreicht. Fällt der Revolver auf den Hahn, so kann sich ungewollt ein Schuss lösen, sofern die Raste durch den Schlag auf den Hammer abgebrochen wird. Bei alten Single Actions, Sammlerstücken, können sowohl die Sicherungsraste als auch die Laderaste abgebrochen sein. Zur Sicherheit wird dringend empfohlen, Single Actions mit abgebrochenen Rasten nicht zu laden und solche mit intakten Rasten nur mit fünf Patronen zu laden und den Hahn auf die leere Kammer abzusenken. Unter diversen Sammlern gelten die Colt Single Action ab ca. Seriennummer 164.000, bei denen die Trommelachse durch einen quer im Rahmen eingesetzten federbelasteten Bolzen ersetzt worden ist als „Smokeless Models“ respektive als Single Actions für rauchloses Pulver, obschon Colt die Verwendung von rauchlosem Pulver erst ab 1900 garantierte. Single Actions, die am Triggerguard vorne rechts keinen Abnahmestempel tragen (VP, ab ca. Seriennummer 203.000) sollen nicht mit rauchloser Munition geladen werden.
Der Colt Single Action Army in der US-Armee Die Texas Rangers waren die erste Truppe, die ab 1839 Coltrevolver erhielt. Diese fünfschüssige Waffe im Kaliber .36, bezeichnet als Colt Paterson Holster Pistol No. 5, war jeder Vorderladerpistole überlegen. Der ehemalige Texas Ranger Captain Samuel Walker war von den Vorteilen des Revolvers überzeugt, nahm Kontakt zu Samuel Colt auf und entwickelte mit diesem den sechsschüssigen Colt Walker Mod. 1847 im Kaliber .44, von dem tausend Stück an die Armee gingen. Vom verbesserten Modell, dem Colt 1848 Dragoon wurden bis 1860 weitere 8.000 Stück an die Truppe geliefert. Von 1860 bis 1865 lieferte Colt dann über 100.000 Colt 1860 Army an die Nordstaaten, es war der letzte bei den US-Truppen verwendete Colt Perkussionsrevolver. Ende der 1860er-Jahre erhielten Teile der Truppe auf Hinterladung abgeänderte Colt Army 1860 und Remington New Model Army Revolver sowie eine Anzahl von Kipplaufrevolvern Smith & Wesson No 3 im Zentralfeuerkaliber .44/100.
In den frühen 1870er-Jahren wurde eine Neubewaffnung der an den Indianerkriegen beteiligten Kavallerie nötig. Die U.S. Cavalry war eine Dragonertruppe, sie kämpfte in der Regel abgesessen. Ihre veraltete Bewaffnung aus dem Bürgerkrieg wurde durch den Springfield-Karabiner 1873 im Kaliber 45-70 (mit auf 55 Grains reduzierter Ladung) und den Colt Single Action Army 1873 Cavalry Model mit einem 7½-Zoll-Lauf ersetzt. Der Kavalleriesäbel Mod. 1860 wurde beibehalten, jedoch selten getragen.
Ein erster Kontrakt für 8000 Single Actions inklusive der dazugehörigen Schraubenzieher zu 13,00 US-Dollar wurde am 23. Juli 1873 abgeschlossen und die Waffen wurden bis März 1874 an die Springfield Armory ausgeliefert. Bis Ende 1874 war der Großteil der zehn Kavallerie-Regimenter damit ausgerüstet. Schwierigkeiten gab es am Anfang nur bei der Munitionsproduktion. Die Truppe jedoch war begeistert vom Colt Single Action .45 Cavalry Model.