mini|Unihockeyspiel in der Schweiz, HC Rychenberg gegen UHC Grünenmatt, Winterthur 2013
Unihockey oder Floorball ist eine Mannschaftssportart aus der Familie der Stockballspiele. Der Begriff Unihockey leitet sich ab von Unihoc, einem schwedischen Hersteller der Stöcke (Schläger), und Hockey. Der Sport stammt über Bandy vom Hockey ab. Unihockey wurde in den 1970er Jahren in Schweden (), Finnland () und der Schweiz (Unihockey) gemeinsam entwickelt. Es handelt sich um ein dem Hallenhockey ähnliches Spiel, das jedoch deutlich mehr Ähnlichkeit mit Eishockey aufweist, da auch hinter den Toren gespielt werden kann und das gesamte Spielfeld mit einer Bande umgeben ist. Der Stock (Schläger) ist mit einer größeren Schaufel (Blatt, Kelle) ausgestattet als beim Feld- oder Hallenhockey. Am weitesten verbreitet ist die Sportart Unihockey mit mehreren zehntausend Spielern derzeit in Schweden, Finnland, Tschechien und der Schweiz.
Organisation Der Unihockey-Weltverband ist die International Floorball Federation (IFF), die am 12. Mai 1986 im schwedischen Huskvarna von den Unihockey-Verbänden der Schweiz, Schwedens und Finnlands gegründet wurde. Die IFF hat ihren Sitz in Helsinki, Finnland.
Die IFF ist Mitglied der internationalen Dachorganisation der Sportverbände Sportaccord, vormals GAISF (Global Association of International Sports Federations). Der Unihockey-Weltverband IFF hat derzeit 77 Mitglieder und strebt seit einer Strategiesetzung im Jahr 2008 die Etablierung von Unihockey in Multi-Sport-Veranstaltungen an. Dies gelang zunächst bei den World Games, bei denen man seit 2017 vertreten ist. Eine Aufnahme von Unihockey in das olympische Programm wird ebenfalls angestrebt, war bisher jedoch nicht erfolgreich.
Im Januar 2010 wurde Unihockey als Sportart von Special Olympics (SO) ebenfalls anerkannt. SO organisiert die Weltspiele für geistig und mehrfach behinderte Menschen. Unihockey war erstmals 2013 als Demonstrationssportart im Programm von SO vertreten. Der Unihockey-Weltverband IFF arbeitet außerdem mit der Internationalen Universitätssportsvereinigung Fédération Internationale du Sport Universitaire (FISU) zusammen.
Unihockey-Spielfeld Im Unihockey unterscheidet man zwischen Großfeld und Kleinfeld. Es befinden sich immer sechs Bullypunkte auf dem Spielfeld. In der Mitte befindet sich ein Mittelpunkt, der für das Anspiel genutzt wird. Neben dem Spielfeld befinden sich zwei Strafbänke, ein Spielsekretariat und zwei Spielerbänke.
Großfeld mini|Unihockey-GroßfeldDas Großfeld wird von einer 50 cm hohen, abgerundeten Bande umschlossen. Das Spielfeld ist 40 m lang und 20 m breit. Es wird nahegelegt, außerhalb der Bande einen Sturzraum von mindestens 50 cm freizulassen.
Kleinfeld Das Kleinfeld wird von einer abgerundeten Bande umgeben, welche eine Höhe von 50 cm haben muss. Das Spielfeld hat eine Länge von 24 m und eine Breite von 14,5 m. Wie auch schon beim Großfeld muss ein Sturzraum von 50 cm vorhanden sein. Es dürfen maximal zwei Spielfelder in einer Halle aufgestellt werden.
Ausrüstung mini|Spielfeld mit Banden und Tor, Spieler mit Sportkleidung, Stock und Schutzbrille, Torwart ohne Stock und mit spezieller Schutzausrüstung inklusive Helm Zur Ausrüstung eines Unihockey-Feldspielers gehört neben der üblichen Sportausrüstung (Hallenschuhe, Trikot, Hose, Stutzen) nur der Unihockeystock. Der Torhüter trägt lange, gepolsterte Hosen, unter denen er spezielle Knie- und Schienbeinschützer trägt, außerdem Goaly-Schuhe, einen Brustpanzer sowie ein gepolstertes Oberteil (oft in den Teamfarben), einen Tiefschutz und gelegentlich auch Handschuhe. Ein Helm mit einem Gitter zum Gesichtsschutz vervollständigt seine Ausrüstung. Diese Bekleidung darf nur dem eigenen Schutz dienen, nicht aber der Vergrößerung der Abwehrfläche. Im Gegensatz zu anderen Hockeyarten (ausgenommen Bandy) spielt hier der Torhüter immer ohne Stock. Außerdem agiert der Torhüter in akuten Abwehrsituationen auf seinen Knien vor dem Tor, weshalb er die genannte Schutzausrüstung trägt.
Sowohl Stöcke, Bälle und Tore als auch die Spielfeldbande müssen bauartgeprüft sein und mit einer entsprechenden Vignette (Zulassungskennzeichen) des von der IFF beauftragten Prüfinstituts SP (Sveriges Provnings- och forskningsinstitut) ausgestattet sein. Bei Unihockey-Torwarthelmen reicht hingegen die CE-Kennzeichnung zum Eignungsnachweis für das Unihockey-Spiel aus.
Unihockeyball miniatur|Ein Unihockeyball mit aerodynamisch veränderter Oberfläche (Dimples)
Grundlage für die Entwicklung des Unihockeyballes war ein aus dem Wiffleball entlehnter Trainingsball (siehe hierzu zum Beispiel den „Cosom Wiffle Ball“).Innebandy - Hooked on a feeling, Vällingby 1997, S. 16 Der Unihockeyball besteht aus dem Kunststoff Polyethylen (PE) und hat 26 Löcher. Dieser sogenannte Lochball wiegt nur 23 Gramm und hat einen Außendurchmesser von 72 mm. Gefertigt wird ein solcher Ball überwiegend aus zwei meist weiß eingefärbten Halbschalen.
Der Unihockey-Weltverband International Floorball Federation (IFF) setzte ab 2004 bei Weltmeisterschafts- und Europapokalspielen den gelblich gefärbten Ball „Precision Vanilla“ der Firma Exel ein, der aufgrund seiner äußeren, mit Dellen (Dimples) versehenen Oberflächenstruktur bei gleichen geometrischen Abmessungen verbesserte aerodynamische Eigenschaften haben soll. Andere Hersteller haben in der Folge ihre Bälle ebenfalls mit unterschiedlichen Dellenmustern versehen. Ab der Damen-Weltmeisterschaft 2011 in der Schweiz verwendete die IFF den „Reactor Cr8er“ in der Farbe Orange. Seit 2019 ist der weiße Ball „Dynamic“ von Unihoc, dem neuen offiziellen Ausrüster, der offizielle Spielball der IFF. Die Oberfläche dieses Balls ist nicht von Dimples, sondern von verschieden tiefen Rillen geprägt.Bild des Balls, WM 2022, Slowakei vs, Polen, 9. November 2022
Unihockey-Stock Der Unihockeystock ist zweiteilig (Schaft plus Schaufel / Blatt / Kelle) und besteht aus Kunststoff, wobei höherwertige Unihockeystöcke einen konischen Schaft aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff haben, meist auch mit Titan oder Bor verstärkt. Außerdem haben die teureren Schäfte einen feinen Kohlenstoffbelag. Die dort angeschraubte Schaufel ist ein Verschleißteil, das aus Thermoplasten im Spritzgussverfahren hergestellt wird. Eine Abschlusskappe sowie ein Griffband vervollständigen den Unihockey-Stock.
Ein Stock darf laut International Floorball Federation (IFF) nicht länger als 114 cm und nicht schwerer als 380 Gramm sein und ist damit kürzer als ein Eishockeyschläger. IFF Material regulations 2014, Art. 2.1.2. und 2.1.3. und Appendix 9. Wird ein Unihockey-Stock im Wettspielbetrieb eingesetzt, so muss auf dem Schaft ein Prüfzertifikat der IFF aufgeklebt oder aufgedruckt sein, um den Nachweis der Bauartprüfung zu erbringen. Es ist nur das Kürzen des Schafts erlaubt. Zudem darf er nur oberhalb der Griffmarkierung mit einem Griffband überklebt werden. Die Schaufel darf in ihrer Krümmung geändert werden. Diese darf 30 mm allerdings nicht übersteigen. Sie kann durch eine Schaufel des gleichen Herstellers ausgewechselt werden, muss aber fest am Schaft sitzen und darf sich nicht bewegen.
Unihockey-Tor Auf dem Unihockey-Großfeld und -Kleinfeld werden große Tore mit Torhüter eingesetzt. Die Tore haben die Abmessungen (H × B × T) von 115 × 160 × 65 cm. Diese von der IFF zertifizierten Tore sind als Stahlrohrschweißkonstruktion mit einem roten Farbanstrich versehen. Sie sind mit einem Tornetz sowie einem Tropfnetz ausgestattet. Das Tornetz deckt das gesamte Tor bis auf die Eintrittsöffnung und den Boden vollständig ab. Das Tropfnetz hängt versetzt hinter der Toröffnung und soll im Falle eines Torerfolges den sofortigen Wiederaustritt des Balls verhindern, sollte der Ball direkt auf dahinterliegende Stahlrohre treffen.
In der Unihockey-Mixed- oder Kleintor-Variante werden hingegen kleine und einfachere Tore ohne Torhüter eingesetzt. Diese Tore haben die Abmessungen (H × B × T) 60 × 90 × 60 cm und besitzen lediglich ein Tornetz. Kleintore sind entweder weiß oder rot gestrichen und meist zusammenklappbar gebaut. Robustere Stahlrohrschweißkonstruktionen sind hier noch eher die Seltenheit.
Kleintore mit den Abmessungen (H × B × T) 40 × 60 × 40 cm als Stahlrohrschweißkonstruktion sind in Skandinavien im breitensportlichen Übungsbetrieb sehr beliebt und weit verbreitet, d. h. man findet solche Tore in fast allen Sporthallen. Kleintore besitzen keine Zertifizierung seitens des Unihockey-Weltverbandes IFF.
Varianten In der Entwicklungsgeschichte des Unihockeysports haben sich im Laufe der Zeit, angepasst an z. T. örtliche Gegebenheiten (z. B. Turnhallengröße) oder Spielerambitionen, unterschiedliche Unihockey-Varianten herausgebildet. In Deutschland und Österreich haben sich dabei drei Varianten mit entsprechender Anhängerschaft herausgebildet, die dort regen Zuspruch gefunden haben und von denen ebenfalls situationsabhängig weitere Untervarianten abgeleitet werden können.
Unihockey-Großfeld Die Unihockey-Großfeld-Variante wird ebenso wie die Kleinfeld-Variante mit großen Toren und Torhüter auf dem Großfeld (Handballfeld) mit den Abmessungen von 40 m × 20 m gespielt. Wie im Eishockey spielt ein Team mit fünf Feldspielern und einem Torwart. Die fünf Feldspieler sind beim Standardsystem, dem 2-1-2, in Abwehr und Angriff aufgeteilt, wobei im Angriff noch zwischen Flügelstürmer und Center zu unterscheiden ist. Neben diesem System gibt es noch das 2-2-1 (zwei Verteidiger, ein Center und ein Stürmer auf gleicher Höhe, sowie ein Top-Stürmer), das 1-2-1-1 (ein Libero, zwei Außenläufer, ein Stürmer und ein Top-Stürmer) und das 1-2-2 (Point Auslösung mit Center hinten, Verteidiger auf der Seite und Stürmer).
Unihockey-Kleinfeld Die Unihockey-Kleinfeld-Variante wird mit großen Toren und richtig ausgerüsteten Torhütern auf dem Kleinfeld mit den Abmessungen von 28 × 16 m (mindestens 24 × 14 m) gespielt. Die Tore haben eine Öffnung von 1,60 × 1,15 m. Für den Torhüter existiert ein Torraum mit den Abmessungen von 3,0 × 4,5 m, in dem er frei agieren kann. Dem Tor vorgelagert ist der Schutzraum, der von keinem Feldspieler betreten werden darf. Die Bully-Punkte auf der Torverlängerung bzw. der Mittellinie befinden sich einen Meter von der Bande entfernt. Es wird pro Mannschaft mit drei Feldspielern und einem Torwart gespielt. Jede Mannschaft kann aus bis zu 14 Spielern und 5 Betreuern bestehen. Der Abstand zum Gegner einschließlich Ausrüstung (Stock / Schläger) bei einem Freischlag oder Einschlag muss mindestens zwei Meter betragen. In dieser Variante werden in Deutschland und Österreich auf regionaler und überregionaler Ebene Meisterschaften durch einen von den Unihockey-Landesverbänden ausgerichteten Spielbetrieb ausgetragen. Es wird hierbei in Spielklassen unterteilt nach Herren und Damen gespielt. In Deutschland und Österreich werden im Juniorenbereich bereits eigene Ligen für U-13, U-15, U-17 und U-19 angeboten, um so möglichst frühzeitig die Spieler mit universellen Fähigkeiten auf dem Spielfeld auszubilden und so ihre spielerische Kompetenz zu entwickeln.
In der Schweiz ist die Kleinfeld-Größe auf 24 × 14 m bemessen. Gleichzeitig können drei Feldspieler und ein Torwart auf dem Feld spielen. Das Kleinfeld-Unihockey wird in der Schweiz in Amateur-Ligen von einer 1. bis zu einer 5. Liga ausgetragen. Zudem spielen auch die Junioren A–E auf dem Kleinfeld. Fürs Kleinfeld gibt es einen separaten Cup-Wettbewerb, den Liga-Cup. Zudem kommen jeweils die vier bestplatzierten der zwei regionalen 1.-Liga-Gruppen in einen best-of-three Playoff-Wettbewerb mit Viertelfinals, Halbfinals und Final. Der Sieger wird als Kleinfeld-Schweizermeister gekürt.
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