Die Schlacht bei Marathon (490 v. Chr.) resultierte aus dem Versuch des persischen Großkönigs Dareios I., mit einem Expeditionskorps in Athen zu intervenieren und einen Herrschaftswechsel zu bewirken. Das Perserreich trat damals erstmals militärisch im griechischen Mutterland auf, wo es seinen Einfluss ausweiten wollte.

Hintergrund Die Hintergründe der Schlacht von Marathon lassen sich im Hinblick auf drei große Konfliktfelder beschreiben: ein geopolitisches, ein griechisches und ein athenisches. Alle drei Felder sind in vielfacher Weise miteinander verknüpft.

Die geopolitische Ausgangslage im östlichen Mittelmeerraum Bis zum Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. hatte das Perserreich seine politische Macht bis an die kleinasiatische Küste des Mittelmeeres ausgedehnt und dabei insbesondere auch die ionischen Poleis Kleinasiens und Teile der ägäischen Inselwelt unter seine direkte Herrschaft gebracht. Um 500 v. Chr. begann allerdings der sogenannte Ionische Aufstand, der die Herrschaft Persiens über die kleinasiatischen Griechenstädte in Ionien gefährdete. Zentrum dieser Aufstandsbewegung waren Milet und andere wichtige ionische Poleis. Abgesandte dieser Städte suchten im griechischen Mutterland militärische und politische Unterstützung. Während die Abgesandten bei der peloponnesischen Vormacht Sparta keinen Erfolg hatten, sagte Athen, das gerade die Peisistratidenherrschaft abgeschüttelt hatte (vgl. unten), Unterstützung zu und schickte Truppen nach Ionien, die sich an der Zerstörung der Hauptstadt der persischen Satrapie, Sardes, maßgeblich beteiligten. Nach der Niederwerfung des Ionischen Aufstands 494 v. Chr. und der Rückkehr der athenischen Truppen begann der persische Großkönig Dareios I. mit der Bestrafung der Unterstützer. Zunächst sicherte er die Nordflanke, indem er 492 v. Chr. ein Expeditionskorps unter Führung seines Schwiegersohns Mardonios entsandte. Sein Vorrücken über Thrakien und Makedonien war zunächst erfolgreich und hatte wohl auch das Ziel, diese Gebiete in den persischen Herrschaftsraum einzubeziehen, scheiterte jedoch, als die persische Flotte in einem Unwetter am Berg Athos zerstört wurde. Unter Führung des Datis segelte außerdem das persische Korps zunächst über Samos nach Naxos und erreichte schließlich die Insel Euböa (Polis Karystos). Schließlich erreichte sie Eretria – dort wurde nach einem Bericht Platons die gesamte Bevölkerung versklavt. Nach diesem Ereignis rückte Datis gegen den zweiten Unterstützer des Aufstands vor: Athen. Laut Herodot ging das Expeditionskorps in der Bucht von Marathon an Land, laut Cornelius Nepos marschierten sie zu Fuß.

Die griechische Welt vor der Schlacht von Marathon Gegen Ende der archaischen Periode war der griechische Siedlungsraum von der Ausbreitung der persischen Herrschaft gekennzeichnet. Die gesamte ionische Küste unterlag der persischen Herrschaft, der Einfluss des Großreiches wurde auch in der ägäischen Inselwelt immer deutlicher (Aigina). Auf der Peloponnes war Sparta die Hegemonialmacht an der Spitze eines zu diesem Zeitpunkt noch relativ lockeren Bündnissystems (Peloponnesischer Bund). In den Jahren um die Marathon-Schlacht war diese durch einen erheblichen innenpolitischen Konflikt gelähmt: die Absetzung und der Tod des spartanischen Königs Kleomenes I. In Mittelgriechenland etablierte sich die neue politische Ordnung Athens (siehe unten). Versuche auswärtiger Mächte (Sparta, Chalkis, Theben), den Aufstieg Athens zu verhindern, waren Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. gescheitert. Athen selbst blieb innerhalb der griechischen Staatenwelt isoliert und ohne Bündnispartner. Das Verhältnis zur peloponnesischen Vormacht Sparta war seit der gescheiterten spartanischen Intervention als gespannt zu beschreiben.

Athen vor der Schlacht von Marathon Seit dem Sturz der peisistratidischen Tyrannis und der Vertreibung des Hippias herrschten in Athen zunächst instabile Verhältnisse. Aus dem Kampf rivalisierender Adelsfraktionen (Hetairien) ging schließlich der Alkmaionide Kleisthenes von Athen als Sieger hervor, indem er in Athen eine umfassende innenpolitische Reform durchführte. Das neue System der Isonomie entwickelte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Demokratie weiter. Diese neue Ordnung setzte sich in den Jahren bis 508 v. Chr. gegen eine Reihe auswärtiger militärischer Interventionen durch und konnte sich behaupten. Gleichzeitig hatte sich Hippias in den persischen Machtbereich zurückgezogen und hoffte auf die Möglichkeit einer Restauration der Tyrannis. Im Zuge der persischen Strafexpedition nahm Datis Hippias an Bord. Das Ziel der persischen Expedition scheint insofern auch eine Beseitigung der für die Beteiligung am Ionischen Aufstand verantwortlichen innenpolitischen Ordnung der Isonomia zu sein. Die persische Streitmacht landete wohl auch deswegen gerade in der Bucht von Marathon, weil man sich dort Zuzug erhoffte – von alten Anhängern der peisistratidischen Tyrannis, die traditionell in dieser Region Attikas ihre stärkste Basis hatte.

Quellen Herodot Die einzige zusammenhängende Darstellung der Schlacht von Marathon stammt vom griechischen Historiker Herodot (VI 94-117), der etwa sechzig Jahre nach den Ereignissen schrieb – zu einem Zeitpunkt, als die Schlacht von Marathon bereits vielfältigen Umdeutungen und Neubewertungen ausgesetzt war. Besonders Athen pflegte die Erinnerung an den „ersten Perserkrieg“, den die Athener „alleine“ – hierbei werden die Plataier gerne vergessen – gewonnen hätten. Da Herodot sich sicher zu großen Teilen auf athenische Quellen verlassen hat, wirft sein Bericht eine Vielzahl von Problemen auf, die eine Rekonstruktion des Schlachtverlaufs außerordentlich schwierig machen. Die wichtigsten sind: Was war während der Schlacht mit der Reiterei? Wie konnten sich die Perser so schnell wieder einschiffen? Wieso machten die Athener so wenig Beute (nur 7 Schiffe)? Dazu kommt, dass Herodot an manchen Stellen seines Berichtes eindeutig Falsches wiedergibt. Das bekannteste Beispiel ist der 8-Stadien-Lauf (ca. 1,5 km), den die athenischen und Plataier Hopliten in schnellem Lauf zurückgelegt haben sollen. Aus heutiger Sicht ist dies vollkommen unrealistisch und muss als Teil der spezifisch athenischen Erinnerung gelten, die Herodot unreflektiert übernommen hat.

Andere Notizen zum Schlachtverlauf Neben der Hauptquelle Herodot gibt es eine Reihe kleinerer Nachrichten an verstreuten Stellen der griechischen Literatur, die zum Teil in offenem Widerspruch zu ihm stehen.

In seinem Lebensbericht des Miltiades geht Cornelius Nepos auch auf die Schlacht von Marathon ein. Die moderne Forschung geht davon aus, dass er eine Schlachtbeschreibung des Ephoros von Kyme vorliegen hatte, sodass Nepos, obwohl er im 1. Jahrhundert vor Christus lebte, einen recht objektiven Bericht liefert. Vor allem deutsche Althistoriker der letzten zwei Jahrhunderte haben sich besonders auf den Neposbericht gestützt, obwohl er in vielen Punkten Herodot widerspricht. So greifen laut Nepos die Perser an, während die Athener in einer optimal defensiven Stellung verharren, sodass auch die persische Reiterei nicht zum Einsatz kommen kann bzw. stark behindert wird.

In dem byzantinischen Lexikon Suda aus dem 10. Jahrhundert n. Chr. findet sich auch eine Glosse zur Marathonschlacht. Im Gegensatz zu Nepos allerdings widerspricht sie Herodot weniger, als dass sie die von Herodots Bericht aufgeworfenen Fragen klärt. Hier wird davon gesprochen, dass die Pferde weg seien („chorìs hippeîs“, was viele Historiker so verstehen, dass diese wieder eingeschifft wurden), woraufhin die Ionier aus der persischen Flotte in die Bäume gestiegen seien und Miltiades ein Zeichen gegeben hätten, dass die Pferde und Datis weg seien, woraufhin dieser die Schlacht begonnen habe. Obwohl diese Quelle ca. 1300 Jahre später als die Schlacht ist, verdient sie doch Aufmerksamkeit, da von Byzanz eine ununterbrochene Traditionslinie zur athenischen Erinnerung führt.

Archäologische Quellen In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts halfen auch Ausgrabungen, das Schlachtfeld näher zu lokalisieren – der genaue Schlachtort in Attika ist jedoch in der althistorischen Forschung nach wie vor strittig, da bestimmte Landmarken wie zum Beispiel das Temenos des Herakles, das im Bericht Herodots eine wichtige Rolle spielt, archäologisch nicht eindeutig lokalisiert sind.

Im Grabtumulus der gefallenen Athener Krieger wurden einige Vasen gefunden, die offenbar allesamt aus der Hand desselben Künstlers, des sogenannten Marathon-Malers, stammten.

Verlauf Vorbereitung der Schlacht Nach Herodot wählten die Perser für ihre Landung die Ebene von Marathon, wie ihnen Hippias vorschlug, der einst Herrscher in Athen und zwanzig Jahre zuvor vertrieben worden war. Der Ort schien günstig, da er etwa 25 Meilen von Athen entfernt war, sodass die Athener, sollten sie die Landung bemerken, erst mit dem Heer eintreffen konnten, wenn die Perser bereits vollständig gelandet waren. Zudem war die Ebene für die stärkste Waffe der Perser, die Reiterei, gut geeignet.

Herodot berichtet, dass nach der Nachricht von der persischen Landung an der Bucht von Marathon zunächst ein athenischer Bote mit Namen Pheidippides nach Sparta mit der Bitte um militärische Unterstützung gesandt worden sei. Angeblich sollen die Spartaner zu spät ausgerückt sein, weil sie erst den Vollmond abwarten wollten, und erst drei Tage nach der Schlacht mit 2000 Hopliten angekommen sein. Die Legende stammt aus athenischer Produktion, entstanden wohl Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., und diente dazu, Sparta als Hegemonialmacht in Griechenland zu diskreditieren. Insgesamt drei völlig verschiedene Versionen der Legende bei Herodot, Platon und Isokrates zeigen, dass Einigkeit weder über den Grund der Verspätung noch über ihre Dauer bestand. Unterstützung erhielt Athen nur von der Polis Plataiai im athenisch-boiotischen Grenzgebiet, wobei in der Forschung umstritten ist, ob Plataiai damals vielleicht sogar in den athenischen Staatsverband eingebunden war. 1000 Hopliten aus Plataiai unterstützten jedenfalls das athenische Kontingent, das 9000 Hopliten stark gewesen sein soll.