Die Zeche Ewald ist ein stillgelegtes Steinkohlen-Bergwerk in Herten, Nordrhein-Westfalen.
Geschichte Anfänge des Bergwerks 1870–1888 mini|Lageplan des Bergwerks Ewald mit Schacht Hilger, 1887 Die erste Steinkohlenmutung für das Feld Professor erfolgte am 22. Januar 1870. Danach wurde auch eine Mutung auf Eisenstein für das Feld Lina eingelegt. Jacobi, Haniel & Huyssen beharrten auf ihr Vorrecht auf die Eisensteinmutung und reichten eine Klage ein, die aber keinen Erfolg hatte.
Am 14. November vereinigte der Gewerke Wilhelm Hagedorn aus Essen als Alleinbesitzer der in den Gemeinden Herten und Resse in der Grafschaft Recklinghausen gelegenen Grubenfelder Professor, Augusta, Emilie, Gottfried und Jobst diese zum Bergwerk Ewald. In der Erklärung vor dem Berghypothekenrichter Boellling wurden 30 Männer genannt, davon 26 aus Essen, die die 1000 Kuxe unter sich aufteilten.Emi Wollny: Herten wird eine Stadt. Verlag der Buchhandlung Droste, Herten 1987, S. 84. Den Vorsitz der ersten Gewerkenversammlung hatte Ewald Hilger (1833–1887). Für die Inbetriebnahme des Bergwerks bewilligte die Versammlung eine Zubuße von 200.000 Talern. In den Grubenvorstand wurden neben Ewald Hilger der Rentier Hugo Honigmann, der Gewerke Wilhelm Hagedorn, der Jurist Karl Heyden und der Bauunternehmer Wilhelm Schürenberg gewählt.50 Jahre Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald, Herten i. W., 1871–1921. Carl Bertenburg, Gelsenkirchen 1921. Es wurde mit Graf Hermann Droste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein ein Pachtvertrag über 30 Morgen Waldgelände abgeschlossen. Der Wald wurde gerodet und am 12. März 1872 ein provisorischer hölzerner Bock für das Abteufen des ersten Schachts aufgestellt.
Die Abteufarbeiten für den Schacht 1 Hilger begannen am 9. März 1872. Bei 40 Fuß Teufe reichte die Handpumpe nicht mehr aus, um das zufließende Wasser abzupumpen. Es wurde eine liegende Lokomobile mit 6 atm Dampfdruck mit einem Feldgestänge versehen und dann als Wasserhaltungsmaschine eingesetzt. Bei einer Teufe von 32 m wurde das Gebirge so fest, dass Tübbings eingebaut werden konnten.
Am 18. Juni 1873 wurde das erste Steinkohlenflöz bei einer Teufe von 297,4 m erreicht, und am 7. Februar 1874 war der Schacht bis zur 362-m-Sohle fertig ausgemauert. Es wurde ein vorläufiges Schachtgerüst mit 16 m Höhe errichtet und die Schachtanlage mit einem Kesselhaus für acht Dampfkessel sowie mit Betriebs- und Bürogebäuden erweitert. Eine liegende Zwillingsfördermaschine mit 42 cm Kolbendurchmesser und 78,4 cm Hub wurde am 15. November 1872 in Betrieb genommen. Es wurde außerdem eine 45-zöllige direkt wirkende Hochdruck-Wasserhaltungsmaschine im Schachtturm aufgestellt. Zur Verbesserung der Infrastruktur wurden Grundstücke für die Errichtung einer Ziegelei und einer Arbeitersiedlung erworben.
Am 4. Dezember 1873 wurde bei einer Teufe von 362 m ein Flöz mit der Mächtigkeit von 1,2 m durchfahren. Nach der erste Freude zeigte sich, dass das Flöz sehr unrein und die Kohle nur zur Eigenverwertung nutzbar oder an die umliegenden Bauern für 10 Groschen pro Zentner zu verkaufen war.
Am 13. Juli 1874 wurde die 36-zöllige Zwillingsfördermaschine mit Spiralkörben in Betrieb gesetzt. Im gleichen Jahr wurden auch das Betriebsführer-Wohnhaus, die Waschkaue, zehn Arbeiterhäuser und sechs Dampfkessel errichtet, außerdem drei Drucksätze der Wasserhaltungsmaschinen in Betrieb genommen. Weitere Rückschläge gab es zur Jahreswende 1874/1875: Das Abteufen des Schachts 1 wurde bei 431 m wegen starker Wasserzuflüsse gestundet, und es gab den ersten Bruch des Pumpengestänges der Wasserhaltungsmaschine.
Erst am 27. Juli 1876 erreichte man das ertragreiche Flöz Bismarck. Dieses bildete für 10 Jahre die Grundlage der Förderung auf Ewald. Die Zeche musste weitere Rückschläge verkraften. Gebirgsstörungen im Schachtbereich, Schwierigkeiten beim Anwerben von Arbeitskräften in der damals unwirtlichen Gegend und der allgemeine Rückgang des Absatzmarkts in der Gründerkrise behinderten den Aufbau. Die Schachtanlage lag zu der Zeit weit entfernt von anderer Bebauung. Auf Grund des Mangels an Arbeitskräften konnten erst nur verwegene Typen für die Arbeit unter Tage gewonnen werden. Um Arbeitskräfte zu binden, wurden bereits 1875 südlich des Dorfs Herten an der Sophienstraße zehn holzverkleidete Häuser für Zechenarbeiter errichtet.
Es wird berichtet, dass die Bergleute auf dem Weg zur Zeche beobachteten, ob Dampfschwaden aus der Wasserhaltungsmaschine aufstiegen. Bei ausbleibenden Dampfschwaden mussten sie damit rechnen, dass die Sohle unter Wasser stand – dies war das Zeichen, wieder umzukehren. Im Januar 1876 wurde die Anschlussbahn zur Station Bruch der Köln-Mindener Eisenbahn in Betrieb genommen.
Auf Grund von Verwerfungen wurde der Schacht 1 weiter abgeteuft und erreichte 1878 eine Teufe von 520 m. Bei 500 m wurde eine weitere Sohle angesetzt. Die Ewaldstraße sollte erst auf der anderen Seite des Malakow-Turms über Schacht 1 gebaut werden. Die Planungen änderten sich, und so war der Schriftzug auf dem Turm auf der falschen Seite platziert.
Weitere Schäden an der Wasserhaltungsmaschine und der Bruch eines Zylinders der Fördermaschine behinderten die Förderung. Bis zum Oktober 1882 hatte die Zeche sieben Betriebsführer verschlissen. Ein besserer Kohlenabsatz wurde durch die Vergrößerung der Sieberei erreicht. Die relativ harte Kohle war für den Überseeexport auf Schiffen begehrt, allerdings war bis 1884 eine Zubuße der Gewerken für den Betrieb erforderlich. Im Jahr 1881 wurde eine Jahresförderung von 107.000 t bei einer Belegschaft von 400 Mann erreicht.
Die Bergbehörde drang bereits 1881 auf die Errichtung eines zweiten Schachts, um die Bewetterung zu verbessern und einen zweiten Fluchtweg zu schaffen. Die Zechenverwaltung sträubte sich energisch gegen diese Auflage. Hilger begründete die ablehnende Haltung damit, dass bei der Konzessionierung der Zeche diese Forderung gar nicht bestanden habe. Unter dem Hintergrund der schlechten Marktlage schrieb er der Behörde, dass bei Beachtung dieser Forderung die Zeche wohl nicht angelegt worden wäre. Als Kompromiss schloss die Zeche Erwald mit der markscheidenen Zeche Schlägel und Eisen einen Vertrag, dass beide Zechen auf der zweiten Tiefbausohle mit Querschlägen verbunden werden. Einem Weiterbetrieb bis zum 1. Juli 1884 wurde seitens der Behörde zugestimmt unter der Auflage, den Wetterscheider im Schacht gründlich auszubessern. Ein erster Grubenlüfter wurde 1885 eingesetzt. Nach den absatzschwachen Jahren 1883 und 1884 stiegen in der Folge die Förderung und die Belegschaftsstärke kontinuierlich an. Nach weiteren Abteufarbeiten war der Schacht 1 im Jahre 1884 mit 624 m der tiefste im Ruhrgebiet.
Aufbau der Doppelschachtanlage 1888–1895 mini|Maschinenhaus an den Schächten 1/2 um 1900 Nach 1888 entstand rechts neben der Zecheneinfahrt das große Verwaltungsgebäude, das 1919 erweitert wurde. Von 1922 stammt der Entwurf zu einem neuen Büro- und Kauengebäude in neoklassizistischer Formgebung.
Mit der Androhung der Bergbehörde auf Betriebseinstellung wurde schließlich im Jahr 1888 mit dem Abteufen des zweiten Schachtes, 42 m neben Schacht 1, begonnen. Dieser hatte einen Durchmesser von 5 m. Der 1888 in Betrieb genommene Ringofen lieferte die Ziegelsteine für den Ausbau. Dem Schacht wurde später der Name Hagedorn beigelegt. Die Abteuf- und Ausbauarbeiten bis 600 m wurden am 12. November 1891 abgeschlossen. An dem Schacht wurde eine Wolfsche Wasserhaltungsmaschine aufgestellt und ein Stahlfördergerüst errichtet. Der Schacht 1 (Hilger) wurde nach der Inbetriebnahme von Schacht 2 bis 710 m weiter abgeteuft, ausgebessert und diente dann mit dem gesamten Querschnitt als ausziehender Schacht. Der Malakowturm wurde um 11 m erhöht, um die Seilscheibe höher anzuordnen und höhere Fördergeschwindigkeiten zu erreichen. Zugleich wurde eine leistungsfähigere Fördermaschine aufgestellt.
Ein Querschlag wurde im Jahr 1889 auf der 500-m-Sohle vorangetrieben, und dabei wurden die Flöze Sedan und Matilde durchörtert. Aufgrund der Vorrichtarbeiten und der zunehmenden Ausdehnung des Grubengebäudes traten gehäuft schlagende Wetter in Form von Bläsern auf.
Die übertägigen Betriebsanlagen wurden weiter ausgebaut; so wurden die Verladung und Sieberei erneuert. Es wurde ein zweiter Verdichter aufgestellt, der für den Betrieb des neuen Lufthaspels benötigt wurde. Im Jahr 1891 erhielten beide Schächte neue Fördermaschinen und am 22. Dezember 1892 konnte die Kohleförderung an Schacht 2 aufgenommen werden. Im Jahr 1894 wurde auf der 500-m-Sohle eine Seilbahn in Betrieb genommen. An der alten Dampfmaschine für den Grubenlüfter wurde 1893 ein Dynamo angeschlossen, die den Strom für die Beleuchtung der Tagesanlagen lieferte. Ferner wurde Strom für die elektrische Streckenförderung genutzt, teilweise als Ersatz für die Förderung mit Pferden.
Die Zeche Ewald war auch von dem Bergarbeiterstreik von 1889 betroffen, der 90 % der Gesamtbelegschaft der westfälischen Zechen erfasst hatte. Die Zeche erhielt ein Militärkommando, bestehend aus einem Offizier, 2 Unteroffizieren und 132 Mann. Es kam zu keinen ernstlichen Zusammenstößen und der Kohleversand wurde nur an 2 Tagen unterbrochen. Von dem Absatzeinbruch im Jahr 1891/92 waren die Zechen mit Fettkohleförderung, die für die Verkokung genutzt wird, hauptsächlich betroffen, während der Gaskohlenabsatz der Zeche Ewald wenig beeinflusst war. Die Kohlenförderung konnte von 1888 mit 165.582 t auf 433.464 t im Jahr 1895 gesteigert werden; die Belegschaft erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 752 Mitarbeiter auf 1509. Der Gewinn der Anteilseigner erhöhte sich derweil von 120 auf 720 Mark/Kuxe.
Weiterer Ausbau der Zeche 1895–1904 Die Schächte 1 und 2 lagen relativ ungünstig in der Nähe der östlichen Markscheide. Man versuchte die benachbarte Zeche Recklinghausen von der Harpener-Bergbau-Aktiengesellschaft aufzukaufen oder zu pachten, was an zu hohen Forderungen scheiterte. Der Abbau konzentrierte sich auf die hochwertige Kohle aus dem Flöz Ewald; allerdings nahmen Probleme der Bewetterung und Zeitverluste in Folge langer Wege zu. Es wurden die Flöze Mathilde und Sedan in Verhieb genommen, allerdings war die Kohlegewinnung bei diesen schwieriger. mini|Schacht Waldhausen und Schürenberg (3/4) in Resse Eine außerordentliche Gewerkenversammlung beschloss am 20. Februar 1895 die Errichtung einer neuen Schachtanlage im Westfeld. Bereits im Frühjahr wurde mit dem Abteufen der Schächte Schürenberg (Durchmesser 4,05 m) und Waldhausen (Durchmesser 4,60 m) in Resse begonnen. Die Teufarbeiten am Schacht Waldhausen wurden nach kurzer Zeit gestundet. Das hölzerne Teufgerüst über dem Schacht Schürenberg brannte am 23. Februar 1897 ab. Als Ersatz wurde das Teufgerüst vom Schacht Waldhausen zum Schacht Schürenberg verschoben. Erhebliche Probleme beim Abteufen stellten sich beim Erreichen des Steinkohlengebirges ein. Starke Wasserzuflüsse und Grubengasausbrüche mit bis zu 20.000 m³/Tag. Erst durch den Einbau eines Wettertrums im Schacht konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Am 31. März 1897 erfolgte der Durchschlag zum Grubengebäude auf der 500-m-Sohle. Am 17. August wurden die Teufarbeiten an dem Schacht Waldhausen wieder aufgenommen und am 1. November 1897 bei einer Teufe von 566 m wegen stärkerer Wasserzuflüsse vorerst beendet. Bis 1899 wurden die Tagesanlagen mit Hauptfördermaschinen an den beiden Schächten, zwei Grubenlüftern, Luftverdichtern, Kesselanlage und einer elektrischen Zentrale ausgebaut. Zwischen den Schachtanlagen in Herten und Resse wurde eine Verbindungsbahn errichtet, die heute als Fahrradweg genutzt wird. Die von der alten Schachtanlage her bekannten Flöze konnten nun günstig erreicht werden. Die Bausohle wurde mit einer elektrischen Seilförderung ausgerüstet. Auf der neuen Schachtanlage wurde gefördert und die Kohlen wurden in der dortigen Sieberei und Kohlenwäsche aufbereitet.