mini|hochkant=0.7|Lage des Naturparks Südheidemini|Detailkarte des Naturparksmini|Heidefläche des Naturparks während der Blütezeit Der Naturpark Südheide ist seit 1964 als ein schutzwürdiger deutscher Naturpark in der nach Westen und Osten deutlich umfangreicheren Südheide ausgewiesen. Er ist gekennzeichnet durch große Wald- und Heideflächen. Fünf Prozent seiner Fläche sind als Naturschutzgebiet und 90 Prozent als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Lage Der etwa 480 km² große Naturpark Südheide liegt in der südlichen Lüneburger Heide, im Nordosten des Landkreises Celle und beginnt wenige Kilometer nördlich von Celle. Er erstreckt sich von dort zwischen der Stadt Bergen im Westen, über Faßberg im Norden sowie Weyhausen und Steinhorst im Osten. Weitere Heideorte im Naturpark sind Eschede, Hermannsburg, Müden (Örtze), Unterlüß, Eldingen und am Rand des Naturparks Winsen (Aller).

Der Naturpark nimmt nur etwa ein Sechstel der Fläche der naturräumlichen Haupteinheit Südheide ein. Nordnordwestlich des Naturparks Südheide liegt, in rund 18 km Entfernung, der Naturpark Lüneburger Heide um den Nordwestteil der Hohen Heide, in dessen Zentrum sich das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide befindet. Ostnordöstlich liegt, etwa 26 km entfernt, der Naturpark Wendland.Elbe mit Landschaften der Ostheide.

Entstehung und Geschichte mini|hochkant|Hinweisschild Naturpark Südheide Die Landschaft des Naturparks ist von der Eiszeit geprägt worden. Die in dieser Zeit abgelagerten Kiese und Sande bilden ein wellig bis sanft hügeliges Gelände. Es ist aufgebaut aus Sanderflächen, Grundmoränenplatten und Endmoränenresten.

Auf den nährstoffarmen Sandflächen der Geest im Bereich des heutigen Naturparks wurden etwa im 18. und 19. Jahrhundert Nadelwälder angepflanzt. Als Ackerböden wurden früher nur die lehmhaltigeren Böden genutzt. Diese Nutzungsverhältnisse erklären die dünne Besiedlung des Gebietes mit Streusiedlungen und daher auch die wenigen Verkehrswege. Mit der Einführung des mineralischen Düngers im 19. Jahrhundert konnten auch die kargen Sandböden für den Ackerbau genutzt werden. Die ehemals flächendeckenden Heidegebiete wurden dadurch zum großen Teil zu landwirtschaftlich genutzten Flächen umgewandelt.

Zwischen 1863 und 1994 wurde an fünf Stellen im Bereich des Naturparks die vielseitig verwendbare Kieselgur abgebaut und verarbeitet.

Beschreibung Der Naturpark Südheide ist Teil eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, hauptsächlich geprägt durch Kiefern und Fichten. Teile der früheren königlichen Holzungen, wie z. B. der Lüßwald im Nordosten des Naturparks, besitzen noch alte Buchen- und Eichenbestände.

Besonderer Bestandteil der Landschaft sind die 525 ha Heideflächen, die fast ausschließlich mit der Besenheide (Calluna vulgaris) bewachsen sind. Nur vereinzelt findet man auf den feuchteren Standorten auch die Glocken-Heide (Erica tetralix). Sie sind Reste der ausgedehnten Heideflächen, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Celle und Lüneburg erstreckten. Diese sind inzwischen als Naturschutzgebiet oder als Teil des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000 gesichert.

Träger des 1964 gegründeten Naturparks ist der Landkreis Celle in der östlichen Mitte Niedersachsens. Das gesamte Parkgelände ist fast gänzlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Mit 43.775 ha ist die Südheide das größte Landschaftsschutzgebiet in Niedersachsen.Die größten Landschaftsschutzgebiete in Niedersachsen, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, abgerufen am 9. September 2018. Im Naturpark Südheide befinden sich mehrere Naturschutzgebiete, zum Teil mit europäischer Bedeutung. Das größte ist das NSG Lutter (Lachte-Luttergebiet)NSG Lutter mit insgesamt 2435,3 ha. Weitere große Naturschutzgebiete im Naturpark sind der Weesener BachNSG Weesener Bach mit 348 ha, die Heideflächen mittleres Lüßplateau (Tiefental)NSG Heideflächen mittleres Lüßplateau mit 293 ha und das BornriethmoorNSG Bornriethmoor mit 115 ha. Der Naturpark Südheide besteht heute zu 65 Prozent aus Waldlandschaft. Die Parkverwaltung bemüht sich um den Erhalt der Heideflächen, unter anderem durch Beweidung mit Heidschnuckenherden. Wo das nicht ausreicht, kommen teilweise auch schon Maschinen beim Abplaggen der Heide zum Einsatz.

Imkerei Der Naturpark Südheide ist wie andere Teile der Lüneburger Heide ein traditionelles Gebiet der Heideimkerei, in dem Heidehonig gewonnen wird. Während der Heideblüte wandern Imker aus weiter entfernten Gebieten die Heidegebiete der Südheide mit ihren Bienenvölkern an. Die Aufstellung erfolgte teilweise in festen Bienenständen. Ganz selten findet sich hier noch der Lüneburger Stülper, ein Bienenkorb in Form einer Glocke, oder der viereckige Kanitzkorb, beide aus Stroh, die mit einem Kuhdung/Torf-Gemisch abgedichtet wurden. Diese Behausung benutzen Imker auch heute noch, um Scheibenhonig zu ernten. Mitte der 1920er Jahre kamen die sogenannten Kanitzkörbe auf, die nach dem Imker und Lehrer Kanitz (1815–1899) benannt sind. Er fand heraus, dass der damals gebräuchliche Glockenkorb den Imkern nicht genug Möglichkeit zur Völkerführung gab.

Von der alten Korbform für die Bienenbehausungen ist man abgegangen, da die heutigen aus Holz oder Kunststoff hergestellten Kästen einfacher in der Handhabung sind. Die in Norddeutschland heute üblichen Magazin-Beuten aus Kunststoff werden während der Blütezeit einfach auf den Heide-Boden gestellt.

Geographie, Fauna und Flora Geographie und Flora Der Naturpark wird durch die Örtze, mit ihren Nebenbächen Schmarbeck, Sothrieth, Wietze, Weesener Bach und Bruchbach, und durch die Lachte mit ihren Nebenbächen Aschau und Lutter, nach Süden zur Aller hin entwässert. In den zum Teil unter Naturschutz stehenden Bächen haben zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten wie Fischotter, Bachforellen und Flussperlmuscheln ihren Lebensraum. Der Ursprung der Heidebäche liegt oft in idyllischen Mooren. Die Örtze ist wegen seiner Mäander ein bei Kanuten beliebtes Fließgewässer. Aus Gründen des Naturschutzes ist das Befahren allerdings jahreszeitlich eingeschränkt. Oberhalb von Müden (Örtze) gilt ein ganzjähriges Befahrungsverbot. Die Lutter mit ihren Nebenbächen Schmalwasser und Ahrbeck und die Lachte, die im östlichen Teil des Naturparks Südheide fließen, bilden mit insgesamt ca. 2.450 Hektar, ein weit verzweigtes Fließgewässersystem, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Das Gebiet ist als naturnaher Bereich der Südheide für den Naturschutz von ganz besonderer Bedeutung. Nicht nur die Bäche selbst als Lebensraum von Fischen und Fischotter, sondern auch angrenzende Auen- und Bruchwälder, Moore, Sümpfe und Quellbereiche, in denen Vogelarten wie Schwarzstorch, Seeadler, Kranich und seltene Fließgewässerlibellen, darunter die vom Aussterben bedrohte Scharlachlibelle und der stark gefährdete Kleine Blaupfeil heimisch sind. Über 160 gefährdete Tier – und Pflanzenarten leben an und in diesen Heidebächen. Besonders bedeutsam sind die letzten Vorkommen der nordwest-europäischen Flussperlmuschel in der Lutter, die besonders hohe Ansprüche an die Qualität ihres Lebensraumes stellt. Nach der FFH-Richtlinie der EU handelt es sich hierbei um eine Art von besonderem Interesse. Das Bundesamt für Naturschutz, das Land Niedersachsen sowie die Landkreise Celle und Gifhorn fördern seit 1989 dieses Naturschutzgroßprojekt.

Eine der höchsten Erhebungen, und ein beliebter Aussichtspunkt des Naturparkes, ist der Haußelberg mit 117 m über NHN.Umweltkarten Niedersachsen des NMU Es existieren noch einige intakte Hochmoore. Zuallererst das unter Naturschutz stehende Bornriethmoor bei Oldendorf, aber auch bei Hetendorf und Müden/Örtze sind noch kleine Moore, die einen Bestand von geschützten Pflanzen, wie den Sonnentau, die Moorlilie, den Schlangenknöterich oder das Wollgras, und auch seltene Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut, das gefleckte Knabenkraut, die weiße Waldhyazinthe und die Breitblättrige Stendelwurz aufweisen. Es gibt im Naturpark Südheide einen Bestand des Schmalblättrigen Fadenenzian. Er gehört zur Familie der Enziangewächse. In Deutschland kommt Cicendia filiformis nur selten vor. Er wurde in der Roten Liste Pflanzengesellschaften in Kategorie 2 = „stark gefährdet“ eingestuft. Es gibt wahrscheinlich nur noch eine andere nachgewiesene Stelle in Niedersachsen, in welcher der Fadenenzian wächst.

Fauna mini|Graue Kraniche bei der Futtersuche in der Nähe von Oldendorf Im Jahr 1872 wurde in der Lüneburger Heide, im „Becklinger Holz“, zum letzten Mal ein Wolf gesehen und geschossen. Nachdem auf dem bei Unterlüß gelegenen, ca. 50 km² großen, wild- und artenreichen ErprobungsgeländeEin Paradies nicht nur für Marder, Puma und Leo – Bedeutender Naturraum: das Rheinmetall-Erprobungsgelände in der Lüneburger Heide Website der Firma Rheinmetall, Rheinmetall-defence.com, abgerufen am 11. Januar 2015 der Firma Rheinmetall Waffe Munition GmbH bereits 2006 erstmals ein Wolf gesichtet wurde und im Jahr 2007 ein erster Fotonachweis eines Einzeltieres erfolgteUdo Genth und Joachim Gries: Wolfs-Nachwuchs bei Rheinmetall in Unterlüß Cellesche Zeitung vom 25. Juli 2014, abgerufen am 12. Mai 2019. etablierte sich im Raum Unterlüß mittlerweile ein Rudel,Wölfe breiten sich weiter aus Kreiszeitung vom 3. Mai 2017, abgerufen am 12. Mai 2019. wie man es bereits 2013 nach weiteren Sichtungen vermutet hatte., Celleheute.de, 24. Oktober 2013. Besonders seltene Tierarten und auch zahlreichen weiteren Wolfs-Nachwuchs (in Munster zwischen 2012 und 2014 bereits 17 Jungtiere)Chronologie der Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Munster fördern auch die Truppenübungsplätze Munster und Bergen, die durch Wald-, Wiesen- und Heideflächen auch mit dem Lüßwald in Verbindung stehen.

Durch die Wiedervernässung der Moore, in Verbindung mit dem niedersächsischen Kranichschutzprogramm, ist es gelungen, den erloschenen Bestand des Grauen Kranich wieder aufleben zu lassen. Nach über zwanzigjähriger Vakanz erschienen 1986 erstmals wieder zwei Kranichpaare im Landkreis Celle. Der Graue Kranich konnte daher im Jahr 1995 auf der Roten Liste der in Niedersachsen gefährdeten Brutvogelarten von der Stufe 1 (vom Aussterben bedroht) auf die Stufe 2 (stark gefährdet), und 2002 auf die Stufe 3 (gefährdet) herabgestuft werden. 2007 wurde er aus der Roten Liste gestrichen.

Bestandsentwicklung des Grauen Kranichs im LK Celle Jahr Revierpaare Brutpaare Jungvögel Jahr Revierpaare Brutpaare Jungvögel 1986 2 1 0 2000 34 23 23 1987 2 2 2 2001 38 24 28 1988 3 2 2 2002 41 26 22 1989 3 3 1 2003 42 29 31 1990 3 3 5 2004 51 36 33 1991 5 4 5 2005 54 46 30 1992 6 5 7 2006 55 47 51 1993 6 6 8 2007 53 44 49 1994 9 9 7 2008 61 48 50 1995 12 11 11 2009 63 51 50 1996 16 12 15 2016 137 1997 16 13 19 1998 22 19 18 1999 29 20 17

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