300px|Logo des InstitutsDeutsches Evangelisches Institutfür Altertumswissenschaft des Heiligen Landes Vorsitz Verwaltungsrat: Markus Dröge Leitender Direktor: Dieter ViewegerDieter Vieweger Direktorin Amman: Brita Jansen Gründungsjahr: 1900Gründung des Deutschen Evangelischen Instituts Orte: Institut Jerusalem Institut Amman Geschäftsführung: Hannover(Kirchenamt der EKD) Forschungsauftrag: Biblische Archäologie;Archäologie Mitarbeiter: 7 in Jerusalem; 5 in Amman Anschrift: – Auguste-Victoria-Compound, P.O.Box 18 463,Jerusalem 91184 – P.O.Box 183, 11118 Amman Website: www.deiahl.de Stadtgrenze = ––––; Grüne Linie = 30px 250px mini|Institut auf dem Ölberg, Jerusalem (2026) mini|Siegelmarke des Instituts mini|Das Institutsgebäude und Garten des DEI in Amman (2026) mini|Haus Nr. 5 im Rechov Aethjopijjah, 1903–1917 Sitz des DEI (2011) mini|Neues Gemeindehaus (jetzt Propstei) im Muristan, 1924–1939 Sitz des DEI (2012) mini|Tall Zira'a (2008) mini|Doppel-Miqve (jüdisches Ritualbad) auf dem Gelände des anglikanisch-protestantischen Friedhofs auf dem Zionsberg in Jerusalem. Säuberung, Vermessung, stratigrafischen Einordnung und Restaurierung der Doppel-Miqve im Auftrag des DEI Das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) ist eine Forschungseinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland und zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts mit wissenschaftlichen Einrichtungen in AmmanInstitut Amman und Jerusalem.Institut Jerusalem
Geschichte Am 31. Oktober 1898 bei Einweihung der Erlöserkirche (Jerusalem) sprach der bayerische Oberkonsistorialpräsident Alexander von Schneider im Namen aller anwesenden evangelischen Kirchenleiter deren einhelligen Wunsch aus, der 'Pflege evangelisch-christlicher Altertumswissenschaft ein Heim' zu schaffen.Volkmar Fritz, „Hundert Jahre Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes“, in: Dem Erlöser der Welt zur Ehre: Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem, Karl-Heinz Ronecker (Hrsg.) im Auftr. von 'Jerusalem-Stiftung' und 'Jerusalemsverein', Leipzig: Evangelische Verlags-Anstalt, 1998, S. 201–221, hier S. 202. ISBN 3-374-01706-1. Das Institut wurde dann am 19. Juni 1900 auf der Deutschen Evangelischen Kirchenkonferenz in Eisenach durch einen Beschluss der evangelischen Landeskirchen gegründet und durch einen kaiserlichen Hoheitsakt von Wilhelm II. bestätigt. Die Stiftungsurkunde nennt als Aufgabe, das Heilige Land mit seiner vielfältigen Geschichte, den unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu erforschen. Die Erkenntnisse sollen nicht nur in die Fachwelt getragen und dort diskutiert, sondern auch Laien verständlich gemacht werden.
Als erster Direktor wurde Gustaf Dalman bestimmt, damals Professor für Altes Testament und Judaistik an der Universität Leipzig, der am 12. November 1902 in Jerusalem eintraf. Im Dezember 1902 mietete Dalman als Sitz des Instituts das ehemalige Konsulat Österreich-Ungarns im Rechov Aethjopijjah 5 (רְחוֹב אֶתְיוֹפִּיָּה) in der westlichen Neustadt nördlich der Prophetenstraße. Dort richtete er im Parterre die Bibliothek ein, hatte eine Halle für Vorträge vor 70 und mehr Personen, während er mit Familie im Obergeschoss wohnte, und eröffnete das Institut mit Empfang der Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Religion am 15. November 1903. Dalman konnte in den Umbrüchen des Ersten Weltkriegs nicht nach Jerusalem zurückkehren und gründete 1920 im deutschen Greifswald das später nach ihm benannte Gustaf-Dalman-Institut.
In Jerusalem amtierte in den Jahren 1921 und 1922 Albrecht Alt als Direktor und Propst an der Erlöserkirche. Das DEI gab das gemietete Gebäude in der Neustadt auf und zog 1924 ins neue Gemeindehaus (heute Propstei genannt) im Muristan, wo es bis zur Schließung 1939 seine Arbeit fortführte. 1964 begannen Martin Noth als Direktor und Ute Wagner-Lux als Assistentin ihre Arbeit. Nach dem Tod Noths übernahm Wagner-Lux das Direktorat und führte u. a. Grabungen unter der Erlöserkirche sowie in Gadara durch. Ihnen folgten 1982 August Strobel, 1994 Volkmar Fritz, 1999 Hanswulf Bloedhorn und im August 2004 für ein Jahr Michael Heinzelmann. Dieter Vieweger wurde 2005 zum leitenden Direktor beider Institute gewählt.
Die Gründung des DEI in Amman
Da nach dem Sechstagekrieg eine Arbeit in Jordanien von Jerusalem aus nicht mehr gut möglich war, wurde 1975 beschlossen, in Amman eine Zweigstelle einzurichten, um die begonnenen Grabungen in Gadara (Umm Qais) effektiver weiterführen zu können. Das Ammaner Institut wurde von Ute Wagner-Lux bis 1982 aufgebaut. Nach ihr leiteten es von 1982 bis 1986 Axel E. Knauf, von 1986 bis 1991 Thomas Maria Weber, von 1991 bis 1996 Susanne Kerner, von 1996 bis 2001 Hans-Dieter Bienert und von 2001 bis 2004 Roland Lamprichs, von 2004 bis 2013 Jutta Häser, von 2013 bis 2016 Frauke Kenkel, von 2016 bis 2022 Katharina Schmidt und seit 2022 Brita Jansen.
Neuorganisation seit Dezember 2005
In den Jahren 2005 und 2006 wurde das Institut reorganisiert. In der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut agiert es seither als dessen Forschungsstelle. Außerdem wurden die beiden Institutsteile Jerusalem und Amman sowohl organisatorisch als auch in ihren Aufgabenbereichen eng miteinander verbunden. Leitender Direktor beider Institute wurde Dieter Vieweger, der sein Amt im Dezember 2005 antrat. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Kooperation mit der evangelischen Bildungsarbeit in der Heiligen Stadt. Außerdem ist er der Stellvertreter des Propstes in Jerusalem. Er war bis zum Sommersemester 2024 gleichzeitig Professor für Biblische Archäologie und Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal und ist Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal und Gastprofessor für Archäologie und ältere Geschichte an der Universität Witten-Herdecke.
Aufgaben Eine Aufgabe des Instituts sind wissenschaftliche Untersuchungen zur Archäologie und Kulturgeschichte des Heiligen Landes unter besonderer Berücksichtigung der biblischen Epochen und der Entstehung des Christentums. Hierzu unternimmt das DEI eigene Projekte und Ausgrabungen und unterstützt andere Forschungsvorhaben.
Der andere Schwerpunkt ist die Vermittlung archäologischer und landeskundlicher Forschungsergebnisse sowohl an Theologie und Kirche als auch an die allgemeine Öffentlichkeit. Es nimmt an wissenschaftlichen Diskussionen teil. Das Institut unterhält eigene Bibliotheken, organisiert Fachtagungen, Vortragsreihen und Ausstellungen. Seit mehr als 100 Jahren wird jährlich der altertumswissenschaftliche Lehrkurs für Theologen abgehalten.
Struktur Das Institut besteht seit 1968 als kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts. Die Geschäftsführung liegt beim Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Referat 425: Naher und Mittlerer Osten, Stiftungen im Heiligen Land). Das Institut steht unter der Aufsicht und Kontrolle eines Verwaltungsrates. Die Institutsstandorte sind Jerusalem und Amman. Es kooperiert eng mit dem Deutschen Archäologischen Institut und führt mit diesem gemeinsame Projekte durch. Seit 2005 trägt es den Zusatz zugleich Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts im Namen. Der Festakt zur Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut wurde am 13. und 14. März 2007 im Auswärtigen Amt in Berlin begangen. Die beiden Assistenten des DEI in Amman und Jerusalem werden vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin entsandt.
Projekte Gadara Region Project (Jordanien) Die Institute in Amman und Jerusalem erforschen im Gadara Region Project das Wadi al-'Arab südlich des Sporns von Gadara. Der etwa 25 km² große Bereich birgt weit mehr als 100 archäologische Stätten und diente über Jahrtausende als Aufstieg des vom Mittelmeer (Großraum Haifa) kommenden und den Jordan überquerenden Handelsweges auf das ostjordanische Hochplateau. Von dort war eine gute Handelsanbindung nach Norden (Damaskus) und Süden (Aqaba) sowie im 'Shortcut' nach Osten (Bagdad) gegeben. Der Tall Zira'a war weit über 5000 Jahre besiedelt, womit die Geschichte der Region von der frühen Bronzezeit bis in die islamische Neuzeit an einem einzigen Siedlungsplatz untersucht werden kann. Im Jahr 2001 begannen die Surveys, 2003 die Ausgrabungen.
Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen sind in elf Bänden von Dieter Vieweger, Jutta Häser und Katja Soennecken veröffentlicht worden und stehen auf der Website zum Projekt zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Archäologischer Park unter der Erlöserkirche (Jerusalem) Unter der Erlöserkirche entwickelte das DEI Jerusalem in den Jahren 2009–2012 den archäologischen Park „Durch die Zeiten“. Dazu wurden die von Conrad Schick 1893 und Ute Wagner-Lux sowie Karel Vriezen 1970–1974 durchgeführten Ausgrabungen museal aufbereitet. Als wesentlicher Befund wurde damals ein Steinbruch auf dem Felsgrund unter der Kirche festgestellt. Zusammen mit anderen Funden konnte damit gesichert werden, dass der Standort der Erlöserkirche und der benachbarten Grabeskirche zur Zeitenwende außerhalb der Stadtmauern Jerusalems lagen.
Ein neuer Zugang von der Kirche aus eröffnet Besuchern die Möglichkeit, mehr als 2000 Jahre Geschichte der Stadt Jerusalems real zu begehen. Mit 3D-Animationen und Lichteffekten werden die unterschiedlichen Bau- und Entwicklungsstufen Jerusalems präsentiert. Im benachbarten Kreuzgang werden Funde ausgestellt und die Geschichte der Kirche und ihres Umfelds erläutert.Ausstellung: Durch die Zeiten mini|Theodolit von Gottlieb Schumacher aus dem Museum des Instituts
Naturwissenschaftliche Methoden in der Archäologie Archäometrische und geophysikalische Projekte sowie Erkundungen mit Hilfe der terrestrischen Photogrammetrie werden in Kooperation mit dem Biblisch-Archäologischen Institut Wuppertal durchgeführt.
Ausgrabungen auf dem Zionsberg Jerusalem Seit 2015 werden unter Leitung von Dieter Vieweger die Ausgrabungen auf dem Berg Zion in Jerusalem durchgeführt. Sie umfassen neben dem Bereich des anglikanisch-preußischen Zionsfriedhofs auch den sog. 'Griechischen Garten'. Dabei wurde 2015 das berühmte Essener-Tor, das Flavius Josephus zur Zeit der Eroberung der Stadt im Jahre 70 n. Chr. beschrieb, erneut freigelegt. Wohngebiete Jerusalems, ihre Stadtmauern und jeweils ein Stadttor wurden in diesem Areal in der Zeitspanne zwischen dem 8. Jh. v. Chr. und dem Ende der umayyadischen Epoche (Mitte 8. Jh. n. Chr.) systematisch erforscht.Ausgrabungen auf dem Zionsberg Jerusalem
Ausgrabungen in Tiberias Von 2022 bis 2024 führte das DEI in Kooperation mit der Hebräischen Universität Jerusalem ein Forschungsprojekt zum antiken Zentrum von Tiberias durch. Das Projekt wurde von Katia Cytryn (HUJI) und Katja Soennecken (DEI u. LSRS Luxemburg) geleitet. Ziel der Untersuchungen war die weitere Erforschung des antiken Stadtzentrums. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der religiösen Bedeutung von Tiberias, das sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam eine wichtige Rolle spielt.
Die Lokalisierung der „Zweiten Mauer“ Das DEI führt seit 2015 gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes geophysikalisches Forschungsprojekt zur Lokalisierung der sogenannten „Zweiten Mauer“ in der Altstadt von Jerusalem durch. Mithilfe von Georadar-Messungen in Straßen und Gebäuden der Altstadt – unter anderem unter der Erlöserkirche – wurden zwischen 2015 und 2019 mögliche Strukturen der Stadtbefestigung aus der Zeit Herodes des Großen untersucht. Trotz erheblicher Messstörungen durch moderne unterirdische Infrastruktur konnten in mehreren Bereichen, darunter entlang der Via Dolorosa, reproduzierbare Indizien für den Verlauf einer Mauerstruktur festgestellt werden. Die Ergebnisse sprechen gegen eine alternative Rekonstruktion der Stadtbefestigung, die einen weit nach Norden ausschwingenden Verlauf bis in die Nähe des Damaskustor annimmt.