mini|hochkant|Johann Heinrich Merck mini|hochkant|Johann Heinrich Merck. Stich von Karl Mayer-Nürnberg Johann Heinrich Merck (* 11. April 1741 in Darmstadt; † 27. Juni 1791 ebenda) war ein Darmstädter Herausgeber, Redakteur und Naturforscher,Karl Robert Mandelkow, Bodo Morawe: Goethes Briefe. Hamburger Ausgabe in vier Bänden. Bd. 1: Briefe der Jahre 1764-1786. 2. Auflage. Christian Wegner Verlag, Hamburg 1968, S. 629. der zur Zeit der Aufklärung Rezensionen, Essays unter anderem zu Fragen der Kunst und erzählende Prosa verfasste.

Leben und Werk

Drei Wochen vor Johann Heinrich Mercks Geburt starb sein Vater Johann Franz Merck (1687–1741), ein Apotheker aus der Darmstädter Familie Merck.

Merck besuchte ab 1752 das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt und wurde am 17. Oktober 1757 Student der Theologie an der Universität Gießen. Er wechselte im Sommer 1759 ohne Studienziel an die Universität Erlangen. Dort schloss er sich der Deutschen Gesellschaft an, in der die schriftstellerischen Übungen der Mitglieder untereinander diskutiert wurden.

Er verließ 1762 ohne Studienabschluss Erlangen und begann ein Studium an der Dresdner Kunstakademie, wo er sich mit den theoretischen und historischen Kunstanschauungen Christian Ludwig von Hagedorns befasste. Er kehrte 1764 nach Darmstadt zurück und reiste mit Heinrich Wilhelm von Bibra als dessen Hofmeister in die Schweiz, wo er in Morges Louise Françoise Charbonnier, die Tochter eines angesehenen Juristen, kennenlernte.

Während eines anschließenden Aufenthalts in Südfrankreich erfuhr Merck von der Schwangerschaft der jungen Frau; er kehrte nach Morges zurück und heiratete sie am 3. Juni 1766. Anschließend ließ er sich in Darmstadt nieder, wo er am 30. März 1767 zum Sekretär der Geheimen Kanzlei, 1768 zum Kriegszahlmeister und 1774 zum Kriegsrat ernannt wurde. Dienstliche Reisen führten ihn unter anderem 1767 nach Kassel und 1773 nach Sankt Petersburg.

1771 gründete er einen Verlag für preiswerte Nachdrucke westeuropäischer Literatur in der Originalsprache, später auch zeitgenössischer deutscher Werke.

Mercks Haus war der Mittelpunkt des Darmstädter Kreises der Empfindsamen, dem u. a. Maria Karoline Flachsland, Luise von Ziegler, Henriette Alexandrine von Roussillon und Franz Michael Leuchsenring angehörten und in den im Frühjahr 1772 Johann Wolfgang von Goethe eintrat.Mandelkow, Morawe 1968, S. 630.

Nach dem Tod der „Großen Landgräfin“ Henriette Karoline im Jahre 1774 versuchte Merck vergeblich, unter anderem in Kassel, Berlin und Weimar, eine neue Anstellung zu bekommen. Auch andere Pläne, etwa als freier Unternehmer, blieben erfolglos. Mit Landgraf Georg Karl von Hessen-Darmstadt führte er verschiedentliche Geldgeschäfte aus, die im Sommer 1788 zum Erliegen seiner im Frühjahr 1787 gegründeten Baumwollfabrikation beitrugen.Johann Heinrich Merck, Briefwechsel. Band 1, S. 558 (books.google.de). Am 27. Juni 1791 starb Merck, bei Zeichen von Depressionen, die schweren körperlichen Leiden entsprangen, in Darmstadt durch Suizid.Mandelkow, Morawe 1968, S. 631.

Redakteur und Autor

1770 traf Merck Johann Gottfried Herder, der bei seiner Rückreise von Strassburg nach Weimar einen Zwischenstopp in Darmstadt einlegte. Im darauf folgenden Jahr 1771 lernte er die Gebrüder Hieronymus Peter und Johann Georg Schlosser und Goethe kennen, mit denen er zusammen ab 1772 die »Frankfurter gelehrten Anzeigen« herausgabWilhelm Michel. Der Kriegsrat Johann Heinrich Merck. Berlin 1941, S. 14 und Texte, darunter viele durch ihre Eloquenz bestechenden Buchbesprechungen, beitrug. Noch nachhaltigerWilhelm Michel. Der Kriegsrat Johann Heinrich Merck. Berlin 1941, S. 14 wirkte Merck im Sinne der Aufklärung für die Bildung der Nation in der Literaturzeitschrift »Der Teutsche Merkur«, die Christoph Martin Wieland ab 1773 in Weimar herausgab. Wieland schätzte Merck sehr, er sei unter den Rezensenten dasselbe, was Klopstock unter den Dichtern, Herder unter den Gelehrten und Goethe unter den Menschen sei. zitiert nach Wilhelm Michel. Der Kriegsrat Johann Heinrich Merck. Berlin 1941, S. 15

Naturforscher

1773 begleitete Merck die hessische Landgräfin Karoline von Pfalz-Zweibrücken nach St. Petersburg. Dort lernte er die zoologischen und mineralogischen Sammlungen des Staatsrats, Professors der Medizin und Hauptarzt der Russischen Seeflotte Karl Fjorowitsch von Crusesiehe den Beitrag zu Karl Fjodorowitsch Cruse in der russischen Wikipedia kennen und begann sich zunächst für Zoologie und dann mehr noch für Mineralogie zu interessieren. Er fing an Gestein zu sammeln und besorgte sie auch für andere, darunter Granitproben vom Felsberg für Goethe.Wilhelm Michel. Der Kriegsrat Johann Heinrich Merck. Berlin 1941, S. 26 Vom Beginn der 1780er Jahre beschäftigte sich wissenschaftlich vor allem mit Osteologie, darunter vor allem der Paläozoologie. Seine erste paläontologische Abhandlung – der erste von insgesamt drei Briefen betreffend die in Hessen-Darmstadt vorliegenden Versteinerungen von Elefanten und Nashörnern, die die Funde von Knochen und Schädel von Elefanten und Nashörnern sowie Auerochsen, die in der Gegend von Erfelden und beim Marmorabbau in Hochstädten (Bensheim) gemacht wurden, beschrieb, erschien 1782 und war, wie auch der zweite Brief von 1784, dem 1773 besuchten russischen Staatsrat von Cruse gewidmet.Mandelkow, Morawe 1968, S. 723, eine digitalisierte Version der Originalausgabe des Lettre à M. de Cruse,... sur les os fossiles d'éléphants et de rhinocéros, qui se trouvent dans le pays de Hesse-Darmstadt. Darmstadt : Hofdruckerei J. J. Will 1782 findet sich in der digitalen Bibliothek der Französischen Nationalbibliothek, 1784 erschien dann der 2. Brief an Staatsrat Cruse über diese Knochenfunde und 1786 dann der 3. und letzte Brief, diesmal gerichtet an Georg Forster, der zum Zeitpunkt des Erscheinens des Briefes an der Universität im polnisch-litauischen Wilna (Vilnius) lehrte und Privatsekretär des polnischen Königs war. Peter Camper, Samuel Thomas von Soemmerring, Johann Friedrich Blumenbach, Horace-Bénédict de Saussure und viele andere schätzten Mercks Arbeiten auf dem Gebiete der PaläontologieHelmut Prang: Johann Heinrich Merck. Ein Leben für andere. Insel Verlag, Wiesbaden 1949, S. 225; zitiert nach Mandelkow, Morawe 1968, S. 723., aber es gab auch regen Widerstand gegen Mercks Theorien, da diese erdgeschichtliche Erklärung als nicht im Einklang mit der biblischen Schöpfungslehre empfunden wurde.So schrieb der Philologe und Reformator des Schulwesens Helfrich Bernhard Wenck, ein Freund Mercks seit Jugendtagen und gemeinsamer Mitarbeiter an den »Frankfurter gelehrten Anzeigen« eine Studie, in der er die Verbreitung von Elephanten im Römischen Reich anhand der alten Quellen ausführlich darlegte, die dann in der Frage kulmulierte Nach dem allen darf man sich nicht wundern, wie von dergleichen fremden Thieren, die zu hunderten durch die Römischen Provinzen getrieben wurden, etwa ein Paar Rhinoceros, oder ein Paar Duzend Elefanten nach dem freyen Teutschland gekommen? [die Zuschrift Wencks wurde von Merck im Teutschen Merkur ausgiebig mit zitiert, inklusive dieser Bemerkung, worauf Merck mit einem würzigen Bonmot erwiderte Rührten diese fossilen Elefanten von der Zeit der Romer her, so würden diese, die den Werth des Elfenbeins so gut kannten, ihre Stofzähne gewiß nicht mit begraben haben. (Merck. An den Herausgeber des T. M. über den Ursprung der Fossilien, in Teutschland. In »Der Teutsche Merkur« Januar 1784, S. 50-63, hier S. 60); eine ausführlichere Beschreibung der Auseinandersetzung liefert Georg Zimmermann. Johann Heinrich Merck, seine Umgebung und Zeit. Frankfurt : J.D. Sauerländer 1871], S. 508–512

Er machte sich auch für die Botanik verdient, indem er eine Neuausgabe der Illustratio systematis sexualis Linnaei, die der deutsch-britische Botaniker John Sebastian Miller zwischen 1770 und 1777 in London in 20 Teilen veröffentlicht hatte, vorbereitete, die 1792, nach seinem Tod, Mercks Witwe herausbrachte. Dieser Ausgabe waren zu den originalen Miller’schen Kupferstichen 108 weitere hinzugefügt, die der in Darmstadt ansässige Conrad Felsing.Illustratio systematis sexualis Linnæi / Paralleltitel Erläuterung des Linneischen Sexual-Systems, per Iohannem Miller ... Mauritium Balthasarem Borckhausen. Adjectis tabulis 108 ad originale millerianum aeri incisis per Conradum Felsing, Darmstadtinum. denuo edita ac revisa. Darmstadii : sumtibus Viduae Merck 1792 - Katalogeintrag der Ausgabe in der Österreichischen Nationalbibliothek

Freund Goethes

Merck war biographisch und durch sein Schaffen aufs Engste mit Goethe verbunden. Dessen Zeichnung im zwölften Buch von Dichtung und Wahrheit bleibt die wichtigste Quelle zum Charakter des Jugendfreundes, obwohl sie unverhältnismäßig stark Mercks harschere Züge hervorhebt.Mandelkow, Morawe 1968, S. 629–630. Goethes Schilderung siehe Hamburger Ausgabe Bd. 9, S. 505ff. (das.)

An anderer Stelle kennzeichnete Goethe das Fruchtbare und Aufbauende in Mercks Wesen.

Der Briefwechsel mit Goethe ab 1776 gibt entscheidende Auskunft über den Dichter vor dessen italienischer Reise und insbesondere in Bezug auf dessen Entwicklung als Naturforscher, da Merck dem Freunde in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen ebenbürtig war.

Zuweilen wurde Merck als das Urbild des Faustischen Mephistipholes bezeichnet.Johann Heinrich Merck : Ausgewählte Schriften zur schönen Literatur und Kunst ; Ein Denkmal hrsg. von Adolf Stahr. 1841 S. V Digitalisat California

Karl August Böttiger bezeichnete Merck als BrocanteurTrödler, Antiquitätenhändler und schöner Geist in Eins, der Weimar oft nur mit einem Frack im Mantelsacke besucht [und] sich aus jedem Rohr eine Pfeife geschnitten habe. Vor allen Dingen aber habe ihn Goethe als Lehrer im einträglichen Geniewesen respectirt.zitiert nach Adolf Stahr. Vorwort. Zu Johann Heinrich Merck : Ausgewählte Schriften zur schönen Literatur und Kunst ; Ein Denkmal hrsg. von Adolf Stahr. 1841 S. V-VI Digitalisat California

Familie Er heiratete am 3. Juni 1766 Louise Françoise Charbonnier. Das Paar hatte fünf Söhne, von denen drei jung starben, und eine Tochter: Wilhelm Merck (* 27. August 1782; † 25. November 1820), Oberforstrat, Landschaftsmaler Carl Rudolph (1768–1835), Assessor im Kriegsministerium Adelheid (1771–1845) ⚭ Johann Anton Merck (1756–1805), Apotheker, Eltern des Gründers der Fa. Merck, Emanuel Merck

Nachlass Merck hinterließ eine bedeutende Sammlung von Silhouetten der Goethezeit, die zu den wichtigen Sammlungen dieser Art für die Werther-Zeit gehört. Sie wurde 1908 von Leo Grünstein ediert.Leo Grünstein: Silhouetten aus der Goethezeit; aus dem Nachlasse Johann Heinrich Mercks hrsg. von Leo Grünstein. Wien 1908. Kritisch zu dieser Edition: Hermann Bräuning-Oktavio: Silhouetten aus der Wertherzeit. Darmstadt 1926, S. 55–57. Das Erstellen und Sammeln von Schattenrissen war eine große Mode der Zeit, nicht zuletzt befeuert durch Johann Caspar Lavaters Theorie der Physiognomik. Lavater und Merck führten diesbezüglich einen intensiven Briefwechsel. Goethe sandte Merck hierzu unter dem 5. Dezember 1774 seine Epistel mit dem Lied des physiognomischen Zeichners.

Johann-Heinrich-Merck-Preis, -Ehrung und -Medaille Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt zu Ehren Mercks – ihr zufolge ein Verfasser „vorbildlicher Kritiken und Essays“ – einmal jährlich den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Die Stadt Darmstadt verleiht die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung an herausragend verdiente Persönlichkeiten der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Die Goethe-Gesellschaft-Darmstadt verleiht seit 1973 in unregelmäßigen Abständen die Johann-Heinrich-Merck-Medaille.

Werke

eine Auswahl von Fabeln und Erzählungen Mercks in: Briefe an Johann Heinrich Merck von Goethe, Herder, Wieland und andern bedeutenden Zeitgenossen : Mit Merck's biographischer Skizze / hrsg. von Karl Wagner. Darmstadt : J.P. Diehl 1835, XII - LX Digitalisat Michigan