Glauchau (im sächsischen Dialekt auch Glauche, obersorbisch Hłuchow) ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Landkreis Zwickau. Im vormaligen Landkreis Chemnitzer Land war sie Kreisstadt. Die Stadt hatte ihre Blüte zur Zeit der Hochindustrialisierung in Deutschland und war ein bedeutender Standort der Textilindustrie.
Geographie Geographische Lage Glauchau liegt an der Zwickauer Mulde, am Rand des Erzgebirgsbeckens, auf einer Höhe von (St. Georgen-Kirche) im Süden des Sächsischen Burgen- und Heidelandes. Die nächsten Oberzentren sind Zwickau (13 km), Chemnitz (26 km) und Gera (33 km). Der Glauchauer Bismarckturm steht auf der Bismarckhöhe () über der Stadt Glauchau. Die Sohle der Zwickauer Mulde bei der Glauchauer Eisenbahnbrücke (Strecken nach Zwickau und Gößnitz) befindet sich auf Höhe.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, ISBN 978-3-939888-59-8, S. 29.
Stadtgebiet Die Stadt umfasst etwa 50 km², wovon 20 km² der Rümpfwald ausmacht. Teile dieses Waldes wurden von der Sowjetarmee als Übungsplatz genutzt. Er ist heute ein Naturschutzgebiet, in dem viele Tiere leben, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt werden.
mini|hochkant=1.2|Marktplatz von Glauchau Stadtgliederung Glauchau besteht aus der Kernstadt und 14 Ortsteilen: Nachfolgende Tabelle zeigt die Einwohnerzahlen dieser Ortsteile am Stichtag der letzten Volkszählung (9. Mai 2011).
Gemeinde-schlüssel Gemeindeteil Bevölkerung 010 Albertsthal 313 020 Ebersbach 131 030 Gesau 1.489 040 Glauchau 14.957 050 Höckendorf 170 060 Hölzel 154 070 Jerisau 503 080 Kleinbernsdorf 37 Gemeinde-schlüssel Gemeindeteil Bevölkerung 090 Lipprandis 117 100 Niederlungwitz 2.677 110 Reinholdshain 863 120 Rothenbach 522 130 Schönbörnchen 797 140 Voigtlaide 183 150 Wernsdorf 665
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Geschichte Ältere Namensformen In mittelalterlichen Urkunden werden Ort, Stadt und Burg mit verschiedenen Namensformen/Schreibweisen betitelt:Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. (Schloss) Hinterglauchau. S. 21–22 (Wolf-Dieter Röber) Cluchowe (Ersterwähnung am 4. März 1240, lateinisch)(Broschüre) Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. private Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Druckerei E. Gutermuth in Grünhainichen, herausgegeben in Chemnitz 2005, (?), ohne ISB-Nummer, S. 7.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, „Cluchowe“ S. 85. Gluchowe (1256, lateinisch) Gluchow (1335, lateinisch) Glauchaw (1524Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 97.) GluchawWalter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 29. Glaucha (1536Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Kapitel „Die Selbständigkeit der Vorstädte“ in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 87.) Glawche (1530),Marina Palm: Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1495. In: Schriftenreihe Heft 4. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, S. 47. dies entspricht offenbar der heutigen sächsischen Aussprache als „Glauche“ Glauchau (um/nach 1675)Steffen Winkler: Sage Die weiße Frau von Glauchau bei Christian Lehmann um 1675. In: Schriftenreihe Sonderheft. (Sagen und Sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1981, DDR, hier S. 21.
Wegen der Schreibweise Glaucha besteht in Urkunden Verwechslungsgefahr mit der ehemaligen Stadt Glaucha bei Halle/Saale.
Namensursprung und Verbreitung Der Name der ursprünglichen slawischen Siedlung „Gluchowe“ (oder „Cluchowe“) leitet sich höchstwahrscheinlich von der slawischen Geländebezeichnung „Gluchov“ oder „gluchy“ ab, was übersetzt lautlos oder still bedeutet.Marina Palm: Aspekte zur Gründung der Stadt Glauchau und ihrer Entwicklung bis 1495. In: Schriftenreihe Heft 4. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1982, S. 46.
Im slawischen Sprachgebiet kommen heute ähnliche Ortsnamen mehrfach vor, so Gluchow in Polen nahe Warschau und ebenso nordöstlich von Kiew in der heutigen Nordukraine.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 50.
Mittelalter mini|Ansicht um 1850 mini|Schlossanlage Forder- und Hinterglauchau
Der Name der Stadt wird so erklärt: Das altsorbische Wort gluch mit der Bedeutung „stiller Ort, dichter Wald“ sei ursprünglich als Waldbezeichnung Ausgangspunkt für Gluchov gewesen, aus dem Glauchau wurde.Ernst Eichler, Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 66.
Im Schutze einer zwischen 1170 und 1180 vom Geschlecht der Schönburger errichteten Burg entstand Mitte des 13. Jahrhunderts mit der – heute sogenannten – Oberstadt ein planmäßig angelegter Ort. Kirchenrechtlich gehörte Glauchau bei seiner Gründung zum Archidiakonat „trans muldam“ des Bistums Naumburg-Zeitz.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 31. 1320 wurde der sedes (Kirchenbezirk) Glauchau dem Bistum Naumburg unterstellt.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, S. 8.
Alle mittelalterlichen Schönburger (im Muldental, im Pleißetal und in Nordböhmen) ließen sich später „Herren von Glauchau und Waldenburg“ nennen, egal ob sie Mitbesitz an der Herrschaft Glauchau hatten oder nicht. Dies bestätigt die Bedeutung Glauchaus als Hauptsitz der Schönburger bereits im Hochmittelalter.Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-9811118-7-3, S. 9.
Am 4. März 1240 wurde die Stadt als Cluchowe ersterwähntReiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, S. 7., als ein „henric de Cluchowe“ (Heinrich von Glauchau) als letzter Zeuge in einer Urkunde des Burggrafen Albrecht von Altenburg genannt wird. Man vermutet, dass Heinrich von Glauchau einer der Vasallen der Schönburger war, die wohl in oder außerhalb der Stadt jeweils Freihöfe bewohnten.Steffen Winkler, Wolf-Dieter Röber, Emmy Forst, Hans-Rainer Wolf, Ralf-Peter Ehrentraut: "Cluchowe|Glauchau, Beiträge zur Stadtgeschichte", Stadt Glauchau und Museum Schloß Hinterglauchau (Hrsg.), Glauchau 1990, S. 16.
1256 erfolgte eine erste indirekte urkundliche Nennung der Burg Glauchau, als Friedrich I. (1247 urkundlich erstgenannt) von Schönburg eine Urkunde , also im Speisesaal oder Palas der Burg ausstellte.Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. Hinterglauchau. S. 21 (Wolf-Dieter Röber).
Eine mittelalterliche Kirche St. Georgen muss schon im Jahre 1256 bestanden haben, denn eine Urkunde aus Glauchau nennt in diesem Jahre einen Pfarrer „Friedericus de Gluchowe“ als pachorrianus venerabilis („ehrwürdigen Pfarrer“).Rolf Scheurer: Die große Glauchauer Stadtkirche St. Georgen. In: Historische Sakralbauten in Glauchau. Schriftenreihe des Denkmalverein e. V. Glauchau, Glauchau 2007, S. 3.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 27, 29. Diese Kirche wurde hier als Eigenkirche der Herren von Schönburg errichtet und unterstand jahrhundertelang ihrem Patronat.
Es bildeten sich aber zunächst mindestens drei rechtlich unabhängige Teilstädte heraus: „Rechtstadt“ (Innenstadt mit Stadtmauer und Marktplatz), „Vorstadt“ (1525: „vorstat Glauchaw“,Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 99. später auch „Lange Vorstadt“ genannt, mit eigener Stadtmauer und Gerichtsbarkeit) sowie die Teilstadt „Hain“ südlich der Burg. Später entstand im Spätmittelalter oder der Frühen Neuzeit noch die damals „Oberstadt“ genannte Gemeinde, die keine Stadtrechte besaß und eine Dorfgemeinde war. Alle Dörfer und Einwohner der Herrschaft Glauchau (außer die der „Rechtstadt“ und der „Vorstadt“) waren dem Landgericht in der Vorstadt rechtlich unterstellt.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: drei Kapitel Die Selbständigkeit der Vorstädte, Die Lange Vorstadt und Rechtstadt, Vorstadt und die vom Hain. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 58/62/70.
Wohl um 1300 übertrugen die Schönburger ihre reichsunmittelbaren Herrschaften Glauchau und Lichtenstein, (mit Genehmigung des deutschen Königs/Kaisers) an den König von Böhmen, und erhielten diese als sogenanntes Reichsafterlehen von letzterem zurück. Sie waren nun hier vor dem Zugriff der Wettiner sicher.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, S. 8. 1335 wurde die Burg Glauchau erstmals urkundlich direkt erwähnt: .Wolf-Dieter Röber: Burgen und Schlösser. In: Autorenkollektiv, u. a. Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler, Wolf-Dieter Röber: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Unterkapitel Schloss Hinterglauchau. S. 21. Burg und Stadt bildeten demnach schon zu dieser Zeit eine befestigte Einheit. Die Burg war wohl in die Stadtmauer eingebunden.
Von 1347 bis 1355 tobte in den Schönburgischen Herrschaften der sogenannte Schönburgische Bruderkrieg. Die Brüder Hermann VIII. († 1356) und Friedrich XI. († 1389) zu Glauchau stritten sich um den Besitz ihres Bruders Dietrich II. (Lebensdaten unbekannt). Dietrich war in den Deutschen Orden eingetreten. Hermann und Friedrich verwüsteten während dieser Fehde in Scharmützeln gegenseitig ihre Besitzungen. 1348 wurde Hermann VIII. im Mülsengrund, einem Tal nahe Glauchau, geschlagen. Als 1349 die böhmische Linie der Schönburger von Burg Hassenstein Kriegsknechte nach Glauchau marschieren ließ, flüchtete die Bevölkerung in Stadt und Burg Glauchau.
Letztlich beauftragte Kaiser Karl IV. den meißnischen Markgrafen Friedrich den Strengen mit der Schlichtung der Fehde.Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. Das Territorium in Kriegszeiten. S. 69 (Ernst-Günter Lattka).
Am 25. November 1372 verzichteten die Markgrafen von Meißen im Pirnaischen Vergleich zugunsten von Kaiser Karl IV. auf ihre lehnsherrlichen Ansprüche an Glauchau, Meerane, Waldenburg und Lichtenstein. Die genannten Herrschaften und Burgen wurden nun direkte Reichsafterlehen, also reichsunmittelbar. Die Schönburger wurden hier Lehnsnehmer des Reiches.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, , S. 9 (Broschüre).