mini|Daniel Seghers (1590–1661) mini|Daniel Seghers (Blumen) und Cornelis Schut (Figuren): Madonna mit Kind in einer Blumengirlande, Öl auf Holz, 76 × 53 cm, Prado, Madrid
Daniel Seghers (oder: Zeghers), auch bekannt als „Jesuit von Antwerpen“Seghers, Daniel or Zeghers; known as The Jesuit of Antwerp, Artikel in: Bénézit Dictionary of Artists (online) (* 3.Adriaan van der Willigen, Fred G. Meijer: Daniel Seghers, in: A dictionary of Dutch and Flemish still-life painters working in oils : 1525-1725, Primavera [etc.], Leiden, 2003, S. 180Irene Haberland: Seghers, Daniel, Artikel in: Grove Art online.Ulrike B. Wegener: Seghers, Daniel, Artikel in: Allgemeines Künstlerlexikon : die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker ("Saur"), Bd. 102: Schleime-Seitter, Saur/De Gruyter, München/Berlin, 2019, S. 493 (Hier nach der Online-Version). (?) Dezember 1590 in Antwerpen, Spanische Niederlande; † 2. November 1661 ebenda) war ein flämischer Maler des Barock, der für seine Blumenbilder berühmt ist.
Leben
Er kam in Antwerpen als Sohn des wohlhabenden Seidenhändlers Pieter Seghers und dessen Frau Margaretha van Gheele zur Welt und wurde laut RKD am 6. Dezember 1590 getauft; einige neuere Quellen geben den 3. Dezember als Geburtstag an.
Nach dem Tode seines Vaters ging der Elfjährige zusammen mit seiner Mutter in die nördlichen Niederlande, wahrscheinlich nach Utrecht, wohin sein Großvater mütterlicherseits aus Glaubensgründen emigriert war. Nach einigen Autoren konvertierte die Mutter nun (erst) zum Calvinismus und erzog Daniel entsprechend im reformierten Sinne.Marie Louise Hairs: Seghers, Daniel, in: Dictionnaire des peintres belges, hier nach der Online-Version (französisch; Abruf am 10. August 2022)
Seine malerische Ausbildung begann er vermutlich um 1605 in Utrecht, kehrte aber um 1609 nach Antwerpen zurück und wurde Lehrling bei Jan Brueghel d. Ä. Bereits 1611 wurde er als Meister in der Malergilde Antwerpens aufgenommen.
Der inzwischen wieder zum Katholizismus übergetretene begabte junge Künstler entschloss sich, am 10. Dezember 1614 in den Jesuitenorden einzutreten und verbrachte sein Noviziat bis 1617 in Mechelen; danach lebte er bis 1621 im Professhaus des Ordens in Antwerpen und bis 1625 im Jesuitenkolleg zu Brüssel, wo er nachweislich zwei große Girlandenbilder für die Kathedrale St. Michel malte und am 27. Juli 1625 sein endgültiges Gelübde ablegte.
Der Orden sandte ihn daraufhin nach Rom, wo er am 6. Dezember 1625 bei den Jesuiten nachgewiesen ist. Dort malte er anscheinend einige Girlandenbilder zusammen mit Nicolas Poussin (eine Pietà und eine Madonna im Blumenkranz) und mit Domenichino (Blumenkranz mit Triumph des Cupido, Louvre, Paris).Aufgrund eines zeitgenössischen Inventareintrags zweifeln einige Autoren, ob die Girlande mit Domenichino nicht in Wirklichkeit von einem italienischen (?) Maler namens „Mauro“ stammt; der als möglich vorgeschlagene Mario Nuzzi scheidet allerdings aus stilistischen Gründen aus. Siehe: Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 332
mini|links|hochkant=0.7|Blumen in einer Glasvase mit Admiral, signiert, Öl auf Kupfer, 38,1 × 26,7 cm, Privatsammlung (?)
Seghers war im September 1627 zurück in Antwerpen und verbrachte von da an sein gesamtes Leben im dortigen Professhaus der Jesuiten. Er stieg bald zum besten und einflussreichsten flämischen Blumenmaler seiner Zeit auf und seine Gemälde wurden in ganz Europa bewundert. Er signierte sie jedoch nur selten, und wenn, dann immer mit dem Hinweis auf seine Ordenszugehörigkeit, mit Daniel Seghers Soc(ieta)tis Jesu, wobei der Eigenname auch in Initialen erscheinen kann (D. Seghers oder DS). Datierte Werke gibt es nur aus dem Zeitraum von 1635 bis 1651.
Er malte in erster Linie Girlandenbilder mit religiösen Darstellungen, die von anderen Figurenmalern ausgefüllt wurden. Zu seinen bekannten Mitarbeitern gehören Abraham van Diepenbeeck, Cornelis Schut, Erasmus Quellinus II., Theodor van Thulden, Simon de Vos, Thomas Willeboirts Bosschaert, Gonzales Coques, Jan van Balen und Gerard Seghers. Seltener schuf er auch reine Stillleben von einfachen kleinen Blumenfestons oder mit kleinen Sträußen in gläsernen Vasen, die in ihrer relativen Einfachheit als besonders zauberhaft gelten und von denen nur etwa 30 bekannt sind. Daniel Seghers : ‚Roses, tulips, irises and other flowers in a glass vase with a cabbage white butterfly‘, Lot Essay zu einer Auktion bei Christie’s, 3. Dezember 2019, Lot 21 (englisch; Abruf am 10. August 2022) Sein frühestes datiertes Bild ist eine Blumenvase von 1635 im Toledo Museum of Art (Toledo, Ohio).Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 282
Seghers verdiente wahrscheinlich nichts mit seinen Malkünsten, häufig wurden sie von den Jesuiten als Geschenke an bekannte Persönlichkeiten der Zeit und verschiedene europäische Fürsten verwendet.Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 372 Beispielsweise war ein großes, 1645 datiertes Girlandenbild mit einer Statuette der Maria mit Kind von Daniel Seghers und Thomas Willeboirts Bosschaert ein Geschenk für den protestantischen (!) Statthalter Frederik Hendrik von Oranien-Nassau und seine Frau Amalie von Solms, weshalb Seghers als Anspielung an das Haus Oranien auch einige Zweige mit Orangenblüten und unreifen Orangen in die Komposition einfügte. In diesem Fall erhielt er als Belohnung einen goldenen Rosenkranz und zwei goldene Kruzifixe. Das Bild selber wurde in Huis ten Bosch über einem Kamin aufgehängt und befindet sich heute im Mauritshuis (siehe Abb. unten rechts). Daniël Seghers & Thomas Willeboirts Bosschaert : ‚Bloemencartouche met Mariabeeld‘ im Mauritshuis, Den Haag (niederländisch, Abruf am 11. August 2022) mini|Gemeinsam mit Thomas Willeboirts Bosschaert: Blumengirlande mit Statue der Jungfrau Maria mit Kind, 1645, Öl auf Leinwand, 151,0 × 122,7 cm, Mauritshuis, Den Haag. Das Bild war ein Geschenk für Frederik Hendrik von Oranien und seine Frau Amalie von Solms und hat als Anspielung auf das Haus Oranien einige Orangenzweige im Dekor. Seghers malte viele ähnliche Kompositionen mit stehender Marienstatuette, meist etwas kleiner und schlichter und ohne Orangen.Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 336
Auch andere Protestanten gehörten zu seinen Verehrern, beispielsweise Friedrich Wilhelm von Brandenburg (der „Große Kurfürst“), der 1646 in Den Haag – offenbar während der Hochzeitsfeierlichkeiten mit Luise Henriette von Oranien – ein Gemälde von Seghers – vielleicht die soeben genannte Girlandenmadonna (?) – bewunderte und den Wunsch äußerte, ebenfalls eines zu besitzen; tatsächlich sandte ihm Seghers im Jahr darauf eins seiner Werke.Auf der Website des RKD wird er „Elector Frederic III“ genannt, als Quelle ist angegeben: Horst Gerson: Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, B. M. Israel, Amsterdam, 1942/83, S. 229, Anm. 3). Andere „Seghers-Liebhaber“ waren Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich, Königin Christine von Schweden und Charles I. von England; der spätere Charles II. besuchte Seghers 1649 in seiner Werkstatt. Unter den Persönlichkeiten aus gelehrten oder künstlerischen Kreisen, die Seghers’ Kunst bewunderten und teilweise öffentlich lobpreisten, waren der Dichter Joost van den Vondel, Constantijn Huygens, Lucas van Uden und Peter Paul Rubens.
Im Winter 1660 reiste er aus gesundheitlichen Gründen nach Gent, starb jedoch nach seiner Rückkehr in Antwerpen am 2. November 1661.
Seghers Einfluss auf jüngere Künstler kann kaum unterschätzt werden. Schüler im eigentlichen Sinne war Jan Philip van ThielenVan Thielen wird teilweise als sein einziger wirklicher Schüler und direkter Nachfolger bezeichnet. Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 372 und 374 und anscheinend auch Ottmar Elliger d.Ä. Einen starken Einfluss hatte er auf Jan Davidsz. de Heem, Jan van Kessel, Joris van Son, Frans Ykens, Jan Antonie van der Baren, Jan van den Hecke, Gaspar Pieter Verbruggen d. Ä. und Nicolaes van Verendael.Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 282–283
Im 20. Jahrhundert wurde Seghers’ eigenes Inventar gefunden, in dem er 239 seiner Gemälde auflistet, oft mit Angaben, für wen sie gemalt wurden; bei seinen Girlandenbildern nennt er auch den jeweiligen Mitarbeiter.Wolfgang Prohaska et al.: Das flämische Stillleben 1550–1680 (Sinn und Sinnlichkeit) (Katalog der Ausstellung in der Villa Hügel, Essen, und im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2002), Kulturstiftung Ruhr Essen / Luca Verlag, Lingen, 2002, S. 332 und 334 In Anbetracht seiner vielen Nachahmer wurde eine Identifizierung seiner eigenhändigen Gemälde durch diesen Katalog vereinfacht.
Werk und Stil mini|links|hochkant|Ein Feston mit Rosen, Narzissen, Anemone, Tulpe, Hyacinthen und Flieder, ca. 1640er Jahre, Öl auf Holz, 64,3 × 54,2 cm, Privatsammlung (?)
Daniel Seghers malte fast ausschließlich Blumen. Er arbeitete in Öl auf Kupfer, Holz oder Leinwand und schuf Gemälde verschiedener Größen, vom kleinen Blumenstillleben über Bilder für die private Andacht bis hin zu Altargemälden.
Seghers war anscheinend der Erfinder einer neuen Art des Girlandenbildes, bei dem das mittlere Motiv nicht mehr durch einen Blumenkranz oder eine geschlossene Girlande – wie bei seinem Lehrer Jan Brueghel I – umrahmt wird, sondern durch eine illusionistisch, in Grisaille-Technik gemalte steinerne Kartusche, die mit zwei bis sechs Festons aus Blumen dekoriert ist. Trotz seiner relativ eng gefassten Spezialisierung ermöglichte ihm dies eine gewisse Vielfalt an Kompositionen. Das Innere der Kartusche konnte durch einen anderen Maler durch ein farbiges Gemälde oder durch ein ebenfalls in Grisaille ausgeführtes Schein-Relief oder eine Statuette ausgefüllt werden. Meistens handelt es sich dabei um eine religiöse Darstellung, ein Bildnis der Madonna mit Jesuskind, der Heiligen Familie, des wiederauferstandenen Jesus oder christlicher Heiliger, beispielsweise Ignatius von Loyola oder die heilige Teresa von Avila. Von Seghers sind jedoch auch Girlanden mit Porträts erhalten, auch diese manchmal in Grisailletechnik als „Pseudo“-Relief oder -Büste ausgeführt (z. B. von Nicolas Poussin oder Erzherzog Leopold Wilhelm).