mini|Die Altstadt, Blick von der Zinne (Berg Tâmpa) Brașov ([]; ; oder , , siebenbürgisch-sächsisch Kruunen oder Kruhnen, )Kronstadt/Braşov/Brassó. Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 30. Juli 2024, abgerufen am 2. April 2025. ist eine Großstadt in Rumänien mit 237.589 Einwohnern (Stand 2021). Historisch war sie eines der Zentren der Siebenbürger Sachsen und die wirtschaftlich stärkste Stadt Siebenbürgens.

Namen Die Stadt wurde historisch Stephanopolis, abgeleitet von und , sowie Cronstadt, Corona und Krunen genannt.Robert Offner: Kronstadt, der Stadtarzt Paulus Kyr und Ferrara. In: Robert Offner (Hrsg.): Paulus Kyr, Die Gesundheit ist ein köstlich Ding. Ein ins Deutsche, Rumänische und Ungarische übersetzter und mit zeitgenössischen Bildern versehener und kommentierter Nachdruck des Gesundheitslehrbuches des Kronstädter Arztes Paulus Kyr: Schiller Verlag, Hermannstadt/Bonn 2010, ISBN 978-3-941271-33-3, S. 9–20, hier S. 9.J. G. Th. Graesse: Orbis latinus. G. Schönfeld, Dresden 1861, (columbia.edu mit alphabetischer Suchfunktion). Laut Orbán Balázs wird der Name Corona – das lateinische Wort für „Krone“ – erstmals 1235 im Catalogus Ninivensis erwähnt, mit der Anmerkung, dass auf dem Gebiet der römisch-katholischen Diözese von Kumanien ein Klosterviertel existiert. Anderen Vermutungen zufolge leitet sich der Name von einem alten Wappen der Stadt ab. Die beiden Stadtnamen Kronstadt und Corona wurden im Mittelalter zusammen mit dem mittellateinischen Brassovia gleichzeitig verwendet.

Nach Dragoș Moldovanu stammt Brașov von dem Namen des in einer Urkunde von 1211 erwähnten Flusses Bârsa, dessen Name von eingewanderten Slawen zu „Brasov“ umgewandelt wurde. Laut Pál Binder leitet sich der ungarische Name Brassó ([ˈbrɒʃʃoː]) vom türkischen Wort „barasu“ („weißes Wasser“) ab, woran das slawische Suffix -ov gehängt wurde. Andere Linguisten schlugen Etymologien wie das altslawische Anthroponym „Brasa“ vor. Die erste beglaubigte Erwähnung dieses Namens befindet sich in einem 1252 von Béla IV. von Ungarn ausgestellten Dokument der Terra Saxonum de Barasu („Sächsisches Land von Baras“).

Von 1950 bis 1960 hieß die Stadt Orașul Stalin (Stalinstadt), benannt nach dem sowjetischen Diktator Josef Stalin.

Geographische Lage mini|Brașov-Schriftzug über der Stadt an der Zinne (Berg Tâmpa). Der Berg wird von der deutschsprachigen Bevölkerung als Zinne oder Kapellenberg bezeichnet. Die „Stadt unter der Zinne“ liegt im gleichnamigen Kreis im Burzenland im Südosten Siebenbürgens, Rumänien. Im Süden und Osten ist die Stadt von den Karpaten umgeben. Die nächstgelegenen größeren Nachbarorte sind (im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend) Sfântu Gheorghe, Ploiești, Târgoviște, Pitești, Hermannstadt und Mediaș.

Geschichte mini|Die „Piața Sfatului“, der Marktplatz mit Rathausturm (2003) Kronstadt wurde von den Ritterbrüdern des Deutschen Ordens im frühen 13. Jahrhundert als südöstlichste deutsche Stadt in Siebenbürgen unter dem Namen Corona gegründet (später auch Krunen genannt). 1225 mussten die Deutschordensritter ihre Komturei Kronstadt verlassen und ließen sich im Baltikum nieder (siehe auch: Deutscher Orden: Gescheiterte Staatsbildung in Siebenbürgen). Kronstadt war über Jahrhunderte neben Hermannstadt das kulturelle, geistige, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Siebenbürger Sachsen, die seit dem 12. Jahrhundert auf Einladung des ungarischen Königs in der Region siedelten und bis ins 19. Jahrhundert hinein die Mehrheit der Stadtbevölkerung bildeten. Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen und seit dem 14. Jahrhundert immer wieder Türken in die Stadt ein. Um 1500 hatte Kronstadt etwa 10.000 bis 12.000 Bewohner und war die größte Stadt Siebenbürgens, die ihren Reichtum und damit auch ihre SelbständigkeitMaja Philippi: Von der Gründung der Stadt bis zur Erringung der Autonomie um 1500. In: Harald Roth (Hrsg.): Kronstadt. Eine siebenbürgische Stadtgeschichte. Universitas, München 1999, ISBN 3-8004-1375-2. dem Handel verdankte. Nebst den Sachsen lebten auch Ungarn, Rumänen, Roma, Armenier und Griechen hier. Die Schwarze Kirche, die gotische Stadtpfarrkirche, war die größte südöstlich von Wien. Mit vielen Schulen war die Stadt ein wichtiges Zentrum des siebenbürgisch-sächsischen Humanismus.

Ab 1523 kamen erste evangelische Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchton in die Stadt. Der bekannteste Humanist Kronstadts war der Schulmann und spätere Kirchenreformator Johannes Honterus (1498–1549), der zuerst Philologe, Pädagoge, Geograph und Buchdrucker war. Nach seiner Ausbildung in Wien und weiteren Stationen kehrte er 1533 als Anhänger des Basler Reformators Johannes Oekolampad zurück. Er reformierte das Schulwesen, um humanistische Bildungsziele zu erreichen. Er eröffnete eine Druckerei und gab zahlreiche Schriften heraus. 1542 konnte die seit 1541 als autonomes Fürstentum unter türkischer Oberhoheit stehende Stadt und das Umland dank dem neuen Stadtrichter Johannes Fuchs (Nachfolger von Lukas Hirscher)Robert Offner: Kronstadt, der Stadtarzt Paulus Kyr und Ferrara. 2010, S. 10 f. für die Reformation gewonnen werden. 1543 gab Honterus die Bekenntnisschrift „Reformationsbüchlein für Kronstadt und das Burzenland“ heraus, worin er sich an die Reformationsordnung Nürnbergs anlehnte, das er 1529 besucht hatte. Damit galt die Reformation der Kronstädter Stadtbevölkerung als vollzogen und es folgten bald weitere Städte. Ebenfalls 1543 gründete Honterus (nach Vorbildern in Nürnberg und Basel) das die alte Lateinschule erneuernde Studium Coronense als humanistisches Gymnasium, worauf sich das spätere Honterusgymnasium gründet.Robert Offner: Kronstadt, der Stadtarzt Paulus Kyr und Ferrara. 2010, S. 11 f. 1544 wurde er Stadtpfarrer, und die Reformation lutherischer Ausprägung konnte sich weiter durchsetzen. 1550 wurde die „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“ von der Universität für die deutschen sächsischen Siedlungen verbindlich erklärt. 1560 wurden andere Bekenntnisse als die lutherische Konfession verboten.

Noch bis ins 17. Jahrhundert hinein waren Stadt und Region durch ihre Lage an der Grenze zum osmanischen Machtbereich immer wieder bedroht. Kronstadt und seine Umgebung gehörten zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen bzw. zur Habsburgermonarchie, bis sie nach dem Vertrag von Trianon von 1920 an Rumänien abgetreten werden musste.

In der Zeit von 1950 bis 1960 wurde die Stadt im Gefolge des Personenkults um Stalin in Orașul Stalin (Stalinstadt) umbenannt. Die neue Stadtbezeichnung nahm in der DDR der Verlag Volk und Wissen in seinen Schulatlas auf (hier Ausgabe 1960), die deutsche Bezeichnung Kronstadt jedoch nicht, obwohl bei Klausenburg und Hermannstadt die deutschen Bezeichnungen mit angegeben sind. Das Denkmal Stalins stand auf dem Platz vor dem Gebäude Bulevardul Eroilor Nr. 5.

Bereits 1987, zwei Jahre vor der Rumänischen Revolution von 1989, gehörte Brașov zu den ersten Städten Rumäniens, in denen sich Arbeiter im Aufstand von Brașov gegen die Ceaușescu-Diktatur erhoben. Von den etwa 300 inhaftierten Teilnehmern wurden 61 Männer für sechs Monate bis zu drei Jahren in unterschiedliche Städte des Landes wie Filiași, Târgoviște, Brăila oder Bârlad umgesiedelt. Auch deren Ehefrauen wurden unterschiedlichen Schikanen ausgesetzt.

1996 ernannte die Stadt etwa 50 TodesopferLista eroilor din judetul Brasov. In: portalulrevolutiei.ro, abgerufen am 1. September 2020 (rumänisch; deutsch: Liste der Todesopfer der Revolution von 1989 in Brașov). der Revolution von 1989 zu Ehrenbürgern der Stadt.

2017 wurde Brașov der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Reformationsstadt Kronstadt (Brasov). Rumänien. Ein feste Burg. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 2. September 2020.

Archäologische Funde Auf dem inzwischen teilweise abgetragenen Gesprengberg (Dealul Șprenghi), zwischen der Bartholomäuskirche und dem Stadion am Rande der Bartholomae-Vorstadt, stand im frühen Mittelalter eine Befestigung, die Gesprengburg, die vermutlich im 12.–13. Jahrhundert als Burg mit Erdwall und Graben errichtet und im 14.–15. Jahrhundert in Stein ausgebaut und mit einem sechseckigen Turm versehen wurde.

Bevölkerung Um 1500 hatte Kronstadt etwa 11.000 Einwohner und war die bevölkerungsreichste, wirtschaftlich mächtigste und somit bedeutendste Stadt Siebenbürgens.Robert Offner: Kronstadt, der Stadtarzt Paulus Kyr und Ferrara. 2010, S. 9 f.Vgl. auch Maja Philippi: Von der Gründung der Stadt bis zur Erringung der Autonomie um 1500. In: Harald Roth (Hrsg.): Kronstadt. Eine siebenbürgische Stadtgeschichte. Universitas, München 1999, ISBN 3-8004-1375-2. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Deutschen (Siebenbürger Sachsen) die zahlreichste Volksgruppe in Kronstadt. Bei der österreichischen Volkszählung von 1850 wurden 21.782 Einwohner gezählt, davon 8.874 Deutsche (Siebenbürger Sachsen; 40,8 %), 8.727 Rumänen (40 %) und 2.939 Magyaren (13,4 %). Im Jahr 1880 lebten in Brașov 29.584 Einwohner, die etwa je zu einem Drittel Deutsche, Magyaren und Rumänen waren. Bis in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen weisen die Volkszählungen eine leichte zahlenmäßige Dominanz der Magyaren aus. 1941 wurde mit 16.210 die größte absolute Zahl der Deutschen registriert; wegen der stärkeren Zunahme insbesondere der rumänischen Bevölkerung betrug der Anteil der Deutschen jedoch nur noch 19 %. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg lebten noch etwa 10.000 Deutsche in der Stadt. Seit den 1970er Jahren nahm ihre Zahl durch Auswanderung nach Deutschland kontinuierlich ab und liegt heute unter 2.000. Die Gesamtbevölkerung von Brașov stieg bis auf 324.000 im Jahr 1992 und ist seitdem rückläufig. Zur Volkszählung 2002 wurden noch etwa 285.000 Bewohner registriert, darunter 258.000 Rumänen, 23.200 Magyaren, 1.700 Deutsche, 800 Roma und je 100 Juden und Russen bzw. Lipowaner.Varga E. Árpád: (PDF; 512 kB). In: kia.hu, abgerufen am 10. August 2009 (ungarisch).Rumänien: Kreise und größere Städte. In: citypopulation.de, abgerufen am 31. Mai 2018 (Zensus ab 1977). Bei der Volkszählung 2011 bekannten sich von den 253.200 registrierten Menschen, 219.019 als Rumänen, 16.551 als Magyaren, 1.188 als Deutsche, 845 als Roma, je 75 als Lipowaner und Italiener, 70 als Juden, 69 Griechen, 65 als Türken und noch einige andere Ethnien.Volkszählung, 1852–2011. In: adatbank.ro, abgerufen am 21. Dezember 2023 (ungarisch).

In einer Statistik der Generaldirektion für Sozialhilfe und Kinderschutz (DGASPC) Brașov wurden laut einem Bericht von 2020 492 obdachlose Minderjährige in Brașov gezählt, und für 31 von ihnen wurde eine Sondermaßnahme eingeleitet. 2021 waren es fast 600 Straßenkinder und Mitte 2022 waren es 214, von denen 42 eine besondere Schutzmaßnahme erhielten.

Politik Mandatsverteilung Mandate im Lokalrat:(Wahlen 2020): USR (12), PNL (11),PSD (4)

mini|Impressionen aus Brașov (2010) mini|Dreisprachiges amtliches Ortseingangsschild mit dem rumänischen, deutschen und ungarischen Stadtnamen

Dem Lokalrat von Brașov gehören 27 Mitglieder an. Bürgermeister ist George Scripcaru (PNL). Politische Interessenvertretung der deutschsprachigen Minderheit ist das Demokratische Forum der Deutschen (DFDR/FDGR) im Kreis Kronstadt.

Städtepartnerschaften Angaben der offiziellen Homepage von Brașov: