Japanische Pornografie hat einige einzigartige Merkmale, die sie von Pornografie in anderen Kulturen, besonders der westlichen Pornografie unterscheidet. Sie wird jedoch aufgrund ihres breiten Spektrums an Themen und Medien ziemlich oft übersetzt und in westliche Kulturen exportiert. Japanische Erotika haben im Westen die Reputation, aufgrund kultureller Differenzen und verschiedener Tabus sado-masochistisch und jugendzentriert zu sein.

Geschichte Bis zur Meiji-Restauration Folgt man den Forschern, kam das Konzept der „Pornografie“ in der Edo-Zeit auf, als alle Formen der Volkskultur blühten. Alle Formen der Pornografie florierten, mit Ausnahme von Figuren und Statuen. Hierbei entstanden häufig auch Werke mit künstlerischem Wert. Diese stammten oft von hochgelehrten Adeligen und wurden häufig als Kunstwerke angesehen. Sowohl die Japanische Mythologie als auch Shinto treffen wenige Aussagen über Sexualität. Ein sexueller Akt ist und war ein Akt der Glücklichkeit ohne Schuldgefühle oder Sünde.

Bis zur Kamakura-Zeit im 12. Jahrhundert ging ein Mann zu dem Haus einer Frau, um hineingebeten zu werden, und viele Gedichte vor dieser Zeit waren Liebesgedichte. Durch sorgsamen Satzbau und Wortverwendung konnte ein scheinbar unschuldiges Gedicht auch als leidenschaftliches Liebesgedicht gelesen werden. Wenig in der Poesie Talentierte baten oft einen Freund, für sie zu schreiben, und dies verursachte manchmal beschämende Situationen, wenn zwei mit demselben Schreiber befreundete Personen dasselbe Gedicht derselben Frau gaben.

Das gemeine Volk traf sich stattdessen auf einem matsuri oder anderen Festen. Es ist kein Zufall, dass die meisten matsuri nachts gehalten wurden. Das Volk hatte wenig, wenn überhaupt Bedarf für pornographisches Material.

In der Kamakura-Zeit machte der auf Meditation fokussierende Zen-Buddhismus die Samurai weniger offen für offensichtliche Sexualität und fokussierte mehr auf Formalitäten.

Die Heiratsbräuche änderten sich dahingehend, dass man heiratete und die Frau in die Familie des Mannes eintrat, so dass weniger Bedarf für leidenschaftliche Verse bestand. Wenige erotische oder pornographische Werke aus der Kamakura- und Muromachi-Zeit sind bekannt. Aus der Sengoku-Zeit sind sogar noch weniger bekannt.

In der Edo-Zeit florierte die Pornografie wegen eines einzigartigen Charakteristikums der Stadt Edo. Weit mehr als 60 % der Bevölkerung der Stadt war männlich, und diese Männer kamen aus ganz Japan, um hier für Jahre zu arbeiten. Diese waren bereits zuvor verheiratet oder kehrten später in ihre Heimatstädte zum Heiraten zurück. Bei ihrer Rückkehr hatten sie wertvolle Fähigkeiten, wie Lesen, Schreiben und Handwerke gelernt. Der Überschuss an jungen Männern forderte Mittel zur Erfüllung ihrer sexuellen Bedürfnisse. Staatlich kontrollierte Prostitution, wie sie z. B. in Yoshiwara, einem berühmten Rotlichtbezirk, praktiziert wurde, war eine Antwort, Pornografie eine andere.

mini|Pornografischer Druck aus dem 19. Jahrhundert Es gab viele pornografische Materialien. Shunga oder pornografische Holzblockdrucke gab es mit allen vorstellbaren Motiven. Sie waren oft in ein Buch gebunden, mit Sätzen zur Beschreibung der Situation und oft auch einer kurzen Beschreibung einer Handlung. Zum Ende der Edo-Zeit, als Ausländer weiter bekannt und öfter gesehen wurden, wurden sogar sexuelle Akte mit männlichen Ausländern verkauft. Der tatsächliche Gebrauch der shunga war nicht so einfach. Weniger eindeutige Bücher mit Kimonos, die den Körper größtenteils bedeckten, wurden für die Sexualerziehung verwendet, während eindeutigere vielleicht für die Masturbation benutzt wurden, und andere gemeinsam mit einer/einem Geliebten betrachtet wurden. An vielen Orten wurden Shunga durch die Brauteltern der Frau zum Gebrauch in der Ehe mitgegeben. 1788 hatte das Shunga-Buch Haikai Yobukodori eine einzelne Abbildung auf jeder Seite mit einer langatmigen Beschreibung dazu. Diese Shunga wurden auch aus Büchereien ausgeliehen. 1808 gab es 656 auf Shunga spezialisierte Geschäfte in Edo sowie 300 in Osaka. Das heißt, es kam in Edo etwa ein Laden auf je 1500 Einwohner. Viel „softeres“ Material war ebenfalls verfügbar. Es gab auch Blockdrucke von Prominenten wie z. B. komplett im Kimono bekleideten Kabuki-Schauspielern und Geishas.

Nach der Meiji-Restauration bis zum Zweiten Weltkrieg Nach der Meiji-Restauration 1868 ging die Publikation von pornografischem Material auf Druck der Regierung zurück. Selbst im 20. Jahrhundert fürchtete die Regierung, dass eine sexuell so offene Kultur wie die in Japan, von europäischen Ländern als rückständig angesehen werden könnte. Es wurden keine Shunga mehr produziert und die vorhandenen wurden zu Schleuderpreisen als „Erotische Kunst“ ins Ausland verkauft. Pornografische Romane wurden im Untergrund weiter produziert, da sie aufgrund der Sprachbarriere im Ausland nicht weit bekannt werden konnten. Pornografische Kunstwerke wurden ebenfalls weiter produziert, genossen aber in der Öffentlichkeit geringes Ansehen.

In der späten Taisho-Zeit und frühen Shōwa-Zeit, kam – beeinflusst durch „dekadente“ Kunstwerke aus Europa – eine künstlerische Bewegung, genannt Ero Guro Nansensu, wörtlich: „erotisch-grotesker Nonsens“ auf. Diese Worte wurden verwendet, da sie Neuheit und Modernität vermittelten. Bis in die 1950er Jahre wurde Pornografie noch immer nur sehr eingeschränkt hergestellt. Offen sexuelle Darstellungen waren in Romanen und Manga erlaubt, für die Bereiche Bildmaterialien und Filme existierte hingegen eine strenge Kontrolle. Während des Zweiten Weltkrieges war pornografisches Material generell verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Durch Magazine wie den Playboy beeinflusst, wurden bald nach Kriegsende pornografische Magazine produziert. Diese Magazine deckten schnell alle Genres ab und brachten sowohl pornografische Romane als auch Bilder heraus. Der Playboy selbst hatte jedoch keinen Erfolg in Japan. Seine Artikel handelten vom amerikanischen Lebensstil, die Frauen waren hauptsächlich Nicht-Asiatinnen, die enthaltenen Interviews waren zuvor als Ausdrucksmittel in Japan im Wesentlichen unbekannt, Mode und Sport waren amerikanisch. Stattdessen löste der Playboy die Bildung eines neuen Fetischs und eines Genres aus, das als Yomono (wörtlich: „westliche Dinge“) bekannt wurde. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts überarbeitete der Playboy seine Artikel und seinen Stil für die japanische Ausgabe. Man ließ danach nur noch japanische Autoren ausschließlich über Japan schreiben und den größten Teil des Originalinhaltes fallen.

In den frühen 1960er Jahren begannen mehrere Filmstudios, wie Pinku eiga und Roman Porno (wörtlich: romantischer Porno), gezielt für Pornokinos zu drehen. Aufgrund der Zensurgesetze, die das Zeigen von Genitalien verboten, davon abgesehen aber alles Andere erlaubten, diversifizierten diese Filme schnell, um möglichst viele Genres abzudecken. Das Spektrum reichte hierbei von Vergewaltigung bis hin zu Bondage. Von den 1960er bis in die späten 1980er Jahre führten mehrdeutige Zensurgesetze zu Hunderten von Gerichtsverfahren, die sich mit Erotika und Pornografie auseinandersetzten. Um Mitternacht sendeten die meisten Fernsehsender hauptsächlich Softcore-Pornos, bis ihre Einschaltquoten wegen der konkurrierenden (Hardcore) Porno-Filme sanken.

Die Ausbreitung von pornografischen Videos in den 1980er Jahren zerstörte letztlich den Markt für pornografische Kinos. Videotheken boten Pornografie zu einem Preis weit unterhalb dem der Kinos an.

Weil japanische Familien zu dieser Zeit zumeist mindestens zwei Fernsehapparate und Videorekorder besaßen, wurden auch mehr Videos verkauft. Es wird behauptet, dass VHS sich am Markt letztlich deshalb gegenüber dem Betamax-Format durchsetzte, weil zahlreiche Pornofilme im VHS-Format veröffentlicht wurden. Wenige Videos wurden auf Laserdisc verkauft, CD und später DVD wurden benutzt, um Pornografie zu verbreiten.

1983 kam der Nintendo Famicom heraus, einige pornografische Spiele folgten nach. Nintendo wollte jedoch, dass diese Geräte familienorientiert sein sollten und pornografische Spiele wurden aus dem Markt ausgeschlossen. Computerspiele ohne diese Beschränkung des Inhalts (sieht man von den Zensurgesetzen einmal ab) wurden in Folge beliebt, um pornografische Inhalte zu vertreiben. Frühe CDs und DVDs wurden auf Personal Computern betrachtet. Weil wenige Japaner einen Grund sahen, Spiele auf einem PC – statt der üblichen Videospielkonsolen – zu spielen, wurden Computerspiele damals manchmal als Synonym zu Erogē angesehen.

In den späten 1980er Jahren expandierte der Markt der von Manga-Amateuren herausgegebenen Dōjinshi, Comics, die sich mit den Abenteuern bekannter Manga- oder Anime-Figuren beschäftigen. Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte dieses Marktes aus Pornografie besteht. Urheberrechtsprobleme plagen den Markt, doch war der dojinshi-Markt auch ein übliches Sprungbrett für eine professionelle Karriere bei einer Zeitschrift, so begann Yaoi (eine besondere dojinshi-Spielart mit homosexuellen Themen) auf diesem Markt. Seit Mitte der 1990er Jahre begann der dojinshi-Markt auch, selbst pornografische Spiele zu produzieren und zu verkaufen.

In den 1980er Jahren begannen die an einem männlichen Publikum orientierten Zeitschriften, mehr explizit sexuellen Inhalt anzubieten. Hieraus entstanden keine bedeutenden sozialen Probleme, schon zuvor existierten an einem weiblichen Publikum orientierte Zeitschriften, deren Inhalt in einiger Hinsicht erheblich eindeutiger war.

Bewegungen und Zensur Japanische Pornografie hat sich diversifiziert, um eine gewaltige Zahl von Kategorien und Bedürfnissen zu erfüllen. Einige der Themen waren so seltsam, dass die Unterschiede für Außenstehende kaum noch zu erkennen waren. Diese Vielfalt entstand aus drei Hauptgründen: Unterhaltung durch das Entwickeln von Ausdrucksmitteln, Ausfüllen von Marktnischen und Umgehung von Zensurgesetzen. Religiöser Konservatismus oder Feminismus waren in Japan kein wichtiger Faktor in Bezug auf Pornografie.

Bukkake, bei der viele Männer auf das Gesicht einer einzelnen Frau ejakulieren, ist ein Beispiel für ein Zusammentreffen aller drei oben genannten Gründe: eine Überspitzung der Idee und eine Alternative dazu, tatsächlichen Geschlechtsverkehr zu zeigen, wobei die Genitalien nach den Zensurgesetzen hätten unkenntlich gemacht werden müssen. Sie wird mit geringfügigen Varianten in jeder denkbaren Situation vermarktet, mit kostümierten oder nackten einzelnen Männern in verschiedenen Altersstufen oder aber auch mit über hundert Männern.

Anti-Pornografie-Bewegungen Kritik an der Pornografie kommt in Japan hauptsächlich von der Parent Teacher Association (PTA). Diese glaubt, dass der leichte Zugang zu pornografischem Material Kinder zu unmoralischem Handeln und Minderjährige zum Sex verleitet. Verfechter der pornografischen Zensurbestimmungen fordern die Anpassung der Gesetze an die strengsten in Amerika und Europa, so dass Japan unter den zivilisierten Nationen nicht mehr als abnorm angesehen werde.