mini|352x352px|Christopher Just (2026) Christopher Just (* 5. November 1968 in Wien) ist ein österreichischer Schriftsteller und Musiker. Er veröffentlichte solo unter seinem bürgerlichen Namen sowie unter verschiedenen Pseudonymen wie Acid Joseph, Gerhard, Punk Anderson oder Roy Edel. Gemeinsam mit Peter Votava (DJ Pure) trat er zwischen 1993 und 1996 als Dada-Techno-Duo Ilsa Gold auf.
Leben Christopher Just wurde 1968 in Wien geboren. Sein Bruder ist der Fotograf Raphael Just.
Just absolvierte die Modeschule Wien im Schloss Hetzendorf, ein anschließendes Malerei-Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien brach er zugunsten der Musik ab. Mit seinen Kompositionen und Remixen, die er unter eigenem Namen sowie unter zahlreichen Pseudonymen (Acid Joseph, Gerhard, Punk Anderson etc.) veröffentlichte, gelangen ihm weltweite Club-Hits und Charterfolge, als DJ und Live-Musiker bespielte er zahlreiche Raves, Festivals und Clubs in Europa, Asien, Australien und den USA. Zudem produzierte er andere Musiker, wie u. a. die Bands Chicks On Speed und Bunny Lake. Von 2007 bis 2010 lebte er in New York, wo er eine Clubnacht betrieb und sich als Produzent betätigte. Zurück in Wien, wandte sich Just vermehrt dem Schreiben zu und veröffentlichte 2017 seinen ersten Roman.
Musikalische Karriere
Christopher Justs musikalische Laufbahn begann 1983 als DJ im Wiener Szenelokal Thell, das damals noch unter seinem alten Namen Motto firmierte. Die dort von ihm erwartete musikalische Vielfalt prägte seinen späteren Stil als Musikproduzent entscheidend. Mit dem ersten für den Heimgebrauch erschwinglichen Sampler (Casio SK-5) produzierte er den Track Wenn der Toni mit dem Polster und der Edi mit dem Finger und belegte damit den ersten Platz bei einem Wettbewerb der Ö3 Sendung Musicbox (Bester alternativer Song zur Fussball WM 1986).
1993 gründete er mit dem Rave-Veranstalter und DJ Peter Votava alias DJ Pure den Dada-Techno-Act Ilsa Gold. Bereits Monate später erschien ihre erste EP (Ilsa Gold I) beim Wiener Mainframe-Label. Der darauf enthaltene Track Up wie auch ihre kurz darauf veröffentlichte zweite EP (Ilsa Gold II) mit den Hits Silke und Elastico erreichen den ersten Platz in den Charts des Frontpage-Magazins. Ungewöhnliche Samples wie zum Beispiel Karel Gott, Peter Cornelius oder der Titelmelodie des Filmes La Boum sowie ein kritischer Umgang mit den Medien und dem Veranstaltungsbetrieb wurden zum Markenzeichen von Ilsa Gold. Gleich bei ihrem ersten Live-Auftritt auf der Mayday 1993 reisten sie ohne Equipment an, stattdessen ließen sie ihre Hits vom DAT-Recorder laufen und hantierten auf der Bühne mit einer Joghurtmaschine, um gegen die ihres Erachtens nach zu kurze Spielzeit von 15 Minuten zu protestieren. Dennoch für Mayday 1994 in der Dortmunder Westfalenhalle gebucht, kamen sie fast ohne Musik aus, dafür erzählten Just und Pure die traurige Geschichte ihrer Songheldin Silke, die sich selbst innerhalb eines Jahres des Ravens im Drogenrausch verloren habe. Zahlreiche Auftritte in ganz Europa folgten. Ende 1994 gaben Ilsa Gold ihre Auflösung bekannt und das Folgeprojekt Sons of Ilsa wurde aus der Taufe gehoben.
Zu einem Eklat kam es, als Sons of Ilsa 1995 auf dem eigenen Label G'sicht wie der Beidl von an oidn Mann Records das Album Die Zipfelmütze, der Handwagen und die Gummimuschi präsentierten, dessen Cover einen Sven Väth ähnelnden Mann mit einer Penishaube auf dem Kopf zeigte. Die Single-Auskoppelung Pulsingers Nacht (I'm A Raver Baby So Why Don't You Kill Me) schaffte es auf Platz 45 der Holländischen Hitparade.
Parallel veröffentlichte Just sein erstes Album Jeans & Electronic und andere Produktionen auf den Labels Cheap, Pomelo, Labworks und Test Tube, zeichnete Cartoons für das Technomagazin Envelope und gründete 1996 das Retro-Hardcore Label Petra. Ein Jahr später läutete er mit Punk Anderson – Shave That Pussy das 80er-Jahre-Trash-Revival ein und erreichte mit I'm a Disco Dancer (And A Sweet Romancer) (International Deejay Gigolos / XL Recordings) Club- und Charterfolge. Auf dem Label Wiener Stadtwerke schlüpfte Just in der Rolle des verkrampften Elektronikbastlers Gerhard und prophezeite der Ravemusik als Roy Edel eine volkstümliche Zukunft.
In den Folgejahren beschränkte sich Justs Tätigkeit auf Remixes, 2001 veröffentlichte er auf Giant Wheel das Remix-Album Let There Be Pop.
2002 meldete er sich mit der EP House auf Cheap Records zurück und re-interpretierte als Acid Joseph den Ecstasy-Club-Klassiker I love the Acid. 2004 erschien anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Ilsa Gold auf dem Wiener Label Mego die Doppel-CD Regretten? – Rien und im Herbst des gleichen Jahres legte das Düsseldorfer Label Combination Justs Album Jeans & Electronic neu auf.
2005 präsentierte Just auf Cheap Records House 2 und auf Combination Records erschien mit Roland Flick, Fairmont Princess #1527 sein erstes Studioalbum seit 1996. Im gleichen Jahr entstanden in erstmaliger Koproduktion mit Bruder Raphael Just die Singles Popper (Kitsuné Records) und Disco 128. Mit der Band Chicks On Speed und dem Künstler Douglas Gordon entstand das Projekt Art Rules!, das im Museum of Modern Art in New York, im Centre Pompidou in Paris und im Gartenbau Kino in Wien gezeigt wurde. 2007 zog Just nach New York, wo er mit der Modedesignerin und Musikerin Mel Merio eine Clubnacht betrieb, sich als DJ betätigte und eng mit dem New Yorker DJ, Club-Promoter und Musikproduzent Larry Tee zusammenarbeitete. 2010 wieder nach Wien zurückgekehrt, wandte er sich dem Schreiben zu und gestaltete die Musik für die Theaterproduktionen Porno und Lisa im Wiener Rabenhof Theater.
Ab den 2010er Jahren traten Ilsa Gold wieder Live auf, wobei der Performance-Character ihrer Shows zunehmend in den Vordergrund rückte. So wurden aufwendig im Studio vorproduzierte Megamix-Sets von CD-Player oder Laptop abgespielt, während Just und Votava sich auf der Bühne massieren ließen, Schach spielten oder Zeitung lasen.
2014 produzierte Just das Chicks On Speed Album Artstravaganza, mit Gastauftritten von Yoko Ono, Julian Assange und dem österreichischen Medientheoretiker und Künstler Peter Weibel.
2019 erschienen die Ilsa Gold Singles Meine Garage / Supermarion (Karl Marx Land) und Euter of Vienna (Aufnahme+Wiedergabe), 2020 veröffentlichte das Berliner Label „Live From Earth“ auf der Compilation United Ravers Against Fascism den Ilsa Gold-Track „Autre Chien“. Im selben Jahr kürte der Radiosender FM4 Justs Track I'm A Disco Dancer (And A Sweet Romancer) zum besten österreichischen Clubtrack 1990–2020.
2026 veröffentlicht Just in Zusammenarbeit mit dem Autor Gerhard Ruiss den Tonträger Das blaue Familienalbum – eine Revue.
Schriftstellerisches Schaffen Wie seine Musikproduktionen sind auch Justs literarische Werke von einer humorvollen Herangehensweise geprägt. „Der ironische Zugang ist eine Wesensart von mir. Egal, was ich mache, ich reflektiere immer auch das Medium, für das ich arbeite“, sagte er in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard.
2011 veröffentlichte Just zunächst Kurzgeschichten in den Anthologie-Bänden Abwärts und Porno (Hg. Ela Angerer, Czernin Verlag). 2017 erschien sein erster Roman Der Moddetektiv (Milena Verlag) und weitere Kurzgeschichten in der Anthologie Donald Trump Literaturwettbewerb. Es folgten die Romane Catania Airport Club (Milena Verlag 2018) und Der Moddetektiv besiegt Corona (Milena Verlag 2020).
2018 leitete Just an der Schule für Dichtung – Vienna Poetry School die Online-Klasse Schmutz und Schund.
Schriftstellerische Werke
Romane 2017: Der Moddetektiv. Milena, Wien 2017, ISBN 978-3-902950-92-5. 2018: Catania Airport Club. Milena, Wien 2018, ISBN 978-3-903184-14-5. 2020: Der Moddetektiv besiegt Corona. Milena, Wien 2020, ISBN 978-3-903184-58-9.
Kurzgeschichten 2010: Highlights. Kurzgeschichte in der Anthologie Abwärts (hrsg. von Ela Angerer), Czernin Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-7076-0338-5. 2011: Wintnerreise. Kurzgeschichte in der Anthologie Porno (hrsg. von Ela Angerer), Czernin Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-7076-0383-5. 2017: Åufgeben. Kurzgeschichte in der Anthologie Donald Trump Literaturwettbewerb, Milena Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-903184-05-3. 2017: Der Highländer und die Sexy Lady in Love. Kurzgeschichte in der Anthologie Donald Trump Literaturwettbewerb, Milena Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-903184-05-3. 2024: Revisitationen. Kurzgeschichte in der Anthologie Branntweiner, Blue Box und Bermuda Dreieck, Milena Verlag, Wien 2024, ISBN 978-3-903460-34-8
Diskographie (Auswahl) Produktionen TitelUnterTypLabelVeröffentlichungUp / Ilsa Gold IIlsa GoldEP 12"Mainframe1993Up RemixesIlsa Gold12"Mainframe1993Oppressive MelodyChristopher JustEP 12"Cheap Records1993Silke / Ilsa Gold IIIlsa GoldEP 12"Mainframe1993Silke RemixesIlsa Gold12"Force Inc. Music1993Christopher JustChristopher JustEP 12"Labworks1993Ei Kuh EPSons of IlsaEP 12"Hellrazor1993Süchtig / Ilsa Gold IIIIlsa GoldEP 12"Mainframe1994WinterreiseIlsa GoldEP 12"Mainframe1994Forbidden PlanetChristopher JustEP 12"Cheap Records1994GasomtertraxIlsa GoldEP 12"Digital Memory1994Golden ShowerIlsa GoldTrack on CompilationPolygram1994Die Zipfelmütze, der Handwagen und die GummimuschiSons of IlsaLP / CDGBM / Urban1995Pulsingers Nacht (I'm A Raver Baby)Sons of Ilsa12"GBM / Urban1995Jetzt geht's losSons of Ilsa12"Orbit1995Nightmare Of The RottenzwergBeni The RavemonsterEP 7"GBM Records1995Big TrackPetra 0112" / 35 CyclesPetra Records1996Think I'm Kicked By A HorsePetra 0212"Petra Records1996Prophet PogoPetra 0312"Petra Records1997Jeans & ElectronicChristopher JustDoLP / CDBMG France / Test Tube1997PeoplePunk Anderson12"Pomelo / Rough Trade1997Shave That PussyPunk Anderson12"Pomelo / Rough Trade1997I'm A Discodancer (And A Sweet Romancer)Christopher Just12"International Deejay Gigolos1997I'm A Discodancer (And A Sweet Romancer)Christopher Just12"XL Recordings1998Vienna CallingChristopher Just12"XL Recordings19988 bit City LimitPetra 0312"Petra Records1998Hoppla jetzt komm ichGerhardDoLPWiener Stadtwerke1998Glamour GirlChristopher Just & Chicks on Speed7"Disko B1999Mei allerliabster Sound is TechnoRoy EdelCD SingleZYX1999Milano BrothersMilano Brothers12"Giant Wheel2002Milano BrothersLive In Verona12"Giant Wheel2002HouseChristopher JustEP 12"Cheap Records2002Comfort of StrangersChristopher Just12"Giant Wheel2003Nero EPJust & HuhsovitsEP 12"Global Matador2003I Love The Acid TooAcid Joseph12"Holon Records2003I Can Feel Your Body RockJust & Huhsovits12"Global Matador2003Let There Be PopChristopher JustCD AlbumGiant Wheel2003Regretten? Rien!Ilsa Gold2xCD, CompMego2003House 2 Christopher Just12" EPCheap Records2004Roland Flick Fairmont Princess # 1527Christopher JustDoLP / CDCombination Records2005PopperChristopher & Raphael Just12"Kitsuné2005Disco 128Christopher & Raphael Just12"Combination Records2006Art RulesChicks On Speed, Douglas Gordon, Christopher JustCD SingleChicks On Speed Records2006Domino DancingMel Merio12"Klein Records2007CharlestonMel Merio12"Combination Records2007Hipster GirlLarry Tee feat. Mel MerioDigital ReleaseUltra Records2008BaumschmuckClemens Haipl, Christopher Just & Mel MerioCDKacka2008El PuebloChristopher Just12"Estrela2008Dirty SanchezChristopher JustCD, Comp + CD, Comp, MixedSublime Records2008You Looked Much Cuter (On My Computer)Christopher JustDigital ReleaseDJs Are Not Rockstars2011Meine Garage / SupermarionIlsa Gold7"Karl Marx Land2019Autre ChienIlsa GoldDigital Release CompilationLive From Earth2020
Remixes