Das Flottenkommando (FlottenKdo; FlKdo) war von 1956 bis zum 30. September 2012 eine Höhere Kommandobehörde der Deutschen Marine mit Sitz in Glücksburg-Meierwik bei Flensburg und Hauptquartier des Befehlshabers der Flotte.
Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden 2012 die vorherigen drei höheren Stäbe der Marine aufgelöst. Diese waren der Führungsstab der Marine, das Flottenkommando und das Marineamt. Die Führung der Marine und der zu ihr gehörenden Flotteneinheiten obliegt seit dem 1. Oktober 2012 dem Marinekommando in Rostock.
Geschichte In den verschiedenen deutschen Marinen der Vergangenheit sind die größeren Kampfschiffe meist unter der Bezeichnung Flotte zusammengefasst worden, so zum Beispiel in der Kaiserlichen Marine unter dem Namen Hochseeflotte.Hartmut Nöldeke: Die Flottenärzte der deutschen Marine von 1890 bis 1990. Ein Beitrag zur Geschichte des Marinesanitätsdiensts. In: Jürgen Rhades: Jahrbuch der Marine – Folge 17. Bonn 1991, ISBN 3-7637-4702-8, S. 109 ff. Die Befehlshaber trugen traditionell die Bezeichnung Flottenchef, die auch heute noch gelegentlich inoffiziell gebraucht wird. Der Stab des Flottenchefs trug die Bezeichnung Flottenkommando.
Mit Aufstellung der Bundesmarine 1956 wurde als nationale Führungsstelle am 15. Juni 1956 das Kommando der Seestreitkräfte (Kdo Seestreitkräfte) in Sengwarden bei Wilhelmshaven aufgestellt, das am 5. März 1958 zunächst in Kommando der Flotte (Kdo der Flotte) und zum 1. Januar 1967 in Flottenkommando umbenannt wurde. Erster Kommandeur (später Befehlshaber) war Konteradmiral Rolf Johannesson. Zum 1. Dezember 1960 erfolgte der Umzug des Flottenkommandos an seinen neuen Standort Glücksburg-Meierwik am Rande von Flensburg-Mürwik, nahe dem dortigen Marinestützpunktkommando Flensburg-Mürwik.Lars Jährling: Ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Wandel. Fünfzigjähriges Bestehen des Flottenkommandos. In: Marineforum 9-2006, S. 26ff (Teil I) und Marineforum 10-2006, S. 48ff (Teil II).
Die deutschen Seestreitkräfte waren zunächst für den Einsatz der NATO unterstellt, so dass das Flottenkommando nur eine administrative Funktion hatte. Dem Befehlshaber der Flotte waren mit den Befehlshabern der Seestreitkräfte Nordsee (BSN) und Ostsee (BSO) zunächst truppendienstlich zwei weitere Kommandos unterstellt, die jedoch für die Einsatzführung direkt der NATO unterstanden. Das Kommando BSO wurde bereits am 31. August 1961 aufgelöst und seine Führungsaufgaben gingen auf das Flottenkommando über. Der BSN bestand bis 1993 fort und führte die NATO-Bezeichnung Commander German North Sea Subarea (COMGERNORSEA). Er unterstand seit August 1961 direkt dem Befehlshaber der Flotte. Sein Dienstort war Sengwarden bei Wilhelmshaven.
Gleichzeitig wurde 1961 die NATO-Kommandostruktur in Nordeuropa den Veränderungen angepasst, die durch die deutsche Wiederbewaffnung und die Aufstellung der Bundesmarine als größter NATO-Seemacht im Ostseeraum entstanden waren. Das Flottenkommando erhielt neben der nationalen Funktion eine Aufgabe als ein der NATO assigniertes Hauptquartier, der Befehlshaber der Flotte führte die NATO-Bezeichnung Flag Officer Germany (FOG). Erster FOG war Konteradmiral Smidt. In dieser Funktion unterstand er dem am 6. Dezember 1961 aufgestellten NATO-Befehlshaber Seestreitkräfte Ostseezugänge (Commander Naval Forces Baltic Approaches, COMNAVBALTAP) in Karup/Dänemark, dessen Position abwechselnd von einem dänischen und einem deutschen Vizeadmiral wahrgenommen wurden. Der BSN/COMGERNORSEA war dem Befehlshaber der Flotte einsatzmäßig und truppendienstlich unterstellt. Diese Funktionen entfielen im Zuge der schrittweisen Verkleinerung der NATO-Kommandostruktur nach Ende des Ost-West-Konflikts.
Auftrag mini|Uhrenturm des Flottenkommandos (2014) Truppendienstliche Führung Der Befehlshaber der Flotte war truppendienstlicher und Disziplinarvorgesetzter der ihm unterstellten Dienststellen. Er war verantwortlich dafür, dass die Verbände und Einheiten für Einsätze vorbereitet werden. Dazu gehörten die personelle Besetzung, die Ausrüstung und die Ausbildung. Die der nationalen, truppendienstlichen Führung des Flottenkommandos unterstellten See- und Seeluftstreitkräfte der Marine waren in Einsatzflottillen und Marinefliegergeschwadern zusammengefasst.
Einsatzführung Während das Flottenkommando in der Zeit des Kalten Krieges für die NATO die Einsätze der deutschen Flotte und verbündeter Kräfte in einem definierten geographischen Verantwortungsbereich zu führen hatte, ist diese Aufgabe nach 1990 entfallen. Auch wurde die NATO-Assignierung im Rahmen mehrerer Anpassungen der NATO-Kommandostruktur aufgehoben. Stattdessen führte das Flottenkommando Marineeinheiten in Auslandseinsätzen der Bundeswehr, sofern die daran beteiligten Einheiten nicht dem Einsatzführungskommando bei Potsdam unterstellt wurden. Außerdem stand es für maritime Führungsaufgaben bei militärischen Operationen der Europäischen Union zur Verfügung. Auch wurden alle deutschen Seestreitkräfte, die an Übungen und Manövern in See teilnehmen, vom Flottenkommando direkt geführt.
Das Flottenkommando war als SAR-Leitstelle für den Einsatz militärischer Rettungshubschrauber im Bereich der deutschen Küstengewässer, in Schleswig-Holstein und in Hamburg zuständig.
Ehemalige Gliederung Dem Befehlshaber der Flotte waren die schwimmenden und fliegenden Verbände der Marine unterstellt. Er trug den Dienstgrad Vizeadmiral und unterstand truppendienstlich dem Inspekteur der Marine im Bundesministerium der Verteidigung. Die NATO-Bezeichnung des Befehlshabers der Flotte lautete Commander-in-Chief German Fleet (CINCGERFLEET), für das Flottenkommando Maritime Headquarters Gluecksburg (MHQ Gluecksburg).
In der Führungsorganisation der Bundeswehr war das Flottenkommando eines der Führungskommandos der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche neben dem Heeresführungskommando, dem Luftwaffenführungskommando, dem Sanitätsführungskommando und dem Streitkräfteunterstützungskommando.
Ansonsten sah die Gliederung wie folgt aus:
Befehlshaber der Flotte. Gleichstellungsbeauftragte der Flotte Stellvertretender Befehlshaber der Flotte Chef des Stabes Zentralbüro M1 – Personal M2 – Militärisches Nachrichtenwesen M3 – Einsatz Marineschifffahrtleitung. SAR-Leitstelle M4 – Logistik M5 – Grundsatz und Einsatzplanung M6 – Führungsunterstützung M7 – Ausbildung, Übungen, Auswertung, Nautik M8 – Verwaltung M Air – Marineflieger Abteilung Admiralarzt Marine Einsatzstab Führungsunterstützungsgruppe Marinehauptquartier (MHQ) Marineführungsunterstützungszentrum A Marineführungsunterstützungszentrum B, Wilhelmshaven Marineführungsunterstützungszentrum C (Marinefunksendestelle Rhauderfehn) Geoinformationsdienst Organisation Flotte Admiralarzt der Marine Beauftragter Marineflieger Militärseelsorge Operatives Controlling Presse- und Informationszentrum der Marine Marinemusikkorps Nordsee, Wilhelmshaven. Marinemusikkorps Ostsee, Kiel Truppenbesuchszentrum Kiel Rechtsberater und Wehrdisziplinaranwalt
Gliederung bis 2001 Diese Gliederung bestand bis ungefähr 2001.
Befehlshaber der Flotte Militärseelsorge Rechtsberater und Wehrdisziplinaranwalt Stellvertretender Befehlshaber der Flotte und Chef des Stabes A1 – Personal Presse- und Informationszentrum der Flotte A2 – Nachrichten A3 – Organisation A4 – Logistik A6 – Fernmelde/Datenverarbeitung Abteilung Geophysik Abteilung Sanitätsdienst Abteilung Verwaltung Kommandant Stabsquartier Operationsabteilung Planung Einsatzleitung Auswertung
Gliederung bis 2006 Diese Gliederung bestand bis 2006 und wurde im Zuge der Transformation der Bundeswehr durch die bis zur Auflösung bestehende Gliederung abgelöst.
Befehlshaber der Flotte Militärseelsorge Operatives Controlling Rechtsberater und Wehrdisziplinaranwalt Stellvertretender Befehlshaber der Flotte und Chef des Stabes M1 – Personal M2 – Nachrichten Director Operations M3 – Einsatzführung M5 – Grundsatz und Einsatzplanung M7 – Übung und Auswertung M4 – Logistik M6 – Fernmelde/Datenverarbeitung M8 – Verwaltung Geophysikalischer Informationsdienst Sanitätsdienst Führungsunterstützungsgruppe
Admiralarzt der Marine Presse- und Informationszentrum der Marine
Organisation der Flotte
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Einsatzflottille 1, Kiel Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters 1. Korvettengeschwader, Warnemünde 1. Ubootgeschwader, Eckernförde 3. Minensuchgeschwader, Kiel 7. Schnellbootgeschwader, Warnemünde Spezialisierte Einsatzkräfte Marine, Eckernförde Marineschutzkräfte, Eckernförde Einsatzflottille 2, Wilhelmshaven 2. Fregattengeschwader 4. Fregattengeschwader Trossgeschwader Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“, Nordholz Marinefliegergeschwader 5, Kiel Schifffahrtmedizinisches Institut der Marine, Kiel-Kronshagen.
Organisation der Flotte 1985 Im Jahre 1985 waren dem Flottenkommando folgende truppendienstlich Dienststellen unterstellt:
Marineführungsdienstkommando, Kiel Marinefernmeldeabschnitt 1, Glücksburg Marinefernmeldeabschnitt 2, Wilhelmshaven Marinefernmeldestab 70, Flensburg-Mürwik Zerstörerflottille, Wilhelmshaven 1. Zerstörergeschwader, Kiel 2. Zerstörergeschwader, Wilhelmshaven 2. Geleitgeschwader, Wilhelmshaven 4. Fregattengeschwader, Wilhelmshaven Flottendienstgeschwader, Flensburg-Mürwik Schnellbootflottille, Flensburg-Mürwik 2. Schnellbootgeschwader, Olpenitz 3. Schnellbootgeschwader, Flensburg-Mürwik 5. Schnellbootgeschwader, Olpenitz 7. Schnellbootgeschwader, Kiel Marinefliegerdivision, Kiel-Holtenau Marinefliegergeschwader 1, Schleswig-Jagel Marinefliegergeschwader 2, Tarp-Eggebek Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“, Nordholz Marinefliegergeschwader 5, Kiel-Holtenau Flottille der Minenstreitkräfte, Wilhelmshaven Minentaucherkompanie, Eckernförde 1. Minensuchgeschwader, Flensburg 3. Minensuchgeschwader, Kiel 4. Minensuchgeschwader, Wilhelmshaven 5. Minensuchgeschwader, Olpenitz 6. Minensuchgeschwader, Wilhelmshaven 7. Minensuchgeschwader, Neustadt in Holstein Ubootflottille, Kiel Ubootlehrgruppe, Neustadt in Holstein 1. Ubootgeschwader, Kiel 3. Ubootgeschwader, Eckernförde Amphibische Gruppe, Kiel Kampfschwimmerkompanie, Eckernförde Strandmeisterkompanie, Eckernförde Landungsbootgruppe, Kiel Versorgungsflottille, Cuxhaven 1. Versorgungsgeschwader, Kiel 2. Versorgungsgeschwader, Wilhelmshaven Befehlshaber der Seestreitkräfte Nordsee (BSN) Seetaktische Lehrgruppe, Wilhelmshaven
Organisation der Flotte 2006 Diese Organisation bestand bis 2006 und wurde im Zuge der Transformation der Bundeswehr umstrukturiert. rechts|400px
Zerstörerflottille, Wilhelmshaven 1. Fregattengeschwader 2. Fregattengeschwader 4. Fregattengeschwader 6. Fregattengeschwader Troßgeschwader, Wilhelmshaven Schnellbootflottille, Warnemünde 2. Schnellbootgeschwader 7. Schnellbootgeschwader Flottille der Marineflieger, Kiel-Holtenau Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“, Nordholz Marinefliegergeschwader 5, Kiel-Holtenau Flottille der Minenstreitkräfte, Olpenitz 1. Minensuchgeschwader 3. Minensuchgeschwader 5. Minensuchgeschwader Spezialisierte Einsatzkräfte der Marine, Eckernförde Marineschutzkräfte, Eckernförde Ubootflottille, Eckernförde 1. Ubootgeschwader 2. Ubootgeschwader Ausbildungszentrum Uboote Schifffahrtsmedizinisches Institut der Marine, Kiel-Kronshagen
Befehlshaber Die Bezeichnung des militärischen Vorgesetzten der Flotte wechselte in den Anfangsjahren mehrfach. Nacheinander galten die Bezeichnungen Kommandeur der Seestreitkräfte, Kommandeur der Flotte, Befehlshaber der Seestreitkräfte und später Befehlshaber der Flotte.Rolf Johannesson: Offizier in kritischer Zeit. Herford und Bonn 1989, ISBN 3-8132-0301-8, S. 123. Der Befehlshaber der Flotte trug seit Mitte der 1960er Jahre den Dienstgrad eines Vizeadmirals.