Der Sport Club Corinthians Paulista, allgemein als Corinthians oder unter dem Akronym SCCP bekannt, ist ein brasilianischer Mehrspartenverein aus der Stadt São Paulo, der Hauptstadt des Bundesstaates São Paulo. Er wurde am 1. September 1910 als Fußballmannschaft von einer Gruppe anarcho-syndikalistischer Arbeiter aus dem Viertel Bom Retiro gegründet. Sein Name wurde vom Corinthian Football Club aus London inspiriert, der damals durch Brasilien tourte.
Obwohl der Verein im Laufe der Jahre auch in anderen Sportarten aktiv war, ist er vor allem durch seine Erfolge im Fußball bekannt geworden. Der Verein gehört zu den erfolgreichsten Brasiliens und Amerikas in den letzten Jahren. Er ist der dritterfolgreichste nationale Meister mit elf Titeln, nur übertroffen von Palmeiras (18 Titel) und Flamengo (14 Titel). Corinthians gewann zwei FIFA-Klub-Weltmeisterschaften, einmal die Copa Libertadores ohne Niederlage, die Recopa Sudamericana, sieben brasilianische Meisterschaften, vier brasilianische Pokale, den brasilianischen Supercup, fünf Torneio Rio-São Paulo (Rekordhalter zusammen mit Palmeiras und Santos), 31 Staatsmeisterschaften von São Paulo (aktueller Rekordhalter) und einmal die Copa Bandeirantes (einziger Gewinner).
Die traditionellen Farben des Vereins sind Weiß und Schwarz. Seit 2014 trägt Corinthians seine Heimspiele in der Neo Química Arena aus. Zu seinen historischen Rivalen gehören Palmeiras, gegen den das Derby Paulista ausgetragen wird, São Paulo, gegen den das Majestoso stattfindet, und Santos, mit dem das Clássico Alvinegro bestritten wird. Die Fans von Corinthians sind als „Fiel“ bekannt, und ihre Zahl wird auf etwa 30 Millionen geschätzt, verteilt über ganz Brasilien und die Welt, national nur von Flamengo übertroffen. Die Fangemeinde gilt auch als eine der größten der Welt.
Zu den wichtigen Sportarten in der Geschichte von Corinthians zählen Basketball, wo der Verein besonders in den 1950er und 1960er Jahren Erfolge mit Titeln auf regionaler, nationaler und sogar südamerikanischer Ebene feierte, Schwimmen, mit vier Siegen beim Troféu Brasil de Natação (heute Troféu Maria Lenk), und Futsal, das ab den 1970er Jahren mit Erfolgen bei regionalen und nationalen Turnieren glänzte. Der Einfluss des Rudersports auf die Vereinsgeschichte führte dazu, dass das ursprüngliche Wappen, das lediglich den Fußball symbolisierte, um ein Paar Ruder und einen Anker ergänzt wurde, die bis heute erhalten geblieben sind.
Allgemeines Timão, der Spitzname des Vereins, bezeichnet zum einen das Steuerrad, das im ursprünglichen Klubwappen enthalten war, zudem ist es die Vergrößerungsform des portugiesischen Wortes „time“ (Mannschaft) und bedeutet „große Mannschaft“. Die Mannschaft spielt heute in weißen Trikots und schwarzen Hosen. Die erste Spielausstattung war cremefarben und die Hosen waren schwarz. Erst gegen Mitte der 1910er Jahre änderte sich das Jersey und wurde weiß.
Geschichte 1910–1919: Entstehung und erste Jahre Am 1. September 1910 fanden sich Joaquim Ambrósio, Antônio Pereira, Rafael Perrone, Anselmo Corrêa und João da Silva in der Rua dos Imigrantes (heute Rua José Paulino) in São Paulo zusammen und gründeten den Sport Club Corinthians Paulista. Zu dieser Zeit war Fußball in Brasilien ein elitärer Sport und wurde hauptsächlich von Nachkommen britischer Einwanderer beziehungsweise Angestellten britischer Unternehmen gespielt. Corinthians sollte im Gegensatz dazu ein Verein für alle Fußballbegeisterten sein und hat bis heute das (selbst gepflegte) Image eines Arbeitervereins (Spitzname clube dos operários). Der Klub wurde nach der englischen Amateurmannschaft Corinthian FC benannt, die in diesem Jahr durch Brasilien tourte und alle sechs Spiele gegen brasilianische Teams gewann.
Am 10. September 1910 liefen die Corinthians-Spieler zur ersten Partie der Vereinsgeschichte auf. Die Partie gegen União da Lapa endete mit 0:1 für den Gästeklub. Vier Tage später war es Luis Fabi, der das erste Tor für den neuen Klub erzielte und damit beim 2:0-Erfolg gegen Estrela Polar Klubgeschichte schrieb. Schon bald schloss man sich der regionalen Liga Paulista an. Um teilnehmen zu dürfen, bedurfte es allerdings zweier Qualifikationsspiele, die der Klub gewann. Somit ging die Mannschaft 1913 erstmals in den Ligawettbewerb. Bereits 1914 gewann der Verein das erste Mal die Staatsmeisterschaft von São Paulo. Überragender Akteur dieser Zeit war Stürmer Neco, der zudem in diesem Jahr Top-Stürmer der Liga wurde. Im Folgejahr verteidigte man vor dem FC São Paulo den Erfolg von 1914. In der Folgezeit übernahm jedoch der Club Athletico Paulistano die Vorherrschaft im Wettbewerb und gewann die Meisterschaft zwischen 1916 und 1921 fünfmal in Folge. 1918 wurde das Team um Neco Vizemeister. Er selber schaffte es 1920 zum zweiten Mal, den Torjägertitel zu gewinnen. Dabei verbesserte sich der Mittelstürmer auf 24 Treffer in einer Spielzeit. Damit war er neben Arthur Friedenreich der erste Angreifer seit Einführung der Liga 1902, der die 20-Tor-Marke knacken konnte.
1920–1939: Goldene Jahrzehnte und Aufstieg zum Top-Team 1922 löste Corinthians Athletico Paulistano als Meister ab und konnte den dritten Staatsmeisterschafterfolg feiern. Neben Neco war es nun Gambarotta, der die Mannschaft mit seinen Treffern zum Sieg führte. 1923 und 1924 verteidigte der Verein diesen Triumph und schaffte erstmals drei Titel in Folge. Von 1928 bis 1930 sowie von 1937 bis 1939 wiederholte das Team diese Meisterleistung. Damit erarbeitete sich der Timão einen großartigen Ruf und stieg zu den Top-Mannschaften Brasiliens auf. Nach dem zweiten Titel-Triple beendete Corinthians-Legende Neco seine aktive Laufbahn. Er sollte dem Klub jedoch als Trainer erhalten bleiben und betreute diese u. a. bei den Erfolgen von 1937 und 1938. In den 1930er Jahren war es dann Teleco, der Neco als Stürmer vergessen machte. In den Jahren 1935, 1936, 1937, 1939 und 1941 erzielte er jeweils die meisten Tore im Ligabetrieb und war bester Angreifer aller Klubs. Im Jahr 1939 gelangen ihm insgesamt 32 Treffer und war damit erster Corinthians-Spieler, der mehr als 30 Tore pro Saison erzielte. Bis dahin hatten nur Arthur Friedenreich (1921; 33 Treffer) Araken (1927; 31 Treffer) und Feitiço (1930; 37 Treffer / 1931; 39 Treffer) das geschafft.
1940–1969: Höhen und Tiefen Mit Angreifer Teleco in der Stürmerreihe schafften die Bando de Loucos 1941 den zwölften Erfolg in der Staatsmeisterschaft. Anschließend musste der Klub jedoch zehn Jahre warten, um den Pokal wieder in den Händen halten zu können. Dies gelang erst wieder 1951, als das Team die Liga dominierte und die Mannschaft insgesamt 103 Tore in 30 Spielen erzielte. Allein Stürmer Rodolfo Carbone markierte 30 Treffer. Weitere bedeutende Spieler des Meisterschaftjahres von 1951 waren Cláudio, Luisinho, Baltazar und Mário. Auch 1952 und 1954 platzierte sich der Klub auf Rang eins der Liga. Danach lief die Mannschaft aber nur noch hinterher und schaffte es in den folgenden Jahren nicht, einen bedeutenden Titel zu gewinnen. Einzig nennenswerte Erfolge waren die Vizemeisterschaften 1955, 1962, 1966 und 1968. Nach Baltazar im Jahre 1952 dauerte es bis 1967, als ein Corinthians-Stürmer wieder bester Angreifer der Liga wurde.
1970–1989: Rückkehrender Erfolg Auch 1974 reichte es dem Klub nur zum zweiten Rang hinter dem Rivalen Palmeiras São Paulo, und die Fans sehnten einem erneuten nationalen Erfolg bei. 1977 war es dann wieder so weit, die Mannschaft streckte zum 16 Mal den regionalen Meisterschaftspokal in die Höhe. 1978 löste zwar der FC Santos die Corinthians-Kicker als Titelträger ab, doch bereits 1979 holte man sich erneut die begehrte Meisterschaft. 1979, 1982, 1983 und 1988 folgten die Staatsmeisterschaft-Erfolge siebzehn bis zwanzig.
1971 wurde erstmals die gesamtbrasilianische Fußballmeisterschaft ausgetragen. In zwei Gruppen mit je zehn Mannschaften konnten sich die je sechs ersten Teams für die zweite Runde qualifizieren. Corinthians wurde in Staffel A klar Erster vor Cruzeiro Belo Horizonte. Doch in der dreigruppigen Zwischenrunde, bei der nur die Gruppensieger in die Finalrunde einzogen, blieb der Klub hinter dem FC São Paulo. Im Folgejahr veränderte sich der Modus und Corinthians zog bis ins Halbfinale ein. Bei der sechsten Austragung dieses Wettbewerbs zogen die Todo Poderoso erstmals ins Finale ein. Am 12. Dezember 1976 hieß der Gegner im Estádio Beira-Rio Internacional Porto Alegre. Doch Dario in der ersten Halbzeit und Valdomiro in der zweiten verhalfen Internacional zum 2:0-Sieg. Somit verpasste Corinthians den ersten Meisterschaftserfolg. Bedeutende Akteure dieser Saison waren Givanildo Oliveira, Moisés und Zé Maria. In den Folgejahren blieb die Mannschaft ohne große Aufmerksamkeit im Kampf um die nationale Meisterschaft. 1979 trat man bei der Austragung gar nicht erst an, kehrte aber 1980 eindrucksvoll zurück und wurde in der Gesamtabrechnung fünfte von 44 Mannschaften. 1982 rückte der Verein bis ins Halbfinale vor, wo man aber an Grêmio Porto Alegre scheiterte. Auch 1984 war im Semifinal-Spiel nach 0:2 und 0:0 gegen den späteren Meister Fluminense Rio de Janeiro Schluss.
1990–1999: Erste brasilianische Meisterschaft und Pokalsieg 100px|mini|Der Pokal des Copa do Brasil zwischen 1994 und 2001.
1990 wurde der Klub erstmals brasilianischer Gesamtfußballmeister. Insgesamt zwanzig Mannschaften gingen damals in die Saison, wobei die ersten acht Teams sich für die Titel-Runde qualifizierten. Neben Corinthians waren dies der FC São Paulo, Grêmio Porto Alegre, EC Bahia, Atlético Mineiro, Palmeiras São Paulo, FC Santos und CA Bragantino. Somit kamen fünf der acht teilnehmenden Klubs aus der Region São Paulo. Durch Siege gegen Mineiro und Bahia zog der Klub ins Finale ein, wo man dem großen Rivalen FC São Paulo gegenüberstand. Das Hinspiel vor über 85.000 Zuschauern konnten die Corinthians mit 1:0 für sich entscheiden. Torschütze des Tages war Wilson Carlos Mano, der bereits in der vierten Minute der Partie traf. Drei Tage später, am 16. Dezember 1990, kam es zum zweiten Aufeinandertreffen der Klubs. Wieder endete die Begegnung mit 1:0 für den Timão und der erste gesamtbrasilianische Meistertitel wurde gewonnen. Schütze im Rückspiel im Morumbi-Stadion vor über 100.000 Besuchern war Tupãzinho. Trainer war Nelsinho Baptista, der in seiner aktiven Zeit mehr als 250 Spiele für Finalgegner FCSP absolviert hatte. Kurz darauf wurde gegen Flamengo durch einen 1:0-Sieg auch der Supercopa do Brasil gewonnen.
1991 verpasste das Team die Teilnahme an den Play-offs. Zur Spielzeit 1994 erspielte sich der Klub zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den Einzug ins Finale um den nationalen Titel. Doch gegen Palmeiras São Paulo mit den späteren Weltstars Roberto Carlos, Flávio Conceição und Rivaldo, der noch im Vorjahr auf Leihbasis für Corinthians spielte, hatte man nach 1:3 und 1:1 keinen Erfolg. Von der Meistermannschaft von 1991 war nur noch Torhüter Ronaldo im Corinthians-Team. Beide Tore für die unterlegene Mannschaft erzielte Marques. Für Palmeiras traf Rivaldo dreifach sowie Edmundo. Besonders das Rückspiel war hart umkämpft und Schiedsrichter Márcio Rezende de Freitas musste drei rote Karten zeigen: Zwei für Corinthians (Branco, Luisinho) und eine für Palmeiras (Zinho).