mini|hochkant=1.5|Der Tasman Lake am Tasman-Gletscher bildete sich erst Mitte der 1970er Jahre
Ein Gletscherrandsee oder Gletscherendsee ist ein im Bereich der Grund- oder Endmoräne eines Gletschers entstandenes stehendes Gewässer.
Entstehung Eine Hohlform wird durch das fließende Eis der Gletscherzunge ausgeschürft. Die End- und Seitenmoränen bilden einen natürlichen Damm. Durch feine Sedimente werden der Boden und die Endmoräne derart abgedichtet, dass sich das Schmelzwasser des Gletschers in diesem Becken sammeln und nach dem Rückzug der Gletscherzunge einen See bilden kann. Heute werden solche Seen meist durch Regen- und Grundwasser gespeist, in den Alpen weiterhin vom Schmelzwasser der höher gelegenen Gebiete.
Wird der See nicht durch Moränen, sondern durch Gletschereis aufgestaut, spricht man von einem Eisstausee.
Die meisten Gletscherrandseen entstanden nach dem Ende der Eiszeit, sie werden aber auch durch das Abschmelzen heutiger Gletscher neu gebildet und vergrößert. Die Zahl und Fläche von Gletscherseen ist zwischen 1990 und 2015 um 53 bzw. 51 Prozent gestiegen.Rapid worldwide growth of glacial lakes since 1990. Nature (englisch). Abgerufen am 1. September 2020.
Gletscherseeausbrüche Mit Gletscherseen ist die Gefahr von Gletscherseeausbrüchen verbunden: Ein Gletscherseeausbruch (engl. Glacial Lake outburst flood, kurz GLOF) ist eine Flutwelle durch eine plötzliche Entleerung eines Gletschersees. Bei Gletscherrandseen kann sie zum Beispiel auftreten, wenn eine Endmoräne nach einem längeren Erosionsprozess bricht oder wenn nach Lawinen oder Felsstürzen Wassermassen über den Moränenrand gespült werden.
Wird die Flutwelle durch vulkanische Aktivität verursacht, spricht man von einem Gletscherlauf (Jökulhaup). Wenn der Gletschersee nicht durch Moränen, sondern durch Gletschereis aufgestaut ist, handelt es sich um den Ausbruch eines Eisstausees.
Gletscherseeausbrüche können eine erhebliche Gefahr für talabwärts gelegene Siedlungen sein. Um das Risiko zu verringern, werden manche Gletscherrandseen überwacht und gezielt entwässert.
Zungenbeckensee / Fjordsee mini|Zungenbeckensee innerhalb einer glazialen Serie (talseitiges Ende) Eine spezielle, postglazial entstandene Seeform ist der Zungenbeckensee. Durch eiszeitliche Gletscherzungen eingetiefte Becken, so genannte Zungenbecken, gibt es in allen vor Zeiten eisbedeckten Regionen. Ob die darin entstandenen Seen speziell als Fjordseen bezeichnet werden, hängt von der Bewegungsrichtung des das Becken bildenden Eises ab. Wo sich das Eis durch Gebirgstäler herabschob, wie bei der Entstehung der Fjorde, spricht man von Fjordseen. Wo das Eis vom Eispanzer eines Meeres – in Europa der Ostsee – kam, entsprechend der Entstehung der Förden, spricht man nicht von Fjordsee. Derartige Seen finden sich in Norddeutschland und anderen Regionen südlich und östlich der Ostsee.
Beispiele mini|Gletscherrandsee des Triftgletschers mit Gletschertor (bergseitiges Ende) mini|Lago O’Higgins/San Martín als weitverzweigter Fjordsee Gletscherrandseen sind etwa in Nordbrandenburg, den Alpenvorländern und in inneralpinen Becken häufig anzutreffen: Gletscherrandseen, aber keine Fjordseen: Ammersee (?) Federsee Grimnitzsee Parsteiner See Tollensesee Oberuckersee und Unteruckersee
Fjordseen: Die großen Seen der Südanden: Lago Argentino, Lago Cochrane, Lago General Carrera, Lago O’Higgins/San Martín, Lago Viedma und weitere Ammersee (?) Bodensee, auch als tektonische Senke zu betrachten Genfersee, auch als tektonische Senke zu betrachten Seen des Salzkammerguts Kärntner Seengebiet italienische Seen im alpinen Bereich vom Garda- bis zum Luganersee
rezente Beispiele (noch heute am Gletscherrand): am Ende der Pasterze (Großglockner) am Triftgletscher (Gadmen) am Fuß des Svartisen
Siehe auch Kar (Talform) Gletschermilch
Einzelnachweise
Weblinks