Die Vector Motors Corporation war ein US-amerikanischer Sportwagenhersteller, der ab 1978 bestand, infolge wiederholter finanzieller Probleme danach aber mehrfach den Eigentümer gewechselt und die Firma geändert hat.Artikel vector_Rechnung, Autobild, Ausgabe 2/2005 2021 endete die Vermarktung.Vector. Auf allcarindex.com, abgerufen am 18. Mai 2025 (englisch). Die ursprüngliche Vehicle Design Force ging auf Gerald Wiegert und Lee Brown zurück; Letzter war seinerzeit Inhaber der Precision Auto Inc. in Kalifornien. Wiegert war verantwortlich für das Design, Brown für technische Fragen.Precision Auto, Inc., Firmenprospekt, 1975 Brown zog sich bereits nach der Vorstellung des ersten Prototyps aus der Vehicle Design Force zurück, und Wiegert machte allein weiter. Die Vector-Fahrzeuge wurden ausnahmslos von Hand gefertigt und waren entweder Prototypen, Einzelstücke oder Kleinstserienmodelle. Insgesamt wurden über die Jahre und alle Baureihen hinweg weniger als 40 Fahrzeuge hergestellt und etwa 30 davon verkauft. Alle im Privatbesitz befindlichen Vector existieren noch.

Hintergrund mini|Vector-Prototyp von 1979. Aus diesem Wagen entstand der spätere W2. Die Geschichte des Vector begann Anfang der 1970er-Jahre: Gerald „Jerry“ Wiegert, ein gelernter technischer Zeichner, der seine Ausbildung bei General Motors absolviert und den Konzern im Streit verlassen hatte, wollte einen rein amerikanischen Sportwagen bauen, der komplett in den USA gefertigt werden und ausschließlich dort gebaute Komponenten verwenden sollte.Artikel Born in the USA, Autokraft, Ausgabe Juli 1986Artikel Flachmann für 390 Sachen, Hobby, Ausgabe 2/1982Artikel VECTOR - Der Tiefflieger, Buch Die schönsten Autos der Welt, Peter Vann / Dirk Meixner, erschienen im Motorbuch Verlag, Stuttgart, 3. Auflage 1985, ISBN 3-87943-964-8 Das Auto, das Wiegert als „Starfighter für die Straße“ bezeichnete,Artikel Der Vector bedroht den Sportwagensektor, auto welt, Ausgabe 2/1981Vector Perspective, Magazin der Vehicle Design Force, Erstausgabe Mai 1981Vector W2, Prospekt der Vehicle Design ForceArtikel Wer ist der Größte?, auto welt, Ausgabe 1/1985Artikel Der weiße Hai, auto motor und sport, Ausgabe 1/1980 sollte schneller und besser als alle amerikanischen Fahrzeuge seinArtikel Die nordamerikanische Herausforderung: Der Vector W2, Hobby, Ausgabe Oktober 1978 und zudem auch europäische Sportwagen übertreffen. Dieser Intention entsprechend, verwendete Wiegert bei der Firma seines Unternehmens und später auch in Vector-Publikationen demonstrativ Terminologien aus der Luftfahrt.

Der Prototyp des Vector tauchte über ein Jahrzehnt lang immer wieder in verschiedenen Fachzeitschriften und Berichten auf. Ungeachtet regelmäßiger Medienpräsenz wurde das Projekt jedoch kein wirtschaftlicher Erfolg. Die Medienpräsenz des Vector W2 führte dazu, dass man den Namen Vector meist nur mit diesem einzigen Fahrzeug verbindet. Daher wird auch oft nicht etwa von „einem“ Vector, sondern von „dem“ Vector gesprochen.

Die Technik des Vector mini|Vector W2, 1983 mini|1984 lackierte Wiegert den Wagen silber. Schön zu erkennen ist die geänderte Anordnung der Rückleuchten, die in dieser Form bis zum letzten W8 beibehalten wurde. Das Bild zeigt die Firmenzentrale im Gewerbegebiet von Wilmington.

Chassis und Karosserie Im Gegensatz zu vielen anderen Sportwagen hatte der Vector keine selbsttragende Karosserie. Stattdessen ruhte sie auf einem Gitterrohrrahmen aus Chrommolybdän-Stahl, der mit hochfesten Aluminiumpaneelen beplankt war und gleichzeitig als Überrollkäfig diente. Dadurch wurde der Wagen extrem verwindungssteif. Die Verbindung zwischen dem Rohrrahmen und dem Monocoque-Element stellten Epoxidharze und Edelstahlnieten her, der Boden der Fahrgastzelle war eine stabile und verwindungssteife Wabenstruktur aus Aluminium.Artikel "American Steam", "sport auto", Ausgabe 11/1989 Die gesamte Chassis-Einheit wog 160 Kilogramm, die darauf befestigte, aus mit Kohlenstoff- („Carbon“) und Aramidfasern („Kevlar“) verstärktem Kunststoff bestehende Karosserie 45 Kilogramm. Der Unterboden war durchweg glatt. Das führte jedoch dazu, dass der Vector, insbesondere die Baureihe W8, bei hohen Geschwindigkeiten an der Vorderachse sehr leicht wurde und die von der Leistung her mögliche Höchstgeschwindigkeit wegen der fehlenden Bodenhaftung kaum zu erreichen war. Bei späteren Modellen veränderte man die aerodynamischen Eigenschaften des Unterbodens, um die Bodenhaftung zu verbessern.

Motor und Kraftübertragung Der Motor war ein Donovan-V8 auf Basis des Chevrolet 5,7-Liter-Small-Block, der sowohl in Pick-Ups als auch der Corvette zum Einsatz kam und von Wiegert mit zwei wassergekühlten Turboladern des Typs H3 von Garrett AiResearch ausgestattet wurde. Der Motorblock wurde von IMSA-Ausstatter Rodeck bearbeitet, die Zylinderköpfe waren Einzelanfertigungen von Brownfield und Kurbelwellen, Pleuel und Kolben wurden vom Rennsportzulieferer Carillo geschmiedet."Vector W8 Specifications", offizielles Datenblatt des W8, Vector Aeromotive Corporation, 1991Werksprospekt des W8 Twin Turbo, herausgegeben von der Vector Aeromotive Corporation, 1992

Zu den Motorleistungen gibt es unterschiedliche Angaben. Wiegert behauptete, der Motor leiste bis zu 1102 kW (1500 PS),Artikel "Überladen", "Sportfahrer", Ausgabe 11/1981Artikel "1500 PS gefällig?", "Overdrive", Ausgabe 1/1983Artikel "500.000 Mark - Berliner kauft teuerstes Auto der IAA", "Bild", Ausgabe vom 23. September 1983Artikel "Kraftausdruck", "sport auto", Ausgabe November 1981 Tests verschiedener Fachzeitschriften bestätigten diesen Wert allerdings nicht. Danach lag die Motorleistung zwischen 331 (450) und 441 kW (600 PS); das Drehmoment belief sich auf 846 Nm.Artikel "Das stärkste Auto der Welt", "Autobild", Ausgabe 35/1990 Die Höchstgeschwindigkeit lag nach Werksangabe bei 389 km/h, was dem Vector zeitweise einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verschaffte. Auch hier gab es keine unabhängige Bestätigung. Bei diversen Tests wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 290 bis 300 km/h erreicht.Artikel "Ausflug in die Sternenwelt", "rallye racing", Ausgabe Dezember 1983 Ein Test in Europa kam nicht zustande: Bei einem am 30. September 1981 vom deutschen Importeur Auto Becker organisierten Vergleichstest auf dem Kölner Flughafen, bei dem der Vector gegen einen De Tomaso Pantera, einen Ferrari 512 BB einen Lamborghini Countach S und einen Porsche 930 Turbo antreten sollte, blieb er nach einem durch Kabelbrand verursachten Feuer im Motorraum stehen. Der Test wurde nie wiederholt."auto, motor & sport TV", Sendung vom 13. August 2000, ausgestrahlt auf "vox", kann hier angesehen werden: http://www.vox.de/495_2932.php?mainid=20000813&area=faszination&bereich=Ams

Als Kraftübertragung diente anfänglich eine Dreigangautomatik, die wahlweise auch manuell zu bedienen war. Im W2 war ihr Wählhebel links vom Fahrer angeordnet. Der spätere M12 hatte hingegen ein konventionelles Schaltgetriebe mit einem mittig in offener Schaltkulisse angeordneten Schalthebel.Artikel "American Gigolo", "sport auto", Ausgabe 4/1996

Obwohl insbesondere der W8 mit Motor- und Getriebeproblemen zu kämpfen hatten, hat der W2 zwischen 1978 und 1990 weit über 100.000 Meilen (40.000 davon alleine bis 1981) absolviert. Damit gilt er trotz allem als das bisher zuverlässigste und alltagstauglichste Conceptcar.

Design und Innenraum mini|Cockpitansicht des W8. Links neben dem Lenkrad ist deutlich das Multifunktionsdisplay zu erkennen. Wiegert bezeichnete das Design des Vector als einzigartig, konzeptionell folgte es aber dem seit den späten 1960er-Jahren üblichen Muster italienischer Mittelmotorsportwagen. Insbesondere die nach oben schwenkenden Scherentüren erinnerten an den Lamborghini Countach.

Im Cockpit dominieren glatte Flächen. Im W2 gab es aufgrund der seitlichen Anordnung des Getriebes keinen Mitteltunnel. Der Platzgewinn eröffnete die Möglichkeit, den Wagen mit einem dritten Sitz in der Mitte auszurüsten. Diese Option wurde für den W8 zu einem Aufpreis von 5950 $ angeboten,Offizielles "option sheet" (= "Ausstattungsoptionen") des Vector W8, herausgegeben von der Vector Aeromotive Corporation, 1990Offizielles Datenblatt des W8-Prototyps, herausgegeben von der Vector Aeromotive Corporation, 1989 tatsächlich aber bei keinem Exemplar realisiert.

Der Vector war mit aufwendiger Elektronik ausgerüstet. Ein sogenanntes Head-Up-Display, das die wichtigsten Daten von innen auf die Frontscheibe in den Sichtbereich des Fahrers projizierte, erinnerte konzeptionell an Flugzeuge. Allerdings funktionierte das System beim W2 nur theoretisch, erst im W8 konnte der Fahrer dieses System benutzen. Aufgrund eines Werbevertrags mit Blaupunkt wurde der W2 mit über einem Dutzend Lautsprechern ausgestattet, von denen jedoch nachweislich nicht alle angeschlossen wurden.Artikel "Vector CD - Technique d'Avantgarde", "auto welt", Ausgabe 2/1983 Anstelle eines Zündschlosses wurde der Wagen durch Eingabe eines Zahlencodes gestartet. Die Tastatur war links neben dem Fahrer in der Mulde des Automatikwählhebels angebracht. Viele der verwendeten Cockpitkomponenten des späteren W8 kamen aus amerikanischen Militärbeständen: Einige der eingebauten Teile stammen aus einer F-16 von General Dynamics, die verstellbaren Luftdüsen und Drucksicherungen steuerte Northrop Corporation bei – diese tun auch in der F/A-18 ihren Dienst. Das Multifunktionsdisplay, das im W8-Cockpit links von der Lenksäule angebracht ist, stammt ursprünglich aus einem M1-Abrams-Kampfpanzer. Ebenfalls exklusiv waren die elektrisch verstellbaren Recarositze.

Die Anfänge, vom Konzept zum W2 mini|Eine der ersten Testaufnahmen des Vector. In diesem Stadium waren die Außenspiegel noch "Außen"-spiegel (sogar auf dem Dach). Später wurden sie auf der Innenseite der Scheiben angebracht.

Den ersten Prototyp des Vector konnte man bereits 1972 auf der L.A. Motorshow begutachten, im April des gleichen Jahres war die Designskizze auf der Titelseite der US-amerikanischen Zeitschrift "Motor Trend" abgebildet. Eine Typenbezeichnung gab es damals noch nicht, ebenso wenig einen Motor oder ein Fahrwerk, der Wagen war eine reine Designstudie. Wiegerts und Browns Vorstellungen für eine spätere Motorbestückung hatten folgende Eckdaten: 2 Liter Hubraum, 4 Zylinder, etwa 250 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von um die 270 km/h. Der geplante Verkaufspreis sollte bei 7500 $ liegen. Ursprünglich hatte Wiegert also vor, einen durchweg bodenständigen und bezahlbaren zweisitzigen Sportwagen zu bauen. Hintergrund war, dass der Vector eigentlich deutlich günstiger zu haben sein sollte als die Corvette. Die grundlegenden technischen Zeichnungen hatte Wiegert bereits gemacht, als er noch für General Motors tätig war – dort wollte man von seinem Konzept aber nichts wissen. Wiegert, der zu dem Zeitpunkt überzeugter Porschefahrer war (einer der Gründe, warum er bei GM nicht der Beliebteste war), hatte offenbar sogar mit dem Gedanken gespielt, übergangsweise einen Motor von Porsche zu verwenden. Das geht aus den damaligen Designskizzen deutlich hervor.Designskizze des Vector, handschriftlich von Gerald Wiegert erstellt und auf der L.A. Motorshow 1972 ausgestellt