mini|Georg Friedrich Schmidt, Selbstporträt „mit der Spinne“, Radierung, St. Petersburg 1758 Georg Friedrich Schmidt (* 24. Januar 1712 in Schönerlinde bei Berlin; † 25. Januar 1775 in Berlin) war ein deutscher Kupferstecher, Radierer und Pastellmaler, der als Hofkupferstecher unter Friedrich II. wirkte. Er gilt auf seinem Gebiet als ein Meister des friderizianischen Rokokos.
Leben Anfänge in Berlin Georg Friedrich Schmidts Eltern waren arme Tuchmacher. Ihr Sohn war eigentlich dazu bestimmt, wie der Vater das Tuchmacherhandwerk zu erlernen. Doch damit war der Knabe keineswegs einverstanden, denn er begeisterte sich schon früh für die zeichnende Kunst. Nachdem die Familie, zu der auch zwei Schwestern des Künstlers zählten, von Schönerlinde, seinem Geburtsort, nach Berlin gezogen war, gestattete man daher dem vierzehnjährigen Georg Friedrich, am unentgeltlichen Zeichenunterricht an der Berliner Kunstakademie teilzunehmen.Joseph Eduard Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen. Haendcke & Lehmkuhl, Hamburg 1887, S. IV. Nachdem dort sein Talent offensichtlich wurde, gaben die Eltern auf Anraten der Akademielehrer ihren Sohn nach allgemeiner Auffassung beim Kupferstecher Georg Paul Busch 1727 in eine dreijährige Lehre, wohl auch deswegen, weil ein Maler für die künstlerische Ausbildung des jungen Georg Friedrich gerade nicht zur Verfügung stand.Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen. S. V. Laut Karl von Lützow allerdings soll Schmidts eigentlicher Lehrer der preußische Hofkupferstecher Johann Georg Wolfgang gewesen sein; für Busch hätte der äußerst begabte junge Schmidt nur nebenbei aus finanziellen Gründen als Stecher gearbeitet.Da Wolfgang, „neben seiner Stellung als Hofkupferstecher, auch Lehrer seines Fachs an der Berliner Akademie war, an welcher Schmidt seine Studien begann, ist es höchst wahrscheinlich, daß er auch dessen Lehrer war. Gewöhnlich wird der Kupferstecher G. P. Busch als solcher genannt. Busch war jedoch ein Stümper, von dem Schmidt nichts mehr lernen konnte, ‚er arbeitete nur für ihn und verbesserte dessen Platten des Geldverdienstes halber, da Busch eine ausgebreitete Kundschaft besaß, die der junge unbekannte Künstler namentlich während seiner sechsjährigen Dienstzeit als Soldat sich nicht erwerben konnte‘ (Seidel).“ Siehe Carl von Lützow: Geschichte des deutschen Kupferstiches und Holzschnittes. Berlin 1891, S. 254. Ähnlich schreibt auch Edwin von Campe über Schmidt: „Er erlernte an der Berliner Akademie die Kunst des Kupferstechens und kam dann zu G. P. Busch als Gehilfe, den er an Können bald übertraf.“Edwin von Campe (Hrsg.): Die graphischen Porträts Friedrichs des Grossen aus seiner Zeit und ihre Vorbilder. Band 1. Bruckmann, München 1958, S. 9. Um sich als Künstler zu vervollkommnen, belegte Schmidt neben Zeichenkursen wohl auch Malkurse an der Berliner Kunstakademie, zumal er auch an der Malerei Interesse hatte.
Ab 1730 absolvierte der junge Künstler seinen Militärdienst in der preußischen Armee und wurde dort Kanonier. In seiner Freizeit besuchte er weiterhin die Kunstakademie und arbeitete auf eigene Rechnung als Kupferstecher. Erste Erfolge hatte Schmidt in den frühen 1730er Jahren mit Kupferstich-Porträts des Kronprinzen Friedrich, die er teilweise noch für Georg Paul Busch stach.Von Campe: Die graphischen Porträts Friedrichs des Grossen aus seiner Zeit und ihre Vorbilder. Band 1, S. 9, 39, 65. Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen. S. 17. Der 1733 entstandene Stich zur Hochzeit des Kronprinzen Friedrich mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern stammt dagegen nicht von Georg Friedrich Schmidt, sondern vom Braunschweiger Kupferstecher Johann Georg Schmidt (1694–1767), mit dem Georg Friedrich Schmidt gelegentlich verwechselt wird. Siehe die Signatur „J. G. Schmidt“. Gerhild H. M. Komander: Der Wandel des "Sehepuncktes". Die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648 bis 1810. LIT Verlag, Münster / Hamburg 1995, S. 387 Nr. 122. Mit Genehmigung von Friedrichs Mentor Feldmarschall Friedrich Wilhelm von Grumbkow verließ Schmidt allerdings 1736 vorzeitig den MilitärdienstWessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen. S. VI. Eigentlich hätte er als Enrollierter vierzehn Jahre lang seinen Militärdienst absolvieren müssen. und machte sich selbständig.
Auf der Kunstakademie hatte er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff kennengelernt, der zu einem langjährigen Freund wurde.„Knobelsdorff war 1729, nachdem er den Militärdienst wegen Kränklichkeit quittiert hatte, nach Berlin gekommen, wo er den Kronprinzen im Zeichnen unterrichten sollte und sich selbst an der Akademie der Künste weiterbilden konnte. Zur gleichen Zeit wie er besuchte der Kupferstecher Georg Friedrich Schmidt die Akademie. Beide waren freundschaftlich verbunden.“ Siehe Gerd Bartoschek: Antoine Pesne, 1683–1757. Ausstellung zum 300. Geburtstag. Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten, Potsdam-Sanssouci 1983, S. 120. Auch mit dem preußischen Hofmaler und Akademiedirektor Antoine Pesne, der wie Knobelsdorff mit Friedrich II. „in intimem, persönlichem Verkehr“ stand,Paul Seidel: Friedrich der Grosse und die bildende Kunst. Giesecke & Devrient, Leipzig und Berlin 1922, S. 40. schloss er Freundschaft.Seidel: Friedrich der Grosse und die bildende Kunst. S. 153, 224. Schmidt war bereits in den 1730er Jahren ein Schützling des Hofmalers Pesne, zu dessen vielen Schülern er zählte. Der bekannte Berliner Kunsthistoriker Hans Mackowsky, einer der besten Kenner Alt-Berlins, schrieb, dass Knobelsdorff zu seiner Akademiezeit „Schmidt als einen Schützling des Berliner Akademiedirektors und Hofmalers Pesne kannte.“ Siehe Hans Mackowsky: „Das Friedrichs-Forum zu Berlin nach dem Plane von G. W. v. Knobelsdorff“. In: Zeitschrift für bildende Kunst, Jg. 45, N.F. 21, 1910, S. 16. Der aus Frankreich stammende Pesne versorgte Schmidt mit einem Empfehlungsschreiben an Nicolas Lancret.Hans Müller betont, „dass Pesne selbst deutsche Künstler auf das, was man bei seinen Landsleuten lernen konnte, aufmerksam machte, wie er zum Beispiel den jungen Kupferstecher Georg Friedrich Schmidt an seinen Freund Lancret in Paris empfohlen hat.“ Siehe Hans Müller: Die königliche Akademie der Künste zu Berlin 1696 bis 1896. Von der Begründung durch Friedrich III von Brandenburg bis zur Wiederherstellung durch Friedrich Wilhelm II von Preussen. Berlin 1896, S. 104. Mit dieser Empfehlung ging der deutsche Kupferstecher 1736 nach Paris, um dort sein Stecher-Handwerk zu perfektionieren.„Schmidt ging 1736 zur Vervollkommnung seiner Ausbildung nach Paris, von Pesne zu Lancret geschickt, nach dessen Bildern er zunächst stach.“ Siehe Bartoschek: Antoine Pesne, 1683–1757. S. 120. Das in der Literatur öfter genannte Datum 1737 für den Weggang nach Paris beruht auf einer Fehlinterpretation von Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen, S. VII. Zum korrekten Datum 1736 auch Herbert Krüger: „Die Gesellenwanderung des ‚französischen‘ Kupferstechers Jean-Georges Wille aus Oberhessen über Straßburg nach Paris im Jahre 1736“. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. N.F., Band 74, Heft 2 (1965), S. 389–413. Auf dem Weg dorthin begleitete ihn sein Freund, der Dekorationsmaler Friedrich Wilhelm Hoeder,„Schmidt etait accompagné par Höder, jeune Peintre de Berlin.“ Siehe die biografische Skizze von Johann Georg Wille über Schmidt, zitiert bei Elisabeth Décultot, Michel Espagne, Michael Werner (Hrsg.): Johann Georg Wille (1715–1808). Briefwechsel. Max Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-36544-7, S. 42. der wie sein anderer Freund Knobelsdorff wohl auch bei Pesne an der Berliner Akademie ausgebildet worden war.
Enge Freundschaft mit Johann Georg Wille mini|180px|Le Théatre Italien nach Nicolas Lancret, erschienen bei Larmessin, Paris 1737 oder 1738 Unterwegs freundete sich Schmidt in Straßburg mit dem Kupferstecher Johann Georg Wille an.„Mr Wille, qui allait également a Paris se joignit a eux a Strasbourg.“ Zitiert bei Décultot u. a.: Johann Georg Wille (1715–1808): Briefwechsel. S. 42. Schmidt, Wille und Hoeder trafen Ende Juli 1736 in Paris ein.„Ils firent route ensemble et arriverent dans cette Patrie des Arts à la fin de Juillet 1736.“ Siehe Décultot u. a.: Johann Georg Wille (1715–1808): Briefwechsel. S. 42. In der französischen Metropole bezogen Schmidt und Wille mehrere Jahre lang bis zu Schmidts Aufnahme in die Académie royale de peinture et de sculpture eine gemeinsame Wohnung. Über die gemeinsame Zeit in dieser Wohnung berichtet auch Wille ausführlich in seinen auf Französisch erschienenen Lebenserinnerungen. Siehe Mémoires et journal de J.-G. Wille, graveur du roi. Hrsg. von Georges Duplessis. 2 Bände. Jules Renouard, Paris 1857. Wie eng die Beziehung der beiden Künstler war, verdeutlicht Wille rückblickend in seinen Mémoires: Dort erinnert er an die glückliche Freundschaft, die sich zwischen ihm und Schmidt während der Reise von Straßburg nach Paris entwickelte und die in der französischen Metropole „immer stärker und stärker“ wurde, wobei er betont, dass die beiden Künstler in ihrem Denken und Handeln übereinstimmten und „nicht genug davon bekommen konnten, zusammen zu sein“. Langeweile kam dabei nie auf. Wille erwähnt auch, dass der geistreiche Schmidt trotz „edler“ Prinzipien etwas satirischer veranlagt war als er.Wörtlich schreibt Wille: „J’ai déjà observé que l’amitié entre Schmidt et moi s’étoit heureusement formée pendant notre voyage; j’ajoute qu’elle se fortifioit de plus en plus à Paris; nos façons de penser et d’agir étoient à peu près conformes; je l’allois voir souvent lorsqu’il aidoit M. de Larmessin dans la gravure des contes de la Fontaine, nous ne nous lassions jamais d’être ensemble, l’ennui n’étoit pas de notre essence. Schmidt avoit de l’esprit, et quoiqu'un peu satirique il étoit noble et honnête par principes.“ Siehe Mémoires et journal de J.-G. Wille, Band 1, S. 62. Weiter beschreibt Wille ausführlich, wie er und Schmidt, des Öfteren „Kohldampf schiebend“, mit ihren Skizzenblöcken ständig die Gegend um Paris unsicher machten, laufend die verschiedensten Motive zeichneten und sich dabei auch immer wieder in allen möglichen Stellungen gegenseitig skizzierten.Mémoires et journal de J.-G. Wille, Band 1, S. 84–85. Seidel: Friedrich der Grosse und die bildende Kunst. S. 217. Laut Wessely war die Freundschaft der beiden Stecher „so innig, dass sie sich [auch] wechselseitig an ihren Kupferplatten betheiligten; einer stach das Portrait, der andere das Beiwerk…“Wessely: Georg Friedrich Schmidt. Verzeichniss seiner Stiche und Radirungen. S. VII. Als dann Schmidt nach Jahren des gemeinsamen Lebens in eine größere eigene Wohnung zog, fühlte sich Wille einsam und trauerte der glücklich zusammen verlebten Zeit nach, denn wo gebe es zwei andere junge Künstler, die aufrichtigere Freunde seien als Wille und Schmidt!Wörtlich schreibt Wille: „Il n’y a donc rien de stable en ce monde! C’est dans l’ordre, je le vois; mais je suis isolé! Schmidt, cet ancien camarade, a quitté cette demeure! Où est ce temps heureux si peu éloigné, mais passé, qu'une seule cloison de planches nous séparoit? Où-rencontre-t-on deux jeunes artistes, courant la même carrière, qui aient été des amis plus sincères que nous?“ Siehe Mémoires et journal de J.-G. Wille, Band 1, S. 84. Das freundschaftliche Verhältnis wurde aber trotz der Aufgabe der gemeinsamen Wohnung und auch noch, nachdem Schmidt als Hofkupferstecher nach Berlin berufen worden war (siehe unten), bis zum Lebensende Schmidts aufrechterhalten, wie dem regelmäßigen Briefwechsel der beiden Künstler zu entnehmen ist.Siehe Décultot u. a.: Johann Georg Wille (1715–1808). Briefwechsel. passim. Wille schreibt z. B.: „C’est de ce voyage [gemeint ist die gemeinsame Reise von Straßburg nach Paris] que date l’amitié qui a constamment subsisté entre Schmidt et Wille.“ Ebenda, S. 42.