Sachin Ramesh Tendulkar (Marathi: , ; * 24. April 1973 in Bombay, Indien) ist ein ehemaliger indischer Cricketspieler und Mannschaftskapitän der indischen Nationalmannschaft. Er zählt zu den besten Batsmen der Cricket-Geschichte und erzielte in seiner mehr als zwei Jahrzehnte langen Karriere (1989–2013) zahlreiche Rekorde, darunter die meisten Runs im Test- und ODI-Cricket. Zusammen mit dem indischen Team gelang ihm 2011 der Gewinn des Cricket World Cups. Tendulkar gilt heute als die wichtigste Sportlerpersönlichkeit Indiens und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter als einziger Sportler den höchsten indischen Verdienstorden Bharat Ratna.
Kindheit und Ausbildung Sachin Tendulkar wurde 1973 als Sohn von Ramesh Tendulkar, einem als College-Lehrer tätigen Schriftsteller und Dichter, und seiner Mutter Rajni, die in der Versicherungsbranche arbeitete, geboren. Benannt wurde er nach dem Lieblingskomponisten seines Vaters, Sachin Dev Burman. Mit neun Jahren begann er das Cricketspiel in seiner Schulmannschaft. Dessen Trainer erkannte, dass Sachin bevorzugte, den Ball hart zu schlagen, weshalb er als Batsman eingesetzt wurde. Mit elf Jahren erzielte er sein erstes Fifty (50 Runs in einem Innings) und im Jahr darauf in der indischen Schulmeisterschaft, dem Harris Shield, das erste Century (100 Runs in einem Innings). Der Durchbruch als Spieler für seine Schule, der Shardashram Vidyamandir School, gelang ihm in der Saison 1986/87 mit 13 Jahren. Er erreichte in den Schulwettbewerben 2336 Runs, darunter zahlreiche Centuries und zwei Doppel-Centuries (200 Runs in einem Innings). Dies fiel auch den Verantwortlichen der Auswahlmannschaft von Bombay auf und so luden sie Tendulkar am 14. November 1987 dazu ein, an ihrem Training teilzunehmen. In der Folge wurde er für die Mannschaft vereinzelt als Substitute eingesetzt, jedoch zunächst nicht als regulärer Spieler.
Hauptsächlich spielte er jedoch unter Anleitung des Nationalspielers Sandeep Patil für ihre Jugendmannschaften und bekam so zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Er wurde auch für die zonale Jugend-Auswahlmannschaft nominiert und konnte dort zahlreiche Centuries erzielen. Auch in den Schulwettbewerben glänzte er wieder. Höhepunkt war der Auftritt im Halbfinale des Harris Shields am 23.–25. Februar 1987. Gegen ihren Gegner St Xavier’s High School waren Tendulkar und sein Mitspieler Vinod Kambli, der später ebenfalls für die indische Nationalmannschaft spielte, als die dominierenden Batsmen zu erwarten. St Xavier’s schaffte es, zunächst zwei Batsmen zu entfernen, bevor Tendulkar sich zu Kambli am Schlag gesellte. Bis zum Abend erzielten Tendulkar 192 und Kambli 182 Runs und ihr Coach, der am zweiten Tag nicht dabei sein konnte, wies die beiden Batsmen an, am Morgen die Declaration auszusprechen und so zum Bowling überzugehen. Die beiden ignorierten jedoch die Anweisung und griffen bis zum Mittagessen an. Bis dahin schafften Kunil 349 und Tendulkar 326 Runs. Daraufhin riefen sie bei ihrem Trainer an und baten darum, weiter am Schlag verweilen zu dürfen, doch dieser ordnete die sofortige Declaration an und die beiden Spieler folgten der Anweisung. Die zusammen in der Partnerschaft erzielten 664 Runs wurden später als Weltrekord identifiziert und erst 2006 gebrochen. Kurz darauf erreichte Tendulkar in einem weiteren Spiel 346 Runs und bestätigte seine Leistungen.
Das Aufsehen, das er erregte, führte dazu, dass er mit nur 15 Jahren für den Cricket Club of India spielen durfte, der für ihn die Regeln änderte, nach denen kein Kind unter 18 das Klubhaus betreten darf. Der alljährliche Best Junior Cricketer Award blieb ihm verwehrt, woraufhin er von dem gerade vom internationalen Cricket zurückgetretenen ehemaligen Kapitän der indischen Nationalmannschaft Sunil Gavaskar einen Aufmunterungs-Brief bekam. Auch schenkte dieser ihm ein Paar seiner leichten Beinschoner, was Tendulkar später mit „It was the greatest source of encouragement for me“ (deutsch: Es war für mich die größte Ermutigung) kommentierte. Beim Cricket World Cup 1987 fungierte er im Halbfinale zwischen Indien und England als Balljunge. Tendulkar wollte zuerst Fast Bowler bei einer Akademie für fast bowling mit dem ehemaligen australischen Nationalspieler Dennis Lillee werden, wurde aber von Lillee darauf verwiesen, dass er sich doch eher auf das Batting konzentrieren sollte.
Zeit als Aktiver Erste Schritte im First-Class und Test Cricket Am 10. Dezember 1988 wurde Tendulkar erstmals für Bombay in der Ranji Trophy aufgestellt. Er erzielte dabei in seinem ersten First-Class-Spiel ein Century und ist mit einem Alter von 15 Jahren und 231 Tagen bis heute der jüngste Spieler, dem dieses gelang. Gleiches schaffte er bei seinen ersten Auftritten in den anderen nationalen indischen Wettbewerben, Irani Cup und Duleep Trophy, und ist bis heute der einzige, dem dies gelang. In der gesamten Saison der Ranji Trophy 1988/89 war er mit 583 Runs der erfolgreichste Batsman seiner Mannschaft und der achtbeste aller Teams. Nach nur einer Saison wurde er im folgenden Winter für die Nationalmannschaft nominiert. Seinen ersten Einsatz hatte er als 16-Jähriger bei der Tour Indiens in Pakistan 1989/90 beim ersten Test in Karachi. Damit war er der jüngste indische und der viertjüngste Test-Cricket-Debütant überhaupt. Als Schlagmann Nummer sechs erzielte er im ersten Innings 15 Runs, bevor er sein Wicket an Waqar Younis, der ebenfalls dort sein Test-Debüt feierte, verlor. Er spielte auch in den weiteren Tests und einem One-Day International der Tour, wobei er bei letzterem ohne Run ausschied. Beim letzten Test wurde er von Waqar Younis mit einem Ball am Kopf getroffen, weigerte sich jedoch trotz Blutungen, medizinische Hilfe anzunehmen. Bei der folgenden Tour in Neuseeland wurde er abermals eingesetzt, erspielte dabei jedoch neben einem Fifty auch zwei Ducks (keinen Run). Sein erstes Century im Test-Cricket erreichte er im Old Trafford Cricket Ground beim zweiten Test der Tour Indiens in England 1990, als er Indien im zweiten Innings zum Remis verhalf. Er war zu diesem Zeitpunkt der zweitjüngste Spieler, dem dieses gelang.
Er etablierte sich im Folgenden weiter im indischen Team und erzielte in den nächsten Touren und Turnieren einige Fifties. Besonders in Erscheinung trat er bei der Tour Indiens in Australien 1991/92. Tendulkar war 18 und der Aufenthalt für das indische Team war, zusammen mit der anschließenden Weltmeisterschaft, für vier Monate angesetzt. Zunächst tat er sich schwer. Der erste Test gegen Australien und die ersten Spiele der folgenden Benson & Hedges World Series 1991/92 verliefen durchschnittlich für ihn. Es war im dritten Test in Sydney, als ihm im ersten Innings 148 not out gelangen und er so zusammen mit den 206 Runs von Ravi Shastri das einzige Remis der Test-Serie ermöglichte. Im letzten Test in Perth schaffte er ein weiteres Century, was auf Grund der Bedingungen des Pitches, der einen großen Riss enthielt, als außergewöhnliche Leistung angesehen wurde. Der anschließende Cricket World Cup 1992 verlief enttäuschend für die indische Mannschaft. Das Team erzielte nur zwei Siege gegen Simbabwe und Pakistan in der Vorrunde, jedoch war Tendulkar in diesen beiden Spielen Man of the Match. Insgesamt erzielte er 283 Runs bei einem Durchschnitt von knapp über 47. Für die folgende Sommersaison wurde er von Yorkshire für die englische County Championship verpflichtet. Dies sorgte für Aufsehen, da Yorkshire bis dahin jedem, der nicht in Yorkshire geboren war, einen Einsatz in seinen Teams verwehrt hatte.
Sein Aufstieg im indischen Team miniatur|Tendulkar als Batsman erwartet den Wurf des Bowler (2007) Die indische Nationalmannschaft hatte zu diesem Zeitpunkt eine schwierige Phase. Zuhause konnte sie durchaus mit jedem Team mithalten, aber wie die Tour in Australien gezeigt hatte, waren sie auswärts nicht konkurrenzfähig. Dies sollte auch in den folgenden Jahren so anhalten. Tendulkar war in diesem Team die Basis, auf der eine neue Generation aufgebaut wurde. Bei der Tour in Südafrika 1992/93 wurde er mit 19 Jahren und 217 Tagen zum jüngsten Spieler, der 1000 Runs erzielte, darunter ein weiteres Century in Johannesburg, wo er mit 111 Runs in seinem Team herausstach, da niemand anderer mehr als 25 Runs erzielte. Sein erstes Century auf heimischem Boden schaffte er bei der folgenden Tour Englands in Indien 1992/93. Bei seinen 165 Runs im ersten Test gelangen ihm 25 Boundaries. Später im Jahr gelang ihm sowohl ein Test-Century in Sri Lanka als auch ein halbes Jahr später gegen Sri Lanka daheim. Ersteres hatte wichtigen Anteil daran, dass Indien den ersten auswärtigen Serien-Gewinn seit 1986 in England erzielte.
Beim C. A. B. Jubilee Tournament 1993/94 gelang ihm im November einer seiner seltenen wichtigen Beiträge als Bowler. Im Halbfinale gegen Südafrika wurde er im letzten Over eingesetzt, als die Südafrikaner noch sechs Runs benötigten und somit im Vorteil waren. Tendulkar schaffte es, nur drei Runs zuzulassen. Kurz vor dem Turnier hatte er sich im Training eine Handgelenksverletzung zugezogen, die mit Cortison behandelt werden musste. Nach eigener Aussage war es der Beginn von zahlreichen Cortison-Spritzen über seine Karriere hinweg, um weiterhin auf dem hohen Niveau spielen zu können. Das erste Century seiner ODI-Karriere erzielte er beim Singer World Series 1994. Zuvor war er auf der Tour in Neuseeland im März 1994 erstmals als Eröffnungsbatsman im ODI eingesetzt worden, eine Position, die er über Jahre hinweg dominierte. Bei der einzigen heimischen Tour in der Saison 1994/95 gegen die West Indies gelangen ihm zwei Centuries, eines davon beim zweiten Test in Nagpur mit 179 Runs. Auch gewann er mit Mumbai als jüngster Kapitän überhaupt die Ranji Trophy 1994/95.
Das folgende Jahr stand für die indische Nationalmannschaft und somit auch für Tendulkar ganz im Zeichen der Vorbereitung für den im eigenen Land ausgetragenen Cricket World Cup 1996. Im November 1995 unterzeichnete er einen Sponsoring-Vertrag mit dem Telekommunikationsunternehmen WorldTel über 7,5 Millionen US-Dollar, was ihn zum bestverdienenden Cricketspieler weltweit machte. Der World Cup verlief für Indien und Tendulkar zunächst gut. Er erzielte in der Vorrunde zwei Centuries und zwei Fifties, und nachdem man Pakistan im Viertelfinale geschlagen hatte, stand das Halbfinale gegen Sri Lanka an. Dort gelang Tendulkar als Antwort auf Sri Lankas 251 Runs ein guter Start, als er 65 Runs bei 88 Bällen erzielte. Dann jedoch wendete sich das Spiel, als Tendulkar vom sri-lankischen Wicket-Keeper Romesh Kaluwitharana gestumped wurde. Die weiteren indischen Batsmen schieden in kurzer Folge aus, und beim Stand von 120 bei 8 Wickets kam es zu Zuschauer-Ausschreitungen im Eden Gardens und das Spiel wurde für Sri Lanka gewertet. Tendulkar wurde mit 523 erzielten Runs bester Batsman des Turniers. Die folgende Tour in England bereicherte Tendulkar abermals mit zwei Test-Centuries, eines davon mit 177 Runs in Nottingham.
Beförderung zum Kapitän Durch seine Erfolge wurde Tendulkar zum Beginn der Saison 1996/97 zum Kapitän der Mannschaft befördert und war zunächst auch erfolgreich. Siege bei heimischen Touren gegen Australien und Südafrika erfüllten zunächst die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden. Er galt als sehr aktiver Kapitän, was zunächst auch lobend hervorgehoben wurde. Als es dann bei den nächsten Auswärtstouren zu Niederlagen kam, wurden die Hoffnungen schnell enttäuscht und sein Stil kritisiert. In Südafrika im Winter 1996/97 verlor sein Team zwei der drei Tests und wurde einmal für 100 und einmal für 66 Runs ausgeworfen, was die niedrigste Punktzahl gegen Südafrika im Test-Cricket für Indien überhaupt war. Sachin gelang sowohl bei den ODIs als auch in der Test-Serie ein Century, er blieb aber ansonsten glanzlos.