Die Kantonsschule Solothurn (oder kurz Kanti Solothurn; im örtlichen Dialekt Kantonsschueu Soledurn oder Kanti Soledurn) ist eine Kantonsschule in der Schweizer Stadt Solothurn. Sie ist mit rund 1 800 Schülern (Stand: 2021/22) die drittgrösste Mittelschule des Landes. Rektorin ist seit 2024 Christina Tardo-Styner. mini|Blick auf den Turnhallen- und Mensatrakt an der Fegetzallee Geschichte Entwicklung der Schülerzahlen Jahr Schüler 1799 74 1821 280 1901 377 1950 600 1959 925 2007 1 800 2013 1 71620221 803 Die Ursprünge der Kantonsschule Solothurn gehen auf das im 8. Jahrhundert gegründete Chorherrenstift St. Ursus und dessen Stiftsschule zurück, die Ende des 15. Jahrhunderts als Lateinschule unter die Aufsicht des Stadtrates gestellt und 1520 zur städtischen Jungenschule wurde. 1541 kam ein Mädchengymnasium dazu und 1646 wurde die Lateinschule zu einem Kollegium der Jesuiten, für unter anderem dessen Gesangsunterricht 1680 bis 1689 die Jesuitenkirche erbaut wurde.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. im Jahre 1773 wurde das Kolleg verstaatlicht; 1812 bis 1817 wirkte hier Konrad Josef Glutz von Blotzheim. Am 1. November 1833 wurde die Schule umbenannt in Höhere Lehr- und Erziehungsanstalt des Kantons Solothurn. Hierher wurde 1833 als Physiklehrer und 1835 zusätzlich als Lehrer für Naturgeschichte der römisch-katholische Priester und Geologe Franz Joseph Hugi berufen, 1837 aber wieder entlassen, weil er zum Protestantismus übergetreten war. 1836 kam als Zeichenlehrer Martin Disteli an die Höhere Lehr- und Erziehungsanstalt. 1857 wurde die bisherige Höhere Lehr- und Erziehungsanstalt als «Kantonsschule» reorganisiert.Gesetz über Einrichtung der Kantonsschule vom 1. Maräz 1857 (veröffentlicht den 14. März 1857). In: Amtliche Sammlung der Gesetze und Verordnungen des eidgenössischen Standes Solothurn, LIII. Band, 4. Heft, Solothurn 1854, 1855, 1856 und 1857, S. 233–238.
1839 wurde eine Oberrealschule (Vorgänger des heutigen mathematisch-naturwissenschaftlichen Profils), 1888 ein Lehrerseminar und 1892 eine Handelsschule angegliedert, 1941 das heutige Gebäude bezogen und 1960 die Handelsschule zu einer Diplomhandelsschule und einem Wirtschaftsgymnasium umgewandelt.
Die Kantonsschule ist heute unterteilt in die Maturitätsschule, welche weiter in den sprachlichen, musischen, mathematisch-naturwissenschaftlichen, wirtschaftlich-rechtlichen und sportlich-kulturellen Bereich fällt, in die Fachmittelschule (Vorbereitung auf dem Gebiet Gesundheit, soziale Arbeit und Pädagogik), die Passerelle sowie in die Sekundarschule P, welche Schüler auf die Maturitätsschule vorbereitet.
ELMA (Eigenständiges Lernen mit Anleitung) Die Kantonsschule Solothurn führte im Sommer 2020 als erste Schule schweizweit ein neues Schulmodell ein. Es nennt sich ELMA (Eigenständiges Lernen mit Anleitung). Die Schüler können mithilfe dieses Systems viel selbstständiger lernen und mehr von zu Hause aus arbeiten. Die meisten Schüler, welche dieses neue Modell gewählt haben, dürfen in bestimmten Lektionen von zu Hause oder im eigenen Klassenzimmer lernen.
Mensa Die Mensa der Kantonschule Solothurn wird durch die SV-Group im Auftrag des Kantons betrieben. Sie ist für Schüler und externe Gäste verfügbar. mini|Choraufführung in der Aula
Sprachen An der Kantonsschule Solothurn werden die Fremdsprachen Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch, Latein und Griechisch angeboten.
Sonstiges Mediothek mit rund 30 000 Büchern, Lexika, Wörterbüchern, Videos, DVDs, CDs, Zeitschriften, Magazinen, Kassetten, Taschenbüchern und Romanen 60 Freikurse (über Chinesisch und Bandworkshops bis hin zu Geräteturnen, Elektronik und Theater), landesweit eines der grössten Angebote
Bekannte Schüler Nach Geburtsjahr Johannes Wilhelm Gotthart (1592–1649), Geistlicher, Kontroverstheologe, Lehrer und Schriftsteller Urs Glutz von Blotzheim (1751–1816), Offizier und Politiker Joachim Leonz Eder (1772–1848), Jurist und Politiker Alois Vock (1785–1857), Geistlicher und Historiker Robert Glutz von Blotzheim (1786–1818), Historiker und Schriftsteller Leonz Gugger (1791–1864), Politiker Karl Arnold-Obrist (1796–1862), römisch-katholischer Bischof im Bistum Basel Felix Helbling (1802–1873), römisch-katholischer Geistlicher und Politiker Basil Ferdinand Curti (1804–1888), Jurist und Politiker Peter Jakob Felber (1805–1872), Mediziner, Politiker und Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung Urs Viktor Vigier (1814–1879), Jurist und Politiker Friedrich Fiala (1817–1888), Historiker und römisch-katholischer Bischof im Bistum Basel Peter Vogt (1822–1886), Förster und Politiker Amanz Kaspar Affolter (1825–1861), Jurist und Politiker Johann Joseph Bohrer (1826–1902), römisch-katholischer Geistlicher in Basel Josef Anton Glutz (1844–1899), Unternehmer und Politiker Ludwig Rochus Schmidlin (1845–1917), Pfarrer in Biberist und Kirchenhistoriker Josef Gisi (1848–1902), Landwirt und Politiker Otto Widmer (1855–1932), Pfarrer in Gretzenbach und Begründer des Kinderheims in Grenchen Friedrich Schwendimann (1867–1947), Dompropst an der St. Ursenkathedrale in Solothurn und Kirchenhistoriker Werner Kaiser (1868–1926), Jurist und Politiker Hans Affolter (1870–1936), Jurist und Politiker Donald Wedekind (1871–1908), Schriftsteller Robert Furrer (1882–1962), Oberzolldirektor Walther Stampfli (1884–1965), Politiker Karl Obrecht (1910–1979), Jurist und Politiker Yule Kilcher (1913–1998), Landwirt, Journalist und Politiker in Alaska Paul Affolter (1917–2005), Oberzolldirektor Kurt Locher (1917–1991), Direktor der Eidgenössischen Steuerverwaltung Max Affolter (1923–1991), Ständeratspräsident Peter Schmid (* 1941), Politiker, Regierungsrat des Kantons Bern Benedikt Weibel (* 1946), Manager und ehemaliger CEO der Schweizerischen Bundesbahnen Samuel Schmid (* 1947), Politiker und ehemaliger Bundesrat Kathrin Altwegg (* 1951), Astrophysikerin Sandra Boner (* 1974), Fernsehmoderatorin Carla Stampfli (* 1984), Schwimmerin und Triathletin Nathalie Schneitter (* 1986), Mountainbike-Fahrerin Daniela Ryf (* 1987), Triathletin Laura Gantenbein (* 1989), Politikerin und Nationalrätin
Bekannte Lehrer Nach Geburtsjahr Johannes Wilhelm Gotthart (1592–1649), Geistlicher, Kontroverstheologe, Lehrer und Schriftsteller Franz Regis Krauer (1739–1804), Schriftsteller, Professor der Grammatik Urs Jakob Tschan (1760–1824), Mathematikprofessor und Luftfahrtpionier Franz Joseph Hugi (1791–1855), Geologe Joseph Anton Dollmayr (1804–1840), Philosophie und Geschichte Heinrich Georg Friedrich Schröder (1810–1885), Physiker und Mathematiker Otto Möllinger (1814–1886), Naturwissenschaftler Gaudenz Taverna (1814–1878), Zeichner Oswald Schön (1836–1879), Lehrer für deutsche Sprache und Literatur Franz Misteli (1841–1903), klassischer Philologe Hermann Breitenbach (1883–1967), klassischer Philologe Oskar Stampfli (1886–1973), Mathematiker und von 1921 bis 1933 Rektor der Schule Hans Rudolf Breitenbach (1923–2013), klassischer Philologe Urs Joseph Flury (* 1941), Komponist Roland Heim (* 1955), Schweizer Politiker Pit-Arne Pietz (* 1969), Film- und Theaterschauspieler Oliver Schmocker, ehemaliger Unihockeyspieler
Trivia Im Keller der Schule wohnte und arbeitete zwischen 1955 oder 1956 und 1983 der als «Kantigeist» bekannt gewordene Astronom Wilhelm Kaiser. Er interessierte sich u. a. für Anthroposophie.
Literatur Alfred Seiler u. a.: Kanti SO intakt. 175 Jahre Kantonsschule Solothurn 1833–2008. Hrsg. von der Kantonsschule Solothurn. Kantonsschule Solothurn, Solothurn 2008 und Dietschi, Olten 2008. Peter Frey, Justin Arber (Redaktion): 150 Jahre Kantonsschule Solothurn 1833–1983. Union Druck und Verlag, Solothurn 1983. Josef Reinhart: Bilder und Gestalten aus dem Leben der höhern Schule von Solothurn. Dargestellt im Auftrage des Erziehungsdepartementes. Dietschi, Olten 1933.
Weblinks
Internetpräsenz der Kantonsschule Solothurn
Einzelnachweise
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