Die Gurke (Cucumis sativus), auch als Kukumer (lateinisch Cucumer) und Gartengurke bezeichnet, ist eine Art der Gattung Gurken (Cucumis) aus der Familie der Kürbisgewächse. Sie gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Gemüsearten. Mit der unterschiedlichen Nutzung zusammenhängend werden im Wesentlichen zwei Sortengruppen unterschieden: die Salatgurke (oder Schlangengurke) und die Einlege- oder Gewürzgurke. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt hat die Gurke zum Gemüse des Jahres für 2019 und 2020 ernannt.

Wortherkunft Gurke leitet sich her von dem altpolnischen ogurek, heute ogórek [], derselben Bedeutung. Dieses bereits im frühen Mittelalter aus den slawischen Sprachen übernommene Substantiv stammt über das gleichbedeutende mittelgriechische αγγούριον, angoúrion „Gurke“ (vielleicht auch dessen Diminutivform αγγουράκι, angouráki), vom Adjektiv άγουρος, águros [], „grün, unreif (bei Früchten)“ ab, das sich aus mittelgriechisch ἄωρος, áōros [], „unzeitig, unreif“ entwickelt hat.Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München 1995, S. 487 f.; Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin 2002, S. 378. Im Deutschen ist „Gurke“ seit dem 16. Jahrhundert belegt, was zunächst auch eine Melone bezeichnete.Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Band 1, S. 1256, zitiert nach Friedhelm Sauerhoff: Etymologisches Wörterbuch der Pflanzennamen. Stuttgart 2003, S. 205.

Die lateinische und pharmazeutische Bezeichnung der Gartengurke als CucumerOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 140 („Cucumer: Cucumis sativ L., Gartengurke“). wie auch der süddeutsche Name Guckummer, bei Grimm Kukumer, geht wie italienisch cocomero, französisch concombre und englisch cucumber auf lateinisch cucumis, cucumer zurück. Wohl einer Substratsprache entstammend, ist dessen ursprüngliche Bedeutung unbekannt. Die im Mittelalter als Cucumer bezeichnete Art war im deutschen Sprachraum der Flaschenkürbis („Kürbis“); die aus dem nördlichen Ostindien stammende Gurke war hingegen wenig bekannt.Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 31 (zu Cucumer). In der Neuzeit war Gurke vor allem in Ost-, Nord- und Mitteldeutschland bis Thüringen, in West- und Süddeutschland Guckummer, Gummer oder Kukumer verbreitet.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin 2002, S. 378 s. v. Gurke; Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 11. München 1999 (= Leipzig 1873), Sp. 2585 s. v. Kukumer. Im östlichen Bayern und Österreich lautete die Dialektbezeichnung regional Umurken,Günter Bellmann: Slavoteutonica. Lexikalische Untersuchungen zum slawisch-deutschen Sprachkontakt im Ostmitteldeutschland. Berlin 1971, S. 99. in der Deutschschweiz Guggummere.Andreas Lötscher: Schweizerdeutsch. Stuttgart 1983, S. 202.

Auf der iberischen Halbinsel beruht die Bezeichnung pepino auf der Verkleinerungsform einer Bezeichnung für Kürbis (Cucurbita pepo „Gartenkürbis“). Die Herkunft des Wortes in einigen Balkansprachen (rumänisch castravete, serbokroatisch krastavac, albanisch kastraveci) geht vermutlich auf gemeinslawisch krasta „Kruste“ und damit auf die Zeit zurück, als die Gurken noch nicht glattschalig waren.Reiner Hildebrandt: Atlas Linguarum Europae (ALE). Europäische Wortgeschichte am Beispiel‚ concombre/cucumber/Gurke‘. In: Wolfgang Viereck: Verhandlungen des Internationalen Dialektologenkongresses, Teil 2. Historische Dialektologie und Sprachwandel. Bamberg 1990. Stuttgart 1993, S. 129.

Merkmale Die Gurke ist eine einjährige Pflanze, die niederliegend und kletternd wächst und dabei bis zu 4 Meter lang werden kann. Manche Zuchtsorten wachsen wesentlich gedrungener und kompakter. Die ganze Pflanze ist borstig-steif behaart. Die Blätter sind gestielt und ebenfalls rau behaart. Die Blattspreite ist dabei 7 bis 18 Zentimeter lang und gleichmäßig breit. Der Blattgrund ist herzförmig, die Spreite fünfeckig mit spitzen Enden, leicht handförmig gelappt mit drei bis fünf Lappen. Der Blattrand ist fein gezähnt. In jeder Blattachsel entspringt eine unverzweigte Ranke.

Blüten mini|Blüte im Detail Die Art ist ursprünglich getrenntgeschlechtig einhäusig (monözisch), dies gilt für die Wildformen und viele Kultursorten. Es wurden jedoch andromonözische und gynodiözische Sorten gezüchtet. Letztere bilden nur rein weibliche Pflanzen, die die Früchte ohne Bestäubung ansetzen und die dementsprechend hohen Ertrag liefern. Zur Herstellung von Saatgut und zur Züchtung wird die Bildung von männlichen Blüten durch Behandlung mit Silber-Ionen angeregt.

Die Blütenstiele sind rund und mit etwa 2 Millimeter langen Haaren besetzt. Die Kelchzipfel sind schmal-lanzettlich, gleich lang oder länger als die becherförmige Kelchröhre. Die Krone hat einen Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern und ist goldgelb. Der Fruchtknoten ist dicht mit Stachelborsten besetzt, die auf Knötchen sitzen.

Die männlichen Blüten stehen zu mehreren in den Blattachseln, wobei jeweils immer nur eine in Blüte ist. Typischerweise sind von den jeweils fünf Staubblättern je zwei verwachsen, und eines steht frei. Dadurch sind die männlichen Blüten zygomorph. Die weiblichen Blüten stehen einzeln, meist verstreut an einzelnen Knoten, bei den gynodiözischen Sorten an jedem Knoten. Blütezeit ist in Mitteleuropa Juni bis August. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Bienen, Grabwespen).

Frucht mini|Frucht der Salat- oder Schlangengurke, ganze Ansicht und Querschnitt

Die Frucht ist eine Beere. Bei der Gurke wird die äußere grüne Fruchthülle durch ein derbes cuticulaüberzogenes Gewebe des Blütenbodens gebildet, das sogenannte Rezeptakulum.Wolfgang Franke: Nutzpflanzenkunde. Thieme Verlag, Stuttgart 2007. S. 237. Sie wird 10 bis 60 Zentimeter lang. Die Form ist walzlich bis schmal-eiförmig, unterschiedlich stark gekrümmt, stielrund bis undeutlich drei- bis sechskantig. Die Oberfläche ist höckrig-warzig bis glatt. Die unreifen Früchte sind zur Zeit der Ernte grün, bei einigen wenigen Sorten auch gelb oder weiß. Das Fruchtfleisch ist meist weiß, seltener orangefarben. Zur Reife sind die Früchte je nach Sorte grün bis gelb, nicht genetzt oder orange bis braun und genetzt. In der Regel hat die Frucht drei Fruchtfächer, die jeweils zweiteilig sind und viele kleine, weiße, flache Samen tragen. Lediglich die Sorte 'Lemon' hat fünf Fruchtfächer. Sie zeichnet sich auch durch ihre gelbe Farbe aus und dadurch, dass sie die einzige andromonözische Gurkensorte ist.

Die Früchte zählen lebensmitteltechnisch zu den Fruchtgemüsen.Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. 2. Auflage, 2011, ISBN 978-3-7091-0210-7, S. 379 f.

Genetik Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14. Die Gurke ist eine von wenigen Arten, bei der das Gen für die große Untereinheit der RuBisCO (rbcL) vom Genom des Plastiden in das mitochondriale Genom übertragen wurde. Letzteres ist ungewöhnlich groß und enthält große Mengen an repetitiver DNA.Susanne S Renner, Hanno Schaefer, Alexander Kocyan: Phylogenetics of Cucumis (Cucurbitaceae): Cucumber (C. sativus) belongs in an Asian/Australian clade far from melon (C. melo) BMC Evolutionary Biology 2007, Band 7, 58. doi:10.1186/1471-2148-7-58

Verbreitung und Herkunft Die vermutliche Wildform der Gurke, die Varietät hardwickii, ist in Indien beheimatet. Die Kulturformen werden heute weltweit angebaut und sind gelegentlich auch verwildert. Diese unbeständig verwilderten Vorkommen sind in Mitteleuropa auf frische, nährstoffreiche Standorte mit lockeren Böden in der kollinen Höhenstufe beschränkt. In Österreich ist sie nur sehr selten verwildert zu finden.Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.

Die Heimat der Gurke liegt wahrscheinlich in Indien, wo sie etwa um 1500 v. Chr. domestiziert wurde. Die hier heimische Varietät Cucumis sativus var. hardwickii ist mit den Kulturformen frei kreuzbar. Von Indien hat sie sich in alle warmen Gebiete der Alten Welt ausgebreitet. Aus dem Irak sind Beschreibungen der Gurke aus der Zeit um 600 v. Chr. bekannt, aus dem Mittelmeergebiet von 200 v. Chr. Einige Forscher vertreten die Auffassung, dass die Gurke in Ägypten nicht nur aus der Amarna-Zeit,Barry Kemp: Tell El-Amarna, in: The Journal of Egyptian Archaeology Vol. 93, 2007, 62Jane M. Renfrew: Preliminary Report on the Botanical Remains. In: Barry J. Kemp, Egypt Exploration Society: Amarna reports, Band 2, S. 176 ff. sondern sogar schon zur Zeit des Alten Reiches bekannt war.Hermann Junker (Hrsg.): Giza VI. Grabungen auf dem Friedhof des Alten Reiches. Band VI. Wien/Leipzig 1943, S. 45, S. 118 f. Jedoch ist die eindeutige Identifikation von Gurken auf bildlichen Darstellungen oder bei archäologischen Samenfunden unsicher; es kann sich hierbei auch um eine Melonenart gehandelt haben.Mary Anne Murray: Fruits, Vegetables, Pulses, and Condiments, in: Paul T. Nicholson, Ian Shaw (Hrsg.): Ancient Egyptian Materials and Technology, Cambridge 4. Aufl. 2006, ISBN 0-521-45257-0, S. 635 f.Andreas Emmerling-Skala: . Kassel 2002, ISBN 3-89792-088-3, S. 11 f. Dies gilt ebenso für die in vielen Bibelübersetzungen „Gurke“ genannten Pflanzen kishuim und mikshah (4. Mose : קשאים; Jesaja : מקשה), bei denen es sich um die Melone handeln muss.Michael Zohary: Pflanzen der Bibel. Calwer Verlag, Stuttgart 1995, S. 86, ISBN 3-7668-3397-9. Bei den Römern war die Gurke weit verbreitet und beliebt. Plinius der Ältere nennt sie das Lieblingsgemüse des Kaisers Tiberius und erwähnt, dass die für ihn bestimmten Gurken sogar bei Schlechtwetter hinter Glaswänden geschützt wurden.Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch XIX, Kapitel 23, zitiert nach: Die Naturgeschichte des Caius Plinius Secundus. Band 1, Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-144-5, S. 869.M. Pitrat, M. Chauvet, C. Foury: Diversity, history and production of cultivated cucurbits. In: K. Abak, S. Büyükalaca: Proceedings of the First International Symposium on Cucurbits. Acta Horticultae, Band 492, 1999, S. 21–29.

Systematik Die systematische Stellung der Art innerhalb der Gattung Cucumis war lange unklar, da die einzigen Arten, die ebenfalls einen Chromosomensatz von n=7 haben, in Afrika beheimatet sind, die Herkunft der Gurke aber immer schon eher in Indien angenommen wurde. DNA-Sequenzanalysen haben gezeigt, dass die nächste Verwandte der Gurke Cucumis hystrix ist, die über 12 Chromosomen verfügt. Bei der Gurke sind die 7 Chromosomen wesentlich größer als bei Cucumis hystrix. Sechs sind metazentrisch, eines submetazentrisch. Die nächsten Verwandten dieser beiden Arten sind die bis vor kurzem in eigenen Gattungen geführten Cucumis ritchiei (Syn. Dicoelospermum ritchiei ) und Cucumis maderaspatanus (Syn. Mukia maderaspatana )Hanno Schaefer: Cucumis (Cucurbitaceae) must include Cucumella, Dicoelospermum, Mukia, Myrmecosicyos, and Oreosyce: a recircumscription based on nuclear and plastid DNA data. Blumea, Band 52, 2007, S. 165–177.

Wirtschaftliche Bedeutung mini|Anbau unter Folie in der Provinz Almería Produktion Im Jahr 2023 wurden laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit 97.814.093 Tonnen Gurken (einschließlich Gewürzgurken) geerntet. Die zehn größten Produzenten ernteten zusammen 91,1 % der Welternte. China allein brachte 82,0 % der Welternte ein. Die größten EU-Produzenten waren Spanien und Polen. Die Werte von Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zum Vergleich aufgeführt.